Interlude

Jul. 16th, 2011 03:24 pm
[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Dean
Challenge: Karte 2, Challenge: Joker (für mich)
Fandom: Arashi
Disclaimer: Eigentum von JE, ich leihe sie mir nur aus und gebe sie anschließend zurück.
Genre: Slash, Pseudo!Krimi
Pairing: Aiba/Nino
Warnung: /
Wörter: 988
Kommentar: Namen in japanischer Reihenfolge Nachname-Vorname
Der obligatorische Teil, in welchem der Reporter Detektiv spielen will
Teil 1, Teil 2



Es war, als hätte ihn jemand in einen durchsichtigen Karton gesteckt und stehenlassen. Die Enge schnitt ihm die Luftzufuhr ab und das einzige, was irgendwie zu funktionieren schien, waren seine Augen. Ein staubiger Schulhof tat sich vor ihm auf, in der Sommersonne gleißend und drei Gestalten in einem grellen Licht badend, dass es sich anfühlte, als würde er augenblicklich erblinden.

Aiba lag am Boden, die Hose zwischen den Fußgelenken, beinahe regungslos. Nur das unregelmäßige Heben und Senken seines Brustkorbes erschütterten ihn. Er sah aus wie immer, aber Jun wusste, der Junge sollte gerade mal vierzehn oder fünfzehn Jahre alt sein.
Über ihm erhoben sich die streitenden Formen von Sakurai und Ninomiya, ein Gemisch aus dünnen Armen und Beinen und Zorn und Schmerzen. Worte flogen durch die Luft, gefolgt von Fäusten.
Er verharrte in seiner stickigen, durchsichtigen Kiste und betrachtete, wie Sakurai Ninomiya in den Bauch trat, dass dieser nach vorne einklappte wie ein Schnappmesser, nach Luft rang, und immer wieder getreten wurde bis sich das Bild rot einfärbte.

Jun erwachte etwa eine gefühlte Ewigkeit später aus diesem Traum, verstört und regungsunfähig. Zwischen seinen Beinen war es feucht und warm.




“Du hast ein Problem mit Sakurai Sho!”

Ninomiya schaute langsam hoch von seinem Feuerzeug, mit dem er bis eben versucht hatte, die Zigarette in seinem Mundwinkel anzuzünden. Er blinzelte schweigend- wie in einem Clint Eastwood-Film, dann guckte er wieder runter und schüttelte an dem Feuerzeug herum. Offensichtlich war es leer.

„Ist das eine Feststellung? Eine Überschrift für irgendwas? Ein Kalauer?“, nuschelte er mit schiefen Mundwinkeln.
„Oder soll ich irgendwo unterschreiben?“

Jun wollte sich die Haare raufen.
„Nein, mir ist da nur so etwas in der Art zu Ohren gekommen.“
„Ach.“
Nino nahm einen tiefen Zug und blies lässig grauen Qualm durch die feinen Nasenlöcher.
„Masaki konnte mal wieder seinen Mund nicht halten.“
„Doch, konnte er, sonst wüsste ich ja jetzt, was es damals mit euch dreien in der Schule auf sich hatte“, protestierte Jun.
„Du bist ein echt lausiger Journalist wenn du aus ihm kein Sterbenswörtchen rausbekommst.“
Nino lachte tonlos.


Jun konnte nichts gegen das Szenario in seinem Kopf tun: Sakurai hatte Ninomiya und Aiba auf der Schultoilette erwischt. Sakurai hatte Aiba unsägliche Dinge angetan. Ninomiya und Sakurai hatten sich daraufhin beinahe umgebracht. Für ersteren gab es den Schulrauswurf, letzterer kam ungeschoren davon. Einfluss des Vaters und so weiter. Vorspulen. Ninomiya hasste Sakurai mit der Glut von tausend Sonnen. Ninomiya brachte die Katos um, damit Sakurai ins Gefängnis kam, stellvertretend für eine Tat, die er zuvor nie hatte büßen müssen.
Es passte perfekt.
Die Idee wuchs, formte sich aus, wurde farbig und wurde mit jeder Sekunde lebendiger.
Er verbrachte die verschlafenen Abende in der Redaktion auf seinen Laptop starrend und an Bleistiften herumkauend bis sich seine Lippen verfärbten.
Es schien, als habe man damals diese Gegebenheiten in dem kleinen Bezirk totgeschwiegen. Vielleicht hatte Sakurais Familie damit zu tun, vielleicht auch die Schule.
Er verfolgte Zeitungsartikel zurück und fand nichts. Es war frustrierend und Jun freute sich einmal mehr, dass er kein Polizist geworden war.

„Guten Tag, mein Name ist Matsumoto.“
Jun probierte sein hinreißendstes Lächeln, doch die Dame im Schulsekretariat konnte das über das Telefon nicht sehen und womöglich weigerte sie sich, es zu hören.
„Wie kann ich Ihnen helfen?“, nuschelte sie gezwungen höflich.
„Ich schreibe für die Taito Maishu Shimbun und ich hätte gerne gewusst-“
„Wir geben keine Informationen über Schüler heraus“, brach sie ihn ab.
„Eigentlich geht´s nicht direkt um Schüler, wissen Sie.“
„Über ehemalige Schüler geben wir auch nichts raus.“
„Aber es geht um Sakurai Sho“, rief Jun und seine Stimme durchbrach die geschäftige Stille im Büro. Ein paar Köpfe drehten sich irritiert zu ihm um.
„Er hat für die Kommunalwahl kandidiert und nun sitzt er im Gefängnis und wenn er unschuldig ist, müssen Sie ihm helfen. Ich bitte Sie!“
„Junger Mann, es tut Leid, ich kann da nichts tun.“
Im nächsten Augenblick piepte Jun der Besetztton entgegen.
Ungläubig starrte er den Hörer an.
Der Chefredakteur lief beschäftigt mit einem Packen Akten hinter seinem Stuhl vorbei und Jun konnte ihn leise „Trottel“ murmeln hören.



„Okay, helfen Sie mir!“
Jun legte eine Hand bittend an die gelöcherte Scheibe, die Sakurais Welt von seiner abtrennte. In der einen gab es graue Wände, Gitterstäbe und Schlüsselklingeln, in der anderen Handypiepen, Verwirrung und etwas, was die meisten Menschen `Freiheit´ nannten.
„In der Schule wollte man mir keine Information zukommen lassen...und meine Redaktion hat mir da auch nicht unbedingt geholfen.“ Er nuschelte zur Seite.
Sakurai zog die Augenbrauen hoch;
„Schule? Wieso Schule?“
„Ihre ehemalige Oberschule“, sagte Jun und ruckelte nervös an seiner Brille herum.
„Was hat meine Schule mit dem Mordfall zu tun?“
Es war das erste Mal, dass Jun in Sakurais Stimme das immerwährende Donnern in einer leisen Version vernehmen konnte. Schule war wohl ein wunder Punkt.
„Vielleicht mehr als man anfangs denkt“, entgegnete Jun.
„Ihnen sagen Aiba Masaki und Ninomiya Kazunari doch sicherlich noch etwas.“
Er hielt den Atem an.
Und tatsächlich- über Sakurais Gesicht flackerten sofort mehrere verschiedene Ausdrücke, die man irgendwo zwischen Verärgerung, Irritation und Schock hätte einordnen können. Jun grinste innerlich- so professionell war der Typ noch gar nicht.
„Ja, dunkel erinnere ich mich an sie. Wieso?“
Jun beugte sich vor.
„Was für eine Beziehung haben sie zu den beiden gehabt?“
Das war der Moment, in dem Sakurai etwas seltsames tat: Er rümpfte die Nase. Nur ein wenig, aber es war Jun nicht entgangen.
„Ich wüsste nicht, was Sie das anginge.“, sagte er ruhig, aber das Grollen in seiner Stimme wurde lauter.
„Es hat nichts mit den Katos zu tun, es hat nichts mit mir zu tun und daher schon gar nichts mit Ihnen!“


Als Jun aus dem Gefängnis trat, hatte er Kopfschmerzen. Er konnte nichts dagegen tun, Sakurai irgendwie für seinen Starrsinn (oder Durchsetzungsfähigkeit, wie man es positiv ausdrücken konnte) zu bewundern.
Andererseits gingen ihm die Quellen aus.
Worüber schrieb man, wenn sämtliche Seiten sich weigerten, ihm irgendwelche Informationen zukommen zu lassen?

To be continued...

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