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Team: Hendrix
Autor: Jenchan
Titel: Kulturschock
Challenge: Karte 2 - Nicht falsch, nur anders (für mich)
Fandom: Original (Hugh-versum)
Charaktere: Hugh, Eliza
Wörter: 1471
Warnings: unbetaed, nicht Korrektur gelesen
Disclaimer: Alles meins, bis auf den Plot, den ich von einer Freundin gespendet bekommen habe.
Continuation: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3

Kommentar: Irgendwie mag Eliza irgendwie. Ich glaube, sie wird Hugh noch eine große Stütze werden.


Kulturschock

Hugh versuchte nicht die Nase zu rümpfen, als sie ein kleines Lokal betraten. Er konnte deutlich den kläglichen Versuch sehen, der unternommen worden war, eine italienische Atmosphäre zu schaffen. Die Wände waren zum Teil vertäfelt, aber das Holz war in einem schrecklichen Zustand. Die Wände waren vergilbt und die Sitzpolster der Bänke und Sessel waren durchgesessen und abgenutzt.
Unter anderen Umständen hätte er spätestens jetzt umgedreht und hätte sich ein andere Restaurant gewählt. Wenn er dazu noch schlechte Laune gehabt hätte, hätte er diesem Restaurant mitunter noch das Marktamt auf den Hals gehetzt.
So aber konnte er sich innerlich nur darauf vorbereiten diese Erfahrung durchzustehen. Mit diesem Vorsatz setzte er sich an den Tisch und Eliza gegenüber. Sein Haltung war steif und aufrecht und er nickte dem Kellner höflich zu, der ihnen die Karte reichte und die Kerze am Tisch anzündete.
"Du fühlst dich hier nicht wohl, oder?", fragte Eliza und Hugh schlug demonstrativ die Karte auf und suchte erst einmal die Getränke. In seinen Augen war die Aufteilung der Karte wirklich misslungen. Wer begann denn bitte mit den Speisen, wenn die Getränke zuerst bestellt wurden?
"Es ist in der Tat nicht annähernd damit vergleichbar, was ich überlicherweise als Mittagstisch bevorzuge", erwiderte er diplomatisch. "Es ist also eine neue Erfahrung für mich."
Er sah von der Karte auf und Eliza schenkte ihm ein Lächeln, dass er vorsichtig erwiderte. "Ich vertraue Ihnen, was Ihr Urteil des Essens wegen betrifft." Auch wenn das Umfeld ihm doch ein wenig den Appetit raubte.
"Das kannst du ruhig. Das hier sind die besten Pizzen der Stadt", ereiferte sich Eliza und schlug nun auch endlich ihre Karte auf. Dann kam auch schon der Kellner und bat um die Getränkebestellung. Sicherheitshalber hielt sich Hugh an Wasser. Ohne Kohlensäure, da man davon nur rülpsen musste und das wollte er schon gar nicht in Gesellschaft einer Dame riskieren.
"Sie scheinen mir auch nicht gerade der risikofreudige Typ zu sein", versuchte Eliza ein Gespräch aufzubauen und Hugh dachte über ihre Aussage nach.
"Ich schätze, das kommt ganz auf die Situation an und die Konsequenzen, die ein Erfolg oder ein Versagen mit sich bringen." Es war schwer sich auf die Karte und das Gespräch gleichzeitig zu konzentrieren, weshalb er die Karte wieder sinken ließ und stattdessen seine Begleitung ansah.
Eliza war in der Tat eine sehr hübsche junge Frau und zu seinem Leidwesen fügte sie sich in das Ambiente dieses schäbigen Restaurants weit besser ein, als er in seinem teuren Designeranzug. Er fühlte sich ein wenig Fehl am Platz, aber er würde das durchstehen.
"Aber ich hoffe, dass unser gemeinsames Essen eine positive Erfahrung wird." Er konnte im Moment jedenfalls sehr gut ein war gute Erlebnisse gebrauchen.
Das Lächeln, das er nun bekam, war warmherzig und brachte ihn dazu, sich ein wenig zu entspannen, auch wenn seine Haltung korrekt blieb. Nachdem er dann noch dem Kellner gedankt hatte, der ihnen ihre Getränke auf den Tisch stellte, wandte er sich wieder der Karte zu. Schließlich aber fragte er dann doch: "Gibt es etwas, dass Sie mir empfehlen können?" Es gab hier definitiv noch einiges, was er lernen musste.

Entgegen was Hugh erwartet hatte, roch das Essen köstlich. Die Pizza war reichhaltig und gleichmäßig belegt. Die Aromen hatten sich gut miteinander vermischt, was bedeutete, dass von nichts zuviel oder zuwenig drauf war. Auch war das Gericht von ansprechender Farbe und ertrank nicht in irgendwelchen öligen Flüssigkeiten.
Eindeutig, wie es sich gehörte.
"Nun denn. Ich wünschen Ihnen einen guten Appetit, Eliza", sah er seine Begleitung an, die ebenfalls eine Pizza serviert bekommen hatte. Ihre braun-grünen Augen erstrahlten regelrecht hungrig und lebhaft, als sie ihre Mahlzeit in Augenschein nahm.
Dann lächelte sie breit und erwiderte: "Mahlzeit."
Hugh war etwas erstaunt über die vielen Facetten dieser Frau, die er nun schon zu sehen bekommen hatte. Ein Hinweis darauf, dass hinter Eliza noch viel mehr steckte? Vielleicht war sie ja tatsächlich der optimalste Beginn seiner Sozialstudien.
Er nahm sein Besteck in die Hand und begann ein mundgerechtes Stück von seiner Pizza abzusäbeln. Anders konnte Hugh diese Tätigkeit nicht beschreiben, denn das zur Verfügung gestellte Messer eignete sich gewiss nicht einmal dazu, Butter auf einem Stück Brot zu verteilen. Aber es käme ihm auch seltsam vor, wenn er nun den Kellner rief, damit dieser ihm ein schärferes, geeigneteres Messer brachte. Er war hier Kunde wie jeder andere und er wollte nicht mehr auffallen, als er ohnehin schon tat.
"Schmeckt es ihnen?", fragte Eliza, als er es gerade einmal geschaffte hatte, ein drittes Stückchen mit der Gabel aufzuspießen und sich in den Mund zu schieben. Sie schien da wesentlich schneller voranzukommen, was wohl auch daran lag, dass sie große Stücke abschnitt und diese dann mit der Hand aß.
Etwas, das Hugh dazu veranlasst hatte, sich ausschließlich auf seine eigene Pizza zu konzentrieren. "Sie ist besser als ich es vermutet hätte", gab er allerdings bereitwillig zu und aß langsam weiter, seinen Blick stetig auf seine Pizza gesenkt oder auf das Glas Wasser, wenn er einen Schluck nahm.
So bekam er nicht mit, dass Eliza irgendwann aufhörte zu essen und ihn einfach nur beobachtete. Erst als sie sich räusperte, hob er wieder den Blick und sah sie an. Sie wirkte verlegen und etwas beschämt.
"Ich glaube langsam, das hier war doch keine so gute Idee..."
Hugh hob verwirrt die Augenbrauen. Hatte er etwas falsch gemacht?
"Das Essen ist sehr gut, wie sie es gesagt hatten", erwiderte er und legte das Besteck beiseite. Er hatte bestimmt gerade mal erst ein Viertel seiner Pizza geschafft und wusste irgendwie, dass er wahrscheinlich gar nicht alles runterbringen würde.
"Okay, ich mein, ich will dir echt nicht vor den Kopf stoßen oder so... aber es ist ganz offensichtlich, dass du dich nicht wohl fühlst. Du kannst ruhig sagen, wenn dir etwas nicht passt." Hugh erkannte einen feurigen Glanz in den Augen seiner Begleitung, der von einem unglaublichen Temperament zeugte.
"Ich versichere Ihnen, Eliza. Es ist alles in Ordnung. Ich hatte doch schon erwähnt, dass ich diese Art von Restaurants nicht gewöhnt bin", erklärte er ruhig und fragte sich verwirrt, wieso es auf einmal so wirkte, als hätten sie eine Meinungsverschiedenheit zwischen Liebenden.
Eliza schnaufte. "Die ganze Zeit sitzt du da, als hättest du einen Stock verschluckt und wenn es dann ums Essen geht, schafft du es nicht einmal, deinen Kopf zu heben? Es ist keine Schande, Pizza mit den Händen zu essen. In Indien isst man fast alles mit den Händen, also wo liegt das Problem?"
Hugh legte sein Besteck zur Seite, wischte sich Hände und Mund ab, bevor er einen Schluck von seinem Wasser nahm. Er tat es in demonstrativer Ruhe, auch um den eigenen aufblubbernden Gefühlen etwas Herr zu werden. Er wollte hier wirklich nicht Teil einer Szene werden.
"Entschuldigen Sie, dass es da, wo ich herkomme, einfach nicht üblich ist, die Hände zum Essen zu verwenden. Die technische Entwicklung des Bestecks hat durchaus seinen berechtigten Sinn."
"Dann solltest du dich lieber schnell daran gewöhnen, dass hier das Leben ein wenig anders läuft. Du hast gestern schon einen bedenklich schlechten Start hingelegt und wenn du dich nicht noch lächerlicher machen möchtest, wäre es vielleicht an der Zeit, dich etwas mehr anzupassen."
Gestern. Wer von den Personen war sie gewesen? Es waren einige junge Frauen dagewesen, aber er konnte keine mehr so richtig ins Gedächtnis rufen. Aber dafür konnte er sich noch gut an das Gefühl erinnern, als er die Türe hinter sich geschlossen hatte und er wusste, dass Eliza recht hatte.
"Was schlagen Sie vor, dass ich mache?", lenkte er also ein, in einem Versuch, die Spannung zwischen ihnen etwas aufzulockern. "Ich habe nicht das Gefühl, dass der Fehler bei mir liegt", fuhr er fort. "Höflichkeit kann niemals falsch sein."
Eliza schüttelte den Kopf und seufzte tief, als hätte er etwas Dummes gesagt. "Hier geht es nicht um falsch oder richtig. Du verhältst dich vorbildlich. So, wie man es in deinem üblichen Umfeld nun einmal tut", erklärte sie und sah ihn mit einem wehmütigen Lächeln an. "Aber das hier ist anders. WIR sind anders. Und für uns wirkt dein Auftreten einfach nur... übertrieben. Es ist nicht falsch, ein gewisses Maß an Höflichkeit zu haben. Aber genauso wenig falsch ist, die Hände zum Pizzaessen zu benutzen oder laut zu fluchen, wenn einem etwas auf Füße fällt, verstehst du?"
Hugh dachte darüber nach und ging in Gedanken all die Situationen durch, in denen er nur zu gerne laut geflucht hätte, es sich selbst aber verboten hatte. Ihm wurde Zurückhaltung eingetrichtert und er hatte es so sehr verinnerlicht, dass er sich fragte, ob er überhaupt zu lauten Fluchtworten fähig war. Aber zumindest verstand er, was Eliza ihm sagen wollte.
Also nickte er, nahm sein Besteck in die Hand und sah seine Pizza nachdenklich an, bevor er sich ein größeres Stück absäbelte und nach einem kurzen Zögern in die Hand nahm.
Eliza schenkte ihm dafür ein besonders bezauberndes Lächeln.


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