(no subject)
Jul. 13th, 2011 11:24 pmTeam: Joplin
Challenge: Juli-Karte 1 / Genie und Wahnsinn (für mich)
Titel: Sektor Fünf
Fandom: Original
Wörter: ~1000
Summary: Nach dem Ende der Welt wie wir sie kennen werden sogenannte Jäger damit betraut, Medien aufzuspüren, die durch ihre Verbindung in die tieferen Schichten der Wirklichkeit das labile Gleichgewicht der Welt in Gefahr bringen. (Teil 1)
Es ist der Abend des dritten Tags, den Silas und Armand im Fünften Sektor mit ihren Ermittlungen verbracht haben, und noch haben sie keine Spur des vermeindlichen Mediums gefunden. Statt dessen fanden sie eine Vielzahl trauriger Geschichten.
Vor Jahren war der Fünfte Sektor eine Goldgrube vergangener Schätze gewesen. Errichtet auf den Ruinen der Alten Zivilisation hatte man hier unmengen antiker Werkzeuge und Artefakte ausgegraben. Ganze Automotoren und halbwegs funktionsfähige Röhrenbildschrime wurden geborgen, aber heute waren die Quellen versiegt. Der Fünfte Sektor war ausgeschöpft.
Dementsprechend traurig waren die Ansichten hier. Die Menschen, die her gekommen waren um ihr großes Glück zu finden waren verarmt und verzweifelt, denn um eine Umsiedlung in einen anderen Sektor zu beantragen brauchten sie Geld, und um Geld zu erlangen brauchten sie Waren, die man gegen Geld umtauschen könnte. Die Hauptwährung unter den Bewohnern des Sektors war alles, was einem helfen konnte die Aussichtslosigkeit der eigenen Situation zu vergessen. Armand hatte darum mehrfach betont, dass Silas sich mit seinem Sehen zurückhalten sollte, aber das hatte den jungen Seher nur gekränkt und angespornt das exakte Gegenteil zu tun.
Die große Schwierigkeit, die mit dem Sehen einhergeht ist, dass man nicht gleichzeitg sehen und nicht-sehen kann. So tautologisch es klingt, so problematisch ist es. Während sie durch den heruntergekommenen Sektor stapften, und Armand nicht viel mehr tun musste als gelegentlich ein paar Runensteine in die Luft zu werfen, oder ein wenig Staub aufzuwirbeln um zu erkennen ob die Kosmischen Gesetze sich noch in ihrem gewöhnlichen Ungleichgewicht befanden, fasste Silas jede auch noch so geringfügig verdächtige Person genau in seine Seheraugen, blickte durch sie hindurch und bis auf ihr Inneres. Er sah die Strömungen des Bewußtseins seines Gegenüber, musste jedes Detail seiner Psyche erfassen um festzustellen, wie tief dieses Bewußtsein in das Unterbewußtsein der Welt wurzelte. Es war ein höchst nützliches Talent, da konnte man nichts gegen einwenden.
Wollte Armand ein Medium aufspüren, so musste er auf ein kompliziertes und langwieriges Aussiebverfahren vertrauen. Für Silas dagegen genügte ein Blick, um mit Bestimmtheit sagen zu können, ob sein Gegenüber in Verbindung mit den tieferen Schichten der Realität stand oder nicht, aber es hatte seine Nachteile. Jedes Objekt seiner Betrachtung offenbarte dem Seher sein Wesen, mit all seinen Schluchten und Abgründen
Es ist der Abend des dritten Tags, den sie im Fünften Sektor mit ihren Ermittlungen verbracht haben, und Armand sitzt, die Beine ins Freie baumelnd, eine Zigarette zwischen den Lippen, auf der Fensterbank ihres Zimmers. Aus dem Augenwinkel beobachtet er Silas, der auf dem Fußboden neben seiner Pritsche kauert, die Arme um die Beine geschlungen, die Nase zwischen seinen Knien vergraben. Armand ist sich nicht sicher, ob der Junge weint oder zittert, oder beides tut, er ist sich noch unsicherer ob er zu ihm hingehen sollte und sich irgendwie um ihn kümmern. Armand hat nicht sonderlich viel Übung im Kümmern. Er weiß, aus Beobachtungen, dass es meistens mit Berührungen einhergeht, einem Arm um die Schultern des zu bekümmernden etwa, aber Armand ist nicht gerade die sorte Mensch, die man berührungsfreudig nennen würde. Also bleibt er auf der Fensterbank sitzen, klopft eine weitere Zigarette aus ihrer Schachtel, lässt sein Feuerzeug mit einem Klack aufspringen und seine Beine aus dem Fenster baumeln. Er ist wütend auf Ira, die ihm Silas für diese Mission an die Seite gestellt hat, obwohl sie hätte wissen müssen, welche Belastung das Sehen all der unglücklichen Seelen, die den Fünften Sektor bevölkern, bedeutet. Und er ist wütend auf sich, weil er den Jungen dahin getrieben hat wo er jetzt ist.
Hätte Armand zu Beginn ihrer Ermittlungen nur ein bisschen mehr Vertrauen in Silas Fähigkeiten gezeigt, hätte anerkannt dass er, um mit seinen knappen fünfzehn Jahren bereits ins Feld geschickt zu werden, weit begabter sein musste als die meisten Seher mit Erfahrung, er hätte in Silas nicht das Bestreben erweckt sich beweißen zu müssen.
Das knarzen der Dielen holt Armand aus seinen Gedanken zurück in die Wirklichkeit. Er sieht zu, mit dem größten Bestreben dies unauffällig zu tun, wie Silas sich langsam aus seiner kauernden Position erhebt, unstet, sich mit einer Hand an der Wand haltend, stehen bleibt, dann mit dem Ärmel seiner Jacke, die er immer noch nicht ausgezogen hat, Tränen und Rotz aus seinem rot verquollenen Gesicht wischt. Ganz Kind, denkt Armand, und versucht sich zu erinnern wie er mit fünfzehn Jahren war. Er schüttelt den Kopf. All die emotionalen wie hormonellen Verwirrungen dieses Lebensabschnitts mit den Lasten einer Kolonie gescheiterter Existenzen anzureichern übersteigt seine Vorstellungskraft. Er schnippt den zweiten Zigarettenstummel hinaus ins Dunkel.
„Alles okay?“, wendet er sich an Silas und fragt sich im selben Moment, ob er wohl irgend sonst etwas noch weniger empathisches hätte hervor bringen können.
„Hm“
Silas schluckt. Für einen Augenblick fürchtet Armand, dass er sich übergeben wird, aber der Junge nickt nur und beginnt unsicheren Schrittes auf das Fenster zu zu gehen.
„Darf ich?“, fragt er kleinlaut und hält in einer zitternden Hand bereits Armands Zigarettenschaftel.
Armand verzieht das Gesicht, möchte schon etwas sagen von wegen zu jung, verkneift sich den Kommentar dann aber und rückt statt dessen zur Seite um neben sich Platz zu schaffen.
Eine Zigarettenlänge sitzen sie schweigend nebeneinander und blicken hinaus, auf die dunklen Hütten, zwischen denen sich dunkle Gestalten her schleppen.
„Ich bin vollkommen nutzlos“, murmelt Silas schließlich, und sieht der Glut hinterher, wie sie in die Tiefe stürzt und endlich in einer Pfütze ertrinkt.
Armand weiß nicht was er darauf antworten soll. Vor zwei Tagen noch hätte er dieser Behauptung zugestimmt, und wenn nur um den Jungen zu ärgern, aber jetzt, wie sie so auf dem Fensterbrett sitzen, überkommt ihn nur eine Angst, eine Angst die er so gar nicht von sich kennt, dass Silas, mit all den Eindrücken der Nutzlosigkeit, die er in den vergangenen Tagen aufnehmen musste, womöglich in Erwägung zieht es der Glut gleich zu tun, und sich aus dem Fenster des Kasernenturms fallen zu lassen. All seine Berührungsängste überwindend, bringt Armand sich dazu , zugegebenermaßen etwas ungelenk, seinen Arm um den Jungen zu legen.
„Unsinn“, sagt er und hofft, dass seine Stimme genau jenes, sehr geringe Maß an Väterlichkeit hält, das bei einem Fünfzehnjährigen von Nöten ist, „Wenn überhaupt bin ich nutzlos, dass ich dich so auflaufen lasse.“
Challenge: Juli-Karte 1 / Genie und Wahnsinn (für mich)
Titel: Sektor Fünf
Fandom: Original
Wörter: ~1000
Summary: Nach dem Ende der Welt wie wir sie kennen werden sogenannte Jäger damit betraut, Medien aufzuspüren, die durch ihre Verbindung in die tieferen Schichten der Wirklichkeit das labile Gleichgewicht der Welt in Gefahr bringen. (Teil 1)
Es ist der Abend des dritten Tags, den Silas und Armand im Fünften Sektor mit ihren Ermittlungen verbracht haben, und noch haben sie keine Spur des vermeindlichen Mediums gefunden. Statt dessen fanden sie eine Vielzahl trauriger Geschichten.
Vor Jahren war der Fünfte Sektor eine Goldgrube vergangener Schätze gewesen. Errichtet auf den Ruinen der Alten Zivilisation hatte man hier unmengen antiker Werkzeuge und Artefakte ausgegraben. Ganze Automotoren und halbwegs funktionsfähige Röhrenbildschrime wurden geborgen, aber heute waren die Quellen versiegt. Der Fünfte Sektor war ausgeschöpft.
Dementsprechend traurig waren die Ansichten hier. Die Menschen, die her gekommen waren um ihr großes Glück zu finden waren verarmt und verzweifelt, denn um eine Umsiedlung in einen anderen Sektor zu beantragen brauchten sie Geld, und um Geld zu erlangen brauchten sie Waren, die man gegen Geld umtauschen könnte. Die Hauptwährung unter den Bewohnern des Sektors war alles, was einem helfen konnte die Aussichtslosigkeit der eigenen Situation zu vergessen. Armand hatte darum mehrfach betont, dass Silas sich mit seinem Sehen zurückhalten sollte, aber das hatte den jungen Seher nur gekränkt und angespornt das exakte Gegenteil zu tun.
Die große Schwierigkeit, die mit dem Sehen einhergeht ist, dass man nicht gleichzeitg sehen und nicht-sehen kann. So tautologisch es klingt, so problematisch ist es. Während sie durch den heruntergekommenen Sektor stapften, und Armand nicht viel mehr tun musste als gelegentlich ein paar Runensteine in die Luft zu werfen, oder ein wenig Staub aufzuwirbeln um zu erkennen ob die Kosmischen Gesetze sich noch in ihrem gewöhnlichen Ungleichgewicht befanden, fasste Silas jede auch noch so geringfügig verdächtige Person genau in seine Seheraugen, blickte durch sie hindurch und bis auf ihr Inneres. Er sah die Strömungen des Bewußtseins seines Gegenüber, musste jedes Detail seiner Psyche erfassen um festzustellen, wie tief dieses Bewußtsein in das Unterbewußtsein der Welt wurzelte. Es war ein höchst nützliches Talent, da konnte man nichts gegen einwenden.
Wollte Armand ein Medium aufspüren, so musste er auf ein kompliziertes und langwieriges Aussiebverfahren vertrauen. Für Silas dagegen genügte ein Blick, um mit Bestimmtheit sagen zu können, ob sein Gegenüber in Verbindung mit den tieferen Schichten der Realität stand oder nicht, aber es hatte seine Nachteile. Jedes Objekt seiner Betrachtung offenbarte dem Seher sein Wesen, mit all seinen Schluchten und Abgründen
Es ist der Abend des dritten Tags, den sie im Fünften Sektor mit ihren Ermittlungen verbracht haben, und Armand sitzt, die Beine ins Freie baumelnd, eine Zigarette zwischen den Lippen, auf der Fensterbank ihres Zimmers. Aus dem Augenwinkel beobachtet er Silas, der auf dem Fußboden neben seiner Pritsche kauert, die Arme um die Beine geschlungen, die Nase zwischen seinen Knien vergraben. Armand ist sich nicht sicher, ob der Junge weint oder zittert, oder beides tut, er ist sich noch unsicherer ob er zu ihm hingehen sollte und sich irgendwie um ihn kümmern. Armand hat nicht sonderlich viel Übung im Kümmern. Er weiß, aus Beobachtungen, dass es meistens mit Berührungen einhergeht, einem Arm um die Schultern des zu bekümmernden etwa, aber Armand ist nicht gerade die sorte Mensch, die man berührungsfreudig nennen würde. Also bleibt er auf der Fensterbank sitzen, klopft eine weitere Zigarette aus ihrer Schachtel, lässt sein Feuerzeug mit einem Klack aufspringen und seine Beine aus dem Fenster baumeln. Er ist wütend auf Ira, die ihm Silas für diese Mission an die Seite gestellt hat, obwohl sie hätte wissen müssen, welche Belastung das Sehen all der unglücklichen Seelen, die den Fünften Sektor bevölkern, bedeutet. Und er ist wütend auf sich, weil er den Jungen dahin getrieben hat wo er jetzt ist.
Hätte Armand zu Beginn ihrer Ermittlungen nur ein bisschen mehr Vertrauen in Silas Fähigkeiten gezeigt, hätte anerkannt dass er, um mit seinen knappen fünfzehn Jahren bereits ins Feld geschickt zu werden, weit begabter sein musste als die meisten Seher mit Erfahrung, er hätte in Silas nicht das Bestreben erweckt sich beweißen zu müssen.
Das knarzen der Dielen holt Armand aus seinen Gedanken zurück in die Wirklichkeit. Er sieht zu, mit dem größten Bestreben dies unauffällig zu tun, wie Silas sich langsam aus seiner kauernden Position erhebt, unstet, sich mit einer Hand an der Wand haltend, stehen bleibt, dann mit dem Ärmel seiner Jacke, die er immer noch nicht ausgezogen hat, Tränen und Rotz aus seinem rot verquollenen Gesicht wischt. Ganz Kind, denkt Armand, und versucht sich zu erinnern wie er mit fünfzehn Jahren war. Er schüttelt den Kopf. All die emotionalen wie hormonellen Verwirrungen dieses Lebensabschnitts mit den Lasten einer Kolonie gescheiterter Existenzen anzureichern übersteigt seine Vorstellungskraft. Er schnippt den zweiten Zigarettenstummel hinaus ins Dunkel.
„Alles okay?“, wendet er sich an Silas und fragt sich im selben Moment, ob er wohl irgend sonst etwas noch weniger empathisches hätte hervor bringen können.
„Hm“
Silas schluckt. Für einen Augenblick fürchtet Armand, dass er sich übergeben wird, aber der Junge nickt nur und beginnt unsicheren Schrittes auf das Fenster zu zu gehen.
„Darf ich?“, fragt er kleinlaut und hält in einer zitternden Hand bereits Armands Zigarettenschaftel.
Armand verzieht das Gesicht, möchte schon etwas sagen von wegen zu jung, verkneift sich den Kommentar dann aber und rückt statt dessen zur Seite um neben sich Platz zu schaffen.
Eine Zigarettenlänge sitzen sie schweigend nebeneinander und blicken hinaus, auf die dunklen Hütten, zwischen denen sich dunkle Gestalten her schleppen.
„Ich bin vollkommen nutzlos“, murmelt Silas schließlich, und sieht der Glut hinterher, wie sie in die Tiefe stürzt und endlich in einer Pfütze ertrinkt.
Armand weiß nicht was er darauf antworten soll. Vor zwei Tagen noch hätte er dieser Behauptung zugestimmt, und wenn nur um den Jungen zu ärgern, aber jetzt, wie sie so auf dem Fensterbrett sitzen, überkommt ihn nur eine Angst, eine Angst die er so gar nicht von sich kennt, dass Silas, mit all den Eindrücken der Nutzlosigkeit, die er in den vergangenen Tagen aufnehmen musste, womöglich in Erwägung zieht es der Glut gleich zu tun, und sich aus dem Fenster des Kasernenturms fallen zu lassen. All seine Berührungsängste überwindend, bringt Armand sich dazu , zugegebenermaßen etwas ungelenk, seinen Arm um den Jungen zu legen.
„Unsinn“, sagt er und hofft, dass seine Stimme genau jenes, sehr geringe Maß an Väterlichkeit hält, das bei einem Fünfzehnjährigen von Nöten ist, „Wenn überhaupt bin ich nutzlos, dass ich dich so auflaufen lasse.“