7. Karte 1 - Fesseln
Jul. 12th, 2011 12:56 pmTeam: Hendrix
Autor: Jenchan
Titel: Systemfehler
Challenge: Karte 1 - Fesseln (für mich)
Fandom: Original (Hugh-versum)
Charaktere: Hugh, Jared und eine Sekretärin
Wörter: 1561
Warnings: unbetaed, nicht Korrektur gelesen
Disclaimer: Alles meins, bis auf den Plot, den ich von einer Freundin gespendet bekommen habe.
Kommentar: Also ich glaube, ich habe zwei Monster geschaffen. Hugh tut mir ein wenig Leid - ich glaube, er fühlt sich gerade nicht sehr wohl in seiner Haut. Aber da muss er wohl durch.
Eine Freundin hat mir auf Anfrage die Plotidee gegeben: Ein genialer spießer und ein wahnsinniger spielwütiger, die durch einen komischen zufall zueinander finden und die ideen des anderen so erbaulich finden, dass sie ohne einander nicht mehr können.
Ich hab das Konzept ein wenig geändert, und ob sie wirklich zueinanderfinden, steht wohl in den Sternen. Mal sehen, ob sie sich nicht vorher an die Gurgel gehen.
Systemfehler
Nahezu lautlos und mit unglaublicher Präzision legte Hugh seinen Koffer auf das Bett. Seine feingliedrigen Finger zogen in einer selbstsicheren, bestimmten Art den Zipverschluss des Koffers auf und öffneten ihn. Dadurch wurde der Blick frei auf einen perfekt und sorgfältig gepackten Koffer.
Die Kleidungsstücke waren geordnet, gebügelt und gefaltet, als würden sie frisch aus der Fabrik kommen. Sie waren in geordneter Reihenfolge eingepackt, sodass Hugh sie einfach nur aus dem Koffer nehmen musste, um sie in den Schrank zur räumen.
Dessen Türen hatte er schon geöffnet, um ihn ein wenig auslüften zu lassen. Abgesehen davon war er noch einmal mit einem feuchten Tuch über die Holzplatten gefahren, damit auch wirklich alles sauber war, bevor er seine Wäsche einräumte.
Das tat er jetzt auch und arrangierte alles so, wie er es von zu Hause kannte und mochte. Er nahm sich dabei viel Zeit, weil es sich einfach so gehörte und er es mochte, wenn das Ergebnis ansehlich war.
Hugh fuhr steif zusammen, als er plötzlich ein Räuspern vernahm, kurz nachdem er einen Schritt vom Schrank zurückgetreten und diesen mit einem letzten prüfenden Blick geschlossen hatte.
"Wenn du jetzt fertig bist, kannst du deine Sachen dann ja wieder rausnehmen und in den Koffer packen. Das ist nämlich MEIN Zimmer."
Hugh gefiel dieser Ton, mit dem er da bedacht wurde, ganz und gar nicht. Er war es nicht gewöhnt, so respektlos adressiert zu werden und schon allein von der Erscheinung des anderen her, stand er gesellschaftlich weit über ihn. "Guten Tag, Herr...", grüßte er den anderen jungen Mann also demonstrativ höflich.
"Unwichtig. Verschwinde hier, ich hab nicht ewig Zeit."
"Hier liegt offensichtlich ein Irrtum vor. Auch wenn Sie nicht gewillt sind, mir ihren Namen zu nennen. Ich versichere Ihnen, Sie haben sich in der Zimmertüre oder im Wohnheimtrakt geirrt. Dieses Zimmer wurde mir offiziell zugeteilt." Daraufhin nahm Hugh seine Aktentasche zur Hand, stellte sie auf den Schreibtisch und holte eine Mappe heraus. Darin hatte er in einer Klarsichtfolie den Schrieb der Universität konserviert. Er versicherte sich noch einmal, wirklich keinen Fehler gemacht zu haben und händigte dann zum Beweis den Schrieb an diesen Rüpel aus.
Der nahm ihn mit einem skeptischen Blick auf Hugh entgegen und überflog ihn. Einmal. Zweimal. Beim dritten Mal nahm Hugh die Klarsichtfolie wieder an sich und packten den Schrieb wieder zurück in die Mappe.
"Sie sehen also, dass mir kein Irrtum unterlaufen ist. Das hier ist mein Zimmer." Hugh sah den anderen ernst an, der etwas blass geworden war. Es erfüllte ihn ein wenig mit Genugtuung und er wartete geduldig, bis der andere junge Mann sich trollte.
Das tat dieser allerdings nicht. "Das kann nur ein schlechter Scherz sein. Was für Idioten, waren denn da schon wieder am Werk? Egal - ich hab nicht vor, mein Zimmer an einen Spießer wie dich abzutreten. Also beweg deinen Arsch hier raus. Wir regeln das wie Männer."
Hugh stand einen Augenblick da, wie bestellt und nicht abgeholt. Die Wortwahl des anderen irritierte ihn, aber mehr noch ärgerte ihn dieses unhöfliche Verhalten zutiefst. Besonders, als der Typ dann auch noch ungeduldig und vollkommen ungehobelt sein Handgelenk ergriff und ihn aus dem Zimmer durch die Flure zerrte.
Beinahe hätte er sogar seine Mappe fallen gelassen.
Wie sich herausstellte, hatte der Typ nicht vor, ihn in einen Zweikampf zu verwickeln, wie Hugh anfangs noch gedacht hatte. Nach dem rüpelhaften Auftritt, hätte er es ihm durchaus zugetraut. Aber stattdessen war er einfach nur in die Wohnheimverwaltung gestürmt und behandelte dort die Sekretärinnen auf eine ähnlich unhöfliche Weise, wie er es bei ihm getan hatte.
So kamen sie nun wirklich nicht ans Ziel. Die Dame am Schalter blieb zwar freundlich, hörte ihm aber nicht wirklich zu, was Hugh nicht im geringsten wunderte. Er würde so einem Menschen auch nicht freiwillig zuhören.
"Entschuldigen Sie bitte", mischte er sich also ein und legte seine Mappe vor sich auf den Schalterthresen. "Ich bin Hugh Malkovich der Zweite. Ich bin heute in Zimmer 1028 in Wohnblock drei eingezogen." Er öffnete die Mappe und reichte der Dame den schrieb.
Die junge Frau sah ihn mit einem freundlichen Lächeln an. Ihre Augen schienen regelrecht wie Juwelen zu strahlen. Auch das wunderte Hugh nicht. Er wusste, dass er gut aussah. Es wurde ihm oft genug gesagt.
"Was kann ich für Sie tun, Herr Malkovich?", fragte sie in einem zuvorkommenden Tonfall und Hugh ignorierte das fassungslose Gesicht des anderen Mannes. Der sollte lieber gut zusehen, wie man solche Dinge regelte. Mit freundlicher Höflichkeit kam man immer noch am weitesten.
"Nun... es liegt offenbar ein Missverständnis vor. Dieser junge Mann behauptet, ihm wäre das Zimmer zugesprochen worden, in das ich laut diesem Schrieb eingezogen bin." Das Gesicht der Dame wurde nachdenklich.
"Hat er denn auch einen offiziellen Brief erhalten?", fragte sie Hugh und er sah den Rüpel an, bevor er höflich erwiderte: "Er war in diesem Punkt nicht sehr auskunftsbereit, befürchte ich." Dass er damit auch ein wenig den anderen Stichelte, tat Hugh nicht im Geringsten Leid. Der hatte es nicht anders verdient, so wie er ihm begegnet war.
"Ich hab so nen Zettel bekommen, aber ich hab ihn jetzt nicht hier. Das muss doch in ihrem System drinstehen. Schauen sie nach - ich hab nicht ewig Zeit", blaffte er die Sekretärin an, deren Lächeln einfror. Man merkte, dass sie für den anderen keine Wärme übrig hatte.
"Nehmen Sie es ihm bitte nicht übel. Manche Menschen wissen einfach nicht, sich auszudrücken. So traurig es auch ist. Könnten Sie bitte bei der Zimmerbelegung nachsehen, wer von uns beiden nun im welchen Zimmer ist. Damit wäre mir sehr geholfen", lenkte Hugh die Aufmerksamkeit wieder auf sich.
"Ja, natürlich. Sofort. Bitte haben Sie einen Moment Geduld", erwiderte die Sekretärin hastig, nahm sich Hughs Brief zur Hand und setzte sich hinter den PC. Ihre Finger flogen über die Tastatur und aus Diskretion wandte Hugh seinen Rücken zum Tresen und lehnte sich dagegen. Man sah niemand anderem beim Arbeiten über die Schulter. Das war nur eine unnötige Fehlerquelle. Außerdem gingen ihn die Daten, die sonst noch auf dem Bildschirm standen, nichts an.
"Hmm... das ist seltsam...", murmelte die Sekretärin und ließ ihre Finger erneut über die Tastatur flitzen. Dann druckte sie etwas aus und erhob sich schließlich wieder.
Hugh drehte sich um, als sie wieder an sie herantrat und sie gab ihm nun sichtlich nervös seinen Schrieb zurück. "Ich befürchte, ich habe schlechte Nachrichten", meinte sie dann und sah aus, als würde sie gleich in Tränen ausbrechen.
"Offenbar gab es einen Fehler im System. Sie müssen wissen, wir hatten vor kurzem eine Umstellung und dabei scheinen bestimmte Dinge nicht mehr so zu funktionieren, wie sie funktionieren sollen. Es tut mir wirklich Leid und..."
"Was heißt das?", brauste der Rüpel neben Hugh auf und er warf ihm einen angewiderten Blick zu.
"Bitte beruhigen Sie sich, Miss..."
"...Hanson."
"Miss Hanson. Ich bin überzeugt davon, dass es eine Lösung für alle Probleme gibt", fuhr Hugh sanft fort und legte ein Hand auf ihre. "Dafür müssen wir aber erst die Art des Problems kennen."
"Ja also... Sie... wohnen beide in diesem Zimmer", brachte sie kleinlaut hervor. "Laut System sind sie beide dieser Studentenwohnung zugebucht worden."
Einen Moment entstand eine drückende Stille im Raum und als der junge Mann neben ihm Luft einzog, kam er ihm zuvor und lächelte die Sekretärin angespannt an. "Gibt es denn nicht noch ein anderes freies Zimmer?"
"Ich... nein. Wir haben keine freien Räume mehr. Es tut mir wirklich Leid. Ich muss das jetzt erst einmal an die Chefin weiterleiten. Vielleicht weiß die eine Lösung. Es tut mir wirklich sehr, sehr Leid."
"Machen Sie sich darum keine Gedanken. Hier ist meine Karte. Sobald sie etwas wissen, rufen Sie mich bitte an." Hugh hatte beschlossen, unter keinen Umständen aus seinem Zimmer auszuziehen. Was der andere tat, war ihm egal.
Aber der folgte ihm, als er aus der Verwaltung trat und sich mit zielstrebigen Schritten zurück auf seine Zimmer begab. Netterweise hielt er wenigstens den Mund.
"Okay... was hast du jetzt vor? Wir passen ja unmöglich zu zweit in diese Wohnung..." Hugh sah sich um. Im Zimmer stand noch immer der recht schäbige und ausgebeulte Koffer des anderen Mannes. Und waren das Hemdzipfel, die da heraushingen. Dann wanderte sein Blick zu dem jungen Mann. Ausgewaschene Jeans, abgetragenes T-Shirt. Kariertes Flanellhemd. Die Haare sahen etwas fettig aus und stand teilweise Wirr vom Kopf.
"Mir ist es vollkommen gleich, unter welcher Brücke sie heute übernachten, aber ich bitte Sie nun, zu gehen. Ich habe noch einiges zu tun", meinte Hugh und verbarg diesmal nicht eine gewisse Kälte aus seiner Stimme.
Die schlug ihm auch schon wie ein Echo in Form eines überheblichen Lächeln entgegen. "Tja - zu dumm, dass das mein Zimmer ist. Ich heiße im Übrigen Jared. Jared Gibson. Und so wie ich das sehe, wirst du dich wohl an meinem Anblick gewöhnen müssen."
Hugh wurde bei den Gedanken schlecht, dass dieses Ungeziefer nun für eine Weile an seinem Bein kleben würde. Vielleicht hätte er den Rat seiner Mutter doch ernst nehmen und sich eine Wohnung in der Umgebung suchen sollen. Aber er war so fest davon überzeug gewesen, dass ihm diese Erfahrung für die Zukunft helfen würde, dass er nie im Traum daran gedacht hätte, in so eine Situation zu geraten.
"Ich beanspruche das Bett", blieb ihm letztlich nur noch zu sagen und wie um das zu bestätigen, setzte er sich an den Bettrand. Das war ja ein richtig katastrophaler Beginn eines Studiums.
Autor: Jenchan
Titel: Systemfehler
Challenge: Karte 1 - Fesseln (für mich)
Fandom: Original (Hugh-versum)
Charaktere: Hugh, Jared und eine Sekretärin
Wörter: 1561
Warnings: unbetaed, nicht Korrektur gelesen
Disclaimer: Alles meins, bis auf den Plot, den ich von einer Freundin gespendet bekommen habe.
Kommentar: Also ich glaube, ich habe zwei Monster geschaffen. Hugh tut mir ein wenig Leid - ich glaube, er fühlt sich gerade nicht sehr wohl in seiner Haut. Aber da muss er wohl durch.
Eine Freundin hat mir auf Anfrage die Plotidee gegeben: Ein genialer spießer und ein wahnsinniger spielwütiger, die durch einen komischen zufall zueinander finden und die ideen des anderen so erbaulich finden, dass sie ohne einander nicht mehr können.
Ich hab das Konzept ein wenig geändert, und ob sie wirklich zueinanderfinden, steht wohl in den Sternen. Mal sehen, ob sie sich nicht vorher an die Gurgel gehen.
Systemfehler
Nahezu lautlos und mit unglaublicher Präzision legte Hugh seinen Koffer auf das Bett. Seine feingliedrigen Finger zogen in einer selbstsicheren, bestimmten Art den Zipverschluss des Koffers auf und öffneten ihn. Dadurch wurde der Blick frei auf einen perfekt und sorgfältig gepackten Koffer.
Die Kleidungsstücke waren geordnet, gebügelt und gefaltet, als würden sie frisch aus der Fabrik kommen. Sie waren in geordneter Reihenfolge eingepackt, sodass Hugh sie einfach nur aus dem Koffer nehmen musste, um sie in den Schrank zur räumen.
Dessen Türen hatte er schon geöffnet, um ihn ein wenig auslüften zu lassen. Abgesehen davon war er noch einmal mit einem feuchten Tuch über die Holzplatten gefahren, damit auch wirklich alles sauber war, bevor er seine Wäsche einräumte.
Das tat er jetzt auch und arrangierte alles so, wie er es von zu Hause kannte und mochte. Er nahm sich dabei viel Zeit, weil es sich einfach so gehörte und er es mochte, wenn das Ergebnis ansehlich war.
Hugh fuhr steif zusammen, als er plötzlich ein Räuspern vernahm, kurz nachdem er einen Schritt vom Schrank zurückgetreten und diesen mit einem letzten prüfenden Blick geschlossen hatte.
"Wenn du jetzt fertig bist, kannst du deine Sachen dann ja wieder rausnehmen und in den Koffer packen. Das ist nämlich MEIN Zimmer."
Hugh gefiel dieser Ton, mit dem er da bedacht wurde, ganz und gar nicht. Er war es nicht gewöhnt, so respektlos adressiert zu werden und schon allein von der Erscheinung des anderen her, stand er gesellschaftlich weit über ihn. "Guten Tag, Herr...", grüßte er den anderen jungen Mann also demonstrativ höflich.
"Unwichtig. Verschwinde hier, ich hab nicht ewig Zeit."
"Hier liegt offensichtlich ein Irrtum vor. Auch wenn Sie nicht gewillt sind, mir ihren Namen zu nennen. Ich versichere Ihnen, Sie haben sich in der Zimmertüre oder im Wohnheimtrakt geirrt. Dieses Zimmer wurde mir offiziell zugeteilt." Daraufhin nahm Hugh seine Aktentasche zur Hand, stellte sie auf den Schreibtisch und holte eine Mappe heraus. Darin hatte er in einer Klarsichtfolie den Schrieb der Universität konserviert. Er versicherte sich noch einmal, wirklich keinen Fehler gemacht zu haben und händigte dann zum Beweis den Schrieb an diesen Rüpel aus.
Der nahm ihn mit einem skeptischen Blick auf Hugh entgegen und überflog ihn. Einmal. Zweimal. Beim dritten Mal nahm Hugh die Klarsichtfolie wieder an sich und packten den Schrieb wieder zurück in die Mappe.
"Sie sehen also, dass mir kein Irrtum unterlaufen ist. Das hier ist mein Zimmer." Hugh sah den anderen ernst an, der etwas blass geworden war. Es erfüllte ihn ein wenig mit Genugtuung und er wartete geduldig, bis der andere junge Mann sich trollte.
Das tat dieser allerdings nicht. "Das kann nur ein schlechter Scherz sein. Was für Idioten, waren denn da schon wieder am Werk? Egal - ich hab nicht vor, mein Zimmer an einen Spießer wie dich abzutreten. Also beweg deinen Arsch hier raus. Wir regeln das wie Männer."
Hugh stand einen Augenblick da, wie bestellt und nicht abgeholt. Die Wortwahl des anderen irritierte ihn, aber mehr noch ärgerte ihn dieses unhöfliche Verhalten zutiefst. Besonders, als der Typ dann auch noch ungeduldig und vollkommen ungehobelt sein Handgelenk ergriff und ihn aus dem Zimmer durch die Flure zerrte.
Beinahe hätte er sogar seine Mappe fallen gelassen.
Wie sich herausstellte, hatte der Typ nicht vor, ihn in einen Zweikampf zu verwickeln, wie Hugh anfangs noch gedacht hatte. Nach dem rüpelhaften Auftritt, hätte er es ihm durchaus zugetraut. Aber stattdessen war er einfach nur in die Wohnheimverwaltung gestürmt und behandelte dort die Sekretärinnen auf eine ähnlich unhöfliche Weise, wie er es bei ihm getan hatte.
So kamen sie nun wirklich nicht ans Ziel. Die Dame am Schalter blieb zwar freundlich, hörte ihm aber nicht wirklich zu, was Hugh nicht im geringsten wunderte. Er würde so einem Menschen auch nicht freiwillig zuhören.
"Entschuldigen Sie bitte", mischte er sich also ein und legte seine Mappe vor sich auf den Schalterthresen. "Ich bin Hugh Malkovich der Zweite. Ich bin heute in Zimmer 1028 in Wohnblock drei eingezogen." Er öffnete die Mappe und reichte der Dame den schrieb.
Die junge Frau sah ihn mit einem freundlichen Lächeln an. Ihre Augen schienen regelrecht wie Juwelen zu strahlen. Auch das wunderte Hugh nicht. Er wusste, dass er gut aussah. Es wurde ihm oft genug gesagt.
"Was kann ich für Sie tun, Herr Malkovich?", fragte sie in einem zuvorkommenden Tonfall und Hugh ignorierte das fassungslose Gesicht des anderen Mannes. Der sollte lieber gut zusehen, wie man solche Dinge regelte. Mit freundlicher Höflichkeit kam man immer noch am weitesten.
"Nun... es liegt offenbar ein Missverständnis vor. Dieser junge Mann behauptet, ihm wäre das Zimmer zugesprochen worden, in das ich laut diesem Schrieb eingezogen bin." Das Gesicht der Dame wurde nachdenklich.
"Hat er denn auch einen offiziellen Brief erhalten?", fragte sie Hugh und er sah den Rüpel an, bevor er höflich erwiderte: "Er war in diesem Punkt nicht sehr auskunftsbereit, befürchte ich." Dass er damit auch ein wenig den anderen Stichelte, tat Hugh nicht im Geringsten Leid. Der hatte es nicht anders verdient, so wie er ihm begegnet war.
"Ich hab so nen Zettel bekommen, aber ich hab ihn jetzt nicht hier. Das muss doch in ihrem System drinstehen. Schauen sie nach - ich hab nicht ewig Zeit", blaffte er die Sekretärin an, deren Lächeln einfror. Man merkte, dass sie für den anderen keine Wärme übrig hatte.
"Nehmen Sie es ihm bitte nicht übel. Manche Menschen wissen einfach nicht, sich auszudrücken. So traurig es auch ist. Könnten Sie bitte bei der Zimmerbelegung nachsehen, wer von uns beiden nun im welchen Zimmer ist. Damit wäre mir sehr geholfen", lenkte Hugh die Aufmerksamkeit wieder auf sich.
"Ja, natürlich. Sofort. Bitte haben Sie einen Moment Geduld", erwiderte die Sekretärin hastig, nahm sich Hughs Brief zur Hand und setzte sich hinter den PC. Ihre Finger flogen über die Tastatur und aus Diskretion wandte Hugh seinen Rücken zum Tresen und lehnte sich dagegen. Man sah niemand anderem beim Arbeiten über die Schulter. Das war nur eine unnötige Fehlerquelle. Außerdem gingen ihn die Daten, die sonst noch auf dem Bildschirm standen, nichts an.
"Hmm... das ist seltsam...", murmelte die Sekretärin und ließ ihre Finger erneut über die Tastatur flitzen. Dann druckte sie etwas aus und erhob sich schließlich wieder.
Hugh drehte sich um, als sie wieder an sie herantrat und sie gab ihm nun sichtlich nervös seinen Schrieb zurück. "Ich befürchte, ich habe schlechte Nachrichten", meinte sie dann und sah aus, als würde sie gleich in Tränen ausbrechen.
"Offenbar gab es einen Fehler im System. Sie müssen wissen, wir hatten vor kurzem eine Umstellung und dabei scheinen bestimmte Dinge nicht mehr so zu funktionieren, wie sie funktionieren sollen. Es tut mir wirklich Leid und..."
"Was heißt das?", brauste der Rüpel neben Hugh auf und er warf ihm einen angewiderten Blick zu.
"Bitte beruhigen Sie sich, Miss..."
"...Hanson."
"Miss Hanson. Ich bin überzeugt davon, dass es eine Lösung für alle Probleme gibt", fuhr Hugh sanft fort und legte ein Hand auf ihre. "Dafür müssen wir aber erst die Art des Problems kennen."
"Ja also... Sie... wohnen beide in diesem Zimmer", brachte sie kleinlaut hervor. "Laut System sind sie beide dieser Studentenwohnung zugebucht worden."
Einen Moment entstand eine drückende Stille im Raum und als der junge Mann neben ihm Luft einzog, kam er ihm zuvor und lächelte die Sekretärin angespannt an. "Gibt es denn nicht noch ein anderes freies Zimmer?"
"Ich... nein. Wir haben keine freien Räume mehr. Es tut mir wirklich Leid. Ich muss das jetzt erst einmal an die Chefin weiterleiten. Vielleicht weiß die eine Lösung. Es tut mir wirklich sehr, sehr Leid."
"Machen Sie sich darum keine Gedanken. Hier ist meine Karte. Sobald sie etwas wissen, rufen Sie mich bitte an." Hugh hatte beschlossen, unter keinen Umständen aus seinem Zimmer auszuziehen. Was der andere tat, war ihm egal.
Aber der folgte ihm, als er aus der Verwaltung trat und sich mit zielstrebigen Schritten zurück auf seine Zimmer begab. Netterweise hielt er wenigstens den Mund.
"Okay... was hast du jetzt vor? Wir passen ja unmöglich zu zweit in diese Wohnung..." Hugh sah sich um. Im Zimmer stand noch immer der recht schäbige und ausgebeulte Koffer des anderen Mannes. Und waren das Hemdzipfel, die da heraushingen. Dann wanderte sein Blick zu dem jungen Mann. Ausgewaschene Jeans, abgetragenes T-Shirt. Kariertes Flanellhemd. Die Haare sahen etwas fettig aus und stand teilweise Wirr vom Kopf.
"Mir ist es vollkommen gleich, unter welcher Brücke sie heute übernachten, aber ich bitte Sie nun, zu gehen. Ich habe noch einiges zu tun", meinte Hugh und verbarg diesmal nicht eine gewisse Kälte aus seiner Stimme.
Die schlug ihm auch schon wie ein Echo in Form eines überheblichen Lächeln entgegen. "Tja - zu dumm, dass das mein Zimmer ist. Ich heiße im Übrigen Jared. Jared Gibson. Und so wie ich das sehe, wirst du dich wohl an meinem Anblick gewöhnen müssen."
Hugh wurde bei den Gedanken schlecht, dass dieses Ungeziefer nun für eine Weile an seinem Bein kleben würde. Vielleicht hätte er den Rat seiner Mutter doch ernst nehmen und sich eine Wohnung in der Umgebung suchen sollen. Aber er war so fest davon überzeug gewesen, dass ihm diese Erfahrung für die Zukunft helfen würde, dass er nie im Traum daran gedacht hätte, in so eine Situation zu geraten.
"Ich beanspruche das Bett", blieb ihm letztlich nur noch zu sagen und wie um das zu bestätigen, setzte er sich an den Bettrand. Das war ja ein richtig katastrophaler Beginn eines Studiums.