[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Dean
Challenge: Karte 2, Challenge: Nicht falsch, nur anders (für mich)
Fandom: Arashi
Disclaimer: Eigentum von JE, ich leihe sie mir nur aus und gebe sie anschließend zurück.
Genre: Slash, Krimi, Thriller?
Pairing: Aiba/Nino
Warnung: /
Wörter: 1547
Kommentar: Namen in japanischer Reihenfolge Nachname-Vorname
Wenn man Kontext schaffen will ohne Zeit zu haben, wird's schwer. Vielleicht kriege ich die Kurve ja noch. ._.
Hier gibt's Teil 1

Aiba mochte Nino sehr.
Jun hatte das sofort bemerkt, gleich als er am ersten Tag morgens in Ohnos winzige Bäckerei gestolpert war und Nino sich gegen die Theke mit der Kasse hatte lehnen sehen. Ninos Nasenflügel waren aufgebläht gewesen, seine Pupillen unnatürlich weit und seine Lippen feucht glänzend. Aiba hatte ihn auf seine einfältige Art und Weise mit Blicken ausgezogen und Jun hatte sich gewundert, ob er in die Produktion eines Erotikfilms geraten war.

Ohno Satoshis Bäckerei, die auf lächerlich perfektionistische Weise an eine französische Konditorei erinnern sollte, lag neben dem Haus der Katos und hielt sich wahrscheinlich nur, weil Ohnos Mutter sämtliche finanzielle Mittel in das Geschäft pumpte. Der Laden lag ungünstig und außer den Stammkunden verirrte sich kaum jemand hierher. Ohno selbst wirkte die meiste Zeit auch nicht wirklich so, als würde ihn der Betrieb groß etwas angehen. Er hatte Aiba – einen von Job zu Job irrenden Kerl- vor einiger Zeit als Verkäufer eingestellt, aber es wirkte die meiste Zeit so, als sei er selbst die Aushilfe. Er konnte stundenlang verträumt und gedankenversunken an einem Brotteig herumkneten und brauchte beim Nachzählen des Wechselgeldes manchmal so lange, dass selbst der sich als ziemlich geduldig erachtende Jun mit dem Fuß auf den Boden zu tappen begann.

Aiba Masaki war Ohno gar nicht so unähnlich und trotzdem ein dermaßen konträrer Charakter, dass Jun sich wunderte, warum die Bäckerei überhaupt noch stand. Er hatte die Schule nach der Mittelstufe verlassen und schlug sich seitdem mit Gelegenheitsjobs durch. Ein halbes Jahr Convenience Store, dann Flyer verteilen, für eine unbekannte Hinterhofzeitschrift modeln, Kabelträger beim Fernsehen... er hatte schon ziemlich viel gemacht und wahrscheinlich war er aus jedem einzelnen Job gefeuert worden, weil er zu zerstreut und tollpatschig gewesen war. Aber Ohno bekam es meistens- so schien es jedenfalls- nicht mit, wenn Aiba drei Bleche Teig auf den Boden fallen oder Brötchen anbrennen ließ. Er sah lediglich blinzelnd von seiner Arbeit auf, wenn hellrote Züngelchen aus dem Ofen krochen und Aiba den Feuerlöscher entsicherte.

Jedenfalls hatte Aiba, um darauf zurückzukommen, einen wahnsinnigen Narren an Nino gefressen. Jun wusste nicht, wie der Kerl wirklich hieß. Anfangs war es ihm auch egal gewesen.
„Was sagst du denn zu der ganzen Sache mit Sakurai?“, fragte Jun ihn eines Nachmittags beiläufig.
Nino zuckte nur mit den Schultern. Seine Finger spielten nervös an einer Zigarette herum. Eigentlich fummelte der Kerl immer an irgendwelchen Dingen herum; einem Feuerzeug, Spielkarten, einem Nintendo DS.
„Ganz angenehm ohne ihn“, erwiderte er nur und zog einen Mundwinkel hoch.
„So ruhig. Keiner mehr da, der uns dauernd irgendwelchen moralischen Schrott einreden will.“

Jun trank seinen Kaffee, zählte Ohno sein Geld vor und trat wieder auf die Straße.
Nino wohnte auf der anderen Seite vom Haus der Katos, zusammen mit seiner Mutter, hatte Aiba erzählt.
Auf dem Türschild stand `Ninomiya´. Daher also der ziemlich einfallslose Kosename, dachte Jun verächtlich, notierte ihn sich aber dennoch. Dann drehte er sich mit dem Rücken zum Haus und betrachtete die sich vor ihm auftuende Straßenecke. Wenn Ninos Fenster im Obergeschoss zur Straße rausging, hatte er den perfekten Überblick. Rechts von ihm das Haus der Katos, nunmehr mit gelbem Polizeiband abgesperrt. Schräg gegenüber Sakurais Büro. Im Winkel, etwas vorstehend, Ohnos Bäckerei. Das Ganze eingekästelt von idyllischen, stummen Einfamilienhäuschen.
Jun überkam eine Gänsehaut.

Sein Chef guckte ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an.
„Ninomiya?“, grunzte er, halb amüsiert, halb gelangweilt.
„Wär das nicht etwas zu auffällig?“
Jun zuckte betont unschuldig mit den Schultern.
„Warum?“
„Naja.“
Der Mann lehnte sich im Schreitischstuhl zurück und kratzte sich zwischen den Geheimratsecken seines grauen Haares.
„Die Polizei weiß das wahrscheinlich noch nicht, aber wenn jemand möchte, dass es so aussieht, als würde Sakurai Sho ein altes, nettes Ehepaar ermorden, dann der.“
Jun musste an Ninos Worte denken.
„Bei dem kommt alles zusammen: Zerrüttete Familienverhältnisse, arbeitslos, den Drogen nicht ganz abgeneigt...und ein Motiv hätte er wahrscheinlich auch noch irgendwo.“
Langsam ging Jun auf, warum Nino ihm ab und an etwas komisch vorkam. Er hatte in der Schule und der Uni bislang nie mit irgendwem zu tun gehabt, der sich, abgesehen von Alkohol und Tabak, irgendwelchen Drogen hingegeben hatte. Allein deswegen hatten sich Ninomiyas riesige Pupillen, schwarz wie Kuhaugen, in sein Gedächtnis gebrannt.

Er drehte am Abend eine extra Runde im Viertel, weil er so tun wollte, als würde er seine Gedanken ordnen. Funktionierte in Romanen schließlich auch immer irgendwie. Letztendlich trat er sich nur Kaugummis und Pudelscheiße in die neuen Sneakers, las im Convenience Store um die Ecke eine schlechte Frauenzeitschrift durch, dachte infolgedessen lange über die Form seiner Wimpern nach und schlenderte schließlich mit einem grünen kaktusförmigen Eis in Richtung nach Hause.

Zwischen dem Haus der Ninomiyas und Katos standen zwei dunkle Gestalten. Seit ein paar Tagen war die Straßenlaterne genau an dieser Stelle defekt und so hatte Jun sie erst gar nicht gesehen. Als er sie dann aber bemerkte, an seinem Eis leckend, gefror er in der Bewegung und hielt er die Luft an.

Sie flüsterten irgendetwas.
Der große Aiba und der kleine Nino. Der eine beugte sich zum anderen herunter, wurde am Handgelenk gefasst und dann verschmolzen sie zu einer finsteren Masse aus Unsichtbarkeit.
Offensichtlich mochte Nino Aiba auch.
Garantiert wusste man zwar so etwas nicht bei ihm, aber es machte den Anschein.
Jun merkte gar nicht, dass sein Eis, welches ihm plötzlich furchtbar phallisch vorkam, auftaute und klebrig über seine Hand lief.

Er saß in dieser Nacht über seinen Notizen und verscheuchte Mücken aus seinem Zimmer.
Sein Gehirn webte Dreiecksgeschichten zwischen Nino, Aiba und Sakurai, Eifersüchteleien, versuchte, irgendeinen der Katos ins Boot zu holen, als Homophoben oder anderweitig funktionierenden Katalysatoren.
Irgendwann schlief er erschöpft ein; in seinen Träumen tauchte Ninomiya auf, flackerte durch sein Bewusstsein wie ein Blitz und erlosch wieder, lautlos und unheimlich.

Vielleicht hatte das alles gar nichts miteinander zu tun.
Vielleicht sollte Jun einfach nur zur Tagesordnung übergehen und Artikel über den Flohmarkt am Sonntag schreiben.

Als er sich am nächsten Morgen mit schiefem Kreuz (er hatte sich natürlich in der Nacht verlegen) und Augen auf Halbmast in die Bäckerei schleppte, war Aiba es, der ihn wieder zum Leben erweckte. Es bedurfte nur eines Kaffees, eines Toast Hawaii und eines grauenvoll wachen Verkäufers.
„Wirkt es langsam?“
Masaki legte den Kopf schief während Jun an seinem Pappbecher herumnuckelte.
„Du siehst immer noch furchtbar aus.“
„Bist du immer so hilfreich?“, grunzte Jun unwillig.
„Dann kannst gleich wieder gehen und Mehl sieben.“
„Tut mir Leid.“
Aiba lächelte gewinnend. Er rückte den Stuhl gegenüber dem, auf dem Jun halb saß, halb hing, vom Tisch weg und setzte sich, die Beine übertrieben übereinandergeschlagen.
Selbst im Morgenlicht sahen seine Augen schwarz aus.

„Gibt es einen Grund, weshalb du uns gestern zugesehen hast?“, fragte er mit erstaunlich ruhiger Stimme und Jun biss sich augenblicklich auf die Zunge vor Schreck.
Er knallte den Becher auf den Tisch, dass Kaffee nach allen Seiten überschwappte, fluchte und hantierte mit Servietten herum, als könne er Aibas Anwesenheit damit irgendwie beiseite wedeln. Es klappte leider nicht.
„Ist schon okay, Jun-kun.“
Aiba half ihm bereitwillig beim Aufwischen.
„Wahrscheinlich bist du eh der einzige, der überrascht ist davon.“
„Missversteh mich bitte nicht“, Jun räusperte sich und befühlte mit seiner schmerzenden Zunge den Gaumen.
„Ich finde das nicht falsch oder so...nur...anders.“
Das war wahrscheinlich der bescheuertste Satz, den er seit langem gesagt hatte.

Aiba nickte.
„So kann man’s ausdrücken.“
„Wir sind...alle anders“, stammelte Jun und wollte sich prompt die Zunge ganz abbeißen. Auf so etwas hatte ihn nie jemand vorbereitet.
„Das stimmt schon. Aber manchmal wünschte ich, ich wäre anders anders“, lächelte Aiba.
„Es wäre einfacher, nur einen Arm zu haben oder blind geboren zu sein. Behaupte ich jetzt mal.“
„Macht es Ninomiya denn was aus?“
„Nino-chan ist so eine Sache für sich. Wenn man ihn gut genug kennt, weiß man, was ihm etwas ausmacht und was nicht.“
Jun zog eine Augenbraue in die Höhe.
„Wie lange kennt ihr euch schon?“, er versuchte beiläufig an seinem Becher herumzuspielen um davon abzulenken, wie aufregend dieses Gespräch für ihn wurde.
„Ziemlich lange. Seit Anfang der Mittelschule. Wir waren schon immer beste Freunde.“
„Und dann?“
„Dann wurden wir erwischt. Schulklo.“
Aiba lächelte entschuldigend, als würde er das langweilige Ende einer selbst ausgedachten Gruselgeschichte erzählen.
„Dann sind Dinge passiert und Nino wurde von der Schule geworfen.“
„Wie `Dinge´?“
Aiba schüttelte schwach den Kopf.
„Nicht so wichtig. Willst du noch Kaffee?“
„Ach nicht doch“, stöhnte Jun leise.
„Du kannst mich doch nicht einfach so sitzenlassen!“
Sein Blick folgte Aiba, der aufgestanden war und zurück hinter die Theke wuselte.

„Jun-kun, du kannst nicht immer alles wissen!“, grinste der und räumte Geschirr hin und her.
`Ich will aber!´, hätte Jun am liebsten gerufen. Wie konnte jemand anfangen, eine Geschichte zu erzählen und mittendrin abbrechen? Entweder man sprach oder man schwieg. Aber solche Erzählungen ohne Ende, geschweige denn Mitte, regten ihn auf.
Er wollte entrüstet zu seinem Pappbecher zurückkehren und Aiba beleidigt kalten Kaffee auf die Theke stellen als ihm die Worte seines Chefs noch einmal durch den Kopf gingen.
Und wenn es im wirklichen Leben wenigstens nur ab und zu so war wie ein einem Film, lag der Hinweis irgendwo eingestreut, war irgendwo-

Der Augenblick, in dem er nicht mehr weiterzudenken brauchte, fiel Aiba hinter ihm ein Teller herunter und zerbarst klirrend.
Als hätte der laute Ton eine Idee aufploppen lassen.

„Hoffentlich ist Oh-chan nicht aufgewacht!“, jammerte Aiba.


To be continued...

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