[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Dean
Challenge: Karte 2, Challenge: Erschütterungen (für mich)
Fandom: Arashi
Disclaimer: Eigentum von JE, ich leihe sie mir nur aus und gebe sie anschließend zurück.
Genre: Krimi, Thriller?
Warnung: /
Wörter: 981
Kommentar: Namen in japanischer Reihenfolge Nachname-Vorname.
Man muss das Fandom nicht kennen. Ich hab die Kerlchen nur genommen, weil sie mir gerade gut in der Hand liegen und ich statt irgendwelchem atmosphärischen Scheiß mal wieder vorrangig eine Geschichte erzählen möchte und versuche, in dem Genre ein wenig zu üben.
Vielleicht wird das hier fortgesetzt, vielleicht auch nicht. Düdeldö.


Sakurai Sho war verhaftet worden.

Als Jun diese Nachricht als Überschrift auf seinen Notizblock kritzelte, bebten seine Finger vor Aufregung. Eigentlich, so ermahnte er sich in jedem Moment im Gedanken, durften sie das nicht. Es gab keinen Grund dafür, wenn man Journalist war und ein einfache Meldung für das Lokalblättchen im Viertel vorbereitete.
Aber Jun war ein sehr junger Journalist- genau genommen hatte er sein Volontariat erst vor ein paar Monaten angetreten- und hatte bis dato nur Berichte verfasst über die nach Norden wandernde Kirschblütenlinie, Straßenfeste und Dinge wie `Oma Takahashi ist über einen auf der Straße liegenden Spaten gestolpert und liegt nun mit gebrochenem Hüftgelenk im Krankenhaus´. Er hatte sich gefreut auf die Arbeit in Tokyo, aber nicht damit gerechnet, in der Redaktion eines so winzigen Blättchens zu landen, in der das Viertel wie ein eigenständiges Städtchen innerhalb einer richtigen Stadt funktionierte. Ein sehr friedliches Städtchen. In dem nie etwas geschah.

Die Ereignisse, welche diese Stille und Friedlichkeit denn seit dem heutigen Morgen zerrissen, waren es, welche Juns Finger beim Schreiben zum Zittern brachten. Erschütterungen aus Nachrichten, aus Polizeisirenen, wie unsichtbare Erdbeben.
Das Rentnerehepaar Kato, welches heute Morgen erstochen aufgefunden worden war, in seinem eigenen, getrockneten Blut. Das vollkommen zerstörte Haus. Der Verdacht, welcher auf Sakurai gefallen war. Die Verhaftung.

Dabei hatte Jun erst letzte Woche einen Artikel über Sakurai geschrieben. Aufstrebender Politiker, hatte sich zur nächsten Wahl als Kandidat für diese Bezirksregierung aufstellen lassen, der Vater schon erfolgreich in der Politik, Studium an der Keio-Uni, leider noch unverheiratet, ja warum denn nur, Frauen, schnappt ihn euch. Jun hatte ihn sprechen sehen letzte Woche, von dem winzigen Podest des Straßenfestes. Sakurai hatte in einem tadellos sitzenden grauen Anzug gesteckt, die Haare sorgfältig zur Seite gegelt, die Augen voller Selbstbewusstsein und mit einer angenehmen Stimme, die jedoch den Nachdruck eines Donnerns gehabt hatte. Für Jun war das eine Stimme, mit der man jeden zu allen Taten bringen konnte.

Es verwunderte ihn ziemlich, dass sein Chef so einfach einen Termin für ein Interview im Gefängnis bekam. Das hatte womöglich damit zu tun, dass dieser Politiker noch gänzlich unbekannt war, jung und frei von Finanzskandalen, die eigentlich für beinahe jeden japanischen Politiker, der etwas auf sich hielt, obligatorisch waren.

Es verwunderte Jun weiterhin, dass er Sakurai mit geradem Rücken und klarem Blick vorfand als er den Besuchsraum betrat, sich fahrig hinsetzte, dabei beinahe Stift und Block hinunterwarf (die inneren Erschütterungen waren immer noch da) und sich hektisch vorstellte. Womöglich hatte er erwartet, dass der Kerl völlig demoralisiert sein würde, mit den Nerven am Ende und mit flehender Stimme, aus der gänzliche Kraft gewichen war; `Hol mich hier raus!´. Dann fiel Jun auf, dass er wahrscheinlich zu viele Hollywood-Filme sah. Und, das hatte er bisher gar nicht bewusst wahrgenommen, dass er von Sakurais Unschuld ausging.

„Lassen Sie sich Zeit“, sagte Sakurai höflich.
„Ich hab ja genug davon.“
Jun nickte, verbeugte und bedankte sich nervös in regelmäßigen Abständen und in falschen Reihenfolgen. Er hatte zu schwitzen begonnen.

„Ich habe die beiden Leute nicht umgebracht, wenn ich Ihnen den Einstieg damit erleichtern kann.“
Jun klappte den Block auf und begann, mitzuschreiben.
„Das sagt die Polizei, weil sie muss. Weil mein Parteibüro gleich gegenüber vom Haus der Toten liegt, weil ich in der Nacht allein dort gearbeitet habe und das auch noch alleine. Ich kann´s ihnen ja auch nicht verdenken. Es war ja schließlich Herr Kato selbst, der mir letzte Woche nach der Rede das Ei ins Haar geschmiert hat.“
Jun konnte sich natürlich an den Vorfall erinnern. Es war schon kurios, wenn ein alter, klappriger Mann marxistische Parolen murmelnd einen jungen Politiker mit Eiern garnierte. Leider hatte er das nicht abdrucken dürfen.

“Aber wer bringt denn jemanden um, nur weil er Eier wirft?“, fuhr Sakurai fort.
„Schauen Sie, ich bin kein Psychopath.“
Jun nickte und schrieb. Er fühlte sich eher wie ein Protokollant als ein Reporter. Sakurai hatte diese Selbstinszenierungsnummer ziemlich gut drauf (oder er war ein lausiger Reporter, aber daran versuchte er nicht zu denken) und wenn Jun nicht aufpasste, wäre das Interview gelaufen- und zwar ganz und gar nicht so, wie er es gern gehabt hätte.

„Was äh...“ Er stockte.
„Was für Konsequenzen hat das denn-“
„Für den Wahlkampf? Ich hoffe sehr, gar keine.“
Sakurai lehnte sich zurück und seine Mundwinkel zuckten.
„Das hier ist alles nur ein Missverständnis. Wenn das geklärt ist, geht alles seinen gewohnten Gang.“
Jun schluckte. Dieser Typ war ihm nicht wirklich sympathisch.
„Und falls Sie jetzt noch nach meinem Vater fragen wollen: Nein, das hält die Beziehung aus. Mein Vater weiß genau, dass ich nichts Unmoralisches tue, und er wird mich nach Kräften unterstützen.“
Jetzt lächelte er gewinnend. Jun fühlte sich, als würden die Gitter zwischen ihnen nicht existieren und als würde Sakurai ihm gleich einen Arm um die Schulter legen und ihn zum Kauf einer überteuerten Waschmaschine beglückwünschen.
„Vielen Dank“, sagte er platt.
„Eine Frage hätte ich da allerdings noch.“
Im nächsten Moment zuckte er zusammen. Das war ihm rausgerutscht, wahrscheinlich nur, weil er versuchte, das letzte Wort zu behalten.
Aber es war zu spät, denn der Politiker hatte sich schon vorgebeugt, blinzelte und tat interessiert.
Jun schluckte.
„Haben Sie...ahm...Glauben Sie, dass dies die Tat von irgendjemandem sein könnte, der Sie versucht anzuschwärzen?“
Die Wahl war nur einen knappen Monat entfernt. Sakurai gehörte der LDP an und versuchte in einer Gegend zu gewinnen, die mehrheitlich die DPJ wählte. Aber was spielte das für eine Rolle? Vielleicht hatte nur irgendjemand etwas persönlich gegen ihn. Verständlich, wie Jun fand.

Sakurai legte den Kopf schief und machte ein Gesicht, welches man weder als Lächeln noch als Verärgerung hätte deuten können.
„Es gibt nichts, was ich Ihnen darauf erwidern könnte ohne wie aus einem billigen Krimi entsprungen zu klingen.“

Das war der Moment, in dem die Spitze von Juns Druckbleistift knacksend abbrach.

To be continued?

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios