4. Karte 1 - Bild
Jul. 8th, 2011 09:35 pmTeam: Hendrix
Autor: Jenchan
Titel: Unbetitel
Challenge: Karte 1 - Das Bild: Hylas und die Nymphen von J. W. Waterhouse (für mich)
Fandom: Original (Tracy-versum)
Charaktere: Tracy und Er
Wörter: 1417
Warnings: unbetaed, nicht Korrektur gelesen
Disclaimer: Alles meins.
Continuation: Teil 1 | Teil 2
Kommentar: Ich mag Tracy und ich habe mir echt das Hirn zermatert, was ich mit diesem Bild anfangen soll. So viele vagen Ideen, aber nichts dabei, was sich wirklich umsetzen ließ.
Also habe ich auf das offensichtlichste zurückgegriffen. Ich hab btw keine Ahnung von Pflanzenpflege. Die erwähnte Pflanze wird auch blaue Lobelie oder Männertreu genannt. (Hat google mir verraten). Und ich hab keine Ahnung von Kunst. XD
Etwas ungeduldig wartete Tracy vor dem Eingang des Kunstmuseums. Sie würde es nie zugeben, aber sie war vorfreudig aufgeregt. Gina hatte sie ausgelacht, als sie vor wenigen Stunden telefoniert hatten. Sie hatte ihr unter die Nase gerieben, dass sie es ruhig zugeben konnte, dass sie ihn liebte und Tracy hätte ihr gerne eine Kopfnuss gegeben.
So war das ja gar nicht. Sie wollte im Moment keine Beziehung und sie waren auch noch nicht soweit. Sie lernten sich doch erst so richtig kennen und sie genoss diese Freundschaft. Er war ein sehr humorvoller, fürsorglicher Mensch, dem seine Freunde wichtig waren.
Wie immer hatte Gina aber davon nichts hören wollen und sie nur mit einem "Jaja, ich weiß schon. Ihr seid da beide sehr beharrlich mit dieser Freundschaftssache. Ich bin gespannt, wie lange ihr das noch durchhaltet."
Das hatte aber Tracy nicht hören wollen und hatte sich verabschiedet, nur um dann vor dem leidigen Thema zu stehen, was sie sich anziehen sollte. Er hatte - bevor sie mit Gina telefoniert hatte - bei ihr angerufen und sie spontan eingeladen. Er hätte gerade ein Plakat gesehen, dass eine Ausstellung eines alten Malers im Kunstmuseum gehalten wird und die bald enden würde und wenn sie noch nichts vorhätte - es war immerhin Sonntagvormittag - dann könnten sie doch dorthingehen. Zwanglos zwischen Freunden. Sie hatte nicht einmal gewusst, dass er Kunst mochte.
Und jetzt war sie aufgeregt. Der Maler, so stand auf dem Plakat vor dem Kunstmuseum, war John William Winterhouse. Das sagte ihr nicht viel, aber das war auch nicht wichtig. Das Hintergrundbild, das für das Plakat verwendet worden war, sah umso ansprechender aus.
sie sah auf die Uhr und stieß dann ein Seufzen aus. Er hatte immer noch Zeit - sie war vor Aufregung viel zu früh losgelaufen und jetzt hieß es warten. Eine schlechte Angewohnheit von ihr immer zu früh zu sein. Aber wenigstens war es schon Juni und dementsprechend warm. Zumindest heute. Sie hatten im angehenden Sommer schon schlechtere Wochenenden gehabt.
Einige davon waren aber unglaublich schön gewesen, nämlich die Tage, als er bei ihr vorbeigekommen war, es draußen wie aus Eimern geschüttet hatte und er mit DVD und Chips aufgewartet hatte, um dieses triste Wetter auszublenden. Dann hatten sie auf dem Sofa gesessen, Chips geknabbert und sich über die Filme unterhalten, die sie angekuckt hatten.
Wieder wurde ihr klar, wie sehr er sich um die Freundschaft bemühte und doch wusste sie, dass er sie sehr mochte. Aber er drängte nicht - im Gegenteil, wenn sie Tage zusammen verbrachten, dann bekam sie wirklich das Gefühl, dass sie nur Freunde waren. Und das war auch in Ordnung so. Das war, was sie wollte, weil sie von Beziehungskisten genug hatte. Weil es keinen Mann gab, der sie wirklich so nehmen würde, wie sie nun einmal war. Die diese besitzergreifende Seite von ihr schlichtweg ablehnten.
Das letzte, was sie wollte, war ihn durch diese kleine Tatsache zu verlieren. Da waren solche zwanglosen Treffen ohne Bindung und Verpflichtungen doch viel besser.
"Einen Groschen für deine Gedanken. Eben hast du noch gelächelt", riss er sie aus den Gedanken und schenkte ihr ein viel zu sympathisches Lächeln. "Bin ich zu spät?"
Tracy schüttelte den Kopf und schob damit ihre Gedanken zur Seite. "Nein, ich bin viel zu früh." Sie sah auf die Uhr und lächelte. "Du hast noch fünf Minuten."
"Dann... soll ich noch einmal gehen, damit ich wirklich pünktlich bin?", fragte er und schien sich schon jetzt zu amüsieren.
"Himmel, nein! Gehen wir lieber rein. Ich bin schon ganz neugierig", erwiderte Tracy lachend. Er hatte etwas an sich, dass sie immer und überall entspannen ließ. Vielleicht war es von ihr ungerecht, ihn so in der Luft hängen zu lassen, aber vielleicht hatte sich sein mögen ja auch schon in etwas platonisches verwandelt.
"Wow, so stürmisch", neckte er. "Kennst du den Maler gar nicht?" Tracy schüttelte den Kopf. "Wittere ich da etwa eine Bildungslücke?"
"Es kann halt nicht jeder Ahnung von Kunst haben", verteidigte sich Tracy. "Dafür glaube ich kaum, dass du eine Ahnung davon hast, wie man eine lobelia erinus pflegt."
"Eine was? Okay... schon verstanden. Aber ich glaube, du wirst den Maler mögen. Wenn ich dich richtig eingeschätzt habe", erwiderte er und bot ihr eine Hand an.
Tracy zögerte einen Moment, nahm sie dann aber an und führte sie die wenigen Schritte zum Eingang, wo er ihr die Türe aufhielt. "Oh vielen Dank", lächelte sie und deutete eine Verbeugung an, die ihm ein sanftes Lächeln entlockten. Tracy mochte sein Lächeln und sein Art und sie spürte wieder, dass er ein weiteres Stück ihres Herzens geraubt hatte.
Und kurz spukten ihr wieder Ginas Worte in ihrem Kopf herum, aber sie schob sie beiseite. Das war jetzt nicht wichtig.
Tatsächlich mochte sie die Bilder des Malers. Nachdem er für ihre Eintrittskarten bezahlt hatte - ein Umstand, der sie eigentlich stören hätte sollen, so unter Freunden - hatten sie die Ausstellung betreten. Die Bilder zeichneten sich alle durch eine sehr detailgetreue Ausarbeitung wieder und wirkten trotz der fantastischen Elemente sehr realistisch.
Aber am meisten fand sie es angenehm, dass sie scheinbar einen Experten mithatte, mit dem sie sich auch über Interpretationen und Hintergründe unterhalten konnte.
"Oh - das Bild ist echt bezeichnend für die Männerwelt", meinte sie als sie halb durch waren und vor dem nächsten Bild stehen blieben.
"Das ist aus der griechischen Mythologie. Hylas war ein treuer Freund des Herakles, aber die Nymphen haben ihn quasi ertränkt", erklärte er ihr und sie kicherte, wie ein kleines Mädchen.
"Wenn er sich auch verführen lässt. Aber sie sehen hübsch aus. Wie gewöhnliche Frauen - das mag ich", erwiderte sie und betrachtete einen Moment das Gemälde gedankenverloren.
So entstand wie schon so einige Male ein einträgliches Schweigen, bevor er leise meinte: "Ja, irgendwie hatte er wirklich einen Blick für Ästhetik. Die hier erinnert mich irgendwie an dich." Dabei deutete er auf die Frau mit den dunklen Haaren am äußeren Bildrand. "Jedenfalls hatte dein Gesichtsausdruck vor dem Museum fast genauso ausgesehen."
Tracy sah ihn überrascht an und betrachtete die Frau genauer. "Also ich war nicht gelangweilt", meinte sie dann. "Sie sieht irgendwie so aus, wie sie gar nicht bei den anderen sein wollte und nicht genau wüsste, was sie da überhaupt zu suchen hatte."
Er lachte. "Findest du? Also ich interpretiere das eher als einen sehnsüchtigen Blick. Aber in einem Punkt hast du recht. Sie will ganz offensichtlich nicht Hylas. Ich stelle mir vor, wenn du das wärst... vielleicht denkst du gerade an mich?"
Tracy bekam Herzrasen und schluckte. Sie traute sich gar nicht die Augen von dem Bild zu nehmen und schob ihre Hände in die Hosentasche. Jetzt war sie wieder nervös, dabei war das doch wirklich lächerlich.
Verdammt lächerlich.
Warum sah sie sich plötzlich in dem Bild und konnte genau nachvollziehen, was er meinte?
"Wir sind nur Freunde", erwiderte sie leise und irgendwie war die Stimmung jetzt ruiniert. Warum hatte er so etwas gesagt?
"Ja - aber kann man sich nicht auch nach Freunden sehnen?", erkundigte er sich. "Und wenn sie sich langweilt, wie du es interpretierst, dann wäre ich doch eine gute Wahl. Du scheinst mir jedenfalls immer viel Spaß zu haben, wenn wir etwas unternehmen."
Das war wahr. Wie hatte sie etwas anderes annehmen können? Hatte sie mit ihrer Vermutung recht und seine Gefühle hatten sich in etwas Platonisches verwandelt.
Schweigend gingen sie zum nächsten Gemälde und sie betrachtete es, aber ihre Gedanken waren noch bei Hylas und den Nymphen. "Ich kann die Nymphe irgendwie verstehen. Sie hocken da in ihrem Quellteich und wenn ein hübscher Mann vorbeikommt, verführen sie ihn. Diejenigen, die sich also verführen lassen, sind lauter Loser und treulose Tomaten. Wer will schon so einen Mann?", merkte sie dann an und ihre Blicke trafen sich kurz, bevor er lächelte.
"Sie sehnt sich also nach einem Mann, der nicht ihren Freundinnen verfällt und nur sie sieht?", erkundigte er sich.
"Ja. Aber diejenigen, die in Frage kommen, die kommen nicht zu ihr in den Teich, weil sie auf die Verführungen ja nicht anspringen. Es sind ja immer ihre Freundinnen auch da und auf Rudelknuddeln steht sie nun einmal nicht", fuhr Tracy den Gedanken fort.
"Hat sie den Mann vielleicht schon kennengelernt und deshalb den sehnsüchtigen Blick?", fragte er nach und Tracy dachte nach. Sie musste langsam eine Entscheidung treffen.
"Möglicherweise." Dann sah sie ihn wieder an und lächelte leicht. "Gehen wir nach der Ausstellung noch etwas Essen." Sie wollte ihm eine Chance geben, bevor er die Sache noch zu kompliziert wurde. Jetzt war nur noch die Frage, wie sie ihm das vermittelte.
Autor: Jenchan
Titel: Unbetitel
Challenge: Karte 1 - Das Bild: Hylas und die Nymphen von J. W. Waterhouse (für mich)
Fandom: Original (Tracy-versum)
Charaktere: Tracy und Er
Wörter: 1417
Warnings: unbetaed, nicht Korrektur gelesen
Disclaimer: Alles meins.
Continuation: Teil 1 | Teil 2
Kommentar: Ich mag Tracy und ich habe mir echt das Hirn zermatert, was ich mit diesem Bild anfangen soll. So viele vagen Ideen, aber nichts dabei, was sich wirklich umsetzen ließ.
Also habe ich auf das offensichtlichste zurückgegriffen. Ich hab btw keine Ahnung von Pflanzenpflege. Die erwähnte Pflanze wird auch blaue Lobelie oder Männertreu genannt. (Hat google mir verraten). Und ich hab keine Ahnung von Kunst. XD
Etwas ungeduldig wartete Tracy vor dem Eingang des Kunstmuseums. Sie würde es nie zugeben, aber sie war vorfreudig aufgeregt. Gina hatte sie ausgelacht, als sie vor wenigen Stunden telefoniert hatten. Sie hatte ihr unter die Nase gerieben, dass sie es ruhig zugeben konnte, dass sie ihn liebte und Tracy hätte ihr gerne eine Kopfnuss gegeben.
So war das ja gar nicht. Sie wollte im Moment keine Beziehung und sie waren auch noch nicht soweit. Sie lernten sich doch erst so richtig kennen und sie genoss diese Freundschaft. Er war ein sehr humorvoller, fürsorglicher Mensch, dem seine Freunde wichtig waren.
Wie immer hatte Gina aber davon nichts hören wollen und sie nur mit einem "Jaja, ich weiß schon. Ihr seid da beide sehr beharrlich mit dieser Freundschaftssache. Ich bin gespannt, wie lange ihr das noch durchhaltet."
Das hatte aber Tracy nicht hören wollen und hatte sich verabschiedet, nur um dann vor dem leidigen Thema zu stehen, was sie sich anziehen sollte. Er hatte - bevor sie mit Gina telefoniert hatte - bei ihr angerufen und sie spontan eingeladen. Er hätte gerade ein Plakat gesehen, dass eine Ausstellung eines alten Malers im Kunstmuseum gehalten wird und die bald enden würde und wenn sie noch nichts vorhätte - es war immerhin Sonntagvormittag - dann könnten sie doch dorthingehen. Zwanglos zwischen Freunden. Sie hatte nicht einmal gewusst, dass er Kunst mochte.
Und jetzt war sie aufgeregt. Der Maler, so stand auf dem Plakat vor dem Kunstmuseum, war John William Winterhouse. Das sagte ihr nicht viel, aber das war auch nicht wichtig. Das Hintergrundbild, das für das Plakat verwendet worden war, sah umso ansprechender aus.
sie sah auf die Uhr und stieß dann ein Seufzen aus. Er hatte immer noch Zeit - sie war vor Aufregung viel zu früh losgelaufen und jetzt hieß es warten. Eine schlechte Angewohnheit von ihr immer zu früh zu sein. Aber wenigstens war es schon Juni und dementsprechend warm. Zumindest heute. Sie hatten im angehenden Sommer schon schlechtere Wochenenden gehabt.
Einige davon waren aber unglaublich schön gewesen, nämlich die Tage, als er bei ihr vorbeigekommen war, es draußen wie aus Eimern geschüttet hatte und er mit DVD und Chips aufgewartet hatte, um dieses triste Wetter auszublenden. Dann hatten sie auf dem Sofa gesessen, Chips geknabbert und sich über die Filme unterhalten, die sie angekuckt hatten.
Wieder wurde ihr klar, wie sehr er sich um die Freundschaft bemühte und doch wusste sie, dass er sie sehr mochte. Aber er drängte nicht - im Gegenteil, wenn sie Tage zusammen verbrachten, dann bekam sie wirklich das Gefühl, dass sie nur Freunde waren. Und das war auch in Ordnung so. Das war, was sie wollte, weil sie von Beziehungskisten genug hatte. Weil es keinen Mann gab, der sie wirklich so nehmen würde, wie sie nun einmal war. Die diese besitzergreifende Seite von ihr schlichtweg ablehnten.
Das letzte, was sie wollte, war ihn durch diese kleine Tatsache zu verlieren. Da waren solche zwanglosen Treffen ohne Bindung und Verpflichtungen doch viel besser.
"Einen Groschen für deine Gedanken. Eben hast du noch gelächelt", riss er sie aus den Gedanken und schenkte ihr ein viel zu sympathisches Lächeln. "Bin ich zu spät?"
Tracy schüttelte den Kopf und schob damit ihre Gedanken zur Seite. "Nein, ich bin viel zu früh." Sie sah auf die Uhr und lächelte. "Du hast noch fünf Minuten."
"Dann... soll ich noch einmal gehen, damit ich wirklich pünktlich bin?", fragte er und schien sich schon jetzt zu amüsieren.
"Himmel, nein! Gehen wir lieber rein. Ich bin schon ganz neugierig", erwiderte Tracy lachend. Er hatte etwas an sich, dass sie immer und überall entspannen ließ. Vielleicht war es von ihr ungerecht, ihn so in der Luft hängen zu lassen, aber vielleicht hatte sich sein mögen ja auch schon in etwas platonisches verwandelt.
"Wow, so stürmisch", neckte er. "Kennst du den Maler gar nicht?" Tracy schüttelte den Kopf. "Wittere ich da etwa eine Bildungslücke?"
"Es kann halt nicht jeder Ahnung von Kunst haben", verteidigte sich Tracy. "Dafür glaube ich kaum, dass du eine Ahnung davon hast, wie man eine lobelia erinus pflegt."
"Eine was? Okay... schon verstanden. Aber ich glaube, du wirst den Maler mögen. Wenn ich dich richtig eingeschätzt habe", erwiderte er und bot ihr eine Hand an.
Tracy zögerte einen Moment, nahm sie dann aber an und führte sie die wenigen Schritte zum Eingang, wo er ihr die Türe aufhielt. "Oh vielen Dank", lächelte sie und deutete eine Verbeugung an, die ihm ein sanftes Lächeln entlockten. Tracy mochte sein Lächeln und sein Art und sie spürte wieder, dass er ein weiteres Stück ihres Herzens geraubt hatte.
Und kurz spukten ihr wieder Ginas Worte in ihrem Kopf herum, aber sie schob sie beiseite. Das war jetzt nicht wichtig.
Tatsächlich mochte sie die Bilder des Malers. Nachdem er für ihre Eintrittskarten bezahlt hatte - ein Umstand, der sie eigentlich stören hätte sollen, so unter Freunden - hatten sie die Ausstellung betreten. Die Bilder zeichneten sich alle durch eine sehr detailgetreue Ausarbeitung wieder und wirkten trotz der fantastischen Elemente sehr realistisch.
Aber am meisten fand sie es angenehm, dass sie scheinbar einen Experten mithatte, mit dem sie sich auch über Interpretationen und Hintergründe unterhalten konnte.
"Oh - das Bild ist echt bezeichnend für die Männerwelt", meinte sie als sie halb durch waren und vor dem nächsten Bild stehen blieben.
"Das ist aus der griechischen Mythologie. Hylas war ein treuer Freund des Herakles, aber die Nymphen haben ihn quasi ertränkt", erklärte er ihr und sie kicherte, wie ein kleines Mädchen.
"Wenn er sich auch verführen lässt. Aber sie sehen hübsch aus. Wie gewöhnliche Frauen - das mag ich", erwiderte sie und betrachtete einen Moment das Gemälde gedankenverloren.
So entstand wie schon so einige Male ein einträgliches Schweigen, bevor er leise meinte: "Ja, irgendwie hatte er wirklich einen Blick für Ästhetik. Die hier erinnert mich irgendwie an dich." Dabei deutete er auf die Frau mit den dunklen Haaren am äußeren Bildrand. "Jedenfalls hatte dein Gesichtsausdruck vor dem Museum fast genauso ausgesehen."
Tracy sah ihn überrascht an und betrachtete die Frau genauer. "Also ich war nicht gelangweilt", meinte sie dann. "Sie sieht irgendwie so aus, wie sie gar nicht bei den anderen sein wollte und nicht genau wüsste, was sie da überhaupt zu suchen hatte."
Er lachte. "Findest du? Also ich interpretiere das eher als einen sehnsüchtigen Blick. Aber in einem Punkt hast du recht. Sie will ganz offensichtlich nicht Hylas. Ich stelle mir vor, wenn du das wärst... vielleicht denkst du gerade an mich?"
Tracy bekam Herzrasen und schluckte. Sie traute sich gar nicht die Augen von dem Bild zu nehmen und schob ihre Hände in die Hosentasche. Jetzt war sie wieder nervös, dabei war das doch wirklich lächerlich.
Verdammt lächerlich.
Warum sah sie sich plötzlich in dem Bild und konnte genau nachvollziehen, was er meinte?
"Wir sind nur Freunde", erwiderte sie leise und irgendwie war die Stimmung jetzt ruiniert. Warum hatte er so etwas gesagt?
"Ja - aber kann man sich nicht auch nach Freunden sehnen?", erkundigte er sich. "Und wenn sie sich langweilt, wie du es interpretierst, dann wäre ich doch eine gute Wahl. Du scheinst mir jedenfalls immer viel Spaß zu haben, wenn wir etwas unternehmen."
Das war wahr. Wie hatte sie etwas anderes annehmen können? Hatte sie mit ihrer Vermutung recht und seine Gefühle hatten sich in etwas Platonisches verwandelt.
Schweigend gingen sie zum nächsten Gemälde und sie betrachtete es, aber ihre Gedanken waren noch bei Hylas und den Nymphen. "Ich kann die Nymphe irgendwie verstehen. Sie hocken da in ihrem Quellteich und wenn ein hübscher Mann vorbeikommt, verführen sie ihn. Diejenigen, die sich also verführen lassen, sind lauter Loser und treulose Tomaten. Wer will schon so einen Mann?", merkte sie dann an und ihre Blicke trafen sich kurz, bevor er lächelte.
"Sie sehnt sich also nach einem Mann, der nicht ihren Freundinnen verfällt und nur sie sieht?", erkundigte er sich.
"Ja. Aber diejenigen, die in Frage kommen, die kommen nicht zu ihr in den Teich, weil sie auf die Verführungen ja nicht anspringen. Es sind ja immer ihre Freundinnen auch da und auf Rudelknuddeln steht sie nun einmal nicht", fuhr Tracy den Gedanken fort.
"Hat sie den Mann vielleicht schon kennengelernt und deshalb den sehnsüchtigen Blick?", fragte er nach und Tracy dachte nach. Sie musste langsam eine Entscheidung treffen.
"Möglicherweise." Dann sah sie ihn wieder an und lächelte leicht. "Gehen wir nach der Ausstellung noch etwas Essen." Sie wollte ihm eine Chance geben, bevor er die Sache noch zu kompliziert wurde. Jetzt war nur noch die Frage, wie sie ihm das vermittelte.