Es könnte schlimmer sein. Oder?
Jun. 26th, 2011 09:03 pmTitel: Es könnte schlimmer sein. Oder?
Challenge: Wiedersehen mit alten Freunden
Fandom: Digimon
Charaktere: Yamato, Hikari, Sora, Taichi
Wörter: ~1800
Anmerkungen: Die Reihe wird länger... aber nur Teil 3 ist wirklich wichtig zum Verständnis. :)
Teil 1, Teil 2 und Teil 3
Irgendwie hatte er erwartet, dass etwas anders sein würde. Anders als vor einem Jahr… aber alles war wie immer. Die Autos, die durch die Straßen fuhren, die Schüler, die in kleinen Gruppen oder alleine auf dem Heimweg waren und… alles einfach. Nichts hatte sich verändert.
Trotzdem kam es ihm merkwürdig vor. Fremd.
Als würde er nicht mehr hergehören. Ein Fremder.
Jedenfalls fühlte er sich so. Vielleicht war das Auslandsjahr doch ein Fehler gewesen, er wusste es nicht. Aber eine schöne Erfahrung… Europa war so anders als Japan. Ein wenig wie eine andere Welt.
Er blieb stehen und sah sich um.
Ohne dass er es gemerkt hatte, war er fast bei Taichis Wohnung angekommen. Oder der seiner Eltern. Ob er immer noch dort lebte… Yamato wusste es nicht.
Es war traurig, dass er kein Teil mehr von Taichis Leben war. Warum hatte es nur so weit kommen müssen? „Yamato!“ Noch bevor er sich umdrehen konnte, hatte er ein Mädchen an sich kleben, das sich wenig später als Hikari herausstellte.
„Takeru hat erzählt, dass du heute wiederkommst, aber hier hab ich nicht mit dir gerechnet. Wie geht es dir, bist du gut angekommen?“ Sie strahlte ihn an und erinnerte ihn dabei schmerzhaft an Taichi.
„Ja… ich musste einfach raus.“
„Magst du mit zu mir kommen? Meine Eltern sind nicht da, aber ich kann dir einen Kaffee oder so machen. Du siehst aus, als könntest du ihn gebrauchen.“
Eigentlich wollte er ablehnen. Er wollte nicht ausgerechnet mit Taichis Schwester reden… aber vielleicht würde sie ihm etwas von ihm erzählen können. Von wegen vielleicht. Sie ist seine Schwester. Natürlich sollte sie da mehr wissen als ich! Und gerade deswegen sollte er sich das eigentlich nicht antun, aber er konnte einfach nicht anders. Dabei sollte er langsam eigentlich wirklich über früheren besten Freund hinweg sein. Irgendwie war das erbärmlich.
„Ich kann ihn sogar echt gut gebrauchen. Der im Flugzeug taugte nichts.“
„Dann komm! Und ich bring dich auf den neuesten Stand!“
„Meinst du nicht, dass Takeru das nicht schon gemacht hat?“
„Nein. Er ist ein Junge. Die können sowas einfach nicht.“
Das war… eine Aussage.
Hikari sah ihn beinahe unsicher an und sagte dann leise: „Außerdem gibt es wohl etwas, was du von mir erfahren solltest.“
Skeptisch hob er eine Augenbraue. Das klang ernst. Aber nicht so ernst, dass er sich wirklich Sorgen machen musste. Oder?
„Keine Sorge, es ist nichts schlimmes… nicht… naja. Nicht hier. Komm schon!“ Sie hakte sich bei ihm unter und wenig später fand er sich in der Wohnung der Yagamis wieder, wo sein Blick sofort auf einige Sportschuhe fiel. Taichi wohnte noch hier. „Ist Tai nicht da?“
„Nein… er ist selten zu Hause in letzter Zeit.“ Hikaris Stimme hatte schon wieder diesen komischen Unterton. Yamato begann zu ahnen, was Sache war. Langsam zog er seine Schuhe aus und stellte sie zu den anderen. Als ob er mit dieser so schmerzhaft vertrauten Handlung die Wahrheit irgendwie verdrängen könnte…
Aber er sprach es nicht aus. Er konnte es einfach nicht. Dabei sollte er doch eigentlich nicht überrascht sein. Taichi war nicht schwul. Auch wenn er ihn damals geküsst hatte. Da war er einfach nur betrunken gewesen.
„Wer ist es?“, fragte er leise, als er sich gesetzt hatte und Hikari zuckte fast unmerklich zusammen.
„Ich… eigentlich solltest du es nicht so erfahren… Sag mal, stört es dich nicht, dass ich weiß, dass du… naja…“
Konnte die Frau nicht einfach mal Klartext reden? Aber er konnte es sich schon denken. „Sora…“
Hikari nickte und sah dabei sehr unglücklich aus. „Es tut mir leid… sie… sie war sich so unsicher, ob sie es wirklich tun sollte. Tai ist mir ihr ausgegangen, kurz nachdem du nach Paris gegangen bist… Eigentlich wollte sie erst nicht, aber sie war in ihn verliebt und… sie hatte so ein schlechtes Gewissen wegen dir, dass sie… sie hat mit mir darüber geredet, sonst weiß es keiner!“
Er schnaubte. „Glaubst du, mich interessiert, ob alle wissen, dass ich schwul bin? Mit den Idioten in Frankreich die meinten rumpöbeln zu müssen bin ich auch klargekommen.“
„Das ist aber was anderes… wir haben doch alle so viel zusammen durchgemacht…“
„Meinst du nicht, dass es gerade dann egal sein sollte?“ Er verschränkte die Arme hinter seinen Kopf. „Aber ich werds denen nicht unter die Nase reiben. Ist nicht so, als hätten wir alle noch so viel miteinander zu tun…“
„Übermorgen kommst du aber? Takeru hat sich so darauf gefreut, dass wir uns alle treffen!“
„Natürlich komme ich. Ich habs Takeru versprochen, und das halte ich. Außerdem… sonst krieg ich Tai ja nicht zu sehen.“
„Ich verstehe wirklich nicht, was mit ihm los ist…“
„Aber ich kanns mir denken. Es ist meine Schuld.“
„Was? Nein! Bestimmt nicht! Ach, der Kaffee! Oder willst du doch lieber Tee?“
„Nee, Kaffee. Sonst stehe ich hier nicht mehr auf.“ Und er wollte eigentlich nicht mehr hier sein, wenn Taichi wiederkam. Wollte er ihn überhaupt noch sehen? Er fuhr sich mit einer Hand durch das Haar und sah Hikari nach, die in die Küche lief. Wie gut er diese Wohnung kannte… Oft genug war er mit Taichi hiergewesen und hatte auf seiner Spielkonsole irgendwelches Zeug gezockt. Hatte sich sein Gelaber über Fußball angehört und sich bei ihm über seine dummen Fangirls (allen voran Jun!) aufgeregt. Und… ja… er war einfach glücklich gewesen. Das war jetzt vorbei.
Müde stützte er den Kopf in seine Hände. Schlafen… einfach nur schlafen. Nicht denken müssen. Alles vergessen, wenigstens für ein paar Stunden. Das wäre so schön.
Eine Hand legte sich auf seine Schulter und er hörte, wie eine Tasse auf dem Tisch abgestellt wurde. Mit merklicher Anstrengung sah er auf und direkt in Hikaris Gesicht. „Tai vermisst dich. Ich weiß, dass er es tut.“ Sie lächelte und setzte sich neben ihn. „Er ist einfach nur ein blinder Idiot.“
Yamato schwieg dazu. Was sollte er auch sagen? Stattdessen beugte sich vor, um nach der Tasse zu greifen und sah, dass es kein Kaffee war, sondern Tee. „Äh…“
„Das hilft dir, dich wieder zu beruhigen. Außerdem haben die in Europa doch bestimmt keinen vernünftigen Grünen Tee.“
„Doch… haben sie. Ist zwar teuer, wenn man den richtigen haben will, aber die moderne Logistik macht eine Menge möglich.“ Das klang trockener als beabsichtigt, aber Hikari lachte. „Stimmt. Er muss noch etwas ziehen.“
Er sparte sich die Anmerkung, dass er das wusste und ließ die Tasse erstmal noch stehen. „Davon hab ich nicht viel gemerkt“, setzte er das Thema von eben ohne weitere Umschweife fort und seine Stimme klang bitter.
„Ich weiß auch nicht, was mit ihm los ist…“ Hikaris Stimme war mehr ein Seufzen als alles andere. „Ich verstehe ihn einfach nicht mehr. Weißt du… ich dachte ja erst, er wäre in dich verliebt, aber dann… was ist auf Takerus Geburtstag zwischen euch passiert?“
„Du weißt es nicht?“
Sie schüttelte den Kopf und lächelte mit einem winzigen Hauch von Spott. „Würde ich sonst fragen?“
„Wer weiß… Er hat mich geküsst. Ich… naja, ich hab ihn erwidert und bin dann abgehauen. Danach wollte er nicht mehr mit mir reden. Nicht darüber. Und er fing an, mir immer mehr aus dem Weg zu gehen.“ War das erst zwei Jahre her? Es fühlte sich an wie mindestens 20. Er nahm seine Tasse in beide Hände und spürte die Hitze, die von ihr ausging kaum. Seine Mundwinkel zuckten kurz und er war sich nicht ganz sicher, ob er lachen oder heulen sollte. „Man sollte meinen, ich wäre irgendwann darüber hinweg…“ Er nahm einen vorsichtigen Schluck und stellte die Tasse wieder ab. In Japan schmeckte der Tee doch irgendwie besser.
„Ihr…“, begann Hikari, verstummte dankenswerterweise aber wieder.
„Wie läuft bei dir denn so?“
„Es ist merkwürdig, bald mit der Schule fertigzuwerden… aber dann will ich eine Ausbildung zur Erzieherin machen. Das war schon immer mein Traum…“
Ja. Das wusste er. Und er verstand es nicht. Aber wenn sie meinte… es gab auch Leute, die diesen Job machten. Für ihn wäre es nichts. Hikari dagegen… doch, die könnte das wohl. Er sagte aber nichts und ließ sie einfach reden. Von Miyako und Ken, die ein Herz und eine Seele waren (Yamato verspürte großes Mitleid mit Ken), Mimi, die fast mit ihrer Ausbildung zur Konditorin fertig war und auf ihrem Weg unfreiwillig zahllose Männerherzen brach. Als dann noch irgendwie Jou ins Spiel kam, musste Yamatos müdes Hirn kapitulieren und er ließ Hikaris Worte mehr an sich vorbeiplätschern, während sein Tee sich langsam leerte.
Er begann schon zu überlegen, wie er sich am besten verabschiedete, als er hörte wie sich die Tür öffnete. Hikari verstummte auf der Stelle und als er sie ansah, sah er, wie ihre Lippen einen lautlosen Fluch formten.
Keine Sekunde später wusste er auch warum.
Sora lachte über irgendetwas, was Taichi wohl kurz zuvor gesagt haben musste. Scheiße… Ihm wurde heiß und kalt zugleich, seine Hände zitterten, als er den Griff um die Tasse löste, um sie auf dem Tisch abzustellen. Von der Hitze war die Haut gerötet, aber das war ihm im Moment egal. „Ich gehe besser…“ Seine Stimme klang flach, tonlos und er sah Hikari nicht an. Die berührte kurz seinen Arm, aber er ignorierte es und stand auf. „Danke für den Tee. Wir sehen uns dann übermorgen…“
„Wenn du ihm jetzt nicht begegnen willst, wie willst du das dann übermorgen schaffen?“
Das war eine verdammt gute Frage. „Dann bin ich wenigstens darauf vorbereitet.“
„Kari? Wen hast du denn zu…“ Die Tür zum Flur öffnete sich und Taichi erstarrte. Seine Augen wurden fast kugelrund. „Yama…to.“
„Tai? Alles okay?“ Soras roter Schopf schob sich in die Tür und sie wurde blass. Dann wurde Taichi unsanft zur Seite gestoßen und Yamato hatte eine heulende Sora am Hals hängen. Ihre Stimme war kaum hörbar, so leise sprach sie zwischen ihren Schluchzern. Sie musste sich wirklich vor der Begegnung gefürchtet haben, sonst war sie keine Heulsuse. „Es tut mir leid… es tut mir so leid… ich wollte es nicht, sei nicht sauer…“
Kurz erwiderte er die Umarmung. „Es ist nicht deine Schuld. Aber ich sollte wirklich besser gehen.“ Er schob sie sanft ein Stück von sich weg und sah sie an. Ja… er war nicht der einzige, der hier litt.
„Aber… aber übermorgen kommst du? Takeru hat es gesagt…. Wir wussten gar nicht, dass du heute schon wieder da bist.“ Sie schien sich wegen ihres Ausbruchs zu schämen, denn mit einer hastigen Bewegung wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht. Was wenig half, da direkt für Nachschub gesorgt wurde.
„Erst seit ein paar Stunden. Bis übermorgen.“
Er vermied es, sie nochmal anzusehen und nickte Hikari zu, die etwas murmelte, das wie „Ich bring dich zur Tür“, klang. Taichi stand jetzt zwar immerhin im Wohnzimmer, schien aber noch immer wie erstarrt. Eigentlich ein Wunder für jemanden, der normalerweise so eine große Klappe hatte. Yamato konnte das jetzt aber nicht würdigen. Er wollte nur hier raus.
Erst als er draußen auf der Straße stand, merkte er, dass er weinte.
Challenge: Wiedersehen mit alten Freunden
Fandom: Digimon
Charaktere: Yamato, Hikari, Sora, Taichi
Wörter: ~1800
Anmerkungen: Die Reihe wird länger... aber nur Teil 3 ist wirklich wichtig zum Verständnis. :)
Teil 1, Teil 2 und Teil 3
Irgendwie hatte er erwartet, dass etwas anders sein würde. Anders als vor einem Jahr… aber alles war wie immer. Die Autos, die durch die Straßen fuhren, die Schüler, die in kleinen Gruppen oder alleine auf dem Heimweg waren und… alles einfach. Nichts hatte sich verändert.
Trotzdem kam es ihm merkwürdig vor. Fremd.
Als würde er nicht mehr hergehören. Ein Fremder.
Jedenfalls fühlte er sich so. Vielleicht war das Auslandsjahr doch ein Fehler gewesen, er wusste es nicht. Aber eine schöne Erfahrung… Europa war so anders als Japan. Ein wenig wie eine andere Welt.
Er blieb stehen und sah sich um.
Ohne dass er es gemerkt hatte, war er fast bei Taichis Wohnung angekommen. Oder der seiner Eltern. Ob er immer noch dort lebte… Yamato wusste es nicht.
Es war traurig, dass er kein Teil mehr von Taichis Leben war. Warum hatte es nur so weit kommen müssen? „Yamato!“ Noch bevor er sich umdrehen konnte, hatte er ein Mädchen an sich kleben, das sich wenig später als Hikari herausstellte.
„Takeru hat erzählt, dass du heute wiederkommst, aber hier hab ich nicht mit dir gerechnet. Wie geht es dir, bist du gut angekommen?“ Sie strahlte ihn an und erinnerte ihn dabei schmerzhaft an Taichi.
„Ja… ich musste einfach raus.“
„Magst du mit zu mir kommen? Meine Eltern sind nicht da, aber ich kann dir einen Kaffee oder so machen. Du siehst aus, als könntest du ihn gebrauchen.“
Eigentlich wollte er ablehnen. Er wollte nicht ausgerechnet mit Taichis Schwester reden… aber vielleicht würde sie ihm etwas von ihm erzählen können. Von wegen vielleicht. Sie ist seine Schwester. Natürlich sollte sie da mehr wissen als ich! Und gerade deswegen sollte er sich das eigentlich nicht antun, aber er konnte einfach nicht anders. Dabei sollte er langsam eigentlich wirklich über früheren besten Freund hinweg sein. Irgendwie war das erbärmlich.
„Ich kann ihn sogar echt gut gebrauchen. Der im Flugzeug taugte nichts.“
„Dann komm! Und ich bring dich auf den neuesten Stand!“
„Meinst du nicht, dass Takeru das nicht schon gemacht hat?“
„Nein. Er ist ein Junge. Die können sowas einfach nicht.“
Das war… eine Aussage.
Hikari sah ihn beinahe unsicher an und sagte dann leise: „Außerdem gibt es wohl etwas, was du von mir erfahren solltest.“
Skeptisch hob er eine Augenbraue. Das klang ernst. Aber nicht so ernst, dass er sich wirklich Sorgen machen musste. Oder?
„Keine Sorge, es ist nichts schlimmes… nicht… naja. Nicht hier. Komm schon!“ Sie hakte sich bei ihm unter und wenig später fand er sich in der Wohnung der Yagamis wieder, wo sein Blick sofort auf einige Sportschuhe fiel. Taichi wohnte noch hier. „Ist Tai nicht da?“
„Nein… er ist selten zu Hause in letzter Zeit.“ Hikaris Stimme hatte schon wieder diesen komischen Unterton. Yamato begann zu ahnen, was Sache war. Langsam zog er seine Schuhe aus und stellte sie zu den anderen. Als ob er mit dieser so schmerzhaft vertrauten Handlung die Wahrheit irgendwie verdrängen könnte…
Aber er sprach es nicht aus. Er konnte es einfach nicht. Dabei sollte er doch eigentlich nicht überrascht sein. Taichi war nicht schwul. Auch wenn er ihn damals geküsst hatte. Da war er einfach nur betrunken gewesen.
„Wer ist es?“, fragte er leise, als er sich gesetzt hatte und Hikari zuckte fast unmerklich zusammen.
„Ich… eigentlich solltest du es nicht so erfahren… Sag mal, stört es dich nicht, dass ich weiß, dass du… naja…“
Konnte die Frau nicht einfach mal Klartext reden? Aber er konnte es sich schon denken. „Sora…“
Hikari nickte und sah dabei sehr unglücklich aus. „Es tut mir leid… sie… sie war sich so unsicher, ob sie es wirklich tun sollte. Tai ist mir ihr ausgegangen, kurz nachdem du nach Paris gegangen bist… Eigentlich wollte sie erst nicht, aber sie war in ihn verliebt und… sie hatte so ein schlechtes Gewissen wegen dir, dass sie… sie hat mit mir darüber geredet, sonst weiß es keiner!“
Er schnaubte. „Glaubst du, mich interessiert, ob alle wissen, dass ich schwul bin? Mit den Idioten in Frankreich die meinten rumpöbeln zu müssen bin ich auch klargekommen.“
„Das ist aber was anderes… wir haben doch alle so viel zusammen durchgemacht…“
„Meinst du nicht, dass es gerade dann egal sein sollte?“ Er verschränkte die Arme hinter seinen Kopf. „Aber ich werds denen nicht unter die Nase reiben. Ist nicht so, als hätten wir alle noch so viel miteinander zu tun…“
„Übermorgen kommst du aber? Takeru hat sich so darauf gefreut, dass wir uns alle treffen!“
„Natürlich komme ich. Ich habs Takeru versprochen, und das halte ich. Außerdem… sonst krieg ich Tai ja nicht zu sehen.“
„Ich verstehe wirklich nicht, was mit ihm los ist…“
„Aber ich kanns mir denken. Es ist meine Schuld.“
„Was? Nein! Bestimmt nicht! Ach, der Kaffee! Oder willst du doch lieber Tee?“
„Nee, Kaffee. Sonst stehe ich hier nicht mehr auf.“ Und er wollte eigentlich nicht mehr hier sein, wenn Taichi wiederkam. Wollte er ihn überhaupt noch sehen? Er fuhr sich mit einer Hand durch das Haar und sah Hikari nach, die in die Küche lief. Wie gut er diese Wohnung kannte… Oft genug war er mit Taichi hiergewesen und hatte auf seiner Spielkonsole irgendwelches Zeug gezockt. Hatte sich sein Gelaber über Fußball angehört und sich bei ihm über seine dummen Fangirls (allen voran Jun!) aufgeregt. Und… ja… er war einfach glücklich gewesen. Das war jetzt vorbei.
Müde stützte er den Kopf in seine Hände. Schlafen… einfach nur schlafen. Nicht denken müssen. Alles vergessen, wenigstens für ein paar Stunden. Das wäre so schön.
Eine Hand legte sich auf seine Schulter und er hörte, wie eine Tasse auf dem Tisch abgestellt wurde. Mit merklicher Anstrengung sah er auf und direkt in Hikaris Gesicht. „Tai vermisst dich. Ich weiß, dass er es tut.“ Sie lächelte und setzte sich neben ihn. „Er ist einfach nur ein blinder Idiot.“
Yamato schwieg dazu. Was sollte er auch sagen? Stattdessen beugte sich vor, um nach der Tasse zu greifen und sah, dass es kein Kaffee war, sondern Tee. „Äh…“
„Das hilft dir, dich wieder zu beruhigen. Außerdem haben die in Europa doch bestimmt keinen vernünftigen Grünen Tee.“
„Doch… haben sie. Ist zwar teuer, wenn man den richtigen haben will, aber die moderne Logistik macht eine Menge möglich.“ Das klang trockener als beabsichtigt, aber Hikari lachte. „Stimmt. Er muss noch etwas ziehen.“
Er sparte sich die Anmerkung, dass er das wusste und ließ die Tasse erstmal noch stehen. „Davon hab ich nicht viel gemerkt“, setzte er das Thema von eben ohne weitere Umschweife fort und seine Stimme klang bitter.
„Ich weiß auch nicht, was mit ihm los ist…“ Hikaris Stimme war mehr ein Seufzen als alles andere. „Ich verstehe ihn einfach nicht mehr. Weißt du… ich dachte ja erst, er wäre in dich verliebt, aber dann… was ist auf Takerus Geburtstag zwischen euch passiert?“
„Du weißt es nicht?“
Sie schüttelte den Kopf und lächelte mit einem winzigen Hauch von Spott. „Würde ich sonst fragen?“
„Wer weiß… Er hat mich geküsst. Ich… naja, ich hab ihn erwidert und bin dann abgehauen. Danach wollte er nicht mehr mit mir reden. Nicht darüber. Und er fing an, mir immer mehr aus dem Weg zu gehen.“ War das erst zwei Jahre her? Es fühlte sich an wie mindestens 20. Er nahm seine Tasse in beide Hände und spürte die Hitze, die von ihr ausging kaum. Seine Mundwinkel zuckten kurz und er war sich nicht ganz sicher, ob er lachen oder heulen sollte. „Man sollte meinen, ich wäre irgendwann darüber hinweg…“ Er nahm einen vorsichtigen Schluck und stellte die Tasse wieder ab. In Japan schmeckte der Tee doch irgendwie besser.
„Ihr…“, begann Hikari, verstummte dankenswerterweise aber wieder.
„Wie läuft bei dir denn so?“
„Es ist merkwürdig, bald mit der Schule fertigzuwerden… aber dann will ich eine Ausbildung zur Erzieherin machen. Das war schon immer mein Traum…“
Ja. Das wusste er. Und er verstand es nicht. Aber wenn sie meinte… es gab auch Leute, die diesen Job machten. Für ihn wäre es nichts. Hikari dagegen… doch, die könnte das wohl. Er sagte aber nichts und ließ sie einfach reden. Von Miyako und Ken, die ein Herz und eine Seele waren (Yamato verspürte großes Mitleid mit Ken), Mimi, die fast mit ihrer Ausbildung zur Konditorin fertig war und auf ihrem Weg unfreiwillig zahllose Männerherzen brach. Als dann noch irgendwie Jou ins Spiel kam, musste Yamatos müdes Hirn kapitulieren und er ließ Hikaris Worte mehr an sich vorbeiplätschern, während sein Tee sich langsam leerte.
Er begann schon zu überlegen, wie er sich am besten verabschiedete, als er hörte wie sich die Tür öffnete. Hikari verstummte auf der Stelle und als er sie ansah, sah er, wie ihre Lippen einen lautlosen Fluch formten.
Keine Sekunde später wusste er auch warum.
Sora lachte über irgendetwas, was Taichi wohl kurz zuvor gesagt haben musste. Scheiße… Ihm wurde heiß und kalt zugleich, seine Hände zitterten, als er den Griff um die Tasse löste, um sie auf dem Tisch abzustellen. Von der Hitze war die Haut gerötet, aber das war ihm im Moment egal. „Ich gehe besser…“ Seine Stimme klang flach, tonlos und er sah Hikari nicht an. Die berührte kurz seinen Arm, aber er ignorierte es und stand auf. „Danke für den Tee. Wir sehen uns dann übermorgen…“
„Wenn du ihm jetzt nicht begegnen willst, wie willst du das dann übermorgen schaffen?“
Das war eine verdammt gute Frage. „Dann bin ich wenigstens darauf vorbereitet.“
„Kari? Wen hast du denn zu…“ Die Tür zum Flur öffnete sich und Taichi erstarrte. Seine Augen wurden fast kugelrund. „Yama…to.“
„Tai? Alles okay?“ Soras roter Schopf schob sich in die Tür und sie wurde blass. Dann wurde Taichi unsanft zur Seite gestoßen und Yamato hatte eine heulende Sora am Hals hängen. Ihre Stimme war kaum hörbar, so leise sprach sie zwischen ihren Schluchzern. Sie musste sich wirklich vor der Begegnung gefürchtet haben, sonst war sie keine Heulsuse. „Es tut mir leid… es tut mir so leid… ich wollte es nicht, sei nicht sauer…“
Kurz erwiderte er die Umarmung. „Es ist nicht deine Schuld. Aber ich sollte wirklich besser gehen.“ Er schob sie sanft ein Stück von sich weg und sah sie an. Ja… er war nicht der einzige, der hier litt.
„Aber… aber übermorgen kommst du? Takeru hat es gesagt…. Wir wussten gar nicht, dass du heute schon wieder da bist.“ Sie schien sich wegen ihres Ausbruchs zu schämen, denn mit einer hastigen Bewegung wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht. Was wenig half, da direkt für Nachschub gesorgt wurde.
„Erst seit ein paar Stunden. Bis übermorgen.“
Er vermied es, sie nochmal anzusehen und nickte Hikari zu, die etwas murmelte, das wie „Ich bring dich zur Tür“, klang. Taichi stand jetzt zwar immerhin im Wohnzimmer, schien aber noch immer wie erstarrt. Eigentlich ein Wunder für jemanden, der normalerweise so eine große Klappe hatte. Yamato konnte das jetzt aber nicht würdigen. Er wollte nur hier raus.
Erst als er draußen auf der Straße stand, merkte er, dass er weinte.
no subject
Date: 2011-06-26 08:16 pm (UTC)Tai, Yamato und ich, dass is auch so ein Dreier, der schon seit Jahren geht XD
no subject
Date: 2011-06-26 09:35 pm (UTC)Danke für deinen Kommentar! <3 Die beiden sind auch mein absolutes OTP!