[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Arashi
Personen: Aiba, Nino, Ohno
Challenge: Metaphern
Wörter: 1.674
Warnungen: abgedroschener Schluss; plumpe Metapher ist plump
Disclaimer: Leibeigene von JE, leihe sie mir nur aus.

„Der Hauptheld, das ist ein ganz neuer Heldentypus“, sagt Nino, während Ohno, der Charakterdesigner, flinke Finger auf dem Papierbogen entlanghuschen und den Stift hin- und herjagen lässt.
Aiba legt den Kopf schief.
„Der sieht aber aus wie Zelda“, merkt er an.
„Quatsch, du hast nur keine Ahnung!“, wedelt Nino ihn von Ohnos Arbeitsplatz weg.
„Und die Geschichte des Spiels?“
„Hab ich selbst entworfen.“
Nino führt ihn zu einem winzigen Schreibtisch in der Ecke des Büros, auf dem sich Papier, Akten, Zeichnungen, Rechnungen (mit roten Zahlen, Unterstrichen und Ausrufezeichen befinden), gen Zimmerdecke stapeln. Er rückt den zerschlissenen Drehstuhl nach hinten, bedeutet Aiba, sich zu setzen und lehnt sich, sich langsam die Ärmel seines Hemdes hochkrempelnd, gegen den überladenen Tisch.
„Der Held ist ein einfacher Bauernsohn in einem Königreich, das wir erstmal fiktiv irgendwo im europäischen Mittelalter angesiedelt haben. Tüchtiger Bursche, herzensgut, das ganze Programm. Die Zielgruppe sollen Oberschülerinnen und Studentinnen sein, vielleicht kriegen wir auch noch ein paar Otakus mit irgendwelchen Kinks, die wir noch nicht kennen, mit.“
Er schaut träumerisch nach rechts oben und verschränkt langsam die Arme.
„Jedenfalls sieht er eines Tages die Königstochter und verliebt sich auf den ersten Blick unsterblich in sie. Allerdings ist das Mädel nicht so von der glücklichsten Sorte. Hätten wir das wirkliche Leben, wäre sie wahrscheinlich Emo und würde Blogberichte über ihr Borderline-Syndrome posten.“
Aiba zieht die Augenbrauen hoch.
„Guck nicht so! Jedenfalls wünscht sich die Königstochter nichts sehnlicher, als ein Einhorn zu sehen. Der König lässt das verlauten und hier kommt der Bauer ins Spiel.“
„Er zieht los um ein Einhorn zu suchen?“
„So schwer ist die Story nicht vorherzusehen, oder?“, grinst Nino Aiba schief an und beginnt in seiner Hosentasche nach Zigarettenschachtel und Feuerzeug zu kramen.
„Wie gesagt, eine typische Geschichte für Mädchen mit einer netten Rahmenhandlung, in der wir jetzt ganz bequem Oger und Zwerge und Elben und was weiß ich nicht noch alles einbauen können.“
Aiba kaut nachdenklich auf seiner Unterlippe herum während er sich umsieht.
Ohno zeichnet vertieft an seinem Charakter herum, ein kleiner Mann, vergraben in Papierhaufen, Stiften und Pinseln. Dahinter sitzen zwei andere Kerle, die eigentlich aussehen als könnten sie als Bänker oder Models arbeiten und nicht einmal hochsehen.

„Nette Firma, die du da hast“, sagt er hinterher als er mit Nino bei Starbucks sitzt und dem eine heiße Schokolade spendiert. Ein Jugendfreund, den er lange nicht gesehen hat und der immer noch genauso dauerpleite ist wie früher. Oder zumindest so tut. Bei Nino weiß man das nie.
Aiba sagt „nett“, weil er nicht weiß, ob Nino von ihm erwartet, dass er sich erwachsen verhält. Ob Nino denkt, man müsse zum Reden essengehen oder ob es reicht, sich für zwei Stunden eine Karaoke-Box zu mieten und sich sechs Liter reinliefern zu lassen.
Das war einmal sein bester Freund.
Aber was ist aus ihm geworden? Wie kann jemand immer noch genauso schelmisch grinsen wie vor zehn Jahren?
Aiba runzelt innerlich die Stirn, wenn er Ninos zitternde Hände betrachtet, die Zigaretten, die er innerhalb einer Stunde raucht, zählt; wenn er versucht sich daran zu erinnern, ob Nino früher auch schon immer so rotgeränderte Augen hatte.

Aber welches Recht hat er, sich da einzumischen? Er, der sich ewig nicht gemeldet hat.

Als er an diesem Abend nach Hause geht, muss er an die Schulzeit denken. Da waren Dinge noch so viel einfacher; da hat Nino ihn Hausaufgaben abschreiben und sich dafür Eis spendieren lassen, da sind sie gemeinsam heimgefahren, da wirkte alles noch ein wenig aufrichtiger.


Wochen später beschließt Aiba, ihn mal wieder anzurufen. Aus reiner Neugier und weil er den Kontakt diesmal nicht wieder schleifen lassen will, nur weil man „so beschäftigt“ ist.
„Wie geht´s mit deinem Spiel voran?“
„Wir sind dabei. Ich denke, in ein-zwei Monaten haben wir die Testversion fertig.“
„Echt? Das ist ja riesig! Ich freu mich für dich!“
„Äh, danke.“
„Nein, ehrlich. Ich find´s toll, dass du dir deinen Traum erfüllt hast. Eine eigene Firma für Spielesoftware. Das ist doch super!“
„Pff, Aiba-chan, hyper wie immer. Wenn du dich so drauf freust, geb ich dir Testversion gern mal zum Anspielen.“


Ohno sieht immer irgendwie schläfrig aus, stellt Aiba fest, als er den Mann eines Tages zufällig im Berufsverkehr an der Yamanote-Linie trifft.
„Uh, hallo“, grüßt Ohno murmelnd als sie gemeinsam in den Zug gedrückt werden.
„Ninos Freund..äh..“
„Aiba Masaki.“
„Ah, richtig. Aiba-kun.“
„Wie geht´s mit dem Spiel voran?“
Der Mann starrt ihn an und kratzt sich langsam und verschlafen den Kopf.
„Naja, wie es solch einem Spiel schon gehen kann.“
Er zuckt mit den Schultern.
„Ich sehe schon“, entgegnet Aiba lachend, „Ninos unglaublicher Enthusiasmus steckt alle an.“
Dann sagt Ohno gar nichts mehr und Aiba wundert sich, zunehmends verunsichert, ob er irgendetwas falsch gemacht hat.

Der Nino von damals scheint sich mit keiner Faser in dem heutigen zu spiegeln. Menschen verändern sich. Ninomiya Kazunari allerdings scheint sich ausgetauscht zu haben. Nino ist plötzlich höflich und abgebrüht, er erklärt seine Programmiertechniken mit fünftausend Fachtermini statt zu vereinfachen, wie er es damals immer gemacht hat, wenn er Aiba Mathe erklärt hat. Er will nicht mehr verstanden werden.

Und dann sitzt Ninos Stimme in Aibas Kopf, wie ein kleiner, grüner Kobold, giftig und zischend wie eine Schlange und sagt: „Was hast du erwartet, wir sind erwachsen geworden, du Vollidiot.“

Ein paar Wochen später hat Aiba ein kleines, braunes Päckchen im Briefkasten. Er fängt aufgeregt an zu hibbeln, als er das Spiel- Ninos allererstes Spiel auspackt, entstaubt seinen Nintendo DS, kauft schnell Chips und Cola ein und meldet sich für den Tag krank. Er wird der wackere Bauernsohn, durchkämmt tiefe, geheimnisvolle Wälder, trifft Hexen und Zauberer, Ritter und Räuber, lacht und flucht (weil er unzählige Rätsel nicht lösen kann), staunt und stöhnt.


„Wir haben Feierabend“, schnarrt Ninos Stimme als Aiba etwa 22 Uhr gegen die Tür seines Büros hämmert. Aiba reißt die Tür trotzdem auf und stürmt atemlos hinein.
„Ah, Aiba-chan, war ja klar, du hast ja noch nie gemacht was ich dir sage.“
„Ein Programmierfehler“, wirft ihm Aiba entgegen, wedelt mit dem winzigen Spielchip in den Fingern herum und knallt ihn schließlich, aufgebracht wie er ist, auf einen Papierstapel auf Ninos Schreibtisch.
„Ich dachte, ich sage dir so schnell wie möglich Bescheid, damit ihr das bearbeiten könnt. Am Ende gibt es einen Programmierfehler!“
Nino guckt ihn von seinem Bürostuhl aus an, im Mundwinkel eine glühende, auf sein Hemd aschende Zigarette.
„Am Ende, in der Höhle von Asparagas-„
„Asparagajus, bitte, ich benenne keine Höhle nach hässlichem weißen Gemüse!“
„Ah, richtig, also die Stelle, wo der Zauberer die drei Rätsel aufgibt, da ist ein Fehler. Ich hab alle drei Fragen richtig beantwortet, was ja auch lang genug gedauert hat“, Aiba wischt sich demonstrativ Schweiß von der Stirn,
„Da müsste eigentlich das Einhorn erscheinen. Aber da kommt keins. Der Zauberer hat mich nur wieder rausgeschmissen und dann wurde ich von den Soldaten des Königs festgenommen und musste am Pranger stehen und wurde ganz am Ende irgendwie...nun ja...geköpft.“
Nino guckt ihn nicht an, sondern tippt irgendwie auf seinem Laptop herum.
„Klingt doch fehlerfrei. Das ist doch prima.“
Dann dreht er sich zu Aiba um und grinst gewinnend.
„Was? Nein!“
Aiba kniet sich, außer sich, neben Nino und fasst ihn am Hemd.
„Ich bin tot, Nino, und da ist kein Einhorn! Du kannst deinem Spieler nicht ein Einhorn versprechen und es dann am Ende gar nicht einbauen! Das geht nicht!“
„Komisch“, murmelt Nino und macht sich sanft los.
„Das gleiche haben die von der Auftragsfirma auch gesagt als sie uns den Auftrag gekündigt haben.“
Aiba blinzelt.
„Was?“
„Ja, das war eigentlich schon ziemlich früh. Vor ungefähr einem halben Jahr.“
„Versteh ich nicht“, sagt Aiba und nimmt einen Schneidersitz ein.
„Du hast es doch beendet. Ich hätte es doch sonst gar nicht spielen können.“

Das ist der Moment, in dem Nino ihn ein klein wenig anschaut wie damals in der Schule, wenn er wieder schlechte Nachrichten von der Scheidung seiner Eltern in die Schule mitgebracht hat.
„Du Blödmann warst doch die ganze Zeit so versessen auf das Scheiß-Spiel“, nuschelt er an seiner Zigarette vorbei und guckt auf seine Füße.
„Du hast es nur für mich zuendegebaut?“
„Ich hab es nicht gebaut, ich hab es programmiert! Ehrlich, deine Ausdrucksweise hat sich kein Stück gebessert!“
„Ja, aber...“
Aiba kann es nicht fassen.
„Aber warum hast du dann kein Einhorn eingebaut?“
„Himmelhergottnochmal, Masaki!“
Er zuckt zusammen als Nino plötzlich so laut wird und die Zigarette wutentbrannt in einem Aschenbecher ausdrückt.
„Es war von Anfang keins eingeplant! Was denkst du, weshalb mir der Auftrag gekündigt wurde! Die waren genauso drauf wie du! `Wir wollen das Einhorn, Ninomiya, wo ist das Einhorn´, blablabla!“
Aiba hält die Luft an, weil er die Atmosphäre im Raum stickig und hart werden spürt. Weil er sieht wie Ninos Finger zittern wie Espenlaub. Weil der Mann aussieht wie am Rande eines Nervenzusammenbruchs.
„Es gibt aber nun mal kein Einhorn, verflucht nochmal! Ich schreibe keine abgedroschenen Geschichten. Prinzessinnen werden nicht plötzlich grundlos glücklich, weil sich ihre Situation nie ändert. Die werden zu einem fetten, hässlichen Grafen gesteckt in ein fremdes Schloss und müssen mit dem vögeln und Bauern müssen nun mal bestraft werden, wenn sie unproduktiv in Wäldern rumrennen. Die Welt ist nun mal nicht perfekt! Und ihr schreit nach alle nach eurem bescheuerten Einhorn!“

Aiba schließt ihn in die Arme bevor Nino fertiggeflucht und –geschimpft hat.
Der Mann ist klein und dünn und fühlt sich an wie trockener, heißer Wüstensand, der in seinen Armen zu verrinnen droht. Er versucht er, seinen Freund wegzuschieben, lässt es dann aber sein. Ein paar Schuljahre haben ihm beigebracht, dass das bei Aiba Masaki keinen Zweck hat.

Es ist eine Weile her seitdem Aiba vergessen hat, dass manche Menschen nun mal ein wenig zerbrechlicher sind als andere.
Es ist so lange her, seitdem er- ausgerechnet er- seinen Freund zumindest ein bisschen vor der Welt abgeschirmt hat.

„Du hast Recht“, murmelt er in Ninos Haar.
„Du hast vollkommen Recht. Aber versprich mir bitte eines, ja?“
Nino hängt in seiner Umarmung möchte eigentlich in erster Linie gar nicht bemerkt werden.
Also hmt er nur.
Aber ach, das ist soviel besser als das Theater zuvor.

„Bau demnächst erstmal nur Action-Jump’n’Run-Spiele, okay?“

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