[identity profile] rei17.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: The social Network
Pairings: Chris, Dustin, Eduardo, Mark
Challenge: Was Neues, was Altes, was Geliehenes und was Blaues.
Wörter: ~1700
Summary:: Chris findet etwas, was niemand verloren hat und doch allen fehlt, Dustin sieht zu viele schlechte Filme und Wardo bekommt (nicht so) anonyme Briefe
Anmerkung: Nach der ganzen Angst, brauchte ich ein was flauschigeres/lustigeres. Das ist nun leider etwas ausgeartet ... *drop* Ich hab keine Ahnung, worauf es hinausläuft, aber vermutlich wird es vollkommen schamlos. Danke an [livejournal.com profile] hope_calaris fürs enablen und anfeuern.



Es ist Chris, der das Album findet.
Und wenn man es genauer nimmt, findet das Album eigentlich ihn.
Es fällt ein paar Zentimeter an seinem Kopf vorbei, als er Marks Schrank im Haus in Palo Alto ausräumt und landete mit einem Knall auf dem Boden. Chris zuckt zusammen und flucht verärgert. Das ist der Lohn dafür, wenn man Mark die Arbeit abnimmt. Man wird beinah erschlagen.

Er seufzt und fragt sich zum zweiten Mal, wieso er sich dazu hat breit schlagen hat lassen. Mark ist inzwischen reich genug, um sich so viele Umzugsfirmen zu bestellen wie er USB-Sticks hat. Aber nein, Chris muss babysitten und auf alles aufpassen, nur weil Mark nicht mag, wenn fremde Leute seine Sachen anfassen.

Chris kniet neben dem DinA4-großen Gegenstand nieder. Es ist ein Buch, dunkelblau und mit einer dicken Schicht Staub bedeckt.
Er blättert zuerst ein wenig ziellos, dann immer langsamer und überraschter.

Es ist ein Fotoalbum.
Die Bilder sind aus Kirkland. Chris erkennt ihre alte WG, Marks permanent zerwühltes Bett, ihr uralter Kühlschrank, der ständig den Geist aufgegeben hat, die Couch mit den vielen flauschigen Decken, die Dustin dort deponiert hat, den Campus und das Gebäude von Alpha-Epsilon-Pi. Und überall sind sie.
Mark. Wardo. Dustin. Und Chris selbst.
Hin und wieder andere Leute. Billy Olson, Becky aus Statistik, die versucht hat Dustin beizubringen zu stricken (warum auch immer), Kyle, in den Chris mal so verknallt war (und der ein totaler Arsch war).
Aber immer wieder und vor allem sie.
Wardo und Dustin, die mit einem Bier auf der Couch herumlümmeln. Mark an seinem Laptop, Wardo dahinter auf dem Bett. Chris und Dustin bei dem Versuch was zu kochen. In der Mensa. Draußen. Der Ausflug zum Meer. Wardo und Mark in Badehosen. Dustin mit Sonnenbrand. Chris selbst, der auf einem Handtuch eingeschlafen ist. Wardos neues Auto und Dustin und Mark die mit Sonnenbrillen an der Kühlerhaube lehnen.

Sie sehen glücklich aus. Faul. Planlos. Und unglaublich jung. Sogar Mark.
Sie sehen aus wie andere Menschen, die irgendwann einmal vor langer, langer Zeit gelebt haben, bevor es Facebook gab und bevor sie alle Multimillionäre geworden sind. Bevor alles so katastrophal den Bach heruntergegangen ist.
Chris schluckt. Er kann sich nicht einmal daran erinnern, dass überhaupt irgendjemand fotografiert hat.

Noch rätselhafter als die Tatsache, dass Mark überhaupt ein Fotoalbum besitzt, ist die Tatsache, dass er es aufgehoben hat.
Beide Rätsel werden durch die geschwungene Handschrift auf der Innenseite gelöst.
Eduardo hat mir geholfen die besten Bilder auszusuchen. Herzlichen Glückwunsch, mein Schatz. In Liebe deine Mutter.

Natürlich. Mark wäre so ziemlich der letzte Mensch auf der Welt, dem die Idee gekommen wäre, Bilder auszudrucken und säuberlich einzukleben.

Behutsam schließt Chris das Buch.
Er ist nicht ganz sicher, was er damit anstellen soll.

Am Ende steckt er es ein und nimmt es mit. Weil er nicht will, dass fremde Menschen es in die Hände bekommen.

Er versucht ein paar Mal mit Mark darüber zu reden und ihn zu fragen, was er damit machen soll. Aber Mark ist…Mark ist nicht ganz da, seit Wardo fort ist. Er vergräbt sich in Arbeit und er programmiert zu viel, trinkt zu viel und schläft zu wenig.
Einmal erwähnt Chris Wardos Namen und dann wünschte er sich, er hätte es nicht getan. Marks Finger erstarren auf der Tastatur, nur eine Sekunde lang. Dann tippt er weiter, als hätte Chris nichts gesagt. Aber allein der winzige Blick, den Chris auf sein Gesicht erhascht, überzeugt ihn davon, dass er ihm das Album nicht geben kann.

Chris will es nicht behalten und er bringt es auch nicht über sich, es wegzuwerfen. Aber solange es in seiner Schublade liegt, erinnert es ihn daran, was alles schief gelaufen ist. Was sie verloren haben.
Es ist wie eine offene Wunde, an der man nicht aufhören kann zu kratzen.

Manchmal möchte er es Mark um die Ohren hauen. Manchmal möchte er Mark davor beschützen, es jemals in die Finger zu bekommen.

Am Ende schenkt er es Dustin.

Dustin ist ganz still, als er es durchblättert.
Er räuspert sich viel zu oft und Chris starrt auf seine Schuhe um ihm dabei nicht ins Gesicht sehen zu müssen.

„Ich dachte…“, er zuckt hilflos mit den Schultern und reibt seine feuchten Hände über die Knie, „vielleicht kannst du was damit anfangen.“

Vielleicht war es die beste Idee, die er jemals hatte.

Dustin nickt und er sieht ein wenig verloren aus.
„Okay.“ Er nickt folgsam, so als hätte Chris ihm einen Auftrag erteilt. In diesem Augenblick denkt Chris nicht weiter darüber nach, aber zwei Wochen später stolpert er über Dustin, der an seinem Arbeitsplatz in der Firma sitzt und mit einer Schere an etwas herum schnippelt, das verdächtig nach einem Stapel Fotos aussieht.

„Was machst du da?“ Chris runzelt die Stirn.

„Ich arbeite.“ Dustin wedelt abwinkend mit der freien Hand. Er hat die Zungenspitze zwischen die Zähne geklemmt und sieht hochkonzentriert aus.

Okay. Was auch immer. Vielleicht tut Dustin das wirklich. Was versteht Chris schon vom Programmieren. Nicht viel.

Ein paar Tage später klingelt sein Telefon. Nicht das im Büro.
Es ist sein Privathandy.

Er klappt es auf, ohne auf das Display zu gucken (es ist vermutlich sowieso seine Mutter), die Augen auf den Bildschirm gerichtet und mit einer Hand am tippen. „Hallo?“

Am anderen Ende wird tief eingeatmet.
„Chris?“

Chris erstarrt mitten in der Bewegung, denn es ist Wardo.
„Wardo“, sagt er idiotisch. „Wardo, Wardo…was… hey.“
Und dann hält er inne, denn er hat eigentlich keine Ahnung, ob er überhaupt noch ‚Wardo‘ sagen darf.

„Hör zu, das klingt sicher albern, aber…“, Wardo atmet ein paar Mal tief durch. „Ich muss mit dir reden. Ich bekomme seit ein paar Tagen Briefe.“

„Briefe?“ Chris blinzelt denn das ist irgendwie nicht, was er erwartet hat. „Was für…hast du Ärger wegen Facebook? Kann ich dir irgendwie helfen?“

„Nein.“ Wardo lacht und verschluckt es sofort wieder. „Nein, das ist es nicht. Ich… ich fürchte, sie sind von Dustin.“

„Was?“ Chris stöhnt und fährt mit der freien Hand über sein Gesicht. „Oh nein. Was? Was hat er angestellt? Kann man ihn dafür verklagen? Er ist nicht zurechnungsfähig, wirklich nicht, ich habe Gutachten, die belegen…“

„Nein.“ Diesmal ist das Lachen nur eine sachte Vibration in Wardos Stimme. „Es sind nicht solche Briefe. Aber er… Chris, er hat tatsächlich Buchstaben aus Zeitungen ausgeschnitten und auf Papier geklebt. Und…Fotos.“

„Oh.“ Chris sinkt auf seinem Stuhl nach hinten. Er fühlt sich sprachlos und das kommt tatsächlich nicht allzu oft vor. Wenn es irgendjemand schafft, ist es tatsächlich meistens Dustin.
Fotos. Nicht doch…
„Oh“, wiederholt er erneut, was kein bisschen intelligenter klingt als beim ersten Mal. Es dauert einen Augenblick, bis er sich gefasst hat. „Es tut mir leid“, sagt er zerknirscht. „Ich fürchte, das ist meine Schuld. Ich habe das Album gefunden und es ihm gegeben. Ich dachte, er könnte…ach verflucht, ich habe ihm sogar gesagt, er könnte vielleicht etwas damit anfangen.“ Er reibt sich mit der Handfläche über die Augen. „Ich hätte ahnen sollen, dass Dustin das als Aufforderung versteht wirklich etwas damit anzufangen. Wardo, es tut mir leid. Ich werde ihm sagen, dass…“

„Nein.“ Wardos Stimme klingt erstickt. „Nein warte, Chris. Das habe ich nicht gemeint…“

Einen Augenblick lang ist er ganz still und alles, was Chris hört sind seine Atemzüge, als er darum ringt, die Fassung zu bewahren.
„Die Bilder sind von mir. Ich hab sie in Harvard gemacht. Ma-…Seine Mutter hat mich damals angerufen“, sagt er leise. „Vor seinem Geburtstag. Wir haben stundenlang am Telefon beraten welche Bilder wir nehmen. Woher…woher habt ihr…?“ Er stockt, als kommt ihm plötzlich ein Gedanke. „Er hat sie weggeworfen, oder?“ Es klingt leise und tonlos und Chris ertappt sich dabei, wie er wild den Kopf schüttelt, auch wenn er weiß, dass Wardo es nicht sehen kann.

Und Chris erzählt ihm von dem Umzug und wie Mark es wieder geschafft hat, die ganze Arbeit an andere abzuwälzen (Wardo lacht nicht, aber es ist knapp, Chris kann es hören). Und davon wie Mark immer abgeblockt hat, wenn er davon angefangen hat und wie es schließlich in Dustins Händen gelandet ist.
Zwischendurch kommt seine Sekretärin ins Zimmer, um ihn an seinen Zwei-Uhr-Termin zu erinnern. Chris wedelt sie beiseite. ‚Canceln‘, bedeutet er ihr lautlos und ignoriert ihren fassungslosen Blick.
Chris hat noch nie gecancelt.
Wen kümmert das schon.

„Es ist…es ist nicht leicht mit Mark“, endet er zögernd und das ist vermutlich die Untertreibung des Jahrhunderts. „Nicht seit du…“ Er hält inne, weil es keine Möglichkeit gibt, diesen Satz korrekt zu beenden. „Du fehlst ihm“, sagt er schließlich, weil es die Wahrheit ist.

„So etwas in der Art hat Dustin auch geschrieben“, sagt Wardo leise.

Chris seufzt. Er kann es nicht verhindern, aber es klingt vor allem liebevoll und viel weniger genervt als er beabsichtigt hat. „Was zum Teufel hat er geschrieben?“ Er weiß nicht einmal, ob er es wissen will.

„Er hat mich aus einem Gruppenbild rausgeschnitten“, sagt Wardo sacht. Seine Stimme klingt wackelig „Und ein weinendes Smiley dahinter gemalt. ‚Es gibt ein Wardo-förmiges Loch in unserem Leben‘.“ Seine Stimme bricht, aber er redet trotzdem weiter. Marks Name ist das einzige Wort über das er stolpert. „Chris, er hat eine Art Foto Love Story gebastelt, in der M-Mark mich um Verzeihung bittet und…ich vergebe ihm…und ich fürchte dann hat er ein weißes Pferd dazu gephotoshopt und wir reiten in den Sonnenuntergang. Zu viert.“

Chris weiß nicht, ob er lachen oder weinen soll. Vielleicht beides. er möchte seinen Locher nach Dustin werfen und nur ganz vielleicht möchte er ihn umarmen, weil er ein schrecklicher, brillanter, furchtbarer, wunderbarer Wahnsinniger ist.

„Chris, ich meine es ernst…nimmt er Drogen?“

Chris lacht. Diesmal wirklich. Es fühlt sich leicht an, als ob etwas von ihm heruntergefallen ist, von dem er nicht einmal wusste, dass es auf ihm liegt.
„Nein“, erwidert leise, atemlos. „Nein, er ist ganz nüchtern. Und Wardo…“

„Was?“

„Er hat Recht.“

Wardo atmet ein, aber er antwortet nicht.

„Jedes Wort ist wahr“, sagt Chris leise. „Mark bezahlt mich dafür, dass ich für ihn lüge, aber ich schwöre dir, das ist keine Lüge. Wenn du…wenn du…wie hat Dustin geendet?“

„‘Komm zurück‘“, liest Wardo vor. „‘Jemand, der es gut mit dir meint.‘ Du lässt ihn zu viele schlechte Mafia-Filme gucken.“

„Ja. Ja, das tue ich. Wardo…?“ Chris lässt den Kopf auf die Arme sinken und schließt die Augen. Sein Herz klopft, denn das hier ist wichtig und er kann und will es nicht verbocken, nicht, dass was Dustin angefangen hat. „Wenn du herkommst…dann kannst du ihm das selbst sagen.“

Und Mark…vielleicht nutzt Mark ja einmal im Leben die Chance, das Richtige zu sagen. Nur einmal.


Tbc

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios