[identity profile] tristraine.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Original [Nora, Tom, Jonas]
Challange: Was Neues, was Altes, was Geliehenes und was Blaues
Words: 1129
Anmerkungen: Schon wieder ich - und die Zeit hab ich auch etwas überzogen. Ist es zu früh sich jetzt schon für ein Nano-Projekt zu entscheiden?



Seit ihrem gemeinsamen Abendessen hat Jonas Tom nicht wiedergesehen und das macht Jonas - völlig unverständlich für sich selber – schwermütig. Die Zeit mit Nora ist immer noch großartig und er liebt sie, seine Arbeit ist immer noch beschissen und er hasst sie. Jonas wählt Noras Telefonnummer, wohl wissend, dass sie frühstens in zehn Minuten zu Hause sein wird. Er atmet tief durch, immerhin hatten sie ausgemacht, am Abend kurz zu telefonieren. „Tom Siebert.“ Jonas lächelt den Hörer an. „Hallo Tom. Kann ich Nora sprechen? Hier ist T..ähm, Jonas.“ Er schlägt sich verärgert mit der Hand gegen die eigene Stirn. „Tut mir Leid, Jonas, Nora ist noch nicht da. Sie kommt aber bestimmt jeden Moment.“ Eine kleine Pause entsteht, in der beide nichts sagen. Jonas gratuliert sich im Geiste zu seinem brillanten Plan und widersteht der Versuchung sich ein zweites Mal zu schlagen. Er räuspert sich und will sich schnell bedanken, um möglichst schnell aufzulegen, als Tom fragt: „Hast Du endlich Terminator gesehen?“
Jonas ruft in den nächsten Wochen öfter an, und ist so froh, endlich jemanden von seinen Eltern und seiner Arbeit zu erzählen. Nora hat selbst immer so viel im Kopf, dass es ihm unfair vorkommt, sie damit zu belasten. Dafür hat man keinen Geliebten, dafür hat man eine feste Beziehung. Oder so. Er ruft immer ein wenig früher an oder zu Zeiten, von denen er weiß, dass Nora nicht zu Hause sein wird. Tom macht hier und da einen scherzhaften Kommentar über sein schlechtes Timing, nimmt sich aber die Zeit für ein kurzes Gespräch. Manchmal fragt sich Jonas, ob das nicht bereits eine Form von Betrug ist. Ironisch, wenn man bedenkt, in welcher Situation er sich befindet. Aber sie beide verheimlichen ihre Gespräche nicht vor ihr, das beruhigt sein Gewissen. Kann man am Telefon überhaupt Fremdgehen? Es ist ja nicht so als würden sie Telefonsex betreiben. Wenn Nora ihn fragen würde, würde Jonas ihr sagen, warum er so oft Tom anruft, auch wenn er es selber nicht versteht. Die kleine Liste liegt ganz offen neben dem Telefon. Nora könnte jederzeit danach fragen. Zahlen, die angeben, wie viele Minuten er mit Tom gesprochen hat. Wenn die Summe am Ende der Woche größer als die der Vorwoche ist, unterstreicht er das Ergebnis und malt ein Sternchen daneben. Jonas ist bereits als Kind zwanghaft gewesen.

„Hallo.“ Jonas schaut mehr an Tom vorbei als ihn an. „Ich wollte nur einen Krankenbesuch machen.“ Entschuldigend hält er die Blumen hoch. „Die sind super. Nora schläft gerade, aber die werden sie bestimmt freuen. Komm, wir stellen sie ins Wasser.“ Es scheint langsam Methode zu haben, dass Tom, sobald er die Tür geöffnet hat, in die Küche läuft und Jonas keine andere Wahl hat, als a) schreiend davon zulaufen oder b) ihm zu folgen. Sie sitzen gemeinsam in der Küche und Jonas hat einen dampfenden Teller Suppe und ein Bier vor sich. Tom kann wirklich kochen. Er möchte ihn schon lange etwas fragen und schaut mehrmals zwischen Teller und ihm hin und her. Tom lächelt nur und wartet, um zum richtigen Zeitpunkt eine pantomimische Darstellung von „Aliens vs. Predator“ zeigen zu können. „Wieso ist das okay für Dich?“ Jonas spricht schnell und macht eine weitläufige Bewegung. „Mit Dir, mir und Nora?“ Jonas nickt. „Du gibst ihr etwas, das ich ihr nicht geben kann. Du bist kompliziert, ich bin einfach. Wir streiten fast nie – und wenn, dann habe ich fast immer recht, gebe trotzdem nach und später entschuldigt sie sich und wir beide lachen. Wenn es etwas ernstes ist, diskutieren wir es sofort und sachlich aus. Wenn ihr euch streitet, knallt sie auch hier noch die Türen. Ihre Stimme ist dann vom Schreien manchmal ganz heiser, wenn sie heim kommt, und dann schweigt ihr euch tagelang an. Kein Telefon klingelt, niemand ist an der Tür. Bis irgendwann eine kleine SMS kommt. Für mich ist die Vorstellung tatsächlich ein wenig absurd, einen Streit mit 140 Zeichen zu beenden, aber er funktioniert bei euch.“ Jonas hört schweigend zu, während er das Etikett von seiner Bierflasche pullt. „Oder wenn wir einen traurigen Film sehen, dann kann sie sich immer in meinen Armen ausweinen. Ich gebe ihr Halt, aber ich weine nie mit.“ Jonas merkt wie seine Wagen rot werden. Es ist doch lächerlich bei jedem Gespräch mit Tom rot zu werden. Dann weiß er halt, dass ich beim Streiten die Türen knalle und bei kitischigen Filmen heule, ist doch egal., sagt sich Jonas, während Tom weitere Beispiele aufzählt. „Aber ich denke“ schließt er seinen Monolog „der Hauptgrund ist, dass Nora Dich auch liebt. Wie könnte ich es ihr verwehren? Es ist ja nicht so, als das sich mich deswegen weniger liebt…

„Sie schläft wieder. Ich sollte dann…“
„mit mir Terminator schauen?“
„Ähm, okay.“ Jonas hasst Fantasy und Science Fiction. In seinem Kopf gibt es keinen Unterschied zwischen beidem. Zauberer oder Weltraum oder Zauberer im Weltraum haben ihn nie interessiert. Tom hat die DVD eingelegt und lässt sich neben seinen Gast auf dem kleinen Sofa nieder. Jonas versucht sich vollständig auf dem Film zu konzentrieren, falls Tom später Fragen zum Inhalt stellt. Er entscheidet sich bereits jetzt für liebste Szenen, versucht gesellschaftliche Parallelen zu ziehen, achtet auf den Soundtrack und besonders gelungene Sprüche, bei denen Tom, der den Film ja immerhin kennt, in irgendeiner Form reagiert. Er fühlt sich wie kurz vor seiner Abschlussprüfung. Die Situation wird nicht gerade dadurch erleichtert, dass Tom anscheinend noch nie was vom persönlichen Raum gehört hat oder vielleicht aus einem anderen Land kommt, in der der natürliche Abstand, den man zu Bekannten einhält, ein anderer ist. Ihre Beine berühren sich. An einer besonders spannenden Stelle drückt Tom kurz seine Hand und kommentiert das ganze aufgeregt mit einem „Was für eine Szene!“

Zwei Abende später liegen Tom und die gesundete Nora wieder gemeinsam im Bett. Nora isst mit lautem Krachen Kartoffelchips und liest eine Zeitschrift, während Tom leise Gangsta-Rap, wie Nora ihn bezeichnen würde, auf seinem MP3- Player hört. Sie haben sich vor langer Zeit darauf geeinigt, dass sie nicht über frauenfeindliche, rassistische oder homophobe Aspekte diskutieren müssen, wenn er es leise genug abspielt. „Sag mal Schatz“ Ganz beiläufig nimmt er einen Ohrstöpsel raus „ würde es Dich stören, wenn ich mit Jonas schlafen würde?“ Sie kann die Nervosität in seiner Stimme hören und liest ihren Artikel in Ruhe zu ende. Sie schlägt die Zeitschrift zu „Schatz mich nicht für so was.“ Einen momentlang bedauert er die Frage, dann sieht er wie sie die die Augen verdreht. „Natürlich stört es mich nicht.“ Nora lässt Zeitschrift und Chipstüte auf den Boden fallen, zieht die Decke etwas höher und macht ihre Nachttischlampe aus. „Zieh die blauen Shorts an, die wird er mögen.“ Sie beendet den Satz mit einem Gähnen und ist wenige Minuten später fest eingeschlafen. Tom küsst sie auf die Wange. Das Leben ist gut zu ihm.




Date: 2011-06-07 08:18 pm (UTC)
From: [identity profile] lumcheng.livejournal.com
>> Kann man am Telefon überhaupt Fremdgehen?

Großartig XD und bei der sache mit der Liste musste ich lauthals lachen *g*

und was für ein schönes Ende auch hier. ich mag nora. sie ist so... praktisch. und fair. ich mag faire menschen ^^

Date: 2011-06-07 09:10 pm (UTC)
der_jemand: (abby and kate)
From: [personal profile] der_jemand
Hach, da wartet man doch gerne.^^ (Und so lange! ;))
Oh Gott, Jonas und Tom sind niedlich. Und Nora so geil pragmatisch. :)
Jonas Liste ist genial. Und Toms in die Küche-Rennen. Und ich muss dringend mehr Szenen lesen, in denen Jonas einen Film guckt. <3

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