[identity profile] exiles-diary.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Challenge: Wahre Worte sind nicht angenehm. Angenehme Worte sind nicht wahr. (Lao Tze)
Fandom: Original (Lissy-versum)
Charas: Chris und Lissy
Wörter: 1165
Kommentar: Das hier ist quasi eine Fortsetzung zu dem hier. Aber man muss es nicht gelesen haben, um diesen Text zu verstehen. Irgendwie wachsen mir die beiden ans Herz, auch wenn mir nicht gefällt, was sich da anbahnt >.<



Eigentlich sollte ich ja lernen, aber meine beste Freundin macht es mir quasi unmöglich. Es besorgt mich zutiefst, dass sie sich offenbar wieder verliebt hat, insofern da die letzte Beziehung - wenn man es so nennen will - gerade mal vor einer Woche ziemlich hässlich in die Brüche gegangen war.
Wie so oft.
Lissy sitzt jetzt also auf meinem Bett und kuschelt mein Kissen, während sie mir vorschwärmt, dass Phil sie neulich in der Universität angesprochen hätte. Ihr war der Typ schon ein paar Mal aufgefallen, weil er wirklich toll aussieht.
Ich kenne Phillip und er sieht nicht halb so toll aus, wie sie ihn schildert. Aber vor allen Dingen ist er bei weitem nicht so toll, wie sie tut. Ich weiß es einfach, dass es wieder in einer Katastrophe enden wird und wenn Lissy so weitermacht, werde selbst ich sie nicht mehr trösten können.
Vor dem Tag habe ich wirklich Angst, weil Lissy eine ausgesprochen liebenswerte Person ist, mit der man viel unternehmen kann. Wenn man nicht lernen muss oder sie gerade in einer Krise steckt.
Letzteres, so habe ich das Gefühl, kommt mittlerweile häufiger vor als ersteres.
"Irgendwann stell ich ihn dir vor, du wirst ihn sicher mögen", meint Lissy schließlich und ich will gar nicht erst zu ihr aufsehen. Ich hasse es, wenn sie diese Herzchen-Augen hat. Diesen schmachtenden Blick haben die Typen über die sie schwärmt doch gar nicht verdient.
"Das ist wirklich nicht notwendig", erwidere ich und versuche mich wenigstens ein bisschen auf mein Script zu konzentrieren. Ich habe keine große Lust, wegen Lissy und Phillip durch meine Prüfung zu rasseln.
"Oh doch! Diesmal... diesmal ist er der Richtige, ich spür das!"
Ich seufzte. "Sorry Liss, aber du hast bereits bewiesen, dass du einen echt grottigen Geschmack bei Männern hast. Du weißt, ich bin immer für dich da, wenns schief geht, aber ich muss die Pisser echt nicht auch noch persönlich näher kennen lernen."
Lissy sieht mich überrascht an und dann kommt dieser strafende Blick. Kein Wunder, meine Worte waren für jemand frisch verliebten auch nicht gerade nett gewählt, aber ich glaube, ich schaffe es einfach nicht mehr, ihr Honig ums Maul zu schmieren.
"Was ist los mit dir?", fragt sie dann und ich merke richtig, wie sie nach und nach wütend wird. "Gönnst du mir mein Glück plötzlich nicht mehr? Es gibt wirklich keinen Grund, alles so schwarz zu malen. Ja, ich hab meine Fehler gemacht, aber aus Fehlern lernt man."
Mir liegt auf der Zunge, dass es bei ihr nicht der Fall wäre, aber ich schlucke und sehe wieder auf mein Heft. Auch auf die Gefahr hin, dass ich dadurch schuldbewusst wirke - das bin ich nun wirklich nicht - schweige ich und versuche mich wieder zu konzentrieren. Ich will Lissy wirklich nicht verletzen, vor allen Dingen, weil ich genau weiß, dass sie mich bald wieder brauchen wird.
Eine ganze Weile herrscht Schweigen, was ansich schon ungewöhnlich ist, aber da ich immer noch Lissys Blicke im Nacken spüre, weiß ich, dass ich wohl noch nicht vom Haken bin. Dennoch schockiert mich ihre nächste Frage, weil ich das wirklich nicht erwartet hatte: "Bist du eifersüchtig?"
Ich sehe sie also groß an und weiß erst gar nicht, was ich sagen soll. Bin ich eifersüchtig? Nein, weil ich gar keinen Grund dazu habe! Ihr Partnerwahl ist ja wirklich so grottig, dass ich genau weiß, dass sie nicht lange mit den Typen zusammensein wird.
Aber bevor ich mir schonende Worte zurechtlegen kann, springt sie auch schon auf. "Ich fasse es nicht! Und das von meinem besten Freund! Ich hätte wirklich gedacht, dass du mir mein Glück gönnst. wie konnte ich mich in dir nur so täuschen!"
"Liss...", versuche ich sie zu unterbrechen, aber sie hat sich bereits in einer Flut von Vorwürfen an mich ertränkt und ich verstehe nicht ganz, wie sich das Blatt so hatte wenden können.
"Lissy, jetzt hör mir mal zu."
Das zeigt offenbar Wirkung, denn sie verschränkt die Arme und sieht mich abwartend an. Das heißt, ich kann mir alle schonenden Worte ohnehin sparen, weil sie nun alles was ich sage, als Angriff werten oder aber als unglaubwürdig abstufen würde.
"Ich bin nicht eifersüchtig, ich werde es wohl auch nie sein. Du hast echt einen miesen Männergeschmack, Liss. Ich muss es wissen, ich bin ein Mann. Aber mehr noch, kenne ich Phillip. Er geht in einige meiner Kurse und ich finde ihn bei weitem nicht so cool wie du. Können wir uns darauf einigen, dass du mich wenigstens diesmal mit den Geschichten verschonst? Ich bin immer für dich da, das weißt du, aber..."
Ich verfalle ins Schweigen. Lissys Haltung hatte sich die ganze Zeit nicht entspannt und es macht mich irgendwie nervös.
"Aber?", hakt sie nach, als ich nicht weiterspreche.
"Das wird jetzt nicht angenehm, Lissy, aber du weißt, ich will nur dein Bestes, weswegen ich immer ehrlich zu dir bin. Und die Wahrheit... die Wahrheit ist nun einmal, dass du ein Händchen dafür hast, immer die besonders schlimmen Typen auszusuchen. Entweder sie sind untreu, oder sie wissen nicht, wie man eine Frau zu behandeln hat. Ich sags ja wirklich nur ungern, aber was ich so gehört habe..."
"Dann sags nicht", unterbricht mich Lissy. Ihr Blick ist nun leidender, verletzter. Das wollte ich wirklich nicht, aber die Wahrheit... tut halt meistens weh.
Lissy wendet sich ab und nimmt ihre Tasche.
"Du gehst?", frage ich sie leise und sie nickt nur schwach. Also lege ich ihr eine Hand auf die Schulter. Bin ich zu weit gegangen? "Hey, ich..."
Plötzlich umarmt sie mich und drückt ihr Gesicht an meine Schulter. "Halt einfach nur deine Klappe...", murmelt sie und ich streiche ihr daraufhin schon fast automatisch über den Rücken.
Als ich ansetzen will, wenigstens Schadensbegrenzung zu betreiben, unterbricht sich mich mit einem Schluchzen.
Also habe ich mir das nicht eingebildet. Ich habe meine beste Freundin tatsächlich zum Weinen gebracht. Das wollte ich nicht.
"Weißt du, Chris. Du bist echt ein Arsch...", meint sie schließlich, als sie sich ein wenig beruhigt hat. "Aber du hast mir auch schon so oft geholfen... deshalb verzeih ich dir das." Sie löst sich von mir, blickt aber zu Boden. Also greife ich an mein Nachtkästchen und zupfe eine Taschentuch aus der Box, die dort steht. Das reiche ich ihr und sie nimmt es mit einem verunglückten Lachen an.
"Wirklich ein echtes Arschloch, aber ein sehr liebes. Das nächste Mal, behalte die Wahrheit für dich, okay?" Ich nicke und bin etwas erleichtert, dass ich offenbar immer noch ihr bester Freund sein darf.
"Als Entschädigung bezahle ich morgen das Mittagessen", biete ich ihr aber noch eine Versöhnung an und sie lacht.
"Für das habe ich mindestens ein Abendessen verdient", erwiderte sie und ihr Blick lässt einen Knoten in meinem Hals entstehen. "Bis morgen, Chris", drückt sie mir dann noch einen Kuss auf die Wange und verlässt dann mein Zimmer.
Das war wirklich nicht das erste Mal, das sie das tut. Eigentlich ist es eine Standardverabschiedung, aber diesmal klopft mein Herz viel zu heftig. Ich hoffe, das vergeht wieder...

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios