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[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Back to normal
Challenge: "Ich weiß nicht mal deine Lieblingsfarbe!"
Fandom: Original (Our Own World)
Charaktere: Markus und seine Zwillingsschwester Verena
Wörter: 1323


Es war halb elf nachts. Oder Abends, wie Natalie wohl sagen würde, aber die schien heute in der Bibliothek übernachten zu wollen. Irgendeine mündliche Prüfung am nächsten Tag und Markus hatte gewisse Zweifel daran, ob es wirklich helfen würde, jetzt noch eine Nacht durchzulernen.
Sabine auch, aber Natalie war ja auf dem Ohr taub. Vermutlich würde sie morgen irgendwie durch ihre Prüfung kommen, dann mit einer beschissenen Laune nach Hause kommen (hoffentlich, wenn er in der Bibliothek war um an seiner Hausarbeit zu schreiben) und ins Bett fallen.
Er war gespannt, ob sie daran dachte, dass sie unbedingt das Abenteuer für Donnerstag schreiben wollte. Was in drei Tagen wäre. Er streckte sich und überlegte, ob er nicht mal langsam vom Wohnzimmer in sein Zimmer wandern sollte... Sabine hatte sich vor einer halben Stunde ins Bett verabschiedet, aber sie war auch keine sehr unterhaltsame Gesellschaft gewesen, eher hatte ihr Getippe auf dem Laptop die Atmosphäre von einem wahllos reingeworfenem Horrorfilm gestört.
Nicht, das bei den amerikanischen Versionen noch irgendwas zu ruinieren gewesen war, aber darum ging es hier nicht. Dummerweise war er eher schlechter geworden, seit Sabine weg war.
Thomas hatte Recht gehabt, als er ihm die DVD mitgebracht hatte. Der Film suckte total. Gähnend streckte Markus sich nach der Fernbedienung und schaltete den Schrott aus. Er sollte besser ins Bett gehen, sonst würde er morgen gar nichts hinbekommen, weil er nicht aus dem Bett kam.
Trotzdem zappte er erstmal durch die Kanäle und blieb bei einem Krimi hängen, als es an der Tür klingelte.
Sturm läutete.
Was zur Hölle...
Oder eher: Wer?
Bevor Sabine aus ihrem Zimmer geschossen kommen konnte um sich zu beschweren, beeilte er sich, an die Tür zu kommen und drückte den Knopf der Gegensprechanlage: „Wehe, das ist kein Notfall...“
„Lass mich rein...“ Die Worte waren kaum zu verstehen, so sehr zitterte die weibliche Stimme und bei ihm gingen sofort alle Alarmglocken an. „Veve?“
„Wer sonst? Lass mich rein! Es regnet!“ Das klang schon eher nach seiner Zwillingsschwester und für einen Moment war er beruhigt.
„Schieb keinen Aufstand. Lass bloß die Schuhe vor der Wohnung“, erinnerte er sie sicherheitshalber und drückte auf den Öffner, bevor er die Wohnungstür aufschloss und einen Spalt weit öffnete. Dann ging er in die Küche, um Teewasser anzustellen.
Verena wohnte zwar nur zehn Gehminuten entfernt im Studentenwohnheim, aber sie tauchte gerne zu den unmöglichsten Uhrzeiten auf. Mal, um ihre neu gefärbten Haare zu präsentieren (beim letzten Mal waren sie neonpink gewesen), mal um wegen einer versauten Prüfung zu heulen oder sich über ihren Freund aufzuregen. In Anbetracht der Uhrzeit (und der Tatsache, dass sie ganz unüberhörbar geweint hatte) traf dieses Mal wohl letzteres zu. Eigentlich hatte sie erst vor drei Tagen gesagt, dass sie nie wieder mit ihm reden würde, wenn er ihren geliebten Kevin nochmal einen Idioten nannte. Er hatte es trotzdem getan und sie war türenknallend verschwunden. Das hielt aber nie lange an, er kannte das schon.
Das Wasser begann gerade zu kochen, als er hörte, wie die Tür leise ins Schloss fiel und besockte Füße sich der Küche näherten. Dann schloss sich auch die Küchentür und Verenas Arme legten sich von hinten um ihn. Innerlich stellte Markus sich darauf ein, Kevin beim nächsten Mal wenn der ihm in der Mensa über den Weg lief, eine reinzuhauen. Seine Schwester war nur so nähebedürftig, wenn es ihr richtig mies ging. Schnell wurde der Tee aufgegossen, dann drehte er sich um und nahm sie in seine Arme. Sofort schmiegte sie sich an ihn und vergrub ihr Gesicht in seiner Halsbeuge. Er brauchte nicht das hastige sich Heben und Senken ihres Brustkorbes und die warme Nässe an seinem Hals (im Unterschied zu der kalten aus ihren Haaren) um zu wissen das sie weinte.
Nein. Sie weinte schon nicht mehr, sie heulte aus voller Seele.
Dafür hatte Kevin sich wirklich Prügel verdient! Eigentlich war er ja eher pazifistisch veranlagt (außer im Rollenspiel natürlich, da wäre das eher kontraproduktiv) aber in diesem Fall machte er gerne eine Ausnahme. Niemand tat seiner kleinen Schwester weh, da war es egal, dass sich dieses „klein“ nur auf ungefähr eine halbe Stunde stützt. Und ebenso egal war es, das Verena sehr gut auf sich selbst aufpassen konnte.
Es dauerte ungefähr zehn Minuten, bis er beschloss, dass es Zeit wurde, darüber zu reden, was genau passiert war und er die klammernden Arme seiners Schwester von sich löste und sie zum Küchentisch dirigierte. Sie schluchzte immer noch leise, auf eine trostlose und verzweifelte Art die ihm mitten ins Herz ging. Aber er füllte erstmal zwei Tassen mit Tee, stellte eine vor Verena, die sie sofort mit beiden Händen umfasste als wäre sie ihr Rettungsanker und dann auf der Bank zur Seite rutschte, sodass er sich neben sie setzen konnte.
Erst als er saß, sagte sie: „Kev ist ein Arsch. Und komm mir bloß nicht mit 'Ich habs dir doch gesagt'! Dann gehe ich sofort wieder!“
„Ich werde es für mich behalten.“
„Danke.“ Die trockene Antwort ließ eine Sekunde das alte, ironische Selbst Verenas wieder aufblitzen und sie strich sich ihre pinken Haare aus den Augen. Es war bereits ein schwarzer Ansatz zu sehen, bald würde sie eine neue Farbe finden, die sie unbedingt ausprobieren wollte.
Wieder herrschte eine Weile Schweigen zwischen ihnen, das er aber nicht unterbrach. Verena war jemand, den man am besten einfach reden ließ, alles andere würde sie nur bockig werden lassen und dann war erstmal alles verloren.
„Sandra hat ihn mit einer anderen gesehen“, rückte Verena schließlich mit der Sprache heraus und unterbrach Markus in seinen Überlegungen, was er am besten mit dem Kerl anstellte, der seiner Schwester das Herz gebrochen hatte. Leider waren die Möglichkeiten etwas begrenzter als im Kindergarten oder in der Grundschule, wo er einfach jeden vermöbelt hatte, der Verena zum Weinen gebracht hatte. Entweder bevor- oder nachdem sie das erledigt hatte.
Es überraschte ihn nicht, dass Verena Sandras Worte direkt als Wahrheit akzeptierte. Sandra war... keine klassische Musterstudentin, aber vor allem eines: Verlässlich. Es war ein Geschenk des Himmels und gleichzeitig ein Wunder, dass sie Verenas beste Freundin und Mitbewohnerin im Wohnheim war.
Verenas Hände bebten leicht, als sie ihre Tasse hob und noch einen Schluck nahm und er war sich ziemlich sicher, dass es reine Wut war und sonst nichts, die sich darin äußerte. „Ich hab ihn direkt zur Rede gestellt. Nachdem ich ihn ans Handy gekriegt habe. Das Schwein hat es nicht mal geleugnet!“
„Wäre es dir lieber gewesen, wenn er dich auch noch angelogen hätte?“
„NEIN! Es geht ums Prinzip!“
Frauen hatten komische Prinzipen. Stellte er immer wieder fest.
„Ich hab ihn gefragt, ob er mich überhaupt noch liebt und weißt du, was das Arschloch gesagt hat?“
„Nein.“ Noch so eine komische Angewohnheit. Auf rhetorische Fragen wollten Frauen trotzdem eine Antwort.
„Der hat gelacht!“
Er sparte sich die Korrektur, dass Lachen nicht gleich Sagen ist. Verena würde zum Glück nie zu den Kids gehören, die er später zu unterrichten gedachte. Das war sein Glück, denn sie schimpfte direkt weiter: „Der hat allen Ernstes gelacht und gesagt 'Ich weiß nicht mal deine Lieblingsfarbe'! Der hat sie doch nicht mehr alle!“
Wow, das war hart.
„Ich hab mein Handy an die Wand geschmissen und bin hierher gekommen“, schloss sie ihren etwas abgehackten Bericht und schien zu überlegen, ob sie lieber weiterschimpfen oder doch noch eine Runde heulen sollte. Er wartete einfach ab, wofür sie sich entschied und hatte wenig später Verenas immer noch feuchten Kopf auf seiner Schulter liegen, bevor sie beschloss, dass es Zeit war, den Kleine-Schwester-Status etwas auszunutzen, die Füße auf die Bank zog und fast auf seinen Schoß kroch. „Kann ich heute nacht hier bleiben?“
„Klar.“ Als ob sie da fragen müsste...
„Gucken wir hohle Filme?“
„Ich hab vorhin bei einem schrecklichen Horrorfilm aufgegeben.“
„Mit viel Blut?“
„Jap.“
„Perfekt.“
„Wenn du mich aufstehen lässt...“
„Nö.“
(deleted comment)

Date: 2011-04-29 06:26 am (UTC)
From: [identity profile] exiles-diary.livejournal.com
*O* doch, ich hab die Charas auch liebgewonnen.

Aber das ist nun mal etwas, in dem du sehr gut bist: Schreiben und Charas kreiieren.
Ich werd mir nen Titel überlegen, wenn du mich weiter auf dem Laufenden hältst, mit diesen Charas XP

Date: 2011-04-29 10:34 am (UTC)
From: [identity profile] exiles-diary.livejournal.com
deshalb überlege ich ja XD

(und unsere Charas haben doch immer Eigenleben ^.~ das macht es ja umso spannender mit ihnen zu arbeiten XD)

Date: 2011-10-22 09:49 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Awwwwwwwwwww~!
Die Beiden sind ja sooo süß. <3
Und du triffst ja auch mal total alle meine Klischees. *g* Ich liebe Zwillinge und Geschwister die total protective sind und "kleine" Schwestern, die ihren Status ausnutzen.
Total herrlich. <3 Bitte mehr von den beiden? ^__^

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