[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Original ("Papierflugzeuge")
Challenge: Wictionary-Glücksrad:
Es spuckte mir compartmentalizing aus (Nie zuvor gehört oder gelesen, garantiert falsch verstanden)
Personen: Samuel, Rufus, Vivian
Wörter: 817
Warnung: language...I guess
Widmung: Für [livejournal.com profile] shojo_pingu

„Sie stecken mich alle in Schubladen!“ tobte Samuel und hob die Tastatur drohend mit bebenden Fingern.
Vom Sofa aus schauten Vivian und Rufus vom Fernsehen herüber (die Avatar-Trickserie war immer der Moment, in dem Samuel bei Rufus für eine halbe Stunde am Tag abgemeldet war).
„Nur weil ich bestimmte Hobbies und Interessen habe, nennt mich hier irgendeine deiner Ökoschlampen einen Proleten-Spacko!“
Samuel, in der einen Hand noch immer das Keyboard (kurz vor seiner Zerstörung), hob eine Faust gegen Vivians verdutzten Gesichtsausdruck.
„Was? Wo?“, Rufus schaute wieder den Fernseher an, schien aber die Ohren in seine Richtung gedreht zu haben.
„Facebook, wo sonst?!“

„Hast du irgendwas gesagt zu ihr?“, Vivian schälte sich aus der Decke, die Rufus beim Fernsehen über sich und sie gelegt hatte und strich ihren Rock langsam glatt.
„Für gewöhnlich zicken meine Freundinnen niemanden grundlos an.“
„Natürlich nicht! Seh ich so aus?“
Vivian verschränkte die Arme, eine Augenbraue erhoben und beugte sich erst dann langsam über Samuels Schulter.
Dann musste sie lachen.
„Was ist das denn für ein komisches Profilbild?!“
„Eines, das meiner Natur entspricht, was denn sonst?“
„Naja, ich weiß nicht...Hast du deinen Bizeps mit Photoshop vergrößert? So groß ist der doch niemals!“
„Soll ich’s dir zeigen, dumme Pute?!“
Samuel schüttelte die Faust, aber senkte sie ganz langsam wieder als er Rufus´ Blick in seine Schläfe dringen spürte. Vivian war dessen beste Freundin, also war sie verprügeln keine Option. Samuel war sich nicht sicher, wie tief er sich diesmal in diesen Liebesscheiß geritten hatte, dass er diese nervtötende Person jede Woche in seine Wohnung ließ.

Vivian schob seine Hand von der Maus weg und scrollte in Samuels Profil herum.
„Lass mal sehen...Du bist Fan von `Rihanna´, in den Gruppen `Golf-Freunde´, `Sternburg ist nur was für Punk-Assis´ und `Warum liegt da eigentlich Stroh?´. Und dieser Seite zufolge stehst du auf `rassige Blondinen mit dicken Tüten´.“
Sie erhob sich und verschränkte die Arme.
„Wie gesagt, meine Freunde beleidigen nicht ohne Grund.“
Samuel schaute sie mit angewidertem Blick an.
„Was für’n Scheiß! Is´ die `ne Lesbe oder was ? Ihr Weiber steht doch auch auf Kerle mit dicken Eiern ! Steht wenigstens dazu!“
„Dicke Eier?“
Rufus beugte sich auf der Couch zur Fernbedienung vor und drehte den Ton leiser. Prima, endlich war mal etwa wichtiger als Leute, die andere Leute mit Windböen umwarfen. Samuel hätte nur einen anderen Anlass besser gefunden.

„Frauen stehen auf Intelligenz, gesunden Menschenverstand und auf Humor“, sagte Vivian.
„Kann ein Spacko wie du aber nicht wissen. Guck doch mal, wenn du nur einigermaßen Mumm in den Knochen hättest, würdest du Rufus´ Freundschaftsanfrage annehmen und deinen Status auf `in einer Beziehung´ mit ihm umstellen.“ Sie zeigte auf Rufus, der blinzelnd zuhörte.
„Aber das traust du dich ja nicht, weil du Schiss hast, dass deine anderen Proll-Freunde dich dann hassen! Wegen Leuten wie dir werden immer noch Schwule totgeschlagen!“

„Das da!“, rief Samuel donnernd und zeigte auf den Monitor, „hat gar nichts mit der Realität zu tun! Das da“, sein Finger blieb auf dem Foto liegen, auf dem er mit nacktem Oberkörper seinen Oberarm in die Kamera hielt, „ist das Internet! Du weißt schon, der Ort, wo Nerds sich komische Nicknames geben und Leute Cybersex haben!“
„Das bist du“, beharrte Vivian.
„Wir haben die Zeiten, in denen man sich grenzenlos anonym im Internet bewegt, längst hinter uns gelassen. Da steht dein Name. Und selbst wenn du dich `Macho-Klaus´ oder sonstwie nennen würdest, du hast alle deine Freunde geaddet, die wissen, wer du bist. Wenn du ohne rot zu werden von Frauen mit großen Brüsten reden kannst, warum dann auch nicht von deinem Freund?“

Sie fuhr sich durch die ewig zerzausten Haare, beugte sich zu Rufus vor, um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben und murmelte entschuldigende Worte. Samuel sah ihr sprachlos hinterher,als sie ihre Tasche nahm, in ihre Chucks schlüpfte und mit Nachdruck die Wohnungstür hinter sich zudonnerte.

Es stimmte nicht, dachte er.
Er lebte in einer Zeit, in der er sein Selbst in kleine Schubladen aufteilte. 70% im öffentlichen Leben, 40% auf Facebook, 10% auf Amazon, 90% in seinem Schlafzimmer.
Okay, es gab also vielleicht wirklich Schubladen.
Aber er fand es, so stellte er fest, besser, wenn er sich selbst in sie aufteilte und nicht von fremden Leuten zerrissen wurde.

Etwas ängstlich schaute er Rufus an, der nachdenklich mit der Fernbedienung in den Händen herumspielte.
„Soll ich dich adden?“, murmelte er kleinlaut und schaute zu wie Rufus auf eine unglaublich niedliche Art und Weise den Kopf schieflegte.
„Wenn du möchtest“, sagte dieser lächelnd.
„Ich bin zwar nicht in so groß tönenden Gruppen drin...Eigentlich bin ich, glaube ich, nur in einer `Atomkraft- nein danke´-Gruppe.“ Er schaute nachdenklich zur Decke und lächelte verwirrt.
„Aber ich mach mir da nicht so viel draus.“
Rufus winkte ab.
Dann grinste er.

„Aber wenn du ein so schlechtes Gewissen hast, kannst du mir heute Nacht einen blasen. Dann sind wir quitt.“

Seine letzten Worte gingen in Avatar-Geräuschen unter.

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