Erkenntnisse...
Mar. 27th, 2011 06:49 pmCharas: Ludger, Yl und Joss Whedon XD
Challenge: Eine verschlossene Tür; ein vertauschtes Kleidungstück / ein Kleidungsstück, das nicht da ist wo es hingehört; eine unerwartete Begegnung; ein blauer Flecke
Wörter: 800
Ludger starrte auf sein T-Shirt. Oder besser das T-Shirt, denn er war sich sicher, dass es nicht seines war. Wenn man dem langsam zerbröselnden Bügelaufdruck Glauben schenken konnte, so gehörte es einem gewissen Joss Whedon. Aber was ihn noch mehr als die Herkunft des Shirts störte, war die Tatsache, dass er nur mit diesem bekleidet aufgewacht war. Ein lautes Scheppern und Krachen riss ihn aus seinen Gedanken. Jemand war in seiner Wohnung. Dieser – Ludger warf einen kurzen Blick auf seine Uhr – späte Samstagmorgen wurde immer seltsamer.
Vorsichtig trat Ludger in den Flur und wandte sich Richtung Küche. Nun hörte er deutlich, wie jemand darin rumorte und… summte? Entschlossen riss Ludger die Tür auf.
„Mann, hast du mich erschreckt!“ der junge Mann, in einer Hand eine Tasse, in der anderen den Wasserkocher, starrte Ludger vorwurfsvoll an.
„Entschuldigung!“ nuschelte Ludger verwirrt, während sein Gehirn verzweifelt versuchte, mehrere Informationen auf einmal zu verarbeiten. Dort steht ein fremder Mann in meiner Küche. Ich habe einen Kater. Der Mann ist nackt. Es riecht nach Kaffee. Ich habe nur ein unbekanntes T-Shirt an. Ist das Joss Whedon?
„Ich habe Kaffee gemacht.“ Erklärte der Fremde, bevor Ludger aus seinen verworrenen Gedanken irgendeinen logischen Schluss ziehen konnte.
„Das ist schön.“ kommentierte Ludger. Zu mehr war er nicht im Stande. Sein Kopf hämmerte und machte es ihm unmöglich, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Er merkte, dass sein Gegenüber ihn erwartungsvoll ansah und die Situation langsam unangenehm wurde. „Ist das dein Shirt?“ fragte er nervös und deutete auf das Kleidungsstück, das nur seinen Oberkörper bedeckte. „Oh, ja.“ Kam die etwas verwirrte Antwort. Anscheinend hatte man mit einer anderen Frage oder Reaktion gerechnet.
Um erneut einer peinlichen Stille vorzubeugen zog Ludger das Shirt aus und hielt es Joss Whedon hin. Erst da bemerkte er, dass sie sich nun beide komplett nackt in seiner Küche gegenüber standen. Joss, nun ebenfalls verwirrt, griff langsam nach dem T-Shirt.
„Du bist also Joss?“ fragte Ludger, um seine eigene Verlegenheit zu überspielen.
„Hä?“
Ludger deutete auf das Shirt.
„Was? Nein, ich bin Yl!“
„Ül?“
„Ja, Hassan Yllahim, aus dem 8. Stock.“ Als Ludger weiterhin verständnislos zu Yl blickte, fuhr dieser fort, „Ich hab mich gestern Nacht ausgesperrt. Du kamst gerade heim und hast mich auf der Treppe gesehen. Also hast du mir angeboten, bei dir zu übernachten.“ Der letzte Satz klang stark nach einer Frage, sodass sich Ludger gezwungen sah zu antworten. Aber alles, was er hervorbrachte war ein „Ah!“. Er konnte sich zwar an nichts von alledem erinnern, aber es schien ihm vernünftiger, das nicht zu erwähnen. Es trat erneut eine unangenehme Stille ein, doch diesmal war es Yl, der sie unterbrach. „Ich hab den Schlüsseldienst schon angerufen. Er sollte demnächst bei dir klingeln.“ Ludger nickte. Er fühlte sich immer noch von der Situation überfordert.
„Solltest du dir dann nicht etwas anziehen?“ Yl blickte überrascht an sich herunter, als ob er jetzt erst feststellte, dass er nichts an hatte.
„Hm, das sollte ich wohl.“ Umständlich zog er sich sein Shirt über den Kopf. „Und du kennst echt nicht Joss Whedon?“
„Sollte ich?“
„Ja, Mann! Das ist der Macher von Buffy!“
„Buffy?“
Yl starrte Ludger ungläubig an. „Du kennst Buffy – Die Vampirjägerin nicht?!“
Ludger schüttelte den Kopf.
„Das gibt’s nicht. Das ist –“ aber Ludger erfuhr nie, was es war, denn in diesem Moment klingelte es an der Tür.
„Oh nein!“ Yl verschwand im Schlafzimmer und erschien sofort wieder, ein Bein steckte bereits in einer Hose. „Hör zu, sorry, dass ich jetzt so schnell fliehe, aber ich hab eine Verabredung mit meiner Truppe im Dunklen Wald, wir müssen endlich den von Dämonen besessenen Stadthalter besiegen.“
„Verstehe.“ log Ludger. Yl hatte es während seinem Redefluss in die Hose und an die Türe geschafft.
„Aber heute Abend bring ich Buffy mit, okay?“ und damit verschwand Yl aus der Tür. Ludger starrte noch eine Weile auf die zugeschlagene Wohnungstür, schlurfte dann aber zurück in die Küche, aus der er Yl gefolgt war und ließ sich auf einen Stuhl fallen. Es gab ein seltsames schmatzendes Geräusch, als seine nackte Haut auf das Plastik des Stuhls traf. Irritiert blickte er an sich herunter, hatte er doch vollkommen verdrängt, dass er noch nackt war. Er entdeckte einen seltsamen, blauen Fleck an der Innenseite seines Oberschenkels. Eigentlich war er nicht wirklich blau, eher rotbraun. Und er tat nicht weh, wenn Ludger auf ihn drückte. Als Ludger seinen Unterkörper aufmerksamer betrachtete, stellte er fest, dass dies nicht der einzige Fleck war. Mal kleinere, mal größerer solcher brauner Flecken waren an für Blutergüsse recht ungewöhnlichen Körperstellen zu finden. Allmählich begann Ludgers Gehirn wieder zu arbeiten, fing die umherfliegenden Gedankenfetzen ein, ordnete sie, holte bruchstückhafte Erinnerungen hervor und flickte sie zusammen. Und dann traf Ludger die Erkenntnis.
„OH GOTT!“