[identity profile] hope-calaris.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Original
Autor: [livejournal.com profile] hope_calaris 
Charaktere: Tom, Hermann
Challenge: Fortsetzung folgt
Länge: 1.oo3
Anmerkung: Keine Ahnung wo das herkommt. Vielleicht ist es der Anfang eines Romans. Ich weiß nicht.

---

Der Tod und Tom

---

Unsere Geschichte beginnt an einem Sonntagmorgen und zwar damit, dass Tom sich duscht, anzieht, die Haare föhnt und aus dem Badezimmer ins Wohnzimmer tritt, wo er den Tod sieht. Interessanterweise ist dies auch das Ende unserer Geschichte, aber dazu später mehr. In dem Moment, in dem unsere Geschichte beginnt weiß Tom natürlich noch nicht, dass er dem Tod gegenüber steht. Momentan hält er ihn noch für Hermann, den langsamsten Mitarbeiter aus dem Starbucks um die Ecke.

Tom gibt ein recht unmännliches Quieken von sich, denn eigentlich hatte er nicht mit Besuch gerechnet. Schon gar nicht mit Besuch, der bei ihm einbricht.

„Hallo, ich bin Hermann“, sagt der Tod. Er hat in den letzten zwei Monaten gelernt, dass Hallo, ich bin der Tod offenbar keine angemessene Begrüßung ist. Es ist einfach unpraktisch wenn Leute in Ohnmacht fallen oder hysterisch werden bevor er ihnen erklären kann, was seine eigentliche Aufgabe ist.

„Raus aus meiner Wohnung!“ schreit Tom und fuchtelt wild mit den Armen. Der Tod runzelt nur die Stirn. Er hat erwartet, dass es dieses Mal anders laufen würde -- er hat sich schließlich als Hermann vorgestellt.

„Das geht nicht“, erwidert er also sachlich und verschränkt die Arme. Es würde vermutlich eindrucksvoller aussehen wenn er ein Bodybuilder wäre. Ist er allerdings nicht, weil er immer noch Probleme mit der menschlichen Anatomie hat. Er ist schon froh, dass er dieses Mal an zwei Arme gedacht hat. Der eine Arm hat zwar ungeahnte Sympathiewerte und ein bisschen Wechselgeld gebracht, ist beim Kaffeezubereiten allerdings weniger von Vorteil. Also hat er keine Bodybuilder-Arme, sondern welche die lang und schlaksig sind. Wie überhaupt der ganze Rest von seinem Körper. Die ersten paar Tage ist er überall angestoßen und hat ständig Dinge umgeworfen, weil seine Hand-Augen-Koordination für die Tonne war. Beinahe hätte er deswegen den Job im Starbucks nicht bekommen und das wär nun mehr als ärgerlich gewesen. Nicht, dass er Kaffee sonderlich mag  --tut er nicht, er ist ihm einfach zu bitter -- aber er mag den Schaum vom Cappuccino. Wenn es nach ihm ginge könnten sie alles andere weglassen und nur Schaum verkaufen.

„Sind Sie high?“ fragt Tom jetzt argwöhnisch und weicht Richtung Badezimmer zurück, weil der Tod sich genüsslich über die Lippen geleckt hat.

„Natürlich nicht“, antwortet er also und schaut leicht betreten zu Boden. Er muss aufhören an Milchschaum zu denken und sich konzentrieren. „Ich hab schließlich einen Job zu erledigen.“

„In meinem Wohnzimmer?“

„Meiner Erfahrung nach laufen solche Gespräche in der Öffentlichkeit nicht besonders“, erklärt der Tod. Sein erster Auftrag hat ihn mit der Handtasche in der Innenstadt verprügelt -- kein angenehmes Erlebnis. Zum einen weil die Handtasche überraschend schwer war und zum anderen weil aus unerfindlichen Gründen er daraufhin festgenommen wurde.

Solche Gespräche?“ hakt Tom nun nach.

„Genau … denn sieh mal -- “

„Sie … ich bitte hier um ein Sie.“

„Oh, okay … denn sehen Sie mal, obwohl ich wirklich gern Milchschaumverkäufer -- ich meine Angestellter bei Starbucks bin, ist das doch eigentlich nur Tarnung.“

„Ah ja … Hermann ist dann natürlich auch nicht Ihr richtiger Name, nehm ich an“, sagt Tom und lächelt grenzdebil.

Der Tod ist etwas misstrauisch, aber auch er fängt an erfreut zu lächeln. Endlich mal jemand, mit dem er sich vernünftig unterhalten kann. „Genau. Eigentlich bin ich nämlich der Tod.“

„Sicher.“

„Nein, wirklich!“

„Klar, ich meine … Hermann, was ist denn das für ein Name? War ja klar, dass da irgendetwas mit Ihnen nicht stimmt. Wer nennt sein Kind schon Hermann?“ Tom zuckt mit den Schultern.

„Hey, Hermann ist mal ein ganz toller -- “ Der Tod wedelt aufgebracht mit den Armen, bevor er sich bewusst wird, dass auch dieses Gespräch aus dem Ruder und in die falsche Richtung läuft. Er massiert sich den Nasenrücken. „Nein, ernsthaft. Ich bin der Tod. Genauer gesagt, einer der Tode.“

„Und jetzt sind Sie hier um mich abzuholen? Ins ewige Nichts zu geleiten? Die endlose Stille zu erfahren?“ Tom klingt erstaunlich gelangweilt für jemanden, dem gerade eine Todesbenachrichtung überbracht wurde. Der Tod ist leicht irritiert.

„Von endloser Stille und ewigem Nichts weiß ich nicht, aber der Rest kommt so ungefähr hin. Du ... ähm … Sie sind tot.“

„Ich fühl mich momentan aber noch recht lebendig“, erwidert Tom und beschließt, dass es jetzt Zeit für einen Kaffee ist.

„Nein, ich meine … also, du … gah … Sie sind praktisch schon als tot ins Buch eingetragen, aber ich hätte da einen Vorschlag … “

„Kaffee?“ fragt Tom unbeeindruckt und geht am Tod vorbei in Richtung seiner kleinen Küche.

„Hast du … haben Sie Milchschaum?“ will der Tod wissen und folgt seinem Gastgeber neugierig.

„Kaffee?“ fragt Tom noch einmal und gießt Wasser in die Kaffeemaschine.

„Och.“ Der Tod lässt die Schultern hängen und schüttelt den Kopf. Tom zuckt wieder nur mit den Schultern.

„Also … dieser Vorschlag … “ sagt er und füllt Kaffeepulver in die Maschine bevor er sie anstellt.

„Ah ja … das Leben.“

„ … ist wie eine Pralinenschachtel?“

Der Tod runzelt die Stirn. Er hat das Gefühl, er wird hier nicht ganz ernst genommen. „Okay, wissen Sie was? Hier, meine Nummer.“ Er legt eine Visitenkarte mit seiner Handynummer neben einer kleinen Sichel auf den leicht verklebten Küchenschrank. „Wenn Sie dann beim Neurologen waren und der Ihnen gesagt hat, dass das Aneurysma in Ihrem Gehirn jederzeit platzen und Sie umbringen kann, dann rufen Sie mich an und wir reden über das Leben.“

„Bitte wie?“ Tom starrt ihn entgeistert an und der Tod fragt sich, ob jetzt der Moment gekommen ist in dem er mit einer Handtasche verprügelt wird. Allerdings sieht Tom nicht gerade wie der durchschnittliche Handtaschenträger aus -- was daran liegen könnte, dass Tom ein Mann ist. Diese Unterscheidung hat der Tod recht früh gelernt -- und zwar in dem Moment, als ihn die Verkäuferin wenig subtil von den glitzernden, bonbonfarbenen Handtaschen zu den Rucksäcken geleitet hat.

„Sie -- Aneurysma. Ich -- Tod. Wirklich, einfacher geht’s nicht mehr. Also, rufen Sie mich an.“ Er tätschelt Tom in was er hofft sei eine aufmunternde Geste auf die Schulter und schließt die Wohnungstür hinter sich.

Eine Woche später ruft Tom an.

- fin

 

Date: 2011-03-19 03:45 pm (UTC)
From: [identity profile] tuppeny.livejournal.com
Ich will den Rest lesen!

Date: 2011-03-19 05:33 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
*LOOOL* XD
Ich beeier mich grade vor Lachen.
Herrlich.
Ich maaaag den Tod. Er ist sozial inkompetent, aber sooo entzückend. <3 Man kann ihm ja nicht mal wirklich übel nehmen, wenn er einen abholt. Immerhin heißt er Herrmann und damit ist man ja schon genug gestraft.
Ich will jetzt auch gerne mehr zu Tom und Herrman lesen, bitte? =)

Date: 2011-03-19 06:28 pm (UTC)
From: [identity profile] belare.livejournal.com
Ich will Rendevouz mit Joe Black gucken...

Date: 2011-03-19 07:40 pm (UTC)
From: [identity profile] exiles-diary.livejournal.com
Das ist wirklich der Anfang von was ganz Großem!
Und wirklich toll geschrieben.
Wäre echt cool, wenn da, wo das hergekommen ist, mehr davon existiert und sich dir irgendwie auch aufdrängt.
So wie der Tod... entschuldige, Hermann sich Tom aufdrängt, um mit ihm über Leben zu reden... und vielleicht über die grenzgeniale Erfindung von Milchschaum?

Date: 2011-03-19 10:05 pm (UTC)
luinaldawen: (kawaii)
From: [personal profile] luinaldawen
Hach ist das herrlich! *-*
Allein der Anfang und der erste Auftritt vom Tod haben mich vollkommen bezaubert und meine beiden Gäste mussten herumgefiepe ertragen. XD Was weniger gut ankam, da Nummer 1 Manga liest. ^^°
Eine wunderbare One-Shot!
Der Tod/Hermann ist einfach nur hinreißend, niedlich, entzückend. <333 Aber er braucht wohl noch etwas Übung in dem Job. û.ú
Und: Gott! Ein Tod mit Handy. XDDD

Mehr! Wenns geht...

Date: 2011-03-20 08:23 pm (UTC)
From: [identity profile] janiebj.livejournal.com
Ich könnte einen Tod namens Hermann jetzt auch nicht ernst nehmen :D
Und Milchschaumverkäufer sollte unbedingt ein richtiger Beruf sein!

Date: 2011-03-23 06:45 pm (UTC)
From: [identity profile] khalaris.livejournal.com
Herrlich absurd. Ich mag deinen Schreibstil. Mehr kann ich gar nicht dazu sagen ;)

Date: 2011-03-23 07:41 pm (UTC)
From: [identity profile] ina-chan0808.livejournal.com
so gut :D
du hast meinen neuen lieblingstot geschaffen...! du beschreibst ihn so amüsant, seinen namen, sein auftreten, die geschichte mit den ZWEI armen XD ich bin restlos begeistert! und ich will jetzt milchschaum...

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios