luinaldawen: (Default)
[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Original
Challenge: Steampunk
Wörter: 722
Anmerkung: Das kommt dabei raus, wenn man in der Dämmerung mit nem Hund spazieren geht. o__o; Ich habe absolut keine Entschuldigung dafür.

Sie rannte.
Ihre verschlissenen Schuhe boten kaum Schutz vor dem kalten Boden und den tückischen kleinen Steinchen, aber das kümmerte sie nicht.
Sie rannte.
Wohin, wusste sie selbst nicht einmal.
Sie wollte nur weg.
Weit weg.
Fort von diesem verfluchten Ort.
Fort von diesem Ort, in dem sie vermutlich die Einzige war, die wirklich noch am Leben war.
Die wirklich noch aus Fleisch und Blut bestand und ein schlagendes Herz hatte.
Ein Herz und keine Aufziehuhr. Oder wie auch immer die modernen Erfinder echtes Leben nachzuahmen versuchten.
Die kahlen Zweige der Bäume hoben sich wie bizarre Scherenschnitte von dem immer dunkler werdenden Himmel ab und sie zögerte.
Hinter dem etwas verwilderten Wäldchen lebte die einzige Person die vielleicht, ganz vielleicht doch noch leben könnte.
Der alte Zar, wie jeder in nannte. Ein Russe, der immer erzählte, wie hoch angesehen er am Hof des Zaren gewesen war, bevor er vollkommen zu Unrecht in Ungnade gefallen war.
Er traute den Apparaten nicht.
Hatte sie Teufelszeug genannt.
Jetzt wusste sie, dass er Recht gehabt hatte.
Schon die ganze Zeit.
Ein Quietschen.
Nur ganz leise.
Aber regelmäßig.
Früher hatte sie es lustig gefunden, dass Patty diese Geräusche beim Gehen machte. Jetzt jagte es ihr einen kalten Schauer über den Rücken.
Sie stand wie erstarrt, konnte sich nicht einmal umdrehen.
Warum konnte sie sich nicht bewegen?
Das Quietschen kam näher.
Sie konnte nicht mehr klar denken.
Stattdessen sah sie wieder ihre kleine Schwester, der Patty einfach so, ohne jeden Grund das Genick gebrochen hatte. Wie eine Marionette, der man die Fäden durchgeschnitten hatte, wie eine furchtbare Parodie auf das fröhliche kleine Mädchen, war sie zu Boden gefallen.
Vermutlich hatte sie nicht einmal etwas gespürt.
Dann war James, der Nachbarjunge hereingestürmt. Hatte geschrien, dass die Apparate außer Kontrolle waren.
Hinter ihm war bereits einer der Apparate die die Straße kehrten aufgetaucht, den Besen in ungelenker Art und Weise erhoben.
Sie hatte nicht gewartet, bis James totgeschlagen wurde. Oder was auch immer geschehen war. Feige war sie aus dem Fenster gesprungen, in die Rosenbüsche auf die ihre Mutter so stolz gewesen war.
Wo war sie? Wo waren ihre Eltern?
Sie hatte sie nicht gefunden.
Nein, sie hatte sie nicht einmal gesucht.
Viel zu sehr war sie damit beschäftigt gewesen, kopflos zu fliehen.
Das Quietschen war jetzt nahe. Ganz nahe.
Sie musste weiter!
Sonst würde sie auch sterben!
Aus einigen Häusern hatte sie Schreie gehört. Einige Leichen hatten auf der Straßen gelegen.
Keiner war mehr am Leben.
Außer vielleicht der alte Zar.
Hinter den Bäumen konnte sie sein Haus erkennen.
Klein. Ein wenig heruntergekommen. Jeder hatte ihm gesagt, er solle sich einen Apparat kaufen, damit er es in Stand setzte und sich um ihn kümmerte. So entrüstet hatte er abgelehnt, dass keiner es nochmal angesprochen hatte.
Stille.
Patty musste jetzt direkt hinter ihr stehen.
Sie konnte sich immer noch nicht rühren.
Dann Quietschte es wieder. Was tat sie? Hob sie die Arme? Zum entscheidenden Schlag?
Erst jetzt, in der letzten Sekunde kam wieder Bewegung in sie und sie machte einen Sprung vorwärts. Etwas krachte hinter ihr auf den Boden.
Jemand schrie.
Das konnte nur sie selbst sein, sonst war ja keiner mehr da.
Sie begann zu rennen. Auf die Bäume und das rettende Haus zu.
Das Quietschen setzte wieder ein.
Aber jetzt kam ein weiteres Geräusch dazu. Ein regelmäßiges Piepen.
Ein weiterer Apparat? Egal.
Sie hatte die Bäume fast erreicht.
Eine Bewegung vor ihr.
Das Piepen wurde lauter.
Sie schrie.
Die dunkle Gestalt bewegte sich ebenso ungelenk wie alle Apparate.
Sie saß in der Falle.

Und saß senkrecht im Bett. Die Augen weit aufgerissen.
Die Tür ging auf. „Morgen... dank dir ist die ganze WG jetzt wach. Besten Dank.“ Mirijam gähnte, schien aber nicht wirklich böse zu sein. Ralf würde sich eh nochmal umdrehen und einfach weiterschlafen, den konnte nichts erschüttern.
„Kaffee?“
„Absolut ja!“
„Und stell endlich deinen Wecker aus, sonst werden die Nachbarn auch noch wach.“ Grinsend schloss Mirijam die Tür wieder und Vanessa nahm ihren Wecke um ihn zum Schweigen zu bringen. Was hatte sie noch mal geträumt? Sicher war sie sich nicht mehr. Puppen waren vorgekommen... Gähnend strich sie sich das zerzauste Haar aus dem Gesicht und griff nach dem Buch auf ihrem Nachttisch. Vielleicht schaffte sie es noch, ein paar Seiten von Clockwork Angel zu lesen, bevor sie zur Arbeit musste.

Date: 2011-03-11 07:25 am (UTC)
From: [identity profile] tee-eulchen.livejournal.com
Das ist.... ziemlich krass. Wo zum Teufel gehst du mit Fiete spazieren?! O_O

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