[identity profile] herzausglas.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Never Take Friendship Personal
Fandom: The Social Network
Charaktere: Mark/Eduardo, Chris, Dustin, Sy, Gretchen und Christy.
Challenge: Machtspiele
Länge: ~1800 Wörter
Warnungen: Sinnloses Hurt/Comfort, Andeutungen körperlicher Misshandlungen von Eduardos Eltern Vater und sicher ganz viele Fehler was die Juristik betrifft.
Anmerkungen: Ich weiß auch nicht, was hier über mich gekommen ist. [livejournal.com profile] rei17s fic ist Schuld :P

„Mr. Saverin, würden Sie ihre Person als risikobereit einschätzen?“

Die meiste Zeit während der Anhörungen konzentrierte sich Mark mehr auf Wardo, als darauf was irgendjemand anderes im Raum von sich gab. Vielleicht wäre es aber keine schlechte Idee wenigstens seinen eigenen Anwälten auch etwas Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Die Sache mit dem Huhn und der „Tierquälerei“ hätte ihnen erspart bleiben können und Mark würde sich nicht einbilden, dass Wardos Blick seitdem noch eine Spur enttäuschter war.

„Wie meinen Sie das?“ Wardos Gesichtsausdruck lies nicht offen, dass er absolut keine Ahnung hatte inwiefern ihm diese Frage nun wieder einen Strick drehen sollte.

„Haben Sie in ihrer Zeit an der Harvard Universität jemals aggressives Verhalten gezeigt?“

Mark wandte den Blick von Wardos irritiertem Gesicht ab und tippte Sy an der Schulter an. „Auf was zum Teufel wollen Sie damit jetzt wieder hinaus?“, fragte er mit gesenkter Stimme, jedoch sicher nicht leise genug damit man es nicht auch an der gegenüberliegenden Tischseite verstehen konnte. „Ich mache hier meinen Job und so werden wir diese alberne Gerichtsverhandlung für uns entscheiden.“

Ein ungutes Gefühl breitete sich in Marks Magengegend aus. Wenn Sy einen seiner besonders ehrgeizigen Tage hatte war das bisher für Wardo kein Zuckerschlecken gewesen. Und obwohl er den Anwalt schon wiederholt darauf hingewiesen hatte Fakten nicht einfach nach seinem Vorteil auszulegen schien das trotzdem Sys favorisierte Strategie zu sein.

„Also, Mr. Saverin. Um es ganz klar zu formulieren: Waren Sie jemals in eine oder mehrere körperliche Auseinandersetzungen mit anderen Studenten verwickelt?“

Wardo zögerte einen Moment bevor er antwortete. „Nein.“ Es klang fast wie eine Frage und Mark wusste, dass er nur darauf wartete wieder als Lügner hingestellt zu werden.

„Auch nicht nachdem Sie bereits die Universität verlassen hatten und nicht mehr aktiv ein Teil des Facebook-Unternehmens waren?“

„Nein.“

„Nun, ich habe hier zwei Arztberichte, die das Gegenteil beweisen.“

Wardos beherrschter Gesichtsausdruck entgleiste für einige Augenblicke. „Ich verstehe immer noch nicht auf was Sie hinauswollen.“

„Der erste Bericht ist vom 18.April 2004. Er besagt, dass Sie gegen 23 Uhr in die Notaufnahme des Cambridge Hospitals von Studenten des naheliegenden Harvard Campus eingeliefert wurden. Tatsächlich steht hier wortwörtlich ‚Verdacht auf handgreifliche Auseinandersetzung mit anderen Studenten‘ und ‚vom Patienten wurde die Aussage verweigert‘. Worauf ich hinaus möchte, Mr. Saverin, ist folgendes: Impulsivität hat in einem Großunternehmen wie Facebook nichts verloren. Es war somit eine äußerst verantwortungsvolle Entscheidung meines Klienten Ihre Anteile der Firma zu reduzieren. Mal ganz davon abgesehen, dass Sie sich gerade einer Falschaussage schuldig gemacht haben.“

Mark hätte Sy in diesem Moment am liebsten gefeuert. Doch er kam nicht drum herum sich einzustehen, dass er Wardo auch das hätte ersparen können, wenn er sich während der Verteidigungsvorbereitung in Gedanken weniger an seinem Schreibtisch in Palo Alto aufgehalten hätte.

„Das… ich...“ Wardo blickte hilflos zu seiner Anwältin, die von den Anschuldigungen ebenfalls überrumpelt schien. Sie steckten kurz die Köpfe zusammen und flüsterten etwas das Mark akustisch nicht verstehen konnte.

„Wie sind Sie überhaupt in den Besitz dieser ominösen Berichte gekommen, Sy? Meines Wissens nach gibt es in Amerika immer noch die ärztliche Schweigepflicht.“

„Selbstverständlich gibt es die. Doch sofern ein höherwertiges Rechtsgut unter konkreter Gefährdung steht gilt ein Bruch der Schweigepflicht nicht als rechtswidrig. Das Vermögen meines Klienten sowie die Zukunft seiner Firma stehen auf dem Spiel. Die Staatsanwaltschaft hat einem eingeschränkten Einblick in die Patientenakten von Mr. Saverin daher zugestimmt.“

Gretchen öffnete empört den Mund um etwas zu erwidern doch Sy fuhr in seiner Erklärung einfach fort.

„Jegliche Details sind auf unseren Kopien unkenntlich gemacht worden, doch das Beweismaterial zeigt eindeutig, dass Mr. Saverin von meinem Mandanten zu Recht als Bedrohung seiner Firma eingestuft wurde.“

„Das ist absurd.“ Mark spürte wie sich die Blicke aller Anwesenden auf ihn richteten. „Wenn Eduardo zu diesem Zeitpunkt nicht der CFO von Facebook und mein bester Freund gewesen wäre, wäre es dazu nie gekommen.“

„Wozu?“, fragte Gretchen über den großen Tisch hinweg bevor Sy eine Ausrede erfand, weshalb sein Klient ihm bei der Beweisführung in den Rücken fiel.



Der 18.April 2004 war ein Sonntag und sowie an jedem Wochenende wurde auf dem Harvard Campus am Wochenende noch härter gefeiert als sonst. Ob man am nächsten Tag Vorlesungen oder Prüfungen hatte spielte dabei keine Rolle. Chris und Dustin hatten mit Wardo und dessen asiatischer-Freundin-deren-Namen-Mark-immer-wieder-vergas eine Allianz gegründet die ihn zwang einmal die Woche mit ihnen um die Häuser zu ziehen. „Facebook gut in der Öffentlichkeit präsentieren“ hatte Dustin zu ihm gesagt um ihm die Sache etwas schmackhafter zu machen.

Sie waren also zu fünft auf irgendeiner Party aufgetaucht und Mark hatte sich gewundert weshalb Wardo nach einer halben Stunde nicht mehr auffindbar war, doch da Cindy („Christy“ korrigierte Chris ihn sofort) ebenfalls von der Bildfläche verschwunden war machte er sich dazu keine weiteren Gedanken. Und das stechende Gefühl von Eifersucht schob er darauf, dass Wardo zur Zeit eine Freundin hatte und er nicht. Es war absurd und irrational eine andere Bedeutung in das Gefühl hineinzulesen.

Deshalb erfuhr Mark erst am nächsten Tag den eigentlich Grund für Eduardos plötzliches Verschwinden und mit Cindy hatte es wenig zu tun. Er saß in einer Informatik-Vorlesung die ihn dermaßen unterforderte, dass er sie nicht einmal dazu nutzte für Facebook zu programmieren. Stattdessen las er die Pinnwand von Wardos Profil und wunderte sich warum sich in den letzten Einträgen die Aussage „Gute Besserung“ zunehmend wiederholte. Wardo war doch nicht krank gewesen. Das hätte er gemerkt. Oder?

Er klickte sich gerade durch die Profile der Leute die Wardo anscheinend für krank hielten als es hinter ihm laut polterte. Einige Studenten drehten sich zur Tür um während der Professor Dustin einfach ignorierte, der auf Marks Platz zu stolperte.

Ohne eine Begründung packte Dustin Marks Sachen zusammen und zerrte ihn dann an seinem Kapuzenpulli aus dem Hörsaal. Als sie auf den verregneten Weg vor dem Uni-Gebäude traten sagte Dustin endlich das, was Marks Ungereimtheiten über den Inhalt von Wardos Pinnwand aufklärte.

„Die Winklevosses haben Wardo zusammenschlagen lassen.“

Es dauerte eine Weile bis Marks Gehirn diese Information verarbeitet hatte. Eine neuronale Vernetzung zwischen körperlicher Gewalt und Wardo existierte nur in Zusammenhang mit Brasilien und selbst das war reine Spekulation. Wardo war nett. Nette Menschen werden nicht zusammengeschlagen. Außer sie sind zufällig der beste Freund von dem Arschloch, das angeblich eine millionenschwere Idee von dir geklaut hat.

Mark wusste nicht was er daraufhin sagen sollte, doch Dustin kannte ihn gut genug um zu wissen, dass auch ein Computergenie sich Sorgen um seinen besten Freund machte wenn er sowas hörte.

„Irgendwelche Medizin-Studenten haben ihn gestern Abend bewusstlos im Gebüsch gefunden – frag mich nicht was die da wollten, keine Ahnung – jedenfalls haben sie ihn in die Notaufnahme gebracht und die haben uns heute Morgen informiert. Eigentlich dich, aber du warst ja nicht da und Wardos Eltern waren wohl nicht erreichbar. Die meinten wir sollten ihn abholen und das haben wir dann gemacht und scheiße.“

Dustin unterbrach sich selbst in seinem halsbrecherisch schnellen Newsflash und atmete zitternd aus. Mark fand, dass er so geschockt aussah wie er sich fühlte.

„Die haben ihm zwei Rippen gebrochen und eine Gehirnerschütterung verpasst. Und Fieber hat er auch noch wegen Unterkühlung oder so und Chris und ich haben ihn erst mal zu uns gebracht, weil ich weiß gar nicht wo Wardos Zimmer ist, er ist eh immer bei dir. Und- Mark, alles ok?“

Dustin drehte sich besorgt zu Mark um, zog in jedoch weiter in Richtung ihres Hauses.

„Sorry, blöde Frage.“




„Wir haben trotzdem noch den anderen Arztbericht vom 23.September 2004 indem ebenfalls-“

„Keine nachhaltigen Beweise gegen Mr. Saverin zu finden sind“, unterbrach Gretchen Sys frustrierten Versuch seine Strategie doch noch aufgehen zu lassen. „Unter anderem sind die familiären Probleme von Mr. Saverin nicht Gegenstand dieser Anhörung.“

Im Nachhinein hätte Mark sich dafür ohrfeigen können, dass er nicht darauf gekommen war warum Wardo nach einem kurzen Brasilienaufenthalt für vier Tage ‚nicht verfügbar‘ war und sein Platz in dem ConnectU Gerichtsprozess leer blieb.

„Familiäre Probleme?“, wiederholte Sy und setzte nach kurzem Überlegen zu einem neuen Angriff an. „Sie werden wohl nachvollziehen können, dass das eine sehr schwammige Aussa-“

„Es reicht.“ Die Worte waren über Marks Lippen gekommen während er sie gedacht hatte. Sy warf Mark einen empörten Seitenblick zu.

„Ich denke, es ist das Beste wenn wir für heute Schluss machen.“ Das war wohl das erste Mal seit Beginn des Rechtsstreits, dass Gretchen und Sy einer Meinung waren. Mark wünschte sich, dass es nicht wieder ein Tag war an dem Wardo den Raum verlies ohne ihn anzusehen.



Chris kam ihnen aufgeregt entgegen und murmelte Sachen wie ‚spielen sich auf wie die Mafia‘, aber für Mark wurde alles zweitrangig als er Wardo in seinem Bett liegen sah.

„Er schläft“, sagte Chris und Mark war kurz davor ihn gereizt anzufahren, dass er dann doch auch leise sein könnte. Aber seine Mutter meinte immer, dass er besonders unsozial reagierte wenn er unter Stress stand. „Und er hat die ganze Zeit nach dir gefragt. Also, bevor er eingeschlafen ist.“

„Wir gehen dann mal“, meinte Dustin und zog Chris mit sich vor die Tür. Mark war immer wieder erstaunt wie leicht es Dustin fiel die Bedürfnisse anderer Menschen zu erkennen.

Mark setzte sich neben Wardo auf die Bettkante. Er war blasser als sonst und hatte Schrammen auf der Wange, wobei das, wie er ja von Dustin erfahren hatte, nur ein Minium der Verletzungen war. Die ganze Situation wirkte surreal auf ihn. Es machte keinen Sinn, warum jemand Wardo schaden wollte. Es machte Sinn, wenn man Mark schaden wollte, zumindest wenn man Cameron oder Tyler Winklevoss hieß.

Nach einer gefühlten Ewigkeit riss sich Mark aus seiner Starre und legte sich vorsichtig neben Wardo auf sein Bett. Etwas passierte mit ihm, dass er sich nicht erklären konnte. Eigentlich war es Wardo, der so großen Wert darauf legte andere zu berühren. Aber Mark wurde den Wunsch nicht los seinen besten Freund zu umarmen und zu sagen, dass alles gut werden würde. So klischeehaft und gefühlsüberzogen es ihm auch vorkam.

Mark wachte davon auf, dass jemand unsanft an seiner Schulter rüttelte. Das erste was er sah, als er die Augen aufschlug waren Wardos dunkle Haare. Sein Unterbewusstsein hatte wohl doch noch die Oberhand gewonnen, denn seine Arme waren fest um Wardos schlanke Gestalt geschlossen und er konnte Wardos warmen Atem an seiner Halsbeuge spüren.

Seine Schulter wurde noch mal geschüttelt.

„Was
macht ihr da?“, fragte eine unfreundliche Stimme, die Mark als Cindy identifizierte. Er wusste keine Antwort auf seine Frage also kam er ihrem Wunsch nach, als sie sagte, dass sie „gerne mit ihrem festen Freund allein sein würde“.



Ein halbes Jahr später machten Christys Worte immer noch nicht viel mehr Sinn, als an dem Tag an dem sie ihn aus seinem eigenen Bett gescheucht hatte. Aber das spielte auch keine Rolle, denn erstens hatte sie Mark und Wardo nicht noch mal zusammen in Marks Bett vorgefunden und zweitens war Wardo nicht mehr mit Christy zusammen. Er war nach eigener Aussage aber auch nicht mehr mit Mark befreundet und wenn Wardo das sagte spürte Mark jedes Mal einen ganzen Haufen von verschiedenen Gefühlen, die alle keinen Sinn ergaben.

Vielleicht hätten sie Sinn gemacht wenn Mark nicht „emotional schwerbehindert“ wäre (so drückte Chris es zumindest aus und Dustin hatte da seine volle Unterstützung) oder aber wenn er gewusst hatte, dass Wardo deshalb nicht mehr in seinem Bett übernachtete, weil Christy drohte seinem Vater davon zu erzählen.


Danke fürs Lesen!

Date: 2011-03-01 02:06 pm (UTC)
From: [identity profile] hope-calaris.livejournal.com
Gott ist das peinlich dass ich nicht wusste dass ich Deutsch mit dir reden kann *facepalm* Ich geh automatisch davon aus dass alle im TSN Fandom englische Muttersprachler sind *even more facepalm* Und jetzt lese ich.

Date: 2011-03-01 02:21 pm (UTC)
From: [identity profile] hope-calaris.livejournal.com
Hörst du das? Das ist mein Herz, das grade klirrt und zerbröselt. Heartbreak all over the place. Ich liebe es. LIEBE. Dir ist klar, dass du jetzt fix-it produzieren musst, ja?

Date: 2011-03-01 06:59 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Awww, Wardo.
H/C ist doch mein ganz schamloses Lieblingsgenre. Wunderbar.
Und dann noch die Winkelhorst-Klone als Bösewichte - wie herrlich ist das denn? XD *rofl*
Ich bin auch sehr für ein Fix-it! Also bitte mehr und bitte bald! ;)

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