Gute Besserung
Feb. 27th, 2011 03:53 pmFandom: Digimon 02
Personen: Yamato und Jou (im Studenten-Modus)
Wörter: 1.053
Genre: fluff
Challenge: Flucht
Kommentar: Manch einer flüchtet nicht nach außen, sondern in sein Bett. Und das, obwohl er kaum Grund dazu hat.
Jous Gesicht sieht eingefallen und bleich aus, fast schon wie das eines alten Mannes.
Yamato schließt die Zimmertür, schlendert mit einem gut gelaunten Lächeln zum Bett herüber und tut so, als hätte er sich bei dem Anblick nicht erschreckt.
Alles in diesem Zimmer sieht aus wie geleckt und wie von Ameisen geordnet. Der Schreibtisch ist aufgeräumt, die Platte glänzt sauber, die Anatomiebücher sind nach dem iroha-Alphabet sortiert. Jou räumt immer auf wenn er sehr nervös ist. Yamato und die anderen haben es mit der Zeit gelernt; dass, je aufgeräumter dieses Zimmer ist, desto aufgelöster Jou im Grunde ist. Er spiegelt seinen Gemütszustand selten nach außen, er dreht ihn einfach um und denkt womöglich noch, das sei clever.
„Komm nicht zu nahe, sonst stecke ich dich noch an“, murmelt Jou, zieht die Bettdecke bis zur Nasenspitze hoch und sieht tatsächlich drollig aus.
„Dafür, dass du uns allen geschrieben hast, du seist tot, siehst du aber erstaunlich gut aus.“
Yamato setzt sich an den Bettrand und zieht aus seiner Tasche ein Päckchen Schokolade.
„Selbstgemacht von Mimi. Ich soll gute Besserung von allen bestellen.“
Jous dunkle Augen heften sich auf die bunte Verpackung und einen Augenblick lang sieht er aus wie ein Waldschrat mit seinen zerzausten kinnlangen Haaren und der spitzen Nase.
„Wieso gute Besserung?“, murmelt er.
„Ihr glaubt mir nie was ich sage, oder?“
„Tut mir Leid, dass wir dir nicht geglaubt haben als du geschrieben hast `Bin tot. Beerdigung ist nächste Woche, aber weint nicht zu sehr um mich´!“
Yama legt die Schokolade auf den Nachttisch neben Jous Brille.
„Taichi glaubt nicht an Geister, Takeru hat sich schlappgelacht und Sora war der festen Überzeugung, dass das eine Selbstmordankündigung war.“
Er hebt die Augenbrauen und senkt sie wieder.
Wenn er sich Jou so aus der Nähe anschaut, sieht dieser gar nicht mehr so krank aus. Die Blässe macht womöglich zu wenig Schlaf- andererseits war der Kerl schon immer etwas käsig. Es liegen keine Taschentücher auf dem Nachttisch, keine Nasentropfen, kein Grippemittel. Jou atmet durch die Nase wie immer. Yamato legt ihm prüfend eine Hand auf die Stirn.
„Und was glaubst du?“, fragt Jou, sichtlich um Fassung bemüht.
Seine Stirn fühlt sich ganz normal an.
„Dass du trotz deiner neurotischen Anfälle manchmal eigentlich sonst nicht zu Hypochondrie neigst.“
Yamato lässt los und legt die Hand auf der Decke ab. Durch sie kann er die Wärme von Jous Knien spüren.
„Du bist auf der Flucht und hast dafür nicht mal das Haus verlassen. Ist ja fast schon brilliant.“
Er lächelt gewinnend. Trotz der Tatsache, dass sein Freund ihn gewissermaßen durch seine Hektik in den Wahnsinn treibt, hat er Jou unglaublich gern. Und wenn Jou nicht mehr hektisch ist, sondern ganz ruhig und stumm- dann ist es ernst.
Vorsichtig legt Yamato die Hand jetzt auf die Schulter seines Freundes und betrachtet ein leichtes Zucken und Beben in seinen Gesichtszügen. Dann beschließt er, diesen mühsam zusammengehaltenen Staudamm zu brechen, weil man nichts zusammenhalten sollte, was nur wehtut:
„Was ist los?“
Er schließt Jou in seine Arme als dieser das Gesicht zu einer weinenden Fratze verzieht und sich natürlich prompt dafür schämt. Es ist doch immer dasselbe Spiel. Der Kerl fährt sich irgendwo fest, sagt niemandem Bescheid, dass er festgefahren ist, versucht die ganze Sache irgendwie zu vertuschen und muss sich dann retten lassen. Und das nur, um den Schein zu wahren.
Andererseits, denkt Yamato als er den bebenden Rücken seines Freundes beruhigend streichelt, ist er selbst auch nicht so viel anders.
„Ich bin durch die Prüfungen gefallen!“, schluchzt Jou herzzerreißend.
„Obwohl ich so viel gelernt habe. Obwohl ich sogar zu Lerngruppen gegangen bin! Meine Eltern denken, es sei alles in Ordnung, meine Großeltern haben mir schon Geld geschenkt, meine Professoren werden denken, ich sei ein vollkommener Versager! Ich kriege ein Begabtenstipendium, verflucht! Was soll ich denn jetzt nur machen? Wassollichdennjetztnurmach’n!“
Zum Glück neigt Jou nicht zu impulsivem Verhalten, denkt Yamato als er dessen Haare beruhigend plattdrückt und tätschelt. Sonst wäre er womöglich sogar wirklich von einem Hochhaus gesprungen oder hätte sich fachmännisch die Puladern aufgeschlitzt. Hohe Erwartungen anderer sind Jous ganz persönliche Dämonen.
„Nimm eine andere Identität an“, murmelt er in die Schulter seines Freundes.
„Lass dir eine falsche ID-Card machen, geh nach Hokkaidô und fahr zur See.“
Jou löst sich von ihm und guckt ihn mit roten, verblüfft aufgerissenen Augen an;
„Was?“
„Oder!“, fährt Yamato fort und tippt mit dem Zeigefinger auf Jous Brust;
„Du wartest auf die Nachprüfungen und kümmerst dich erstmal um die!“
Jou wischt sich Tränen auf eine hektische Art und Weise von den Wangen, dass Yamato schon fast wieder beruhigt ist.
„Und was ist, wenn ich die auch nicht bestehe?“
„Du bist kein Idiot. Wenn durch jetzt durchgefallen bist, dann nicht weil du zu wenig gelernt hast, sondern weil du vielleicht mal wieder viel zu verkrampft an die Sache rangegangen bist.“
Yamato greift nach der Schokoladenpackung und fummelt so lange daran herum bis sie offen ist.
„Mach mal Lernpausen, gönn dir was, schlaf mal mehr als vier Stunden in der Nacht und vor allem-„
Er steckt sich ein Schokoladenstück in den Mund, lutscht genüsslich daran herum und schiebt es dann provokativ mit der Zunge in eine Wange;
„Hol dir ab und an mal einen runter. Das wirkt Wunder! Und ist auf jeden Fall besser als eine Grippe vorspielen, glaub mir.“
Jou ist ein wenig rot um die Nasenspitze geworden und sieht in erster Linie irgendwie bockig aus. Aber das macht nichts, in der Hinsicht ist er nun mal etwas verkrampft.
„Und vor allem denk daran, dass du nicht alleine bist“, sagt Yamato bestimmt.
„Wenn du Probleme hast, lass nicht immer erst die Bombe platzen. Du weißt, wir sind immer für dich da und wir helfen dir, wo wir nur können!“
Der Junge im Bett schaut beschämt auf die Decke. Seine Finger spielen einen kurzen Moment nervös mit dem Kissenbezug herum.
„Danke“, murmelt er verhalten.
„Tut mir Leid, dass ich so ein Waschlappen bin.“
Dann sieht er wieder hoch und lächelt dankbar. Und das ist es, erkennt Yamato, was ihn dazu bringt, sich diese Katastrophen immer und immer wieder zu geben. Dieses warme Gefühl in der Magengegend wenn er sich dieses Lächeln anschaut. Nicht zu vergessen, das bombastische Gefühl, Held des Tages zu sein.
„Das wird schon noch“, sagt er aufmunternd.
„Und jetzt zieh dir was an. Wir gehen ein paar Schmuddelhefte für dich kaufen.“
Personen: Yamato und Jou (im Studenten-Modus)
Wörter: 1.053
Genre: fluff
Challenge: Flucht
Kommentar: Manch einer flüchtet nicht nach außen, sondern in sein Bett. Und das, obwohl er kaum Grund dazu hat.
Jous Gesicht sieht eingefallen und bleich aus, fast schon wie das eines alten Mannes.
Yamato schließt die Zimmertür, schlendert mit einem gut gelaunten Lächeln zum Bett herüber und tut so, als hätte er sich bei dem Anblick nicht erschreckt.
Alles in diesem Zimmer sieht aus wie geleckt und wie von Ameisen geordnet. Der Schreibtisch ist aufgeräumt, die Platte glänzt sauber, die Anatomiebücher sind nach dem iroha-Alphabet sortiert. Jou räumt immer auf wenn er sehr nervös ist. Yamato und die anderen haben es mit der Zeit gelernt; dass, je aufgeräumter dieses Zimmer ist, desto aufgelöster Jou im Grunde ist. Er spiegelt seinen Gemütszustand selten nach außen, er dreht ihn einfach um und denkt womöglich noch, das sei clever.
„Komm nicht zu nahe, sonst stecke ich dich noch an“, murmelt Jou, zieht die Bettdecke bis zur Nasenspitze hoch und sieht tatsächlich drollig aus.
„Dafür, dass du uns allen geschrieben hast, du seist tot, siehst du aber erstaunlich gut aus.“
Yamato setzt sich an den Bettrand und zieht aus seiner Tasche ein Päckchen Schokolade.
„Selbstgemacht von Mimi. Ich soll gute Besserung von allen bestellen.“
Jous dunkle Augen heften sich auf die bunte Verpackung und einen Augenblick lang sieht er aus wie ein Waldschrat mit seinen zerzausten kinnlangen Haaren und der spitzen Nase.
„Wieso gute Besserung?“, murmelt er.
„Ihr glaubt mir nie was ich sage, oder?“
„Tut mir Leid, dass wir dir nicht geglaubt haben als du geschrieben hast `Bin tot. Beerdigung ist nächste Woche, aber weint nicht zu sehr um mich´!“
Yama legt die Schokolade auf den Nachttisch neben Jous Brille.
„Taichi glaubt nicht an Geister, Takeru hat sich schlappgelacht und Sora war der festen Überzeugung, dass das eine Selbstmordankündigung war.“
Er hebt die Augenbrauen und senkt sie wieder.
Wenn er sich Jou so aus der Nähe anschaut, sieht dieser gar nicht mehr so krank aus. Die Blässe macht womöglich zu wenig Schlaf- andererseits war der Kerl schon immer etwas käsig. Es liegen keine Taschentücher auf dem Nachttisch, keine Nasentropfen, kein Grippemittel. Jou atmet durch die Nase wie immer. Yamato legt ihm prüfend eine Hand auf die Stirn.
„Und was glaubst du?“, fragt Jou, sichtlich um Fassung bemüht.
Seine Stirn fühlt sich ganz normal an.
„Dass du trotz deiner neurotischen Anfälle manchmal eigentlich sonst nicht zu Hypochondrie neigst.“
Yamato lässt los und legt die Hand auf der Decke ab. Durch sie kann er die Wärme von Jous Knien spüren.
„Du bist auf der Flucht und hast dafür nicht mal das Haus verlassen. Ist ja fast schon brilliant.“
Er lächelt gewinnend. Trotz der Tatsache, dass sein Freund ihn gewissermaßen durch seine Hektik in den Wahnsinn treibt, hat er Jou unglaublich gern. Und wenn Jou nicht mehr hektisch ist, sondern ganz ruhig und stumm- dann ist es ernst.
Vorsichtig legt Yamato die Hand jetzt auf die Schulter seines Freundes und betrachtet ein leichtes Zucken und Beben in seinen Gesichtszügen. Dann beschließt er, diesen mühsam zusammengehaltenen Staudamm zu brechen, weil man nichts zusammenhalten sollte, was nur wehtut:
„Was ist los?“
Er schließt Jou in seine Arme als dieser das Gesicht zu einer weinenden Fratze verzieht und sich natürlich prompt dafür schämt. Es ist doch immer dasselbe Spiel. Der Kerl fährt sich irgendwo fest, sagt niemandem Bescheid, dass er festgefahren ist, versucht die ganze Sache irgendwie zu vertuschen und muss sich dann retten lassen. Und das nur, um den Schein zu wahren.
Andererseits, denkt Yamato als er den bebenden Rücken seines Freundes beruhigend streichelt, ist er selbst auch nicht so viel anders.
„Ich bin durch die Prüfungen gefallen!“, schluchzt Jou herzzerreißend.
„Obwohl ich so viel gelernt habe. Obwohl ich sogar zu Lerngruppen gegangen bin! Meine Eltern denken, es sei alles in Ordnung, meine Großeltern haben mir schon Geld geschenkt, meine Professoren werden denken, ich sei ein vollkommener Versager! Ich kriege ein Begabtenstipendium, verflucht! Was soll ich denn jetzt nur machen? Wassollichdennjetztnurmach’n!“
Zum Glück neigt Jou nicht zu impulsivem Verhalten, denkt Yamato als er dessen Haare beruhigend plattdrückt und tätschelt. Sonst wäre er womöglich sogar wirklich von einem Hochhaus gesprungen oder hätte sich fachmännisch die Puladern aufgeschlitzt. Hohe Erwartungen anderer sind Jous ganz persönliche Dämonen.
„Nimm eine andere Identität an“, murmelt er in die Schulter seines Freundes.
„Lass dir eine falsche ID-Card machen, geh nach Hokkaidô und fahr zur See.“
Jou löst sich von ihm und guckt ihn mit roten, verblüfft aufgerissenen Augen an;
„Was?“
„Oder!“, fährt Yamato fort und tippt mit dem Zeigefinger auf Jous Brust;
„Du wartest auf die Nachprüfungen und kümmerst dich erstmal um die!“
Jou wischt sich Tränen auf eine hektische Art und Weise von den Wangen, dass Yamato schon fast wieder beruhigt ist.
„Und was ist, wenn ich die auch nicht bestehe?“
„Du bist kein Idiot. Wenn durch jetzt durchgefallen bist, dann nicht weil du zu wenig gelernt hast, sondern weil du vielleicht mal wieder viel zu verkrampft an die Sache rangegangen bist.“
Yamato greift nach der Schokoladenpackung und fummelt so lange daran herum bis sie offen ist.
„Mach mal Lernpausen, gönn dir was, schlaf mal mehr als vier Stunden in der Nacht und vor allem-„
Er steckt sich ein Schokoladenstück in den Mund, lutscht genüsslich daran herum und schiebt es dann provokativ mit der Zunge in eine Wange;
„Hol dir ab und an mal einen runter. Das wirkt Wunder! Und ist auf jeden Fall besser als eine Grippe vorspielen, glaub mir.“
Jou ist ein wenig rot um die Nasenspitze geworden und sieht in erster Linie irgendwie bockig aus. Aber das macht nichts, in der Hinsicht ist er nun mal etwas verkrampft.
„Und vor allem denk daran, dass du nicht alleine bist“, sagt Yamato bestimmt.
„Wenn du Probleme hast, lass nicht immer erst die Bombe platzen. Du weißt, wir sind immer für dich da und wir helfen dir, wo wir nur können!“
Der Junge im Bett schaut beschämt auf die Decke. Seine Finger spielen einen kurzen Moment nervös mit dem Kissenbezug herum.
„Danke“, murmelt er verhalten.
„Tut mir Leid, dass ich so ein Waschlappen bin.“
Dann sieht er wieder hoch und lächelt dankbar. Und das ist es, erkennt Yamato, was ihn dazu bringt, sich diese Katastrophen immer und immer wieder zu geben. Dieses warme Gefühl in der Magengegend wenn er sich dieses Lächeln anschaut. Nicht zu vergessen, das bombastische Gefühl, Held des Tages zu sein.
„Das wird schon noch“, sagt er aufmunternd.
„Und jetzt zieh dir was an. Wir gehen ein paar Schmuddelhefte für dich kaufen.“
no subject
Date: 2011-02-27 03:08 pm (UTC)Wunderbar geschrieben, jedenfalls :)
In mir ist zugegebenermaßen auch zu viel Jou, von daher: ich kann alles sehr gut nachempfinden.
no subject
Date: 2011-02-27 08:53 pm (UTC)Naja, ich kann mir vorstellen, dass Jou sich über seine Leistungen definiert und den Arsch aufreißt, um in allem irgendwie möglichst gut zu sein. Wie furchtbar muss dann sowas sein?
no subject
Date: 2011-02-27 03:44 pm (UTC)Ich verstehe Jou aber seeeeehr gut... x_X Versaute Prüfungen obwohl alle tolle Leistungen erwarten ist schrecklich. ;_;
Wunderschöne Fanfic... da bekomme ich gleich Lust, meine momente Idee wegzuschieben und auch Digimon zu schreiben. <333
no subject
Date: 2011-02-27 08:54 pm (UTC)Oh ja, ein bisschen mehr Digimon wär doch nicht schlecht! :) Aber Ideen wegschieben ist auch doof. ._.
no subject
Date: 2011-02-27 04:41 pm (UTC)Nein, noch viel besser.
Du beschreibst die Charas so toll.
Armer Jou, armer Yama, der sich das immer wieder antun muss.
Aber stimmig.
Auch die Meinungen von den anderen Digirittern.
Einfach perfekt.
Freu mich darauf, wenn du dich mal wieder öfter an dem Fandom vergreifst ^.~
no subject
Date: 2011-02-27 08:55 pm (UTC)Ja, alle paar Jahre hole ich sie immer mal wieder aus dem Schrank und puschle sie ein bisschen. <3 Alte Liebe rostet nicht oder wie man so schön sagt.
no subject
Date: 2011-03-23 09:22 pm (UTC)freunde sind doch das allerbeste! besonders wenn man den eigenen dämonen gegenübersteht...(die nummer mit der grippe versuch ich demnächst auch mal, sieht vielversprechend aus)
yamato ist so süß, wie er da auf dem bett sitzt und seinen kumpel an seiner schulter weinen lässt, und jou der so krampfhaft versucht den schein zu wahren und dann doch so schnell einknickt und herzerweichend weint <3
>„Und jetzt zieh dir was an. Wir gehen ein paar Schmuddelhefte für dich kaufen.“<
:D schön raus aus den federn