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Feb. 27th, 2011 02:20 pmTitel: Geduld
Challenge: Ich sehe was, was du nicht siehst
Genre: Original
Wörter: 264
Er sitzt und wartet. Eine Frau läuft an ihm vorbei, ihr Kleid, möglicherweise Seide, streift seinen Arm, stellt seine kleinen Härchen auf wie eine verfallene Armee; bereit alles zu tun, um dieses Gefühl noch einmal erleben zu dürfen. Sie lacht. Zwei Gläser klirren. Jemand flüstert ihr ins Ohr, nein, nicht flüstern, säuseln. Ein undurchdringliches Zischen, dass vor Begehren trieft und sinnlos seine Ohren verstopft. Er kratzt am Ohr, um das Geräusch loszuwerden, versucht sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Das Lachen. Ihrs, seins, deren. Wieder läuft jemand an ihm vorbei, stört ihn in seiner Konzentration. Er hat sich einen schlechten Platz ausgesucht, viel zu offen, viel zu mittendrin. Er sollte sich woanders hinsetzen. Das Lachen nagelt ihn fest. Nicht, weil es ansteckend ist. Nein, er lacht nicht, er hat schon lange nicht mehr gelacht, schon lange nichts lustiges mehr erlebt oder gehört. Lustige Momente und Unterhaltungen fliegen an ihm vorbei, ignorieren ihn. Er bleib sitzen, weil seine Neugierde Humors Ignoranz nicht akzeptiert und wissen will; Immer alles wissen will.
„Wissen Sie, warum die da alle so lachen?“ fragt ihn ein Mann. Jung, möglicherweise Mitte 20.
„Nein, tut mir leid.“ Er schüttelt den Kopf und schiebt seine Sonnenbrille die Nase hoch. „Aber wenn Sie rüber gehen und nachfragen, würde es Ihnen etwas ausmachen, es mir dann zu erzählen?“
„Klar, kein Problem.“ Der Mann läuft an ihm vorbei. Die Härchen auf den Armen folgen auch ihm, in freudiger Erwartung.
„Danke. Ich warte hier solange.“
Er sitzt und wartet.
Challenge: Ich sehe was, was du nicht siehst
Genre: Original
Wörter: 264
Er sitzt und wartet. Eine Frau läuft an ihm vorbei, ihr Kleid, möglicherweise Seide, streift seinen Arm, stellt seine kleinen Härchen auf wie eine verfallene Armee; bereit alles zu tun, um dieses Gefühl noch einmal erleben zu dürfen. Sie lacht. Zwei Gläser klirren. Jemand flüstert ihr ins Ohr, nein, nicht flüstern, säuseln. Ein undurchdringliches Zischen, dass vor Begehren trieft und sinnlos seine Ohren verstopft. Er kratzt am Ohr, um das Geräusch loszuwerden, versucht sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Das Lachen. Ihrs, seins, deren. Wieder läuft jemand an ihm vorbei, stört ihn in seiner Konzentration. Er hat sich einen schlechten Platz ausgesucht, viel zu offen, viel zu mittendrin. Er sollte sich woanders hinsetzen. Das Lachen nagelt ihn fest. Nicht, weil es ansteckend ist. Nein, er lacht nicht, er hat schon lange nicht mehr gelacht, schon lange nichts lustiges mehr erlebt oder gehört. Lustige Momente und Unterhaltungen fliegen an ihm vorbei, ignorieren ihn. Er bleib sitzen, weil seine Neugierde Humors Ignoranz nicht akzeptiert und wissen will; Immer alles wissen will.
„Wissen Sie, warum die da alle so lachen?“ fragt ihn ein Mann. Jung, möglicherweise Mitte 20.
„Nein, tut mir leid.“ Er schüttelt den Kopf und schiebt seine Sonnenbrille die Nase hoch. „Aber wenn Sie rüber gehen und nachfragen, würde es Ihnen etwas ausmachen, es mir dann zu erzählen?“
„Klar, kein Problem.“ Der Mann läuft an ihm vorbei. Die Härchen auf den Armen folgen auch ihm, in freudiger Erwartung.
„Danke. Ich warte hier solange.“
Er sitzt und wartet.
no subject
Date: 2011-02-28 11:44 am (UTC)Das ist ein toller One-Shot. Ich liebe es wie du das Gefühl beschreibst dass das Leben nebenan statt findet und dass man es nur hören und erraten kann, was los ist, aber nie selber teil nimmt. Und auch die Hoffnung und das Warten - wo man am Ende mit dem unguten Gefühl zurückgelassen wird, dass der junge Mann nicht vllt nicht mehr zurückkommt.
Auch wie du bei den Empfindungen auf das Hören und Spüren übergegangen bist, hat mir sehr gut gefallen.