der_jemand: (Default)
[personal profile] der_jemand posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Autorin.
Challenge: #3
Warnungen: wahnsinnig melodramatisch.
Wörter: 415
Charaktere: Eine Autorin, ihr Zukünftiger und Sven.
A/N: Erinnert sich noch jemand an den Autounfall, den ich anfangs erwähnt habe? Ja? - Das hier spielt danach. ...Und wir finden den Punkt zwischen "zynisch" und "kaputt". - Er ist weder das eine noch das andere. (Gott, bin ich theatralisch. *lol*)



Sie sitzen zu dritt nebeneinander. Die Plastikstühle sind nicht sonderlich bequem, aber auch nicht unbequem, nichts worauf man sich konzentrieren könnte.

Sven kaut an seinen Fingernägeln.

Ilja hat einfach den Kopf in die Hände gestützt, manchmal schluchzt er kaum hörbar, manchmal würgt er leise. – Beide Geräusche hallen ohrenbetäubend durch den Gang.

Sie sitzt aufrecht, versucht ihre Gelenke dazuzubewegen, rechte Winkel zu bilden. Es klappt nicht so gut, wie sie das gerne hätte.

Es ist viel zu still, viel zu hell, viel zu weiß. Iljas besches Hemd wirkt fast wie ein Farbfleck, aber nur fast. Am Rande fragt sie sich, warum keiner von ihnen irgendetwas buntes anhat, etwas, das man anstarren könnte. Irgendetwas, auf dem keine roten Flecken auftauchen würden, wenn man es lange genug ansieht.

Die Wand ihnen gegenüber sieht aus, als hätte man auf ihr ein Schwein geschlachtet. Vor ihren Augen tanzen Blutflecken. – Sie weiß, dass sie in Wirklichkeit nicht da sind, aber das ändert eigentlich gar nichts.

Sie weiß eine ganze Menge Dinge und in diesem Moment verflucht sie sie alle.

Sie weiß, dass es nicht gut aussieht.

Sie weiß, welche Energien auf welche Knochen eingewirkt haben, sie weiß, dass diese Knochen nicht in der Lage sind, das auszuhalten.

Und sie weiß, dass viel zu viel Blut auf der Kreuzung, im Notarztwagen und an ihren Händen ist, als dass sie noch eine Chance hätte.

Sie will das gar nicht wissen.

Die Flecken drehen sich immer schneller, sehen aus, als wollten sie sich von der Wand lösen und sich auf sie stürzen, sie einfach erwürgen...

Natürlich tun sie das nicht. So etwas tun imaginäre Flecken, Fata Morganas oder was auch immer sie sind, nie. – Außerdem hätte sie es in diesem Moment wahrscheinlich sogar begrüßt.

Sie weiß, dass es nicht ihre Schuld ist. – Nur spielt das keine Rolle.

Sie weiß, dass sie nie eine glückliche funktionierende Beziehung hatten und auch nie haben würden. – Nur spielt das noch viel weniger eine Rolle als alles andere.

Was sie nicht weiß, ist, wie es weitergehen soll, wenn irgendjemand aus der OP-Tür am anderen Ende des Ganges tritt. Was mit ihr passieren wird, wenn sie weiß, dass sie nie wieder versuchen muss, das Ganze zum Laufen zu bringen, oder so zu tun, als wäre alles in Ordnung.

‚Nie wieder’ ist wahnsinnig abstrakt. – In diesem Moment, mit den tanzenden, imaginären Blutflecken vor den Augen, dem Geräusch von Svens Zähnen auf den inzwischen kaputten Fingernägeln und Iljas unterdrücktem Weinen im Ohr, hat sie eine vage Vorstellung davon, wie sich das anfühlt.

Date: 2007-05-20 03:05 pm (UTC)
From: [identity profile] keksdiebin.livejournal.com
Hm...ich finds irgendwie spontan interessant, dass wir so ähnliches und gleichzeitig so verschiedenes geschrieben haben. Bestätigt meinen Eindruck, dass Krankenhäusern wohl von vielen ähnlich wahrgenommen werden.

Und es zeigt mir, dass du Nicht-Happy-Ends schreiben kannst und ich nur Happy Ends ^^°

Ich mag (oh wunder ^^°) Ilja. Er ist so ein bisschen wie Björn, glaub ich, aber ein bisschen schlagfertiger. Und die Autorin mag ich eigentlich auch. Das Mädel tut mir leid...

Date: 2008-04-28 09:20 pm (UTC)
From: [identity profile] ina-chan0808.livejournal.com
*schauder* passt hervorragend zu challenge, jagt mir trotzdem einen schauer über den rücken...
ich hasse krankenhäuser. jetzt noch mehr T-T
*schluck* vor allem das ganze mit den imaginären blutflecken...

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