(no subject)
Jan. 30th, 2011 07:24 pmChallenge: "Ich habs nicht vergessen! Ich hab nur nicht dran gedacht!"
Fandom: Original
Charaktere: Eine pen&paper-Rollenspielgruppe mit ganz eigenen Problemen
Widmung: Alle Rollenspieler, die schon mal ein ähnliches Problem hatten. Oder das Glück, um solche Szenen herumgekommen zu sein. :)
Natalie starrte beinahe vorwurfsvoll die beiden Würfel vor ihr auf dem Tisch an. Das war nicht ganz das, was sie sich erhofft hatte. „Darf ichs nochmal versuchen?“ Blöde Frage. Die Antwort würde nein lauten.
„Nö. Jeder hat einen Versuch, Pech gehabt.“ Markus grinste schadenfroh und sie begann sich ernsthafte Sorgen zu machen. Es war generell nie gut, wenn man eine Intuitions-Probe versaute. Aber wenn es Markus der Spielleiter war, konnten die Folgen verheerend sein. Sie sah sich schon einen neuen Charakter erstellen, als er nach kurzem Überlegen sagte: „Ihr seid echte Loser... Terina stolpert über eine Stein und legt sich volle Kanne auf die Fresse während Sarus und Ijana langsam in die Höhle vordringen. Je tiefer ihr geht, desto kälter wird es, aber ihr bräuchtet eure Fackeln gar nicht, um für Licht zu sorgen. Trotz der Flammen seht ihr einen grünlichen Schein von den Wänden ausgehen. Sarus, du merkst, dass das Licht von dem Moos ausgeht, Ijana kapiert aber nichts. Von irgendwoher hört ihr ein leises Tropfen und Stimmen. Dummerweise kommt keiner von euch auf die Idee, dass das kein gutes Zeichen sein könnte, so viel also zur weiblichen Inuition Ijana...“
Die Tür flog auf und Markus verteilte vor Schreck seine Zettel auf dem Tisch. Bevor aber einer der anderen einen Blick auf die höchst geheimen Notizen werfen konnte, raffte er sie wieder zusammen und funkelte den Neuankömmling wütend an. „Wow, du tauchst auch endlich auf?“
„Tut mir Leid! Ich habs nicht vergessen, ich hab nur nicht dran gedacht!“
„Aha.“ In dem einen Wort lag so viel Sarkasmus, dass selbst Thomas, der so ziemlich der unsubtilste Mensch war, den Natalie kannte, schuldbewusst in sich zusammensank.
„Ich... wirklich, ich kanns erklären!“
„Na da bin ich ganz Ohr.“
Schweigen. Natalie sah Sabine an, die fasziniert ihre violetten Würfel betrachtete. Als sie Natalies Blick bemerkte murmelte sie: „Ich wette, diesmal fliegt er raus...“
„Das ist das vierte Mal in Folge...“
„Aber das ist das erste Mal, dass er so spät ist.“
Da hatte sie Recht. Immerhin eine dreiviertelstunde. Markus hatte den kompletten Anfang des Abenteuers improvisieren müssen, weil Thomas nicht dagewesen war.
„Aber Markus kann das nicht alleine entscheiden“, murmelte Natalie und sah zu den beiden jungen Männern. Markus bemerkte den Blick und schob Thomas aus der WG-Küche. Irgendwie sinnlos, aber als angehender Lehrer trug er Konflikte nicht vor anderen aus. Thomas war das wohl auch lieber so.
„Wer weiß, wie oft wir zu spät wären, würden wir nicht hier wohnen...“ Sabine stand auf und ging auf den Balkon, wo sie sich eine Zigarette anzündete. Natürlich. Ihr war jeder Grund Recht, eine Raucherpause einzulegen.
„Wir sind immerhin immer da.“ Natalie schauderte, als sie hinter Sabine den Balkon betrat. Verdammt, war das wieder kalt geworden. Bei dem heißen Tee (und dem Bier) der drinnen auf sie wartete vergaß man, dass es immer noch tiefster Winter war, auch wenn der Schnee sich netterweise inzwischen verflüchtigt hatte.
Die Kälte erstmal übergehend, lehnte Natalie sich an die Brüstung und hörte Gelächter von unten herwehen. Die allwöchendliche Skatrunde der Familie aus dem dritten Stock. Direkt unter ihnen. Das alte Ehepaar direkt nebenan pflegte sich regelmäßig über sie zu beschweren, aber die Chaos-Studenten-WG stand aus irgendeinem Grund )der ganz eindeutig Sabines Charme zu verdanken war) hoch in der Gunst der beiden Rentner.
„Ich frag mich eher, ob es Sinn macht, in der Gruppe zu behalten, wenn er so unzuverlässig ist...“, murmelte sie an niemand bestimmten gewandt. Sabine nickte und stieß einen Rauchring aus. „Aber wir müssten ihn ersetzen. Zu dritt ist es zwar möglich, aber mit vier Leuten geht’s einfach besser.“
„In meinem Kurs ist jemand, der immer Würfel dabei hat... würd mich nicht wundern, wenn er Rollenspieler ist.“ Das konnte einfach daran liegen, dass Ethnologen eher für so etwas zu haben waren oder weil Rollenspieler weiter verbreitet waren als man glauben mochte... praktisch war es im Moment auf jeden Fall.
„Und der taugt was?“
„Keine Ahnung. Er zeichnet ziemlich viel während der Kurse. Ein gutes Zeichen eigentlich.“ Hoffte sie jedenfalls.
„Dann frag ihn am besten direkt, wenn du ihn das nächste Mal siehst. Ich fürchte, wir werden ihn brauchen.“ Sabine sah durch das Küchenfenster und drückte ihre Zigarette in dem fast vollen Aschenbecher aus. Erstaunlich wie eine einzige Raucherin ihn so schnell füllen konnte.
Natalie folgte ihrem Blick und stieß sich von der Brüstung ab. Markus war zwar nicht alleine, aber gut gelaunt wirkten weder er noch Thomas.
Sie gingen wieder rein und sahen die beiden Mitspieler fragend an. „Und?“
„Ich stelle es zur Abstimmung. Er hat sich zwar entschuldigt, aber... ganz ehrlich, ich will nicht mit jemanden spielen, der kommt wie es ihm passt. Vor allem heute hat es mich einfach nur angekotzt, weil wir seinen Charakter dringend gebraucht hätten.“
„Ich hab einfach nicht mehr daran gedacht, es tut mir Leid!“
„Du denkst so oft nicht dran. Das nervt! Wir können uns nicht auf dich verlassen. Und so geht das nicht! So kann keine Gruppe funktionieren! Natalie, Sabine, was denkt ihr?“
Da war er. Der Moment der Entscheidung. Sabine kaute unsicher an ihrer Unterlippe. Natalie ahnte, dass von ihr erstmal keine Antwort zu erwarten war. Sie war zu lieb, um jemandem offen ins Gesicht zu dass sie ihn nicht mehr in der Gruppe haben wollte. „Thomas... es tut mir wirklich Leid aber... das heute war einmal zu viel. Mir reicht es auch. Du bist ein toller Rollenspieler aber einfach zu unzuverlässig.“
„Ihr schmeißt mich raus? Sabine?“
„Es war heute wirklich extrem scheiße, dass du so spät warst...“
Thomas seufzte. „Okay... verstehe. Ich... ich denke, ich geh dann besser. Markus, wir sehen uns trotzdem morgen abend?“
„Klar. Sorry. Tut mir echt Leid.“
„Nee, ist schon klar. Ich verstehe es. Bin ja selbst schuld. Sabine, wir sehen uns in der Uni. Markus, du schreibst mir vielleicht besser vorher noch ne SMS, damit ich auch wirklich daran denke. Ich werd mein Handy auch anmachen.“ Wenigstens nahm er es mit Humor. Natalie fühlte sich trotzdem scheiße. Und sie sah Sabine an, dass es ihr ebenso erging.
„Ja. Bis Montag...“
Fandom: Original
Charaktere: Eine pen&paper-Rollenspielgruppe mit ganz eigenen Problemen
Widmung: Alle Rollenspieler, die schon mal ein ähnliches Problem hatten. Oder das Glück, um solche Szenen herumgekommen zu sein. :)
Natalie starrte beinahe vorwurfsvoll die beiden Würfel vor ihr auf dem Tisch an. Das war nicht ganz das, was sie sich erhofft hatte. „Darf ichs nochmal versuchen?“ Blöde Frage. Die Antwort würde nein lauten.
„Nö. Jeder hat einen Versuch, Pech gehabt.“ Markus grinste schadenfroh und sie begann sich ernsthafte Sorgen zu machen. Es war generell nie gut, wenn man eine Intuitions-Probe versaute. Aber wenn es Markus der Spielleiter war, konnten die Folgen verheerend sein. Sie sah sich schon einen neuen Charakter erstellen, als er nach kurzem Überlegen sagte: „Ihr seid echte Loser... Terina stolpert über eine Stein und legt sich volle Kanne auf die Fresse während Sarus und Ijana langsam in die Höhle vordringen. Je tiefer ihr geht, desto kälter wird es, aber ihr bräuchtet eure Fackeln gar nicht, um für Licht zu sorgen. Trotz der Flammen seht ihr einen grünlichen Schein von den Wänden ausgehen. Sarus, du merkst, dass das Licht von dem Moos ausgeht, Ijana kapiert aber nichts. Von irgendwoher hört ihr ein leises Tropfen und Stimmen. Dummerweise kommt keiner von euch auf die Idee, dass das kein gutes Zeichen sein könnte, so viel also zur weiblichen Inuition Ijana...“
Die Tür flog auf und Markus verteilte vor Schreck seine Zettel auf dem Tisch. Bevor aber einer der anderen einen Blick auf die höchst geheimen Notizen werfen konnte, raffte er sie wieder zusammen und funkelte den Neuankömmling wütend an. „Wow, du tauchst auch endlich auf?“
„Tut mir Leid! Ich habs nicht vergessen, ich hab nur nicht dran gedacht!“
„Aha.“ In dem einen Wort lag so viel Sarkasmus, dass selbst Thomas, der so ziemlich der unsubtilste Mensch war, den Natalie kannte, schuldbewusst in sich zusammensank.
„Ich... wirklich, ich kanns erklären!“
„Na da bin ich ganz Ohr.“
Schweigen. Natalie sah Sabine an, die fasziniert ihre violetten Würfel betrachtete. Als sie Natalies Blick bemerkte murmelte sie: „Ich wette, diesmal fliegt er raus...“
„Das ist das vierte Mal in Folge...“
„Aber das ist das erste Mal, dass er so spät ist.“
Da hatte sie Recht. Immerhin eine dreiviertelstunde. Markus hatte den kompletten Anfang des Abenteuers improvisieren müssen, weil Thomas nicht dagewesen war.
„Aber Markus kann das nicht alleine entscheiden“, murmelte Natalie und sah zu den beiden jungen Männern. Markus bemerkte den Blick und schob Thomas aus der WG-Küche. Irgendwie sinnlos, aber als angehender Lehrer trug er Konflikte nicht vor anderen aus. Thomas war das wohl auch lieber so.
„Wer weiß, wie oft wir zu spät wären, würden wir nicht hier wohnen...“ Sabine stand auf und ging auf den Balkon, wo sie sich eine Zigarette anzündete. Natürlich. Ihr war jeder Grund Recht, eine Raucherpause einzulegen.
„Wir sind immerhin immer da.“ Natalie schauderte, als sie hinter Sabine den Balkon betrat. Verdammt, war das wieder kalt geworden. Bei dem heißen Tee (und dem Bier) der drinnen auf sie wartete vergaß man, dass es immer noch tiefster Winter war, auch wenn der Schnee sich netterweise inzwischen verflüchtigt hatte.
Die Kälte erstmal übergehend, lehnte Natalie sich an die Brüstung und hörte Gelächter von unten herwehen. Die allwöchendliche Skatrunde der Familie aus dem dritten Stock. Direkt unter ihnen. Das alte Ehepaar direkt nebenan pflegte sich regelmäßig über sie zu beschweren, aber die Chaos-Studenten-WG stand aus irgendeinem Grund )der ganz eindeutig Sabines Charme zu verdanken war) hoch in der Gunst der beiden Rentner.
„Ich frag mich eher, ob es Sinn macht, in der Gruppe zu behalten, wenn er so unzuverlässig ist...“, murmelte sie an niemand bestimmten gewandt. Sabine nickte und stieß einen Rauchring aus. „Aber wir müssten ihn ersetzen. Zu dritt ist es zwar möglich, aber mit vier Leuten geht’s einfach besser.“
„In meinem Kurs ist jemand, der immer Würfel dabei hat... würd mich nicht wundern, wenn er Rollenspieler ist.“ Das konnte einfach daran liegen, dass Ethnologen eher für so etwas zu haben waren oder weil Rollenspieler weiter verbreitet waren als man glauben mochte... praktisch war es im Moment auf jeden Fall.
„Und der taugt was?“
„Keine Ahnung. Er zeichnet ziemlich viel während der Kurse. Ein gutes Zeichen eigentlich.“ Hoffte sie jedenfalls.
„Dann frag ihn am besten direkt, wenn du ihn das nächste Mal siehst. Ich fürchte, wir werden ihn brauchen.“ Sabine sah durch das Küchenfenster und drückte ihre Zigarette in dem fast vollen Aschenbecher aus. Erstaunlich wie eine einzige Raucherin ihn so schnell füllen konnte.
Natalie folgte ihrem Blick und stieß sich von der Brüstung ab. Markus war zwar nicht alleine, aber gut gelaunt wirkten weder er noch Thomas.
Sie gingen wieder rein und sahen die beiden Mitspieler fragend an. „Und?“
„Ich stelle es zur Abstimmung. Er hat sich zwar entschuldigt, aber... ganz ehrlich, ich will nicht mit jemanden spielen, der kommt wie es ihm passt. Vor allem heute hat es mich einfach nur angekotzt, weil wir seinen Charakter dringend gebraucht hätten.“
„Ich hab einfach nicht mehr daran gedacht, es tut mir Leid!“
„Du denkst so oft nicht dran. Das nervt! Wir können uns nicht auf dich verlassen. Und so geht das nicht! So kann keine Gruppe funktionieren! Natalie, Sabine, was denkt ihr?“
Da war er. Der Moment der Entscheidung. Sabine kaute unsicher an ihrer Unterlippe. Natalie ahnte, dass von ihr erstmal keine Antwort zu erwarten war. Sie war zu lieb, um jemandem offen ins Gesicht zu dass sie ihn nicht mehr in der Gruppe haben wollte. „Thomas... es tut mir wirklich Leid aber... das heute war einmal zu viel. Mir reicht es auch. Du bist ein toller Rollenspieler aber einfach zu unzuverlässig.“
„Ihr schmeißt mich raus? Sabine?“
„Es war heute wirklich extrem scheiße, dass du so spät warst...“
Thomas seufzte. „Okay... verstehe. Ich... ich denke, ich geh dann besser. Markus, wir sehen uns trotzdem morgen abend?“
„Klar. Sorry. Tut mir echt Leid.“
„Nee, ist schon klar. Ich verstehe es. Bin ja selbst schuld. Sabine, wir sehen uns in der Uni. Markus, du schreibst mir vielleicht besser vorher noch ne SMS, damit ich auch wirklich daran denke. Ich werd mein Handy auch anmachen.“ Wenigstens nahm er es mit Humor. Natalie fühlte sich trotzdem scheiße. Und sie sah Sabine an, dass es ihr ebenso erging.
„Ja. Bis Montag...“
no subject
Date: 2011-01-30 09:17 pm (UTC)Ich kann's nicht anders sagen. Diese Szene ist so wunderschön normal, so wunderschön ungestelzt, und sie fängt exakt das ein, was jeder Gruppe mal irgendwann passiert.
Zumal ich vor kurzem an Thomas' Stelle war, wobei ich es nicht vergessen, sondern ständig abgesagt habe und letztendlich ausgestiegen bin in meiner Vampire: The Masquerade-Gruppe, weil ich den anderen im Weg war. (Die vermissen mit ihrem Geister-Problem jetzt natürlich ihre Giovanni, falls dir das System was sagt.)
Wirklich schöne kleine Szene.
Nur so als Frage: Die Dungeon-crawling-Beschreibung am Anfang klingt nach D&D - richtig? Und spielst du sonst noch was? Im Übrigen super, dass du gleich zwei Mädels in die Gruppe gesetzt hast. Wir sind doch immernoch in der Unterzahl.
no subject
Date: 2011-01-30 09:26 pm (UTC)Nein, dein System sagt mir jetzt leider gar nichts. Aber das Problem hat nunmal jede Gruppe irgendwann... die Geschichte ist aus reiner Nostalgie entstanden... hach, ich vermisse meine alte Gruppe. Aber aus genau dem Grund ist sie auseinandergebrochen. Nicht weil einer unzuverlässig war, sondern weil wir alle so wenig Zeit hatten und dann eine der beiden Spielleiter ganz ausgestiegen ist.
Das System das wir gespielt haben war an DSA angelehnt, unsere Spielleiter haben nur die Welt ein wenig umgeschrieben, nur das Würfel- und Waffensystem wurde übernommen. Und bei uns waren die Mädchen eindeutig in der Überzahl. XD Drei Mädels, zwei Jungs. Einer davon schwul. *hust*
Arg, ich rede zu viel. Danke für deinen Kommantar! <3
no subject
Date: 2011-02-04 02:39 pm (UTC)