Wichtelbeitrag für Rei17
Dec. 25th, 2010 03:30 pmChallenge 1: Kaufrausch
Für:
rei17
Autor:
exiles_diary
Fandom: Original
Charaktere: Lina und Alex
Kommentar 1: Also ich mag Lina, auch wenn ich es ein wenig seltsam finde, wie die beiden sich zanken. Aber solche Streits gibt es tatsächlich >.< *auf meine glückliche Beziehung schau*. Manchmal hat man halt einfach seltsame Phasen.
Kaufrausch
"Alle Jahre wieder, kommt da~as Christuskind..." Lina war gerade beim Backen von Weihnachtskeksen und hatte unglaublich gute Laune, auch wenn ihr das Weihnachtslied eigentlich schon auf die Nerven ging, das ihr bereits schon beim Aufwachen auf den Lippen gelegen hatte. Dafür drehte sie sich grinsend zu ihrem langjährigen Lebensgefährten um, der die Küche betrat und das Lied munter fortsetzte: "...auf die Eeerde niiieder, wo wi~ir Menschen sind." Dann gab er ihr einen Kuss und meinte mit einem sanften Lächeln: "Du bist ja schon in richtiger Weihnachtsstimmung."
"Und du bist früh dran. Wie kommt's?", fragte Lisa und stahl sich noch einen Kuss, bevor sie das volle Blech mit den noch rohen Keksen ins Backrohr schob und sich den Wecker stellte.
In der Zwischenzeit naschte Alex an den Teigresten und bekam auch prompt eine auf die Finger. "Davon kriegt man Bauchschmerzen", warnte sie und schob ihren Liebsten aus der Küche.
Ein Blick ausdem Fenster zeigte, dass ein zu schneien begonnen hatte und sie wunderte sich noch mehr, dass Alex bereits zu Hause war. Es war draußen noch hell und ihre Partner kam nie vor sechs Uhr aus der Arbeit. Selbst wenn er es etwas früher geschafft haben sollte, so war zur Weihnachtszeit nachmittags draußen die Hölle los. Da wäre es unmöglich, dass er sich wirklich so flink durch den Verkehr schlängeln hätte können.
"Ich konnte heute früher Schluss machen", zuckte Alex mit den Schultern, aber für einen Augenblick hatte Lina das Gefühl, dass er ihr damit einfach nur ausweichen wollte. Aber sie schob das Beiseite. Sie waren jetzt schon lange neun Jahre zusammen. Da gab es einfach keinen Platz für plötzliche Zweifel. Und genügend Gutstunden hatte er ja auch, als war es ja nicht so abwegig, dass er mal früher heimkam.
Vielleicht hatte er ja auch ihr Weihnachtsgeschenk besorgt?
Ein Grinsen huschte über ihre Lippen und sie nahm Alex lieb in die Arme und kuschelte sich ein wenig an ihn. "Ich finde das schön. Dann können wir uns ja noch ein paar faule Stunden gönnen, bevor wir schlafen gehen."
Alex lachte, streichelte ihr ein wenig über den Rücken, bevor er die Haarklammer löste. Sofort floss das lange, leicht wellige braune Haare über ihren Nacken und er drückte sie etwas näher an sich.
Lina, die etwas kleiner war als er, blickte in die funkelnden grünen Augen des Mannes, in den sie sich unsterblich verliebt hatte und spürte nur wieder die Schmetterlinge in ihrem Bauch flattern. Es war eigentlich faszinierend, wie lange solche Gefühle anhalten konnten.
Dann verschwamm das alles, als ihr Liebster sie in einen innigeren Kuss zog, dem sie sich voll und ganz hingab.
Lina zog sich den Schal enger um den Hals und kauerte sich mehr in ihre dicke Winterjacke. Überall lag Schnee und es war ziemlich kalt. Aber sie fand es trotzdem schön und zu dieser Tageszeit waren noch nicht allzu viele Menschen unterwegs.
Die Geschäfte und Straßen waren alle schon wundervoll dekoriert und sie spürte einfach, dass Weihnachten in der Luft lag. Der optimale Tag, um alle Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Sie hatte sich dafür extra die Kreditkarte eingesteckt, damit sie nicht in Zahlungsnot kam.
Natürlich war ihr bewusst, dass sie mit dem Budget dennoch haushalten musste, aber sie waren Doppelverdiner, sie hatte vor kurzem ihren Weihnachtsbonus bekommen und Alex verdiente noch ein bisschen besser als sie selbst. Sie war überzeugt davon, dass sie sich heute ein bisschen was gönnen konnte.
Gerade zu Weihnachten gab es ja so unglaublich viele tolle Sachen. Ganze Paletten von Neuerscheinungen rotteten sich um diese Zeit des Jahres zusammen und da wollte sie zumindest kräftig stöbern gehen. Sie hatte ja noch kein einziges Weihnachtsgeschenk dieses Jahr organisiert. Da musste sie sehen, dass sie das bald erledigte.
Und bald war jetzt!
Ein Lächeln huschte ihr über das Gesicht und sie schritt entschlossen die Einkaufsstraße entlang, wo sich die Geschäfte aufreihten wie die Perlen an einer Kette. Ihre Augen klebten an jeder Auslage und sie schlüpfte in jedes Geschäft hinein, das ihre Aufmerksamkeit weckte. Überall kaufte sie kleinen Schnickschnack und sie verließ keinen Laden, ohne irgendwie Geld dort gelassen zu haben. Kleine Tüten wurden und die größeren geschlichtet und diese dann in noch größere, während sie in Schaufenstern und Regalen, auf Tischen und Ständern immer mehr tolle Sachen fand, die sie haben wollte - und teilweise auch sofort kaufte.
Erst als der Nachmittag immer später wurde, die Straßen bei Einbruch der Dunkelheit in gelbes, sinnliches Licht getaucht wurde und immer mehr Menschen die Läden bevölkerten, flaute ihr Anflug von Kaufrausch ab. Mit Tüten bepackt trat sie langsam ihren Heimweg an und genoss die glitzernde Welt, die vor ihr lag. Das war etwas, das sie an Weihnachten unglaublich schön fand und sie glaubte nicht, dass irgendetwas ihre Laune trüben könnte.
Ihr Lächeln wurde etwas breiter und sie begann leise wieder ihren Weihnachtsohrwurm zu summen.
"Bist du denn vollkommen übergeschnappt? Was sollen wir mit dem ganzen Zeug? wo kommt das überhaupt alles her? Du kannst doch nicht einfach losziehen und mein hart verdientes Geld verschleudern, wie es dir gerade passt..." Lina hatte gerade das Gefühl, dass ihre Welt Kopf stand. Sie war sich sicher gewesen, dass Alex, nachdem er gestern früher von der Arbeit gegangen war, heute wohl bis zum Schluss bleiben musste. Aber sie hatte anscheinend falsch gedacht, denn ihr Lebensgefährte war schon zu Hause und sofort aufgesprungen, als sie die Wohnung betreten hatte. Noch bevor sie richtig angekommen war, hatte er sie schon gefragt gehabt, wo sie denn gewesen sei.
Das hatte ja noch einigermaßen liebevoll geklungen, auch wenn ihr der Ton etwas Bauchschmerzen gemacht hatte. Aber als er dann all die Tüten sah, die sie ins Wohnzimmer brachte, war er zu etwas mutiert, dass sie gar nicht kannte.
Und genauso musste sie ihn wohl angesehen haben, weil er die Hände genervt in die Luft warf. "Oh sie mich nicht so bescheuert an, als würde ich chinesisch sprechen. Was hast du dir dabei gedacht? Wo soll das ganze Zeug überhaupt hin? Hast du auch nur ein bisschen dein Hirn eingeschaltet? Das musste doch Millionen gekostet haben." Lina zog die Augenbrauen zusammen und wiegte den Kopf mal in die eine und dann in die andere Richtung. Dann sah sie Alex wieder an, als wäre ihm ein zweiter Kopf gewachsen.
"Entschuldige, aber... was willst du? Ich kann dich grad so schlecht verstehen. Oder anders gesagt, ich weiß gerade nicht, warum du dich so aufregst." Alex war eigentlich kein geiziger Mensch. Jedenfalls waren sie schon öfter Mal durch die Straßen gezogen und haben dies und jenes gekauft. Geld war bei ihnen nie ein Thema gewesen.
"Gib mir die Kreditkarte. Damit hast du doch bezahlt, oder? Also gib sie mir." Lina griff in ihre Tasche, holte ihren Geldbeutel heraus und zog die Karte heraus, die sie wohlweislich so hineingeschoben hatte, dass sie schnell an sie herankam. Ohne zu zögern, reichte sie ihm das Zahlungsmittel.
"Warum bist du nochmal so sauer?", fragte sie dann nach und war seltsamerweise noch richtig ruhig. Sie glaubte, dass es daran lag, dass sie einfach nicht verstand, was hier gerade passierte.
"Warum?" Lina runzelte die Stirn als sie Zorn in den grünen Augen, die sie sonst immer so voller Liebe ansahen, aufflammen sah. "Weil meine bescheuerte Lebensgefährtin einfach so mein Geld verschleudert, wenn ich nicht zu Hause bin. Machst du das immer so? Kein Wunder, dass wir nie Geld am Konto haben. Du hast gedacht, du könntest das vor mir verbergen und alles verstecken, bevor ich nach Hause kommen. Tja, Lina. Diesmal hast du da wohl die Arschkarte gezogen. Und mir ist es egal wie, aber morgen bringst du das alles zurück!"
Lina presste die Lippen zusammen und sah zu Boden, damit Alex nicht sehen konnte, wie sehr sie diese Worte trafen. Sie erkannte ihn nicht wieder und plötzlich war ihre ganze gute Laune hinüber.
"Hast du mich verstanden?", fragte Alex scharf, aber sie konnte einfach nicht antworten. "Ob du verstanden hast?", zog er auch gleich nach und Lina spürte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen. "ANTWORTE GEFÄLLIGST!", schrie er sie nun an, sodass sie mit einem leisen Quieken zurück zuckte.
Sie sah auf. Ihren braunen Augen ertranken regelrecht, aber in ihnen brannte auch ein verletztes, wütendes Feuer.
"Ich habe verstanden", presste sie hervor, drehte sich um und knallte die Schlafzimmertüre hinter sich zu, bevor sie sich heulend aufs Bett warf. Wie konnte ein so schöner Tag nur so katastrophal enden?
Als sie mitten in der Nacht aufwachte, lag Alex neben ihr und schien tief und fest zu schlafen. Ihr dröhnte der Kopf und ihr Körper fühlte sich schwer an. Sie hatte sich in den Schlaf geweint und spürte selbst jetzt noch die Tränenspuren auf ihrem Gesicht.
sie dachte an den Abend zurück und spürte Trauer in sich aufwallen, die sie sich eigentlich nicht weiter gönnen wollte. Irgendwas musste passiert sein, denn sie konnte sich Alex' Reaktion nicht anders erklären. Er hatte sie nie wegen irgendetwas so zusammengestaucht.
Hatte sie es wirklich so sehr übertrieben? War es wirklich gerechtfertigt, dafür so niedergemacht zu werden?
Tränen brannten in ihrer Brust und irgendwie war ihr schlecht. Sie hatte sich selten so miserabel gefühlt und als ihr Blick wieder auf Alex fiel, wusste sie, dass sie hier raus musste. Sie konnte im Moment nicht in seiner Nähe sein und musste das alles erst einmal verarbeiten.
Auch wenn es ihr schwerfiel, stand sie auf und schlich leise ins Badezimmer, wo sie ihrem Spiegelbild angewidert die Zunge zeigte. Sie hatte Ähnlichkeit mit einem Zombie und da half eigentlich nur eines.
Sie stellte die Dusche an und pellte sich aus ihrer Kleidung. Immerhin war sie gestern eingeschlafen, ohne sich vorher umzuziehen; da war es auch nicht ganz so verwunderlich, dass ihr eigentlich ziemlich heiß war.
Die heiße Dusche war dennoch angenehm und sie stellte das Wasser am Ende noch ein wenig kühler. Danach fühlte sie sich erfrischt und etwas klarer im Kopf. Sie hatte sich ein wenig beruhigt und nachdem sie sich noch die Zähne geputzt hatte, holte sie sich aus ihrem Schrank etwas frisches zum Anziehen. Gleichzeitig packte sie Wechselkleidung in eine kleine Tasche und zog sie zu, bevor sie das Schlafzimmer verließ.
Dass Alex ihr nachsah, bemerkte sie nicht. Stattdessen sammelte sie im Wohnzimmer die Tüten zusammen und stellte dabei fest, dass Alex scheinbar doch neugierig gewesen war, was sie gekauft hatte. Aber der Gedanke an ihn, brachte nur wieder seine harschen Worte zurück und sie wollte im Moment eigentlich nicht wieder zu heulen beginnen.
Sie wollte nicht glauben, dass ein einfacher Einkaufstag ihre ganze Beziehung in die Brüche gehen lassen konnte. Das war viel zu einfach, dafür dass Alex und sie schon über neue Jahre an dem Band ihrer Partnerschaft geknüpft hatten. Sie hielt es eigentlich für stabiler als das.
Aber sie konnte auch nicht leugnen, dass er gestern Abend ein Gesicht gezeigt hatte, dass sie nicht von ihm gekannt hatte. Eines, das ihr ganz und gar nicht gefiel. Also was konnte sie mehr tun, als Abstand zu gewinnen und das ganze zu verarbeiten?
Sie blickte sich noch einmal in der Wohnung um, in die sie vor knappen sieben Jahren eingezogen waren. Sie hatte ihr von Anfang an gefallen und sie verband viele schöne Erinnerungen damit. Sie hatten sie gemeinsam eingerichtet und sie hatte schon damit begonnen, alles ein wenig weihnachtlich zu schmücken. Sogar ein Weihnachtskranz stand schon am üblichen Platz, dem kleinen Wohnzimmertisch. Sie erinnerte sich daran, wie sie an Adventsonntagen immer eine Kerze mehr angezündet hatte und dabei lange Zeit mit Alex gekuschelt und dabei heißen Tee getrunken hatte.
Lina spürte das Zwicken in der Brust und sie schloss ihre Augen. Zwei Tränen tropften aus ihnen heraus und liefen ihr über die Wange. Sie wischte sie fort, drehte sich um und verließ die Wohnung...
Challenge 2: Weihnachten im Aufzug
Für:
rei17
Fandom: Original
Charaktere: Lina, ihre Mutter und Alex
Kommentar 2: Das ist die unmittelbare Fortsetzung. Das Konzept hat sich leider nur so umsetzen lassen, auch wenn ich wohl unserer awsome Modesse danken muss, dass sie das zugelassen hat. Die Gesamtlänge der Geschichte beträgt 5489 Wörter.
Ein großer Dank kommt meiner Beta Luina zu, die sich durch diesen Wulst an Wörtern geknabbert hat, und mir versichert hat, dass es gut ist. Ich will ihr glauben und hoffe, dass es meinem Wichtelkind auch Freude bereitet.
Weihnachten im Aufzug
Lina setzte Wasser auf und sah nach draußen. Immer noch sah alles recht winterlich aus, auch wenn die Temperaturen in den letzten Tagen wieder in den Plusbereich geklettert waren. Dafür war ihr eigenes Privatleben im Moment nach wie vor frostig.
Es war jetzt zwei einhalb Wochen her, dass sie aus der Wohnung und damit aus Alex Leben klammheimlich verschwunden war. Sie hatte erst später am Tag festgestellt, dass sie ihm nicht einmal eine Nachricht hinterlassen hatte. Aber zu dem Zeitpunkt hatte sie auch nicht gedacht, dass es wirklich von Bedeutung war.
Alex hatte sie seither versucht, zu erreichen, aber sie war nie ans Telefon gegangen, wenn er angerufen hatte und ihre Eltern, bei denen sie untergekrochen war, waren so lieb gewesen und hatten behauptet, sie wäre nicht bei ihnen.
Mittlerweile hatte sie auch die Summe ihrer Einkäufe zusammengerechnet und den Betrag von ihrem Konto auf das ihres Freundes umgebucht. Dafür sah ihres nun sehr düster aus, aber sie nahm an, dass in den Tüten sicher für alle etwas dabei war.
Ihr war beim Durchgehen der Kassenzetteln bewusst geworden, dass sie wohl in eine Art Kaufrausch gefallen war und dass Alex anscheinend das schockiert hatte. Außenstehende nahmen das ja ganz anders wahr und diesmal war Alex nicht dabeigewesen. Wenn sie gemeinsam unterwegs waren, bremsten sie sich meist gegenseitig ein wenig, damit letztlich nur das die Läden verließ, womit sie beide einverstanden waren.
Das bedeutete nicht, dass sie deshalb weniger Geld ausgaben. Sie kauften nur weniger Plunder.
Leise goss sie sich eine Tasse Kräutertee auf, während eine Hand auf ihren Bauch wanderte. seit einigen Tagen schon fühlte sie sich recht unwohl und ihre Eltern waren deswegen doch recht besorgt. Aber Lina schob es einfach der Tatsache zu, dass sie sich generell miserabel fühlte.
Sie vermisste Alex und wollte zu ihm zurück. Aber wann immer das Telefon klingelte und sie seinen Namen aufblinken sah oder hörte, wie ihre Mutter oder ihr Vater erklärten, dass sie nicht hier sei, erinnerte sie sich daran, wie schrecklich er sie behandelt hatte. Sie fühlte sich immer noch verletzt und hatte keine Lust, sich irgendwelche leeren Entschuldigungen anhören zu müssen.
Wahrscheinlich wäre es fairer, wenn sie einen Schlussstrich ziehen würde, aber das konnte sie nicht. Sie liebte diesen Mann. Ihre besten Jahren waren mit ihm und sie wollte nichts lieber, als sich mit ihm versöhnen.
Wenn das nur so einfach wäre.
"Das wird schon wieder. Aber du musst ihn auch den ersten Schritt machen lassen..." Ihre Mutter war in die Küche gekommen und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Sie trug einen Morgenmantel über ihrem Pyjama und sah noch recht verschlafen aus. Allerdings stand Sorge und Mitgefühl in ihrem Gesicht und Lina lehnte sich leicht in die liebevolle Berührung. Es war eine gute Entscheidung gewesen, zu ihren Eltern zu gehen. Mutterliche Liebe war genau das, was sie jetzt brauchte. Was ihren Schmerz ein wenig linderte.
Sie spürte wieder, wie ihr Magen sich verkrampfte und umdrehen wollte und verzog leicht das Gesicht. Ihr Blick ging ins leere, auch wenn er immer noch auf das Fenster gerichtet war. Lina musste sich konzentrieren, um die Übelkeit zu verdrängen.
Ihre Mutter machte ein nachdenkliches Geräusch. "Ist dir schon wieder schlecht?", fragte sie besorgt und löste sich ein wenig von ihrer Tochter, um sie genauer anzusehen. Das Gesicht Linas wurde immer blasser und es dauerte auch nur noch einen kleinen Moment, bis sich die fast Dreißigjährige an ihrer Mutter vorbeischob und auf die Toilette sprintete, um sich zu übergeben.
Als sie nach einer gefühlten Ewigkeit zurückkam, stand der Kräutertee am Esstisch und ihre Mutter hielt einen Stuhl bereit, damit sich Lina daraufstehen konnte. Es war eine stumme Aufforderung, der sie nur zu gerne nachkam, da sie sich doch etwas wackelig auf den Beinen fühlte.
Ihre Mutter setzte sich neben zu ihr und sah sie genau an. "Ich habe dir einen Termin beim Gynäkologen gemacht. Er konnte dich noch einschieben, auch wenn es so kurz vor Weihnachten ziemlich schwierig war."
"Gynäkologe?", fragte Lina verwirrt nach, da sie sich nicht erklären konnte, wie ihre Mutte ausgerechnet auf sowas kam, aber sie nickte nur.
"So wie es aussieht, bist du schwanger. Da habe ich dir lieber gleich einen Termin beim Frauenarzt gemacht", lächelte sie und drückte die Hand ihrer Tochter. "Und das mit Alex bekommen wir sicher auch noch hin."
"Das kann doch gar nicht sein...", schüttelte Lina leicht den Kopf. Alex und sie waren immer vorsichtig, was den Geschlechtsverkehr anging. Es war nicht so, dass sie selbst sich keine Kinder wünschte, aber sie hatten noch nie wirklich darüber gesprochen und gerade jetzt, wo sie solchen Stress hatten kam das ziemlich ungünstig.
Leider konnte sie nicht feststellen, ob ihre Mutter Recht haben konnte. Sie hatte erst vor kurzem ihre Tage gehabt und die waren dann erst nach Weihnachten wieder fällig.
Inzwischen hatten sie mehrmals Spaß im Bett gehabt.
"Wir werden ja sehen, was der Arzt sagt. Schaden kann es sowieso nicht, wenn du dich untersuchen lässt", fügte ihrer Mutter hinzug und erhob sich wieder. "Ich mache jetzt Frühstück und du legst dich am besten noch einmal etwas hin. Du hast in der Nacht kaum geschlafen."
"Woher willst du das wissen?", fragte Lina, nahm einen vorsichtigen Schluck von ihrem Tee, ehe sie sich erhob. Ihre Mutter sah lachend über ihre Schulter.
"Ich bin deine Mutter. Ich weiß alles."
Lina grinste und nahm ihre Tasse vorsichtig in die Hand. "Das hoffe ich doch nicht. Immerhin soll dein Weihnachtsgeschenk eine Überraschung bleiben", zwinkerte sie und fühlte sich sichtlich besser. Sie liebte ihre Eltern und freute sich, dass sie zu ihnen immer noch einen so guten Draht hatte. Um wieviel schlimmer hätte es sie getroffen, wenn sie keinen Zufluchtsort gehabt hätte.
Lina war bedrückt, als sie am 23. Dezember vom Gynäkologen zu ihren Eltern fuhr. Ihr Frauenarzt war unheimlich lieb und hatte sie gut beraten. Immerhin ging sie ja auch schon lange genug zu ihm und kannte sie schon. Alex hatte sie ein paar Mal begleitet, hatte dann allerdings davon abgesehen, weil es ihn einfach zu eifersüchtig gemacht hatte. Auch wenn das alles nur halb so schlimm war. Die Untersuchungen selbst dauerten ja nie lange.
Jetzt hätte sie sich gewünscht, dass er dabei wäre, denn das hieße, dass er noch in ihrem Leben war. Aber trauriger Fakt war nun einmal, dass sie sich zerstritten hatten und irgendwie konnte sie ihm jetzt nur noch weniger unter die Augen treten.
Sie blieb erst abrupt stehen, als sie den Mann, an den sie gerade so intensiv gedacht hatte, vor dem Eingang zum Wohnhaus stehen sah, in dem ihre Eltern wohnten. Er schien sie noch nicht bemerkt zu haben, aber es war ziemlich kalt und sie wollte eigentlich in die Wärme. Aber sie wollte auch nicht mit ihm reden. Wie auch, wenn sie gerade eine Hiobsbotschaft in ihrer Manteltasche hatte. Das würde nicht gerade dazu beitragen, dass sie ihn zurückgewinnen würde. Und Stress sollte sie ja auch vermeiden, da sowas für ein Ungeborenes schädlich sein konnte.
Vielleicht sollte sie sich einfach in ein Café setzen und abwarten. Von dort konnte sie sicher auch ihre Eltern anrufen und die würden dafür sorgen, dass Alex wieder verschwinden würde.
Sie wollte sich gerade umdrehen, als Alex aufsah und sich ihre Blicke sofort trafen. Als hätte er genau gewusst, dass sie genau an der Stelle stand. Gerade jetzt mochte sie diesen sonderbaren Magnetismus, den ihre Körper manchmal an den Tag legten, gar nicht.
Lina drehte sich um und trat ihre Flucht an und ignorierte, dass Alex recht verzweifelt ihren Namen rief. Leider war er auch etwas schneller aus sie und hatte sie schnell erreicht. "So warte doch... bitte, wir müssen reden", klang Alex leicht keuchend und seine Stimme alleine wühlte Lina auf. Sie mochte alles an dem Typ, aber genauso schwer konnte sie verzeihen, wenn es er war, der sie verletzte.
"Was willst du denn? Ich glaube, wir haben unsere Standpunkte sehr gut dargelegt. Es gibt nichts mehr zu sagen...", sagte Lina leise und hielt Alex bewusst den Rücken zugedreht. Ihr Gewissen neckte sofort in einem Singsang: Ich bin schwanger.
Ja, das sollte sie ihm vielleicht sagen. Immerhin war er der Vater. Aber alles in Lina sperrte sich. Alex hatte es nicht verdient, dass er so zur Rechenschaft gezogen wurde. Und das so kurz nach ihrer Trennung.
"Lina..." Witzig, dass Alex plötzlich alle Worte fehlten. Das letzte Mal, als sie ihn gesprochen hatte, schien er sehr redselig gewesen zu sein. Hatte ihr so viel an den Kopf geschleudert, dass sie neben der Spur in die Realität zurückgekehrt war.
Auch wenn es wahrscheinlich ein Fehler war, drehte sie sich um und sah Alex traurig an. "Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr du mich verletzt hast. Ich habe dir das Geld zurückgegeben, also müsstest du doch jetzt zufrieden sein. Es war dir doch so wichtig." Da war sie wieder, die Wut, die sie nie rauslassen hatte können, weil sie einfach so neben sich gestanden hatte. Der ganze Ärger, der eigentlich in ihr schon die ganze Zeit gebrodelt hatte, aber den sie sich nie getraut hatte, rauszulassen.
Sie liebte Alex und wollte ihn eigentlich nicht verletzen. Aber gerade in diesem Moment, konnte sie es einfach nicht mehr zurückhalten. Das war ihr alles einfach zufiel und jede noch so gutmütige Seele hatte irgendwann einen Punkt, wo sie nicht mehr alles schlucken konnte.
"Echt jetzt! Was glaubst, du wie ich mich gefühlt habe. Ich hatte so scheiß gute Laune, als ich nach Hause gekommen bin und du... du... Ich weiß nicht einmal was in dich gefahren ist. Sonst warst du doch auch nie zu geizig für irgendwas. War es, weil du nicht mitwarst? Wolltest du mitentscheiden, was ich kaufe und was nicht? Oder war es, weil nicht alles, was ich gekauft habe für dich war?"
Ihr stiegen die Tränen in die Augen und sie schüttelte den Kopf. Sie musste sich unbedingt beruhigen, aber sie spürte, wie sie mehr und mehr zerbrach und erstickt meinte meinte sie dann: "War es das wirklich Wert gewesen?"
Dann lief sie an ihm vorbei, kümmerte sich nicht darum, dass sie Leute anrämpelte. Sie sah ja auch gar nicht wirklich, wo sie hinlief, weil Tränen ihre Sicht verschleierten. Aber ihr Körper wollte einfach nur nach Hause und so fummelte sie bald darauf in der Tasche, um das Gebäude zu betreten, in dem ihre Eltern lebten.
Sie hatte gehofft, dass sie schnell genug war, weil Alex ihr nachlief und eigentlich wollte sie nicht, dass er sie in so einem Zustand sah. Immer wieder schluchzte sie und war nun völlig außer sich. Immer wieder drückte sie auf den Knopf für den Fahrstuhl und betete, dass Alex sie nicht erreichte, bevor sich die Türen des Aufzuges schlossen. Schnell schob sie sich in die Kabine, als diese einladend die Türe öffnete und drückte blind einfach irgendwelche Knöpfe, in der Hoffnung, dass dieses dumme Dinge schneller reagierte.
"Bitte, bitte, bitte, bitte...", flüsterte sie tonlos und sah in den Himmel, der im Moment aus einer kalten Metalldecke mit einem noch kälteren Neonlicht bestand.
Die Türen des Aufzugs waren fast geschlossen, als sich zuerst ein Fuß, dann eine Hand und dann ein ganzer Körper noch in die Kabine drängte. Es war zu spät. Nun saß sie in der Falle, denn Alex hatte es noch geschafft, den Fahrstuhl aufzuhalten.
"Lina..." In seiner Stimme schwang Schmerz mit. "Lauf doch nicht immer weg..." Leise schoben sich die Türen des Lifts zu und Lina rückte ganz in eine Ecke und sah zur Seite. Alex sollte nicht sehen, wie gebrochen sie wirklich war. Ein bisschen stolz hatte sie doch noch übrig.
"Ich will dir doch schon die ganzen letzten Wochen sagen, dass es mir Leid tut. Ich... es ist... nicht deine Schuld gewesen und ich hätte anders reagieren sollen..." Oh ja, das hätte er, aber Lina presste die Lippen zusammen. Genau das hatte sie alle die Wochen vermeiden wollen. Dass sie sich irgendwelche Floskeln anhören durfte, von wegen du hattest keine Schuld und ich bin hier der böse.
"Ich hätte es dir gleich sagen sollen, aber du hattest so gut Laune, an dem Tag - da habe ich es nicht geschafft. Und dann... bist du auf einmal am nächsten Tag mit all dem Kram aufgetaucht. Ich wusste nicht... du wusste ja nicht...", begann er zu stottern.
Alex war eigentlich ein sehr selbstbewusster Mann und sie hatte es immer bewundert, wie gut er mit anderen Menschen konnte. Er hatte Humor und war super intelligent. Sie hatte sich sofort in seine charmante Art verkuckt, als sie sich kennen gelernt hatte.
Und sie hatte sich oft seinen Spaß darauf gemacht, ihn zum Stottern zu bringen. Das war ihr immer ganz leicht gefallen und es hatte auch jetzt funktioniert. Aber das hier war kein Spaß, es war bitterer ernst.
Dennoch hatte sie es nicht verhindern können und hatte ihn einfach nachgeäfft. Hatte ihm gezeigt, dass sie gar nichts von dem hielt, was er sagte.
"Bitte Lina, lass uns das klären, wir..." Lina schreckte auf und sagte "Ssch, hast du das gehört?"
"Nein. Und ehrlich..." Alex wurde unterbrochen, als plötzlich das Licht ausging und der Lift abrupt stehen blieb. Kurz darauf ging das Licht wieder an, aber Lina hatte nicht das Gefühl, dass sie sich wieder in Bewegung setzten.
Eine Weile herrschte Stille und Lina wurde klar: Sie steckten fest.
Wie passend. Konnte das Leben noch ironischer werden? Dieser Lift schien genauso festgefahren zu sein, wie ihre Beziehung mit dem Mann, der sich unerlaubterweise in den Lift reingezwängt hatte.
Genervt wischte sie sich mit dem Ärmel über das Gesicht und schniefte, bevor sie sich den Kontrollen zuwandte. Sie musste einfach nur die Ruhe bewahren. Nur die Ruhe bewahren und Hilfe holen.
Sie drückte den Kopf, wartete, drückte den Knopf länger, hämmerte auf die Tasten und sank dann heulend auf die Knie. Ihr Leben war einfach nur schrecklich geworden. Das schlimmste Weihnachten, das sie jemals gehabt hatte.
"Lina?"
"Lina."
"Lina!"
Leidend sah sie zu Alex auf. Sie hatte ihn schon beim ersten Mal gehört, aber erst der dritte Anlauf riss sie ein wenig in die schreckliche Realität zurück. Wenigstens war sie nicht die einzige, die hier gerade wie ein gepeinigter Hund litt.
"Hier..." Alex war in die Hocke gegangen und reichte ihr ein Taschentuch. Sein Blick war mitfühlend und sanft. Lina liebte seine Augen. Sie hatte mal versucht, sie zu malen, aber es hatte schrecklich ausgesehen, also hatte sie versucht, sie auf einem Foto einzufangen, aber Alex hatte ein so charmantes, fröhliches Lächeln, dass man auf den Fotos kaum seine Augen sehen konnte.
Aber jetzt... jetzt sah sie wieder wie unglaublich schön sie waren.
"Danke...", sagte sie erstickt und griff nach dem Papiertuch. Wie tröstend so eine einfache Geste doch wirken konnte. Aber bevor sie das Taschentuch verwendete, setzte sie sich um, sodass sie mit dem Rücken an der Rückwand der Liftkabine lehnte. Dann wischte sie sich über das Gesicht, um ihre Tränen zu trocknen und schneuzte sich kräftig, sodass es richtig ekelhaft klang und es noch ekelhafter war, das Taschentuch halten zu müssen. Aber hier gab es keinen Mülleimer und auf den Boden werfen wollte sie es nicht.
Alex hatte sich nur einen Moment später neben sie gesetzt und starrte auf die Lifttüren. "Ich wurde entlassen...", merkte er nach eine endlosen Zeit schließlich an. "An dem Tag, als du die Kekse gebacken hast und ich früher nach Hause gekommen bin. Sie haben mich sofort von der Arbeit freigestellt und bin am nächsten Tag nur noch einmal hin, um meine Sachen zu holen, die ich vergessen hatte. Ich wollte es dir eigentlich sagen, aber du warst nicht mehr da, als ich wiederkam und ans Telefon bist du auch nicht gegangen. Also habe ich gewartet..."
Lina hörte sich das alles an und plötzlich tat es ihr Leid, dass sie einfach abgehauen war. Aber Alex hatte sie wirklich zutiefst verletzt und sie hatte ja nicht gewusst, dass er gerade in eine Krise geschlittert war. Aber dafür erinnerte sie sich an die Szene beim Keksebacken.
Hatte sie da nicht kurz dieses ungute Gefühl gehabt, er würde ihr etwas verschweigen? Aber sie hatte so gute Laune gehabt, dass sie sich lieber seinen Zärtlichkeiten hingegeben hatte.
"Warum...", sie schluckte und räusperte sich leicht. Danach war ihre Stimme nicht mehr ganz so kratzig und belegt. "Warum hast du es mir nicht sofort gesagt?"
Wenn es stimmte, was sie vermutete, dann traf sie unbeabsichtig auch etwas Schuld. Sie hätte an dem Tag einfach aufmerksamer sein müssen.
"Alex lächelte gequält. Du warst so süß. Ich liebe es, wenn du lächelst und strahlst und so bist, wie du es an dem Tag warst. Du bist so umwerfen, Lina, und so ausgesprochen hübsch, wenn du dein Glück rauslässt..."
Lina lief rot an und drehte sich weg. Leise murmelte sie: "Das ist gerade etwas unpassend..."
"Was?"
"Mir solche Dinge zu sagen..."
Alex lächelte. "Aber sie sind alle wahr. Ich konnte es einfach nicht, dir die Laune zu verderben. Aber ich habe meine Lektion gelernt. Es gibt nichts schlimmeres als ein Leben ohne dich..."
"Ach, hör doch auf..."
Zwischen ihnen entstand eine ganze Weile Stille. Linas Blick schweifte durch die eigentlich recht kleine Liftkabine und sie wunderte sich ein wenig, dass niemand kam, um sie zu retten. Im Aufzug funktionierte ihr Handy nicht, weil der ganze Stahl die Funkwellen störte. Aber irgendwie tat die Ruhe auch gut.
Und es war auch tröstlich, dass sie hier nicht alleine Steckengeblieben war. Das wäre viel, viel schlimmer gewesen.
"Verzeihst du mir?", fragte Alex schließlich leise und Lina sah zu ihm. Er sah auf den Boden und sah alles in allem ziemlich geknickt aus. Irgendwie war das ja fast süß.
Ein Lächeln umspielte ihre Mundwinkel.
"Ja, ich verzeihe dir."
Danach herrschte eine wieder Schweigen, bis Alex erleichtert meinte: "Gut. Das ist gut..."
"Ja das ist es." Schon als Lina die Worte ausgesprochen hatte, hatte sie selbst sich ebenfalls besser gefühlt. Ohne Alex konnte sie einfach nicht glücklich sein. Im tiefsten Inneren hatte sie das auch die ganze Zeit gewusst.
Nur langsam schien die Zeit weiter zu ticken, während sie einfach nur darauf warteten, das diese langsam wirklich unangenehme Situation endlich beendet werden würde, aber das geschah nicht.
Das war wirklich bedrückend, gerade jetzt, wo sie sich versöhnt hatte. Eigentlich war doch Weihnachten und sie sollten sich darüber freuen. Nur wie konnte sie die Atmosphäre auflockern? Sie wusste irgendwie nichts zu sagen.
"Möchtest du ein Geschenk haben?", fragte sie schließlich leise und Alex sah sie erstaunt an. "Ich dachte, du hast die ganzen Einkäufe irgendwo anders?" Jedenfalls hatte Lina offensichtlich keine Tüten bei sich.
"Ich habs in meiner Manteltasche. Wenn du es haben willst, geb ich es dir, auch wenn es noch etwas früh ist." Alex sah auf die Uhr.
"Das liegt noch in den zwölf Stunden Toleranz, also kannst du es mir schon geben", grinste er und fügte hinzu: "Wenn du möchtest."
Lina griff in ihre Manteltasche und holte das leicht zerknickte Foto von der Ultraschalluntersuchung heraus. Einen Moment betrachtete sie es und reicht es dann Alex.
"Fröhliche Weihnachten", fügte sie dann an und spürte, wie er das Foto aus ihrer Hand zog. Ansehen konnte sie ihn gerade nicht und sie spannte sich auch etwas an, als nicht gleich eine Reaktion kam.
Vorsichtig versuchte sie in seine Richtung zu linsen, um wenigsten zu erkennen, ob sie sich auf eine positive oder eine negative Reaktion einstellen konnte.
"Wow... danke...", brachte Alex schließlich hervor. "Dabei hab ich gar nichts für dich..." Immer noch lag sein Blick auf dem Foto und er schien zu überlegen.
Lina war das ein wenig unangenehm, weil er eigentlich gar nicht so erfreut klang und so wollte sie die Spannung etwas lockern, in dem sie wie beiläufig sagte: "Das macht nichts. Ist ja nicht so, als hättest du zu dem Geschenk nicht auch deinen Beitrag geleistet..."
Das schien zu wirken, denn Alex lachte leise. "Das hoffe ich doch, dass ich daran beteiligt gewesen bin - oder gibts da etwas, das du mir sagen möchtest..."
Lina grinste. "Ja, natürlich..." Der geschockte Gesichtsausdruck amüsierte sie köstlich und sie beugte sich zu Alex, um ihn zu küssen. Es war ein bisschen umständlich, aber die Geste reichte. "Ich möchte dir sagen, dass ich dich unglaublich liebe."
Sie sah richtig, wie ein großer Stein von Alex Herzen plumste und er schloss sie ein wenig in die Arme.
"AH!", schrie er dann plötzlich auf und Lina erschrak, weil sie nicht wusste, was nun los war. Aber er lüftete das Geheimnis. "Ich hab auch ein Geschenk für dich!"
Sofort sprang er auf und begann in seinen Jackentaschen zu wühlen, zog dies dann aus und wühlte in seinen Hosentaschen. Lina befürchtete schon fast, dass er jetzt einen Striptease hinlegen würde, aber schließlich zog er etwas heraus. Er drehte ihr den rücken zu und meinte immer wieder: "Warte... nur noch einen Momen... gleich hab ichs..."
Sie hörte Schlüssel klimpern und offensichtlich tat er sich auch noch weh, wie ein leistes "autsch" andeutete. Lina war total verwirrt.
Aber schließlich drehte sich Alex wieder zu ihr, sank vor ihr auf die Knie, nahm ihre Hand und legte etwas hinein. "Fröhliche Weihnachten."
Lina öffnete ihr Hand und sah darin einen Schlüsselring. Ein ganz gewöhnlicher Schlüsselring aus Metall. "Äh... danke? Ein Schlüsselring war schon immer das, was ich mir gewünscht habe."
Alex schüttelte den Kopf. "Das ist kein Schlüsselring."
"Nicht?"
"Nein."
"Was dann?"
"Ein Verlobungsring."
Darauf wusste Lina nichts mehr zu sagen, aber das Strahlen auf ihrem Gesicht sprach für sich, als ihr Gehirn die Informationen endlich verarbeitet hatte.
no subject
Date: 2010-12-26 05:15 pm (UTC)Erstmal vielen Dank für die Geschichte! Wow, sie ist wirklich lang! oo! Du hast dir ja echt viel Mühe damit gemacht. =) Vielen Dank für die viele Arbeit, die darin steckt!
Dein Erzählbogen hat mir sehr gefallen - also wie du mit dieser schönen, heilen Welt anfängst, dann kommt dieser ganz große Konflikt, der da hineinbricht als sie sich trennen und am Ende gibst du einem dann zum Glück doch den Silberstreifen am Horizont. =)
Ich konnte sehr gut verstehen, dass Lina Alex in der Hälfte verlassen hat - du bringst ihre Unverständnis und ihre Wut über sein Verhalten sehr gut rüber. Ich war auch beim Lesen richtig erschrocken von seinem Verhalten.
Ich fand es aber auch schön, dass du am Ende seine Motivation erklärt hast und wieso er an diesem Tag so in die Luft gegangen ist. Ich konnte mir erst gar nicht vorstellen, dass sie ihm je wieder verzeiht, aber das war wirklich ein Grund, den man gut nachvollziehen konnte.
Zuerst fand ich es ein bisschen schwer mich damit anzufreunden, dass Lina sich bei ihm überhaupt für ihre Ausgaben rechtfertigen soll, aber gegen Ende fand ich, dass sie dann sehr stark rüberkam, als sie sich nicht sofort von ihm weichkochen lässt, sondern ihm noch einmal deutlich macht, wie sehr er sie verletzt hat.
Dass sie schwanger ist, ist ein unerwarteter, aber auch schöner Twist gewesen. Man wünscht den beiden wirklich, dass sie sich wieder zusammenraufen werden, auch wenn das vielleicht noch etwas Zeit braucht. Der "umfunktionierte" Schlüsselring war ein sehr schön Abschluss. Das hat mir auch als Gegenpart zu dem Thema Geld/Kaufrausch im ersten Teil sehr gefallen, weil es so schön symbolisch dafür ist, dass materielle Dinge eben doch nicht so wichtig sind wie Gefühle.
Vielen lieben Dank für die Geschichte und frohe Weihnachten! ^__^