21. Türchen
Dec. 21st, 2010 12:05 amGenre: Romantik, Humor (?)
Challenge: #3 „Mir ist nicht kalt, meine Lippen sind immer so blau!"
Kommentar: Grar, ist nicht ganz so geworden wie ich wollte, da mich der Weihnachststress voll erwischt hat >_<; Dafür aber schon jetzt serviert~
Hans lehnte sich müde aber zufrieden zurück. Es war Zeit für seine Pfeife, sein persönliches Geschenk an ihn selbst. Seit Doktor Friedrich sich hinterhältiger Weise an Luisa gewandt hatte, hatte Hans sich das Pfeife rauchen nach und nach abgewöhnt um den tadelnden Blicken und dem vorwurfsvollen „Tsk!“ seiner Frau zu entkommen. Nur an Weihnachten und seinem Geburtstag ließ er es sich nicht nehmen und Luisa hatte es stillschweigend hingenommen, er betrachtete es als ihr Geschenk an ihn. Sie hatten vor Jahren aufgehört, sich etwas zu schenken, eine nun schon seit fast 46 Jahren gut funktionierende Ehe war ein Geschenk, das einfach nicht zu überbieten war, und so hatten sie den jährlichen Versuch aufgegeben.
Die Schulglocke läutete zum letzten Mal für dieses Jahr, die Festtage hatten begonnen. Die großen Schulportale öffneten sich und ein Schwall fröhlich schnatternder und lachender Mädchen drang heraus.
„Begleitest du deinen Vater heute, wenn er die Gans von uns holt?“ fragte Gitta. Luisa schüttelte den Kopf.
„Ich werde den ganzen Abend in der Küche helfen, das Essen für morgen vorzubereiten. Ich glaube auch, dass Papa schon bei euch war.“
„Oh, dann sehen wir uns erst nach den Feiertagen. Fröhliche Weihnachten!“
„Dir auch!“ rief Luisa ihrer Freundin hinterher, die eilig zu einer Gruppe Mädchen aufschloss. Luisa schmunzelte, sie wusste, warum Gitta nicht mit ihr nach Hause ging, sondern den Umweg hinter dem Dom in Kauf nahm. Schwester Margaret passte zwar wie ein Luchs darauf auf, dass sich keine Jungen vor dem Tor der Mädchenschule herumtrieb, aber 100 Meter die Straße runter, kurz vor dem Domplatz lungerten die Jungs der umliegenden Schulen herum und warteten auf die Mädchen, die in diese Richtung nach Hause gingen.
Luisa musste sich jedoch beeilen und schlug den direkten Weg nach Hause ein. Es hatte zu schneien begonnen und sie zog ihren Schal enger um sich. Es war kalt und begann bereits zu dämmern. Als sie in eine Seitengasse einbog, sah sie eine Gestalt die zitternd neben einer Litfaßsäule stand.
„Hans?“ Der angesprochene Junge fuhr erschrocken herum.
„Lu-Luisa, hallo! Sowas, ist die Schule etwa gerade zu Ende gegangen?“ Luisa nickte und bevor sie etwas sagen konnte, sprach Hans in nervösem Ton weiter. „Bist du auf dem Heimweg? Lass mich dich begleiten, es wird schon bald dunkel!“
„Ja, danke!“ Sie gingen schweigend nebeneinander her. Luisa hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass Hans ihr etwas sagen wollte, denn immer wieder warf er ihr einen Blick zu, setzte zu sprechen an, ließ es dann aber und kratze sich nur verlegen am Kopf. Luisa hätte gern gewusst, was Hans auf dem Herzen hatte, es schien ziemlich wichtig zu sein, schließlich konnte Luisa sehen, dass Hans schon sehr lange auf sie gewartet haben musste.
„Wir sind da.“ Stellte Luisa fest, als ihr Haus in Sicht kam.
„Oh, ah, ja. Dann kann ich ja wieder gehen.“
„Willst du mir denn gar nichts sagen?“
„Was? Wie, ich? Wieso? Was soll ich sagen, wie kommst da überhaupt drauf?“
„Ich dachte nur, wo du doch extra auf mich gewartet hast, dass du-“
„Ich hab nicht auf dich gewartet!“ unterbrach Hans sie hastig.
„Ich dachte nur, da du ja völlig nass und durchgefroren bist. Deine Lippen sind schon ganz blau.“
„Mir ist nicht kalt, meine Lippen sind immer so blau! Und ich hab nicht gewartet!“ rief Hans energisch. Luisa riss erstaunt die Augen auf. Sie hatte Hans nicht verärgern wollen. Hans schien ebenso erschrocken über seinen Ausbruch wie sie.
„Ah, ich… i-ich meinte…“
„Ja?“
„FRÖHLICHE WEIHNACHTEN, LUISA METZINGER!“ brüllte Hans plötzlich, machte auf dem Absatz kehrt und stürmte davon, eine völlig perplexe Luisa zurücklassend.
Während Hans sich seine Pfeife stopfte, beobachtete er, wie sein sechsjähriger Enkelsohn all seine Geschenke und das umliegende Geschenkpapier stolz in seinen neuen Wanderrucksack packte.
„Hier, fröhliche Weihnachten!“
Überrascht blickte Hans zur Seite, auf das Geschenk, dass ihm seine Frau entgegenstreckte. Er nahm es entgegen und packte es langsam aus.
„Ich dachte, wir schenken uns nichts mehr?“
„Ich weiß“, antwortete Luisa fröhlich und sah gebannt zu, wie ihr Mann langsam die Strickjacke auspackte, „aber als ich im Laden nach Wolle für die Schüchen für die kleine Patrizia gesucht habe, habe ich diese hier gesehen und dachte, die Farbe würde außerordentlich gut zu deinen blauen Lippen passen.“
Luisa zwinkerte vergnügt, während ihr Mann sich am Kopf kratzte.
„In der Tat, das würde sie!“ meinte er schließlich und zog an seiner Pfeife.
no subject
Date: 2010-12-22 07:30 pm (UTC)Perfekt zu Weihnachten!