19. Türchen
Dec. 19th, 2010 11:15 amChallenge: #3 Tannenbaum
Fandom: Original
Wörter: ~500
Kommentar: Inspiriert von einer wahren Geschichte, die ich aber nur so nebenbei in irgendeiner Regionalreportage aufgeschnappt habe. Ich hatte keine Zeit für mehr >_<
„Erinnerst du dich an Herr Brander und seinen Baum?“, fragt er.
Sie sieht von ihrem Buch auf, verspätet und ein bisschen verärgert, als hätte man sie geweckt. „Was?“
„Herr Brander und der Klaubaum. Erinnerst du dich?“
Sie nickt und die Erinnerung breitet sich als Grinsen auf ihrem Gesicht aus. „Wir waren so verwegen.“ Es klingt halb spöttisch und halb stolz.
„Du warst verwegen, ich-“
Sie lacht. „Du hast dich immer versteckt und mich angebettelt, dir etwas mitzubringen.“
„Gott, du kanntest die Geschichten nicht, die sie in meiner Klasse über ihn erzählt haben.“
„Dass er Kinder isst?“
„Verfüttert“, berichtigt er. „An seine Hunde.“
Sie runzelt die Stirn. „Hatte er nicht Dackel?“
„Ich war sechs!“
„Du hattest Angst von Dackeln gefressen zu werden!“ Sie hat das Buch weg gelegt, aufgeschlagen auf dem Sofa, den Rücken nach oben. Sie wird es vergessen und irgendwer wird sich drauf setzen.
„Meinst du er macht das immer noch?“ reißt sie ihn aus seinen Gedanken.
„Er war doch damals schon uralt...“
„Keine Ahnung, damals kam einem fünfzig schon uralt vor.“ Sie zuckt die Schultern. „Wir könnten nachsehen. Wenn du deine Angst vor Dackeln überwinden kannst.“
Er streckt sich in dem Sessel und gibt ein langgestrecktes wohliges Seufzen von sich. „Bewegung zwischen der Gans und dem Abendessen? Du Wahnsinnige!“
„Komm!“ Sie ist aufgestanden und hat ihm im Vorbeigehen ans Ohr geschnippst, eine Geste die gleichermaßen vertraut und verhasst ist. Als Vergeltung zieht er sie an den Haaren während sie sich ihren viel zu dicken Schal um den Hals wickelt.
„Du bist so ein Kind“, sagt sie verächtlich und er streckt ihr die Zunge heraus, was vermutlich nicht wirklich als Gegenargument gilt.
„Wir sind spazieren!“, ruft sie in Richtung Küche, bevor sie die Tür hinter sich ins Schloss fallen lässt.
Draußen ist es dunkel genug, dass die Straßenlaternen angegangen sind, obwohl es noch nicht mal fünf ist. Beide versenken die Hände in den Manteltaschen und ziehen die Schultern gegen die Kälte hoch. „Bwah, da friert einem ja der Rotz in der Nase!“, sagt sie und er prustet los. „Was?“
„Du bist so verdammt poetisch.“
„Okaaay. Mondlicht glitzert auf dem Schnee und auf den Eiskristallen in meiner Nase.“
Der Weg ist nicht sehr lang, kürzer als sie beide ihn in Erinnerung haben und sie biegen einmal in die falsche Querstraße ein, bevor sie vor dem richtigen Haus stehen. Die Tanne ist noch da, in der Mitte des Vorgartens auf eine verschneiten Wiese. Stiefelabdrücke umzirkeln den Baum, große, die zum Haus führen, und viele kleine, die auf den Zaun zulaufen. Die Tanne ist nicht mal zwei Meter groß. Und der Zaun, der die beiden von ihr trennt ist eher dekorativ als ein wirkliches Hindernis.
„Geschrumpft, hm?“ fasst sie seine Gedanken zusammen, aber sie strahlt übers ganze Gesicht.
Er lächelt und zuckt die Schultern. „Immer noch der perfekte Weihnachtsbaum, oder?“
„Quasi eine platonische Tanne“, stimmt sie zu.
Der einzige Schmuck sind die Lichterkette und der Schnee und die kleinen Päckchen, die an den Ästen hängen. Tief genug zum Klauen.
Fandom: Original
Wörter: ~500
Kommentar: Inspiriert von einer wahren Geschichte, die ich aber nur so nebenbei in irgendeiner Regionalreportage aufgeschnappt habe. Ich hatte keine Zeit für mehr >_<
„Erinnerst du dich an Herr Brander und seinen Baum?“, fragt er.
Sie sieht von ihrem Buch auf, verspätet und ein bisschen verärgert, als hätte man sie geweckt. „Was?“
„Herr Brander und der Klaubaum. Erinnerst du dich?“
Sie nickt und die Erinnerung breitet sich als Grinsen auf ihrem Gesicht aus. „Wir waren so verwegen.“ Es klingt halb spöttisch und halb stolz.
„Du warst verwegen, ich-“
Sie lacht. „Du hast dich immer versteckt und mich angebettelt, dir etwas mitzubringen.“
„Gott, du kanntest die Geschichten nicht, die sie in meiner Klasse über ihn erzählt haben.“
„Dass er Kinder isst?“
„Verfüttert“, berichtigt er. „An seine Hunde.“
Sie runzelt die Stirn. „Hatte er nicht Dackel?“
„Ich war sechs!“
„Du hattest Angst von Dackeln gefressen zu werden!“ Sie hat das Buch weg gelegt, aufgeschlagen auf dem Sofa, den Rücken nach oben. Sie wird es vergessen und irgendwer wird sich drauf setzen.
„Meinst du er macht das immer noch?“ reißt sie ihn aus seinen Gedanken.
„Er war doch damals schon uralt...“
„Keine Ahnung, damals kam einem fünfzig schon uralt vor.“ Sie zuckt die Schultern. „Wir könnten nachsehen. Wenn du deine Angst vor Dackeln überwinden kannst.“
Er streckt sich in dem Sessel und gibt ein langgestrecktes wohliges Seufzen von sich. „Bewegung zwischen der Gans und dem Abendessen? Du Wahnsinnige!“
„Komm!“ Sie ist aufgestanden und hat ihm im Vorbeigehen ans Ohr geschnippst, eine Geste die gleichermaßen vertraut und verhasst ist. Als Vergeltung zieht er sie an den Haaren während sie sich ihren viel zu dicken Schal um den Hals wickelt.
„Du bist so ein Kind“, sagt sie verächtlich und er streckt ihr die Zunge heraus, was vermutlich nicht wirklich als Gegenargument gilt.
„Wir sind spazieren!“, ruft sie in Richtung Küche, bevor sie die Tür hinter sich ins Schloss fallen lässt.
Draußen ist es dunkel genug, dass die Straßenlaternen angegangen sind, obwohl es noch nicht mal fünf ist. Beide versenken die Hände in den Manteltaschen und ziehen die Schultern gegen die Kälte hoch. „Bwah, da friert einem ja der Rotz in der Nase!“, sagt sie und er prustet los. „Was?“
„Du bist so verdammt poetisch.“
„Okaaay. Mondlicht glitzert auf dem Schnee und auf den Eiskristallen in meiner Nase.“
Der Weg ist nicht sehr lang, kürzer als sie beide ihn in Erinnerung haben und sie biegen einmal in die falsche Querstraße ein, bevor sie vor dem richtigen Haus stehen. Die Tanne ist noch da, in der Mitte des Vorgartens auf eine verschneiten Wiese. Stiefelabdrücke umzirkeln den Baum, große, die zum Haus führen, und viele kleine, die auf den Zaun zulaufen. Die Tanne ist nicht mal zwei Meter groß. Und der Zaun, der die beiden von ihr trennt ist eher dekorativ als ein wirkliches Hindernis.
„Geschrumpft, hm?“ fasst sie seine Gedanken zusammen, aber sie strahlt übers ganze Gesicht.
Er lächelt und zuckt die Schultern. „Immer noch der perfekte Weihnachtsbaum, oder?“
„Quasi eine platonische Tanne“, stimmt sie zu.
Der einzige Schmuck sind die Lichterkette und der Schnee und die kleinen Päckchen, die an den Ästen hängen. Tief genug zum Klauen.
no subject
Date: 2010-12-22 02:19 am (UTC)