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Challenge: #1 Schneechaos #2 Die Wahrheit #3 "Wieso ist das meine Schuld?!" (nicht in der Reihenfolge)
Fandom: Original
Wörter: ~1555
Warnungen: unbetaed, short und pointless für meine Verhältnisse
Kommentar: Die Challenges waren supergut - ich hatte sofort einen Plot. Aber irgendwie... bin ich dann doch nicht so zum Schreiben gekommen, wie ich es gerne gehabt hätte. Deshalb ist es jetzt auf die Schnelle auf dem Bildschirm geworfen worden und nicht noch einmal drüber gelesen.
Aber irgendwie... mach ich es doch, auch wenns mehr wie ein Konzept wirkt, als eine Geschichte >.<



Winter war eine beschissene Zeit. Das zumindest fand Tracy. Schon seit Tagen herrschte seltsames Wetter - nicht nur in der Natur, sondern auch in ihrem eigenen Leben. Da war man der Meinung, man hätte endlich den Richtigen gefunden, den einen Menschen, mit dem man das Leben verbringen wollte... und patsch, war man wieder Single. Das schlimmste aber war ihre beste Freundin. "Ich habs dir ja gesagt, du darfst nicht immer so klammern. Das mögen die Männer nicht", war nur der Beginn ihrer Predigt gewesen. Als ob sie nicht schon niedergeschlagen genug gewesen wäre.

Tracy zog ihren Schal enger um sich und zog ihren Kopf gegen die Schultern. Das war doch alles Beschiss. Ein Spiel, bei dem sie ganz offensichtlich die Regeln nicht kannte. Jedenfalls war sie der Meinung, dass man sehr wohl das Bedürfnis gegenüber seinem Partner äußern konnte, dass man mehr Zeit zu Zweit haben wollte. Nicht immer nur Treffen mit dem Freund und dem Freund und überhaupt.
Sie sehnte sich nun einmal nach jemanden, der auch mal einfach nur sie alleine sah und niemanden sonst. Das war doch nicht klammern.

Gut, vielleicht hätte sie nicht verlangen sollen, dass sie JEDES Wochenende alleine sind. Vielleicht hätte sie auch nicht darauf bestehen sollen, dass sie Weihnachten nur zu Zweit feierten, anstatt zu ihren jeweiligen Familien zu fahren und sich erst nach den Feiertagen wieder zu treffen.
Vielleicht hätte sie auch anders ausdrücken können, dass sie ein bisschen mehr von einer Beziehung erwartete, als immer nur auf Partys zu gehen.
Jetzt hatte sich das alles erübrigt. Jetzt gab es mal wieder niemanden, mit dem sie überhaupt irgendwas allein unternehmen konnte. Und das so kurz vor Weihnachten. Das Leben war doch wirklich trostlos.

Während Tracy zur Straßenbahnhaltestelle ging, kamen immer dickere Flocken vom Himmel und verfingen sich in ihren rot-schwarzen lockigen Haaren. Es war bitterkalt und weil heute morgen noch die Sonne geschienen hatte, fast überall spiegelglatt. Sie wäre ja gerne schneller nach Hause gekommen, aber jeder Schritt war ein Wagnis sondergleichen. Sie wusst, wenn sie nicht vorsichtig war, verlor sie nicht nur ihre innere Balance, sondern auch ihre körperliche. Und letzteres konnte nur schmerzhaft enden.

"Aufgrund der derzeitigen Witterungsverhältnisse kommt es auf allen Straßenbahn- und Buslinien zu unregelmäßigen Intervallen..." Die Durchsage hatte Tracy gerade noch gefehlt. Dass so viele Leute in der Station standen, hatte sie nicht gewundert. Es war Weihnachtszeit und die Menschen kauften gerne wie die Wahnsinnigen ein, um jedem zeigen zu können, dass sie wenigstens einmal im Jahr fähig waren, an alle zu denken - auch wenn die Geschenke sinnloser Plunder waren, der beim nächsten Frühjahrsputz auf dem Flohmarkt landeten. Die Heuchelei kotzte Tracy gerade im Moment noch mehr an als sonst auch.
Würde sie nicht arbeiten gehen müssen, sie hätte sich ihren Freund geschnappt und hätte den ganzen Tag das Bett nicht verlassen. Aber sie hatte einen Job und keinen Partner, mit dem sie auch nur irgendetwas machen konnte.
Zu Hause gab es dann erstmal heiße Schokolade, eine Tafel Schokolade und ein entspannendes Bad. Irgendwas musste sie sich schließlich gönnen.

Die Straßenbahn, die schließlich ankam, war gerammelt voll und die wenigen Menschen, die Ausstiegen wurden durch dreimal so viele ersetzt. Tracy beobachtete skeptisch, das hektische, fast panische Schieben und Stubsen der Leute, die unbedingt noch in diese Straßenbahn wollte. Sie konnte durchaus nachvollziehen, dass einige schnell ins Warme wollten. Sie selbst war da nicht anders. Aber ihr Drang, sich wie eine Sardine in der Büchse zu fühlen, war so gut wie gar nicht vorhanden.
In fünf Minuten würde sie ihre Füße sowieso nicht mehr spüren und wahr vielleicht schon ein einziger Schneemann.

Sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust und versuchte ein Zittern zu unterdrücken. Das Schneetreiben wurde immer dichter und schließlich gaben es auch die übrigen Fahrgäste auf, sich noch in diese Bahn quetschen zu wollen. Der Straßenbahnfahrer gab auch schon die Durchsage, dass die Auftritte freibleiben mussten und schloss schließlich die Türen. In der nächsten Statione würde dasselbe wieder passieren.
Das war doch wirklich lächerlich.
Winter kam und in der Stadt brach Chaos aus. Mehr noch, als es Weihnachten zu tun vermochte. Aber Schnee so kurz vor Weihnachten war natürlich der reinste Supergau. Dabei wäre vieles wesentlich einfacher, wenn die Menschen nicht alles so verbissen sehen würden. Das alles gechillter anzugehen.

Tracy stieß ein Seufzen aus und langsam ließ sie sich von der Unruhe der anderen Leute anstecken. Vielleicht aber war es auch nur die Tatsache, dass sie wirklich langsam erfror. Schrecklich, wie kalt es an einem Winterabend mit Schneetreiben werden konnte.
Sie versuchte sich ein paar nasse, vereiste Strähnen aus dem Gesicht zu schieben, was ein absolut sinnloses Unterfangen war. Der Schnee viel jetzt so dicht, dass sie kaum mehr etwas sehen konnte.
Sie ging am besten zu Fuß, da war sie im Moment schneller als mit der Straßenbahn und vielleicht wurde ihr dann ja auch ein bisschen wärmer.

Kopf tief in den Schal vergraben, stopfte sie ihre behandschuhten Hände in die Manteltaschen und wandte sich ab. Sie achtete kaum auf den Weg und natürlich rächte sich das nun. Jedenfalls stieß sie mit jemanden zusammen, machte dadurch einen falschen Schritt und glitt auf dem matschigen, glatten Bürgersteig aus.
Sie wartete nur darauf, unsanft auf den Boden aufzukrachen, aber das passierte nicht, denn ein kräftiger Arm hatte sich gerade noch um sie geschlungen und bewahrte sie davor, sich in dem zertretenen, mit Salz angeschmolzenen, dreckigen Schneematsch zu suhlen.
Vorsichtig wurde ihr auf die Beine geholfen und schließlich sah sie auf.

"Na sowas. Das ist ja ein unheimlicher Zufall...", meinte der Mann zu ihr und sie erkannte ihn nur zu gut. Leicht lächelte sie.
"Ich würde es grotesk nennen...", murmelte sie und er lachte.
"Wartest du auch auf die Bahn?", fragte der Bekannte, den sie öfter schon mal auf den Partys ihrer besten Freundin getroffen hatte. Angeblich ein Freund eines Freundes.
"Ich wollte gerade zu Fuß gehen. Mir ist es hier zu voll und ich möchte auch nicht irgendwie platt gedrückt werden..."
"Das scheint mir gar keine schlechte Idee. In welche Richtung musst du denn?"
Tracy deutete in Richtung, in die sie gerade unterwegs war und bekam kurz darauf die Anfrage, ob sie Begleitung wollte.
Sie sah zu dem Mann, der in ihrem Alter war, auf und lächelte erneut.
"Gerne."

Kaum hatten sie den Haltestellenbereich verlassen und waren von der Hauptstraße abgewichen, wurde es um sie herum ruhiger. Idyllischer. Der Regenschirm, den ihr Bekannter über sie beide hielt, schütze ein wenig vor dem Schneetreiben und die Nähe, die sie gerade zueinander hatten, spendete zwar nur gering, aber doch ein wenig Wärme.
"Tracy?", wurde sie nach einer Weile des schweigenden Voranschreitens angesprochen und ohne zu ihrer Begleitung zu sehen, gab sie ein Geräusch, dass sie zuhörte.
Aber es kam wieder eine Weile nichts und schließlich nur ein einfaches "... schon gut... nicht so wichtig."
Diesmal sah Tracy zu dem anderen, der den Blick zu Boden gerichtet hatte, während sie die Straßen entlanggingen.

Er schien ihren Blick zu bemerken und sah auf, aber sofort wieder weg. Das war seltsam, aber Tracy wollte den ihr eigentlich ziemlich fremden Mann nicht drängen, etwas zu sagen.
"Gina hat mir verraten, dass dein Freund dich sitzen gelassen hat..."
Verwundert sah Tracy den anderen an. Warum ihre beste Freundin das tun sollte war ihr schleierhaft. "Sie hat mir auch verraten, dass du jetzt Feierabend hast...", setzte er fort und Tracy ahnte schlimmes.
Scheinbar wollte ihre beste Freundin sie jetzt auch noch verkuppeln.
Dabei hatte der Trennungsschmerz noch nicht einmal wirklich eingesetzt.

"Hast du mir aufgelauert?", fragte Tracy und bekam ein mulmiges Gefühl. Aber er winkte ab.
"Nein, ich... wollte dich abholen...", erwiderte er. Dann seufzte er und sah Tracy an. "Die Wahrheit ist... ich... seit ich dich das erste Mal auf Ginas Geburtstagsfeier vor zwei Jahren gesehen habe, wollte ich mit dir ausgehen und ich besser kennen lernen. Aber ich habe mich nicht getraut dich anzusprechen..."
Tracys Herz begann zu flattern und am liebsten wäre sie zurückgewichen, wenn es nicht bedeutet hätte, dass sie den Schutz des Regenschirms aufgeben musste.
"Dann hattest du einen Partner und ich hatte auch keine Kontaktdaten von dir. Also habe ich versucht, es mir aus dem Kopf zu schlagen. Das hat leider nicht sehr gut funktioniert... ich... Tracy..."
Jetzt sah er zu ihr auf und Tracy konnte nur verlegen und leicht gequält zur Seite sehen. Sie ahnte, was jetzt kam.
"Ich würde wirklich sehr gerne mit dir ausgehen."
Sie wollte ihm gerade eine Abfuhr erteilen, da hab er die Hand. "Ich weiß, dass ist gerade ungünstig und eigentlich wollte ich nur, dass du es weißt - und vielleicht darüber nachdenkst, ob wir nicht wenigstens hin und wieder etwas Trinken gehen können, um uns besser kennen zu lernen. Ich will dich wirklich zu nichts drängen und es wäre mir schon genug, wenn wir einfach bessere Freunde werden - oder zumindest mehr als nur entfernte Bekannte."

Das brachte Tracy zum Schmunzeln und sie zuckte mit den Schultern, bevor sie ihm die Hand hinhielt und ihm entgegenkam: "Freunde." Das brach irgendwie das Eis und den restlichen Heimweg unterhielt sich Tracy dann doch recht köstlich. Sie würde sich zu Hause zwar immer noch mit Schokolade eindecken und ein heißes Bad nehmen, aber mitunter würde das Buch nun einigen wichtigen Überlegungen weichen müssen.
Sie konnte schließlich keinem Mann hinterhertrauern, der nicht wusste, was er an ihr hatte. Vielleicht hatte sie den richtigen ja gerade eben etwas besser kennengelernt.

Date: 2010-12-18 08:13 pm (UTC)
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Eine schöne Geschichte, mir gefällt die Stimmung darin. ^^ Es passt zu dem Schnee draußen...
Ich mag vor allem das Ende sehr gerne, dass da nicht direkt die neue große Liebe reinstolpert, sondern das erstmal auf einer freundschaftlichen Basis beginnen soll.
Wirklich schön, hat großen Spaß gemacht, es zu lesen. :)

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