Das 15. Türchen
Dec. 15th, 2010 11:36 amFandom: Original ("Living out Loud")
Charaktere: Miriam (will doch nur schlafen) und Adrianne & Magnus (die im Hintergrund lautstark ihr privates Drama am laufen haben)
Challenge: Kalauer ... Die ganze FF ist einer ... *hust*
Warnungen: Geschwisterhassliebe, Gezoffe & Gezanke und am Ende ein bisschen Geknuddel
Wörter: ~2500
Vorwort: Hier gibt es sogar schon einen Fanmix zu allen dreien. Sie sind eigentlich immer noch nur Nebencharaktere. *drop* Ich weiß auch nicht, wann ich angefangen habe mehr über sie zu nachzudenken als den eigentlichen Hauptchara.
„Ich bringe ihn um!“
Miriam, die kurz vorm Einschlafen gewesen war, schreckte hoch. „Was?“
„Muss er jeden Abend stundenlang das Bad blockieren?“ Adrianne lief mit einem mordlüsternen Blick durch das Zimmer. Sie steckte bereits in ihrem Schlafanzug und hatte ihre Haare zu einem losen Pferdeschwanz zusammengebunden. In ihrem Gesicht klebte eine weiße Masse, die Miriam nach einigem Blinzeln als Gurken-Aloe-Maske identifizierte. „Was macht Magnus da drin?“ fuhr Adrianne wütend fort. „Zählt er seine Brusthaare? Holt er sich stundenlang zu Lara Croft einen runter? Das macht er doch mit Absicht, nur um mich zu ärgern!“
Miriam stellte fest, dass sie auf ihrem Buch eingeschlafen war. Gähnend strich sie die zerknickten Seiten glatt und klappte es zusammen. „Hm.“
„Schläfst du etwa schon? Wieso bist du so müde?“ fragte Adrianne aufgebracht, als nahm sie das irgendwie persönlich. „Du machst doch seit zwei Tagen nichts anderes als schlafen.“
Sie klang angespannt und verärgert, sogar noch mehr als sonst. Sie war schon seit Heiligabend so komisch drauf. Das konnte an Weihnachten selbst liegen, nicht einer von Adriannes Lieblingsfeiertagen, aber sicher war sich Miriam da nicht. So oder so war sie schrecklich reizbar und ging bei jeder Kleinigkeit an die Decke. Langsam wurde es irgendwie anstrengend.
„Ich schlafe gerne“, stellte sie fest. Es war schon halb zwölf, stellte sie fest. Ein völlig gerechtfertigter Zeitpunkt um einzuschlafen. Sie schob das Buch auf ihren Nachttisch und kuschelte sich in ihr Kissen.
Offenbar fand Adrianne das keine angemessene Reaktion.
„So, das reicht jetzt“, fauchte sie und stürmte aus dem Zimmer.
„Lass mich sofort ins Bad!“, hörte Miriam sie aus einiger Entfernung brüllen. „Mir ist egal was da du drin machst, hör auf damit!“
„Jetzt stress mich nicht so! Kann man hier mal in Ruhe pinkeln?“ brüllte Magnus Stimme zurück, gedämpft von der Badezimmertür.
„Ich muss das Zeug abwaschen! Das soll nur zehn Minuten einwirken!“
„Hast du sie noch alle?! Hör auf gegen die Tür zu hämmern…!“
Wären ihre Eltern jetzt zu Hause gewesen, hätte mit Sicherheit schon irgendjemand ein Machtwort gesprochen und die beiden auseinandergebracht.
Möglicherweise.
Vielleicht auch nicht.
Ihre Mutter war neuerdings der Meinung, alles sei nur das Feng zu ihrem Shui und nicht wert, dass man sich aufregte und ihr Vater hörte gerne laute Musik und bekam dann sonst nichts mehr mit.
So oder so fühlte Miriam sich nicht verantwortlich. Sie war ziemlich sicher, dass Adrianne und Magnus sich nicht wirklich umbringen würden.
Sie dachte an einen großen, weißen Sandstrand und Sonnenschein und das Gezanke im Hintergrund wurde zu einem sanften Wellenrauschen. Alles war warm und gemütlich und …
… … …
… …
…
„Sie hat mich rausgeworfen.“
Miriam, die bis eben noch an einem warmen Strand gelegen hatte und rosa Delphinen beim Spielen im kristallblauen Wasser zugesehen hatte, fand das keine wissenswerte Information. Sie blinzelte schläfrig. „…gnh?“
„Einfach so!“
Aufgebrachte Schritte liefen neben ihrem Bett auf und ab. Miriam blinzelte erneut. Irgendjemand hatte die kleine Lampe auf ihrem Nachttisch angemacht und in dem schummerigen Licht sah sie eine große, schlaksige Gestalt auf und abmarschieren.
„Es ist halb zwei Uhr nachts und sie schmeißt mich aus meinem Bett! Ich meine, was denkt die sich überhaupt, die blöde Kuh? Halb zwei!“
„Magnus …“, stellte Miriam fest. Natürlich. Wer sonst.
„Nein, der Weihnachtsmann!“ Ihr Zwillingsbruder klang aufrichtig gekränkt. „Schläfst du etwa schon?“ fügte er ungläubig hinzu. Wäre Miriam auch nur ein ansatzweise gewalttätiger Mensch gewesen, hätte allein dieser Satz sie dazu gebracht, ihn mit ihrem Teddybären zu ersticken.
Stattdessen seufzte sie. Wortlos vergrub sie ihr Gesicht erneut in ihr Kopfkissen fallen und hob ihre Decke ein Stück an als Einladung. Magnus zerrte zwar immer die gesamte Decke zu sich, er redete im Schlaf und drehte sich permanent um die eigene Achse, aber wenn das der Preis dafür, dass er sie weiterschlafen ließ, bitte sehr. „… kannst bei mir schlafen“, murmelte sie.
„Darum geht es nicht!“
Oh Gott. Das hatte sie befürchtet.
Er wollte, dass sie wach wurde. Und mit ihm redete. Mit einem letzten wehmütigen Gedanken an den Strand und die rosa Delphine, drehte sie sich auf die Seite und stützte den Kopf auf ihren Arm. Zum ersten Mal nahm sie sich die Zeit ihn genauer zu betrachten. Seine feinen blonden Haare standen wild zu allen Seiten ab und er sein Gesicht war voll gerechter Empörung.
„Wovon redest du überhaupt?“fragte sie.
„Adrianne!“ knurrte Magnus. „Sie hat mich aus meinem Zimmer geschmissen! Es ist Weihnachten! Und sie hat doch ein eigenes Bett! Warum macht sie das? Das hat sie letztes Jahr schon gemacht!“
Miriam warf einen kurzen Blick auf die gegenüberliegende Seite ihres Zimmers und tatsächlich, das Bett ihrer Schwester war leer, ihre fluffige Blümchendecke unsanft gegen die Wand geknäuelt.
Sie zuckte mit den Schultern. „Schlaf doch in ihrem Bett“, schlug sie vor. In ihrem Kopf klang das alles ziemlich logisch.
„Sie kann mich nicht einfach aus meinem Zimmer schmeißen!“ ereiferte sich Magnus, so als ob sie gar nichts gesagt hätte, und fuhr fort, wütend vor ihrem Bett auf und ab zu tigern. „Ich bin sechzehn! Ich bin keine sechs mehr!“
Miriam unterdrückte ein Gähnen. „Wieso lässt du dir das gefallen?“
„Was hätte ich denn machen sollen?“
Miriam hob eine skeptische Augenbraue und ließ einen vielsagenden Blick an ihrem Bruder entlang wandern, der inzwischen an einem Meter achtzig kratzte, und auch keine Anstalten machte über kurz oder lang mit dem Wachsen aufzuhören. „Du bist größer als sie“, stellte sie fest.
Was kein Kunststück war. Fast jeder in der Familie war inzwischen größer als Adrianne, Miriam eingeschlossen. Die Ausnahme war Lori, aber die war auch erst zwölf.
„Na und?“ grummelte Magnus und hob unbehaglich die breiten, knochigen Schultern. „Ich kann sie ja schlecht zu Boden ringen und ihr einen Arm auskugeln.“
Unwillkürlich hatte Miriam ein Bild vor Augen wie Adrianne, die einen Kopf kleiner war, Magnus am Kragen seines T-Shirts packte und kompromisslos aus dem Zimmer zerrte, während Magnus Zeter und Mordio brüllte, aber keinen Finger krumm machte, um sich dagegen zur Wehr zu setzen. Sie unterdrückte ein Grinsen. Das wäre jetzt nicht gut gekommen. Allerdings war sie sich beinah sicher, dass es sich genauso abgespielt hatte.
Ein Wunder, dass sie von dem Tumult nicht wach geworden war.
Andererseits hatte sie schon immer von allen den tiefsten Schlaf gehabt.
Sie gähnte. „Nimm doch einfach ihr Bett“, schlug sie erneut vor und kämpfte gegen ihre schwerer werdenden Augenlider, die sich unbarmherzig der Schwerkraft entgegen gezogen fühlten. „Oder geh in Loris Zimmer. Oder schlaf bei mir, ist mir auch recht.“ Ihr deutliches ‚Hauptsache, du lässt mich schlafen‘ schwebte unausgesprochen in der Luft.
Ihr Kopf wurde immer schwerer und sie blinzelte ein paar Mal heftig. Magnus hatte finster die Augenbrauen zusammengezogen und grummelte aufgebracht vor sich hin. Sie vernahm einzelne Wortfetzen wie „… blöde Kuh …“, „ … die kann was erleben …“ und „… spüle ihr CK-Parfüm im Klo runter …“
Danach wurde ihre Erinnerung verschwommen und etwas lückenhaft. Magnus‘ grollendes Schimpfen hatte etwas angenehm Vertrautes und sehr Einlullendes an sich.
Sie musste einige Zeit weggepennt sein, denn als sie das nächste Mal wachgerüttelt wurde, zeigten die roten Leuchtziffern ihres Weckers an, dass es bereits viertel nach zwei war. Ihre Nachttischlampe brannte noch immer. Sie blinzelte müde. „…hm?“
Über ihr schwebte Magnus Gesicht, das inzwischen weniger wütend aussah, sondern viel mehr besorgt. Seine Augen waren weit und er sah seltsam jung aus.
„Ich glaube, sie heult“, sagte er. Er klang seltsam atemlos und aufgeregt. Seine Vorderzähne malträtierten seine Unterlippe.
Er schien innerlich mit sich zu ringen und er setzte ein paar Mal an und brach wieder ab, bevor er schließlich in einem Atemzug hervorstieß: „Ich stand vor der Tür, um ihr die Meinung zu geigen, aber dann hab ich was gehört und ich glaube, sie heult. Vielleicht hat sie deshalb mein Zimmer geklaut. Ich hab es dir nicht erzählt, weil ich nicht wusste, ob ihr das Recht ist, aber Björn hat sich vorgestern von ihr getrennt, an Heiligabend, das ist sowas von scheiße von ihm, was für ein Arsch, aber sie hat die ganze Zeit so getan als macht ihr das nicht so viel aus, also dachte ich, das ist gegessen, aberichglaubejetztweintsieundwasmachichjetzt?“
„Oh.“
Miriam rieb sich über die Augen. Darüber musste sie erst mal nachdenken.
Aus unerfindlichen Gründen hatte Magnus sich irgendwann mal in den Kopf gesetzt, dass seine älteste Schwester sowas wie ein Feldwebel war, knallhart, forsch und absolut unkaputtbar, an der alles abprallte und der nichts nah ging. Teflon-Adrianne sozusagen.
Dass das überhaupt nicht stimmte, war Miriam schon lange klar. Spätestens seit sie elf gewesen war und zwei Stunden neben einer schluchzenden Adrianne gesessen hatte, nachdem sie gemeinsam ihr erstes Meerschwein im Garten beerdigt hatten.
Aber Magnus war ja, trotz der sieben Minuten, die er eher geboren war, immer in allem irgendwie später dran als sie.
„Äh, puh …“
„Sie hat neulich schon mal geweint, glaube ich“, fuhr Magnus, in immer noch halsbrechender Geschwindigkeit fort, als ob er es nicht mehr rausbekommen würde, sobald er eine Pause machte. Er sank auf ihre Bettkante und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. „Als wir den Weihnachtsbaum holen sollten. Aber ich habe ihr gesagt, sie soll rumerzählen, dass sein Schwanz klein ist und danach war alles gut. Dachte ich.“
„Okay.“ Miriam nickte und brachte es nicht übers Herz ihm zu sagen, dass so schnell nie irgendwas wieder gut war. „Ich bin sicher, das ist eine große Hilfe gewesen.“
„Ich dachte, das war’s jetzt. Hab ich eine Ahnung von Beziehungen? Meine längste waren drei Wochen am Stück und zwei davon war Laura mit ihren Eltern in Spanien, und davor haben wir auch nur Hausaufgaben zusammen gemacht. Wie lange braucht sie denn noch, um über ihn hinwegzukommen? Björn war doch sowieso doof. Wieso heult sie denn jetzt wegen ihm? In meinem Zimmer? In meinem Bett?“
Es war klar, dass Magnus‘ Weltbild in seinen Grundfesten erschüttert war. Wie konnte Adrianne es wagen, zu weinen? Wie sollte er da sauer auf sie sein? Das ging so doch nicht. Das war nicht okay so.
„Rede doch mit ihr“, schlug Miriam hilfreich vor.
„Reden?!“ Magnus schnappte so schockiert nach Luft, als hätte sie ihm vorgeschlagen nackt im Schnee Lambada zu tanzen. „Ich?“
Miriam zuckte mit den Schultern. „Ist ja sonst keiner da.“
Das stimmte. Ihre Eltern verbrachten den zweiten Weihnachtsfeiertag bei Bekannten und hatten Lori mitgenommen. River pendelte an den Feiertagen wie üblich hin und her und schlief ausgerechnet heute Nacht nicht hier. Sonst hätte Magnus vermutlich ihn rekrutiert. Völlig zu Recht. River war der Älteste und Adriannes Lieblingsbruder, und außerdem der einzige, der ihre schlechte Laune fast nie abbekam.
„Was ist mit dir?“ fragte Magnus anklagend.
„Ich schlafe. Ich bin gar nicht da.“ Sie tätschelte ihm gähnend über den Kopf. „Stell dich nicht an. Das schaffst du schon.“
„Aber …aber …! Sie lässt mich ja nicht mal ins Zimmer! Sie hat abgesperrt! Wie soll ich da mit ihr reden?“
„Dir fällt schon was ein.“
Miriams Bett war immer noch wunderbar warm und weich und einladend, und sie zog ihre Bettdecke hoch bis zum Kinn. Vor ihren Fenstern hörte sie den Schneesturm toben, der seit Heiligabend praktisch ununterbrochen da gewesen war und ihr Haus komplett eingeschneit hatte. Er hatte etwas seltsam Gemütliches an sich.
Irgendwo in der Entfernung hörte sie nachdrückliches Hämmern und Magnus‘ Stimme, die verkündete „Lass mich rein, ich hab da noch einen Porno unter der Matratze, den brauch ich sofort …!“ und Adriannes wütendes: „Bist du bescheuert? Es ist fast drei Uhr morgens!“
„Lass mich sofort rein oder ich masturbiere in deine Gesichtscreme!“
„Wag es ja nicht! Ich bring dich um!“
Das war irgendwie auch sehr vertraut und sehr gemütlich.
Miriam machte sich keine Sorgen. Magnus war zwar ein emotionaler Grobmotoriker, aber weich wie Butter innen drin, und Adrianne war eine biestige Zimtziege, aber auch eine große Schwester. Alles war gut.
Mit diesem Gedanken dämmerte sie erneut weg.
Als Miriam das nächste Mal geweckt wurde, zeigte ihr Wecker vier Uhr siebundzwanzig an und sie wurde dadurch wach, dass ihre Matratze nach unten sank, weil sich jemand darauf niederließ.
Sie gab ein leises, fragendes Geräusch von sich, ohne die Augen zu öffnen. Eine Hand fuhr ihr beruhigend die Schulter. Groß, breit, lange Finger. Magnus.
„Schlaf weiter“, sagte Magnus leise.
„Sorry, Mi.“ Das war Adrianne.
Einer von beiden knipste ihre Nachttischlampe aus und das Zimmer wurde in schlagartige Dunkelheit getaucht.
Offenbar hatten sie miteinander geredet. Oder zumindest hatten sie mehr als zwei Stunden in einem Zimmer verbracht, ohne sich gegenseitig umzubringen. Offenbar weinte Adrianne auch nicht mehr und Magnus klang nicht mehr, als sei er kurz vor einem Herzkasper. Das war ein Erfolg. Warum sie jetzt hier waren und sich in Miriams Bett drängelten, war allerdings ein Rätsel.
„Mhgm …“ Beinah automatisch und im Halbschlaf rutschte Miriam bis an die Wand, um Platz zu machen.
Jemand schob sich dreist unter ihre Decke und kuschelte sich dicht an sie heran. Klein, kurvig … Miriam bekam einen Schwung langer, welliger Haare ins Gesicht. Adrianne.
„Mach dich nicht so breit“, flüsterte Magnus.
„Steh da nicht rum. Hol meine Decke rüber“, gab Adrianne zurück.
„Nicht so laut, du weckst Miri.“
„Du weckst sie.“
Das Gezicke war beinah liebevoll und beide klangen irgendwie netter als sonst.
Adrianne kuschelte sich noch näher und vergrub ihr Gesicht an Miriams Schulter. Scheinbar hatte sie wenigstens für den Moment die Krallen eingefahren, denn jetzt gerade war sie weicher und anschmiegsamer als sie die gesamten letzten Tage über gewesen war. Wortlos schlang Miriam die Arme um sie.
„Björn ist ein Depp“, murmelte sie zustimmend, um auch irgendetwas Produktives zu dem ganzen Drama beizutragen.
Adrianne gab ein leises Schnauben von sich, das wie eine Mischung aus Lachen und Schluchzen klang. „Ich weiß.“ Sie fuhr Miriam mit einer Hand durch die Haare. „Schlaf weiter.“
„Mhm.“
„Genau. Wer braucht schon Björn?“ Magnus drängelt sich von der anderen Seite ins Bett und Miriam wurde noch ein Stück weiter an die Wand gedrückt. Offenbar hatte er tatsächlich Adriannes Blümchenbettzeug mitgebracht, denn er zerrte Miriam nicht wie sonst sofort die Decke weg.
Miriam spürte mehr als dass sie sah, wie er von der anderen Seite die Arme um Adrianne legte, so dass ihre große Schwester zwischen ihnen eingekeilt war wie die Füllung in einem Sandwich. Oder die Schokolade zwischen zwei M&M’s. Sie kicherte.
„Sie redet im Schlaf“, stellte Adrianne leise fest.
„Macht sie immer“, behauptete Magnus.
Das hatten sie das letzte Mal gemacht, als ihr Großvater gestorben war. In einem Bett geschlafen. Damals waren Miriam und Magnus elf und Adrianne dreizehn gewesen, und allesamt ein Stück kleiner als heute. Und schon damals war es nicht wirklich bequem gewesen, und Miriam hatte von zwei Seiten permanent spitze Ellbogen in die Rippen bekommen.
Adrianne behandelte sie wie eine Mischung aus Wärmflasche und Plüschtier und Magnus hatte es geschafft, sich gleichmäßig über das gesamte Bett zu verteilen. Es war warm und viel zu eng, und überall waren eckige Gliedmaßen, kalte Füße und viel zu viele Haare. Und zwei Decken waren auch viel zu wenig für drei Leute.
„Hat sie grade was von Schokolade gesagt?“
„Magnus, wenn du jetzt nochmal aufstehst, um was zu fressen, erschlag ich dich.“
Miriam giggelte.
„Schlaf weiter, Miri“, ertönte es einhellig aus zwei Kehlen.
Ende
Charaktere: Miriam (will doch nur schlafen) und Adrianne & Magnus (die im Hintergrund lautstark ihr privates Drama am laufen haben)
Challenge: Kalauer ... Die ganze FF ist einer ... *hust*
Warnungen: Geschwisterhassliebe, Gezoffe & Gezanke und am Ende ein bisschen Geknuddel
Wörter: ~2500
Vorwort: Hier gibt es sogar schon einen Fanmix zu allen dreien. Sie sind eigentlich immer noch nur Nebencharaktere. *drop* Ich weiß auch nicht, wann ich angefangen habe mehr über sie zu nachzudenken als den eigentlichen Hauptchara.
„Ich bringe ihn um!“
Miriam, die kurz vorm Einschlafen gewesen war, schreckte hoch. „Was?“
„Muss er jeden Abend stundenlang das Bad blockieren?“ Adrianne lief mit einem mordlüsternen Blick durch das Zimmer. Sie steckte bereits in ihrem Schlafanzug und hatte ihre Haare zu einem losen Pferdeschwanz zusammengebunden. In ihrem Gesicht klebte eine weiße Masse, die Miriam nach einigem Blinzeln als Gurken-Aloe-Maske identifizierte. „Was macht Magnus da drin?“ fuhr Adrianne wütend fort. „Zählt er seine Brusthaare? Holt er sich stundenlang zu Lara Croft einen runter? Das macht er doch mit Absicht, nur um mich zu ärgern!“
Miriam stellte fest, dass sie auf ihrem Buch eingeschlafen war. Gähnend strich sie die zerknickten Seiten glatt und klappte es zusammen. „Hm.“
„Schläfst du etwa schon? Wieso bist du so müde?“ fragte Adrianne aufgebracht, als nahm sie das irgendwie persönlich. „Du machst doch seit zwei Tagen nichts anderes als schlafen.“
Sie klang angespannt und verärgert, sogar noch mehr als sonst. Sie war schon seit Heiligabend so komisch drauf. Das konnte an Weihnachten selbst liegen, nicht einer von Adriannes Lieblingsfeiertagen, aber sicher war sich Miriam da nicht. So oder so war sie schrecklich reizbar und ging bei jeder Kleinigkeit an die Decke. Langsam wurde es irgendwie anstrengend.
„Ich schlafe gerne“, stellte sie fest. Es war schon halb zwölf, stellte sie fest. Ein völlig gerechtfertigter Zeitpunkt um einzuschlafen. Sie schob das Buch auf ihren Nachttisch und kuschelte sich in ihr Kissen.
Offenbar fand Adrianne das keine angemessene Reaktion.
„So, das reicht jetzt“, fauchte sie und stürmte aus dem Zimmer.
„Lass mich sofort ins Bad!“, hörte Miriam sie aus einiger Entfernung brüllen. „Mir ist egal was da du drin machst, hör auf damit!“
„Jetzt stress mich nicht so! Kann man hier mal in Ruhe pinkeln?“ brüllte Magnus Stimme zurück, gedämpft von der Badezimmertür.
„Ich muss das Zeug abwaschen! Das soll nur zehn Minuten einwirken!“
„Hast du sie noch alle?! Hör auf gegen die Tür zu hämmern…!“
Wären ihre Eltern jetzt zu Hause gewesen, hätte mit Sicherheit schon irgendjemand ein Machtwort gesprochen und die beiden auseinandergebracht.
Möglicherweise.
Vielleicht auch nicht.
Ihre Mutter war neuerdings der Meinung, alles sei nur das Feng zu ihrem Shui und nicht wert, dass man sich aufregte und ihr Vater hörte gerne laute Musik und bekam dann sonst nichts mehr mit.
So oder so fühlte Miriam sich nicht verantwortlich. Sie war ziemlich sicher, dass Adrianne und Magnus sich nicht wirklich umbringen würden.
Sie dachte an einen großen, weißen Sandstrand und Sonnenschein und das Gezanke im Hintergrund wurde zu einem sanften Wellenrauschen. Alles war warm und gemütlich und …
… … …
… …
…
„Sie hat mich rausgeworfen.“
Miriam, die bis eben noch an einem warmen Strand gelegen hatte und rosa Delphinen beim Spielen im kristallblauen Wasser zugesehen hatte, fand das keine wissenswerte Information. Sie blinzelte schläfrig. „…gnh?“
„Einfach so!“
Aufgebrachte Schritte liefen neben ihrem Bett auf und ab. Miriam blinzelte erneut. Irgendjemand hatte die kleine Lampe auf ihrem Nachttisch angemacht und in dem schummerigen Licht sah sie eine große, schlaksige Gestalt auf und abmarschieren.
„Es ist halb zwei Uhr nachts und sie schmeißt mich aus meinem Bett! Ich meine, was denkt die sich überhaupt, die blöde Kuh? Halb zwei!“
„Magnus …“, stellte Miriam fest. Natürlich. Wer sonst.
„Nein, der Weihnachtsmann!“ Ihr Zwillingsbruder klang aufrichtig gekränkt. „Schläfst du etwa schon?“ fügte er ungläubig hinzu. Wäre Miriam auch nur ein ansatzweise gewalttätiger Mensch gewesen, hätte allein dieser Satz sie dazu gebracht, ihn mit ihrem Teddybären zu ersticken.
Stattdessen seufzte sie. Wortlos vergrub sie ihr Gesicht erneut in ihr Kopfkissen fallen und hob ihre Decke ein Stück an als Einladung. Magnus zerrte zwar immer die gesamte Decke zu sich, er redete im Schlaf und drehte sich permanent um die eigene Achse, aber wenn das der Preis dafür, dass er sie weiterschlafen ließ, bitte sehr. „… kannst bei mir schlafen“, murmelte sie.
„Darum geht es nicht!“
Oh Gott. Das hatte sie befürchtet.
Er wollte, dass sie wach wurde. Und mit ihm redete. Mit einem letzten wehmütigen Gedanken an den Strand und die rosa Delphine, drehte sie sich auf die Seite und stützte den Kopf auf ihren Arm. Zum ersten Mal nahm sie sich die Zeit ihn genauer zu betrachten. Seine feinen blonden Haare standen wild zu allen Seiten ab und er sein Gesicht war voll gerechter Empörung.
„Wovon redest du überhaupt?“fragte sie.
„Adrianne!“ knurrte Magnus. „Sie hat mich aus meinem Zimmer geschmissen! Es ist Weihnachten! Und sie hat doch ein eigenes Bett! Warum macht sie das? Das hat sie letztes Jahr schon gemacht!“
Miriam warf einen kurzen Blick auf die gegenüberliegende Seite ihres Zimmers und tatsächlich, das Bett ihrer Schwester war leer, ihre fluffige Blümchendecke unsanft gegen die Wand geknäuelt.
Sie zuckte mit den Schultern. „Schlaf doch in ihrem Bett“, schlug sie vor. In ihrem Kopf klang das alles ziemlich logisch.
„Sie kann mich nicht einfach aus meinem Zimmer schmeißen!“ ereiferte sich Magnus, so als ob sie gar nichts gesagt hätte, und fuhr fort, wütend vor ihrem Bett auf und ab zu tigern. „Ich bin sechzehn! Ich bin keine sechs mehr!“
Miriam unterdrückte ein Gähnen. „Wieso lässt du dir das gefallen?“
„Was hätte ich denn machen sollen?“
Miriam hob eine skeptische Augenbraue und ließ einen vielsagenden Blick an ihrem Bruder entlang wandern, der inzwischen an einem Meter achtzig kratzte, und auch keine Anstalten machte über kurz oder lang mit dem Wachsen aufzuhören. „Du bist größer als sie“, stellte sie fest.
Was kein Kunststück war. Fast jeder in der Familie war inzwischen größer als Adrianne, Miriam eingeschlossen. Die Ausnahme war Lori, aber die war auch erst zwölf.
„Na und?“ grummelte Magnus und hob unbehaglich die breiten, knochigen Schultern. „Ich kann sie ja schlecht zu Boden ringen und ihr einen Arm auskugeln.“
Unwillkürlich hatte Miriam ein Bild vor Augen wie Adrianne, die einen Kopf kleiner war, Magnus am Kragen seines T-Shirts packte und kompromisslos aus dem Zimmer zerrte, während Magnus Zeter und Mordio brüllte, aber keinen Finger krumm machte, um sich dagegen zur Wehr zu setzen. Sie unterdrückte ein Grinsen. Das wäre jetzt nicht gut gekommen. Allerdings war sie sich beinah sicher, dass es sich genauso abgespielt hatte.
Ein Wunder, dass sie von dem Tumult nicht wach geworden war.
Andererseits hatte sie schon immer von allen den tiefsten Schlaf gehabt.
Sie gähnte. „Nimm doch einfach ihr Bett“, schlug sie erneut vor und kämpfte gegen ihre schwerer werdenden Augenlider, die sich unbarmherzig der Schwerkraft entgegen gezogen fühlten. „Oder geh in Loris Zimmer. Oder schlaf bei mir, ist mir auch recht.“ Ihr deutliches ‚Hauptsache, du lässt mich schlafen‘ schwebte unausgesprochen in der Luft.
Ihr Kopf wurde immer schwerer und sie blinzelte ein paar Mal heftig. Magnus hatte finster die Augenbrauen zusammengezogen und grummelte aufgebracht vor sich hin. Sie vernahm einzelne Wortfetzen wie „… blöde Kuh …“, „ … die kann was erleben …“ und „… spüle ihr CK-Parfüm im Klo runter …“
Danach wurde ihre Erinnerung verschwommen und etwas lückenhaft. Magnus‘ grollendes Schimpfen hatte etwas angenehm Vertrautes und sehr Einlullendes an sich.
Sie musste einige Zeit weggepennt sein, denn als sie das nächste Mal wachgerüttelt wurde, zeigten die roten Leuchtziffern ihres Weckers an, dass es bereits viertel nach zwei war. Ihre Nachttischlampe brannte noch immer. Sie blinzelte müde. „…hm?“
Über ihr schwebte Magnus Gesicht, das inzwischen weniger wütend aussah, sondern viel mehr besorgt. Seine Augen waren weit und er sah seltsam jung aus.
„Ich glaube, sie heult“, sagte er. Er klang seltsam atemlos und aufgeregt. Seine Vorderzähne malträtierten seine Unterlippe.
Er schien innerlich mit sich zu ringen und er setzte ein paar Mal an und brach wieder ab, bevor er schließlich in einem Atemzug hervorstieß: „Ich stand vor der Tür, um ihr die Meinung zu geigen, aber dann hab ich was gehört und ich glaube, sie heult. Vielleicht hat sie deshalb mein Zimmer geklaut. Ich hab es dir nicht erzählt, weil ich nicht wusste, ob ihr das Recht ist, aber Björn hat sich vorgestern von ihr getrennt, an Heiligabend, das ist sowas von scheiße von ihm, was für ein Arsch, aber sie hat die ganze Zeit so getan als macht ihr das nicht so viel aus, also dachte ich, das ist gegessen, aberichglaubejetztweintsieundwasmachichjetzt?“
„Oh.“
Miriam rieb sich über die Augen. Darüber musste sie erst mal nachdenken.
Aus unerfindlichen Gründen hatte Magnus sich irgendwann mal in den Kopf gesetzt, dass seine älteste Schwester sowas wie ein Feldwebel war, knallhart, forsch und absolut unkaputtbar, an der alles abprallte und der nichts nah ging. Teflon-Adrianne sozusagen.
Dass das überhaupt nicht stimmte, war Miriam schon lange klar. Spätestens seit sie elf gewesen war und zwei Stunden neben einer schluchzenden Adrianne gesessen hatte, nachdem sie gemeinsam ihr erstes Meerschwein im Garten beerdigt hatten.
Aber Magnus war ja, trotz der sieben Minuten, die er eher geboren war, immer in allem irgendwie später dran als sie.
„Äh, puh …“
„Sie hat neulich schon mal geweint, glaube ich“, fuhr Magnus, in immer noch halsbrechender Geschwindigkeit fort, als ob er es nicht mehr rausbekommen würde, sobald er eine Pause machte. Er sank auf ihre Bettkante und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. „Als wir den Weihnachtsbaum holen sollten. Aber ich habe ihr gesagt, sie soll rumerzählen, dass sein Schwanz klein ist und danach war alles gut. Dachte ich.“
„Okay.“ Miriam nickte und brachte es nicht übers Herz ihm zu sagen, dass so schnell nie irgendwas wieder gut war. „Ich bin sicher, das ist eine große Hilfe gewesen.“
„Ich dachte, das war’s jetzt. Hab ich eine Ahnung von Beziehungen? Meine längste waren drei Wochen am Stück und zwei davon war Laura mit ihren Eltern in Spanien, und davor haben wir auch nur Hausaufgaben zusammen gemacht. Wie lange braucht sie denn noch, um über ihn hinwegzukommen? Björn war doch sowieso doof. Wieso heult sie denn jetzt wegen ihm? In meinem Zimmer? In meinem Bett?“
Es war klar, dass Magnus‘ Weltbild in seinen Grundfesten erschüttert war. Wie konnte Adrianne es wagen, zu weinen? Wie sollte er da sauer auf sie sein? Das ging so doch nicht. Das war nicht okay so.
„Rede doch mit ihr“, schlug Miriam hilfreich vor.
„Reden?!“ Magnus schnappte so schockiert nach Luft, als hätte sie ihm vorgeschlagen nackt im Schnee Lambada zu tanzen. „Ich?“
Miriam zuckte mit den Schultern. „Ist ja sonst keiner da.“
Das stimmte. Ihre Eltern verbrachten den zweiten Weihnachtsfeiertag bei Bekannten und hatten Lori mitgenommen. River pendelte an den Feiertagen wie üblich hin und her und schlief ausgerechnet heute Nacht nicht hier. Sonst hätte Magnus vermutlich ihn rekrutiert. Völlig zu Recht. River war der Älteste und Adriannes Lieblingsbruder, und außerdem der einzige, der ihre schlechte Laune fast nie abbekam.
„Was ist mit dir?“ fragte Magnus anklagend.
„Ich schlafe. Ich bin gar nicht da.“ Sie tätschelte ihm gähnend über den Kopf. „Stell dich nicht an. Das schaffst du schon.“
„Aber …aber …! Sie lässt mich ja nicht mal ins Zimmer! Sie hat abgesperrt! Wie soll ich da mit ihr reden?“
„Dir fällt schon was ein.“
Miriams Bett war immer noch wunderbar warm und weich und einladend, und sie zog ihre Bettdecke hoch bis zum Kinn. Vor ihren Fenstern hörte sie den Schneesturm toben, der seit Heiligabend praktisch ununterbrochen da gewesen war und ihr Haus komplett eingeschneit hatte. Er hatte etwas seltsam Gemütliches an sich.
Irgendwo in der Entfernung hörte sie nachdrückliches Hämmern und Magnus‘ Stimme, die verkündete „Lass mich rein, ich hab da noch einen Porno unter der Matratze, den brauch ich sofort …!“ und Adriannes wütendes: „Bist du bescheuert? Es ist fast drei Uhr morgens!“
„Lass mich sofort rein oder ich masturbiere in deine Gesichtscreme!“
„Wag es ja nicht! Ich bring dich um!“
Das war irgendwie auch sehr vertraut und sehr gemütlich.
Miriam machte sich keine Sorgen. Magnus war zwar ein emotionaler Grobmotoriker, aber weich wie Butter innen drin, und Adrianne war eine biestige Zimtziege, aber auch eine große Schwester. Alles war gut.
Mit diesem Gedanken dämmerte sie erneut weg.
Als Miriam das nächste Mal geweckt wurde, zeigte ihr Wecker vier Uhr siebundzwanzig an und sie wurde dadurch wach, dass ihre Matratze nach unten sank, weil sich jemand darauf niederließ.
Sie gab ein leises, fragendes Geräusch von sich, ohne die Augen zu öffnen. Eine Hand fuhr ihr beruhigend die Schulter. Groß, breit, lange Finger. Magnus.
„Schlaf weiter“, sagte Magnus leise.
„Sorry, Mi.“ Das war Adrianne.
Einer von beiden knipste ihre Nachttischlampe aus und das Zimmer wurde in schlagartige Dunkelheit getaucht.
Offenbar hatten sie miteinander geredet. Oder zumindest hatten sie mehr als zwei Stunden in einem Zimmer verbracht, ohne sich gegenseitig umzubringen. Offenbar weinte Adrianne auch nicht mehr und Magnus klang nicht mehr, als sei er kurz vor einem Herzkasper. Das war ein Erfolg. Warum sie jetzt hier waren und sich in Miriams Bett drängelten, war allerdings ein Rätsel.
„Mhgm …“ Beinah automatisch und im Halbschlaf rutschte Miriam bis an die Wand, um Platz zu machen.
Jemand schob sich dreist unter ihre Decke und kuschelte sich dicht an sie heran. Klein, kurvig … Miriam bekam einen Schwung langer, welliger Haare ins Gesicht. Adrianne.
„Mach dich nicht so breit“, flüsterte Magnus.
„Steh da nicht rum. Hol meine Decke rüber“, gab Adrianne zurück.
„Nicht so laut, du weckst Miri.“
„Du weckst sie.“
Das Gezicke war beinah liebevoll und beide klangen irgendwie netter als sonst.
Adrianne kuschelte sich noch näher und vergrub ihr Gesicht an Miriams Schulter. Scheinbar hatte sie wenigstens für den Moment die Krallen eingefahren, denn jetzt gerade war sie weicher und anschmiegsamer als sie die gesamten letzten Tage über gewesen war. Wortlos schlang Miriam die Arme um sie.
„Björn ist ein Depp“, murmelte sie zustimmend, um auch irgendetwas Produktives zu dem ganzen Drama beizutragen.
Adrianne gab ein leises Schnauben von sich, das wie eine Mischung aus Lachen und Schluchzen klang. „Ich weiß.“ Sie fuhr Miriam mit einer Hand durch die Haare. „Schlaf weiter.“
„Mhm.“
„Genau. Wer braucht schon Björn?“ Magnus drängelt sich von der anderen Seite ins Bett und Miriam wurde noch ein Stück weiter an die Wand gedrückt. Offenbar hatte er tatsächlich Adriannes Blümchenbettzeug mitgebracht, denn er zerrte Miriam nicht wie sonst sofort die Decke weg.
Miriam spürte mehr als dass sie sah, wie er von der anderen Seite die Arme um Adrianne legte, so dass ihre große Schwester zwischen ihnen eingekeilt war wie die Füllung in einem Sandwich. Oder die Schokolade zwischen zwei M&M’s. Sie kicherte.
„Sie redet im Schlaf“, stellte Adrianne leise fest.
„Macht sie immer“, behauptete Magnus.
Das hatten sie das letzte Mal gemacht, als ihr Großvater gestorben war. In einem Bett geschlafen. Damals waren Miriam und Magnus elf und Adrianne dreizehn gewesen, und allesamt ein Stück kleiner als heute. Und schon damals war es nicht wirklich bequem gewesen, und Miriam hatte von zwei Seiten permanent spitze Ellbogen in die Rippen bekommen.
Adrianne behandelte sie wie eine Mischung aus Wärmflasche und Plüschtier und Magnus hatte es geschafft, sich gleichmäßig über das gesamte Bett zu verteilen. Es war warm und viel zu eng, und überall waren eckige Gliedmaßen, kalte Füße und viel zu viele Haare. Und zwei Decken waren auch viel zu wenig für drei Leute.
„Hat sie grade was von Schokolade gesagt?“
„Magnus, wenn du jetzt nochmal aufstehst, um was zu fressen, erschlag ich dich.“
Miriam giggelte.
„Schlaf weiter, Miri“, ertönte es einhellig aus zwei Kehlen.
Ende
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Date: 2010-12-15 04:04 pm (UTC)Und die arme Miriam... Nie lässt man sie in Ruhe schlafen, überall Stress. Eigentlich ein Wunder, dass es sie so kalt lassen kann. XD
Das Ende ist aber wirklich süß, wie sie alle drei in einem Bett liegen und es einfach nur wahnsinnig chaotisch ist und sie sich nur noch lieb haben. >_< *sie alle knuddel*
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Date: 2010-12-16 10:32 am (UTC)ich will auch solche Geschwister haben T_T
total putzig und lustig und einfach nur awwwwww*-* sie sind alle drei wunderbar.
sehr schön, du hast mir meinen morgen versüßt.
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Date: 2010-12-18 12:22 am (UTC)Inhaltlich klasse.