Adventskalender Türchen Nr. 12
Dec. 12th, 2010 10:32 amFandom: Original
Wörter: 407
Warnung: düster(?)
Challenges: #1 extern, #2 Wink des Schicksals, #3 „Mein sehnlichster Weihnachtswunsch: Kain und Abel würden einen Nichtangriffspakt schließen und alle Menschen wären Brüder.“
(Marianne Sägebrecht)
Kommentar: Ich kämpfe gerade gegen eine Schreibblockade. Deswegen hat das hier weder Hand noch Fuß, von Sinn ganz zu schweigen. Es ist wie ein..äh..Picasso. Lest es als würdet ihr euch einen Picasso angucken. Bitte ;_;
Es ist Schicksal, ob man Weihnachten hat oder nicht hat.
Das zumindest denkt sie, als sie ihren großen, schwarzen Koffer neben dem wenig weißen und hauptsächlich roten Klumpen öffnet und sich dünne, durchsichtige Handschuhe wie eine zweite Haut überstreift.
Sie zum Beispiel hat kein Weihnachten.
Das ist Schicksal, weil dieser Fall ihr dazwischenkam.
Andere Menschen bauen sich ihre eigenen Schicksale und drapieren sie um die Feiertage herum wie bunte Girlanden.
Schicksale, die da lauten „Das hab ich mir nicht gewünscht, das ist Mädchenkram“ oder „Herbert, ich hab dir tausendmal gesagt, du sollst diese Schnepfe nicht heiraten! Nicht mal kochen kann die!“ oder „Aufgrund eines Personenschadens verzögert sich der Regionalexpress nach Stralsund auf unbestimmte Zeit.“
In den letzten vier Wochen waren Medien und der Einzelhandel damit beschäftigt, ihr und allen anderen klarzumachen, dass Weihnachten ein Wink des Schicksals. Niemand kommt um das Geschenkekaufen herum. Anschließend so erschöpft (oder frustriert) kommt auch niemand um den Glühwein und um Thüringer Rostbratwurst herum. Alles bedingt sich gegenseitig. Einzige Voraussetzungen: Familie und ein Gefühl von Verantwortlichkeit.
Zumindest hat sie immer so gedacht. Also, bis eben.
Jetzt hebt sie vorsichtig den roten, dicken Stoff des Mantels ihres Toten an und weiß nicht wirklich, ob sie ihn bewundern soll, denn er hat gerade eben- vielleicht vor zwei Stunden- das Gegenteil bewiesen. Weihnachten muss nicht dein Schicksal sein. Es ist trotz allem immer noch die eigene Entscheidung.
„Ist wahrscheinlich vom Schlitten gestürzt“, brummt irgendein unbedeutender Streifenpolizist neben ihr.
„Ich wusste immer, der Typ ist Amerikaner. Und von Coca Cola gesponsort.“
Vorsichtig rollt sie den Ärmel des Mantels etwas zurück um das große rockerhaft anmutende Tattoo zu fotographieren. Als sein Gesicht noch eins und intakt gewesen ist, war es das eines Studenten. Der Ausweis in der Tasche sagt Rechtswissenschaften.
Sie beginnt ihre Spurensicherung mit Pülverchen und Pinselchen, Abdrücken und Fotos, Fotos, Fotos. Der Weihnachtsmann ist vom Himmel gefallen. Jetzt ist alles wieder offen. Morgen werden schreckliche Titel über unsinnigen Kurzartikeln in den Zeitungen mit den großen Lettern prangen. Und wie soll sie ihrem Sohn das erklären, denkt sie, bis sie sich darauf besinnt, dass er all diese Überschriften noch gar nicht lesen kann.
Das ist der Moment, in welchem sie die graue Melancholie etwas verlässt- neben einer Leiche passiert das öfter als man denkt.
Heute Abend wird sie mit ihrem Sohn backen und sie werden die Kinderweihnachts-CD einlegen bis ihr vom fünfzigsten schlecht ins Deutsche übersetzten Jingle Bells die Ohren bluten.
Trotzdem freut sie sich darauf.
Wörter: 407
Warnung: düster(?)
Challenges: #1 extern, #2 Wink des Schicksals, #3 „Mein sehnlichster Weihnachtswunsch: Kain und Abel würden einen Nichtangriffspakt schließen und alle Menschen wären Brüder.“
(Marianne Sägebrecht)
Kommentar: Ich kämpfe gerade gegen eine Schreibblockade. Deswegen hat das hier weder Hand noch Fuß, von Sinn ganz zu schweigen. Es ist wie ein..äh..Picasso. Lest es als würdet ihr euch einen Picasso angucken. Bitte ;_;
Es ist Schicksal, ob man Weihnachten hat oder nicht hat.
Das zumindest denkt sie, als sie ihren großen, schwarzen Koffer neben dem wenig weißen und hauptsächlich roten Klumpen öffnet und sich dünne, durchsichtige Handschuhe wie eine zweite Haut überstreift.
Sie zum Beispiel hat kein Weihnachten.
Das ist Schicksal, weil dieser Fall ihr dazwischenkam.
Andere Menschen bauen sich ihre eigenen Schicksale und drapieren sie um die Feiertage herum wie bunte Girlanden.
Schicksale, die da lauten „Das hab ich mir nicht gewünscht, das ist Mädchenkram“ oder „Herbert, ich hab dir tausendmal gesagt, du sollst diese Schnepfe nicht heiraten! Nicht mal kochen kann die!“ oder „Aufgrund eines Personenschadens verzögert sich der Regionalexpress nach Stralsund auf unbestimmte Zeit.“
In den letzten vier Wochen waren Medien und der Einzelhandel damit beschäftigt, ihr und allen anderen klarzumachen, dass Weihnachten ein Wink des Schicksals. Niemand kommt um das Geschenkekaufen herum. Anschließend so erschöpft (oder frustriert) kommt auch niemand um den Glühwein und um Thüringer Rostbratwurst herum. Alles bedingt sich gegenseitig. Einzige Voraussetzungen: Familie und ein Gefühl von Verantwortlichkeit.
Zumindest hat sie immer so gedacht. Also, bis eben.
Jetzt hebt sie vorsichtig den roten, dicken Stoff des Mantels ihres Toten an und weiß nicht wirklich, ob sie ihn bewundern soll, denn er hat gerade eben- vielleicht vor zwei Stunden- das Gegenteil bewiesen. Weihnachten muss nicht dein Schicksal sein. Es ist trotz allem immer noch die eigene Entscheidung.
„Ist wahrscheinlich vom Schlitten gestürzt“, brummt irgendein unbedeutender Streifenpolizist neben ihr.
„Ich wusste immer, der Typ ist Amerikaner. Und von Coca Cola gesponsort.“
Vorsichtig rollt sie den Ärmel des Mantels etwas zurück um das große rockerhaft anmutende Tattoo zu fotographieren. Als sein Gesicht noch eins und intakt gewesen ist, war es das eines Studenten. Der Ausweis in der Tasche sagt Rechtswissenschaften.
Sie beginnt ihre Spurensicherung mit Pülverchen und Pinselchen, Abdrücken und Fotos, Fotos, Fotos. Der Weihnachtsmann ist vom Himmel gefallen. Jetzt ist alles wieder offen. Morgen werden schreckliche Titel über unsinnigen Kurzartikeln in den Zeitungen mit den großen Lettern prangen. Und wie soll sie ihrem Sohn das erklären, denkt sie, bis sie sich darauf besinnt, dass er all diese Überschriften noch gar nicht lesen kann.
Das ist der Moment, in welchem sie die graue Melancholie etwas verlässt- neben einer Leiche passiert das öfter als man denkt.
Heute Abend wird sie mit ihrem Sohn backen und sie werden die Kinderweihnachts-CD einlegen bis ihr vom fünfzigsten schlecht ins Deutsche übersetzten Jingle Bells die Ohren bluten.
Trotzdem freut sie sich darauf.
no subject
Date: 2010-12-12 12:10 pm (UTC)Entschuldige, ich weiß so lustig ist es gar nicht gemeint, aber von dem Augenblick an als ich die Pointe (die Identität des Toten) geahnt habe, mußte ich einfach grinsen. Es hat so einen herrlich lakonischen Humor. Ich mag es, wie die ganze Situation für sie Routine darstellt, sie aber trotzdem weiß wie makaber alles ist. Und wie du von einer ziemlich profunden Analyse von Weihnachten zu schwarzem Humor kommst und von da wieder zu einem warmen molligen Gefühl, finde ich toll. Stimmt, gerade wenn Weihnachtsmänner vom Himmel fallen, sollte man die Feiertage genießen! Fabelhaft.
Und heißt das, du kommst nun in deine kubistische Phase? ;D
no subject
Date: 2010-12-15 07:07 am (UTC)*g* Ist doch okay, kein Problem. :D
Ich war etwas düster an dem Tag und hab gegen Ende hin krampfhaft versucht, es irgendwie wieder hochzureißen. xD
Ich weiß nicht, ob das eine kubistische Phase ist. ._. Vielleicht? XD
no subject
Date: 2010-12-12 12:39 pm (UTC)und du hast den weihnachtsmann umgebracht, wie kannst du nur? *g*
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Date: 2010-12-15 07:08 am (UTC)Jaja., ich weiß, ich habe offensichtlich einige Seelen auf dem Gewissen. xD
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Date: 2010-12-12 01:15 pm (UTC)Ein ganz tolles Türchen, das war eindeutig mal was anderes. XD (und viel besser als ein Picasso *nicknick*... ja, ich mag den Typen nicht >_<)
no subject
Date: 2010-12-15 07:09 am (UTC)Dankeschön. Und ja, Picassos Bilder mag ich auch nicht.