[identity profile] herzausglas.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
So, mein erster Post in der Community. Ich bin zwar nicht sooo zufrieden mit dem Ergebnis, aber vielleicht gefällt es ja trotzdem jemandem. :)

Titel: Chris und die Rhetorik der deutschen Sprache
Fandom: Original
Charaktere: Chris und Katharina
Challenge: #1 Metaphern
Länge: 545 Wörter
Warnungen: Keine.
Anmerkungen: Sehr kurz und plotlos. Erst nach Challenge #3 entstanden und nicht Beta gelesen.

Ich wusste, dass ich irgendetwas halbwegs Wichtiges vergessen hatte. Wir saßen gerade am morgendlichen Frühstückstisch als mir klar wurde, dass es sich bei dem was mir entfallen war nicht um eine Idee für ein tolles Weihnachtsgeschenk handelte.

Meine Klasse schrieb heute Deutsch.

„Oh“, sagte ich laut und verschluckte mich dabei fast an meinem Müsli.

Über irgendwelche Gedichte mit Metrum und diesem ganzen Blödsinn. Warum lernte man sowas in der sechsten Klasse am Gymnasium? Das braucht doch eh keiner später mehr.

„Was?“, fragte mich meine große Schwester Kata gereizt. Sie hatte sich gestern ihre naturbraunen Haare dunkelrot färben wollen („weil das doch so schön weihnachtlich ist“), allerdings hatte sie wohl vergessen einen Spiegel zu benutzen. Denn obwohl ihre Haare die Farbe gut angenommen hatten waren immer noch einige braune Flecken auf ihrem Haarschopf zu erkennen.

„Nichts“, sagte ich vorsichtshalber um den geballten Zorn über ihr verunglücktes Rot nicht auf mich zu ziehen.

Kata zog eine Schnute und warf mir einen bösen Blick zu bevor sie sich wieder ihrem Marmeladenbrot widmete. Papa raschelte mit seiner Zeitung und verlies die Küche um die Einfahrt vor seinem Auto vom Schnee zu befreien.

Kaum hatte er das Zimmer verlassen, beugte ich mich zu meiner großen Schwester hinüber: „Wenn du mir alle Metaphern aufzählst, die du kennst behaupte ich in der Schule du wärst krank und keiner wird über die Ferien mitbekommen was du peinliches mit deinen Haaren angestellt hast.“

Kata sah mich wieder böse an doch bei dem Angebot, dass sie unbemerkt den letzten Schultag vor den Weihnachtsferien schwänzen konnte hoben sich ihre Augenbrauen. Ich deute ihre Miene nun eher als interessiert als aggressiv.

„Deal.“

Ich musste mir ein Grinsen verkneifen. Manchmal war sie so unglaublich berechenbar obwohl sie zwei Jahre älter war als ich.

„Okay, dann schieß los. Ich schreibe in knapp 50 Minuten Deutsch und hab keine Ahnung von Gedichten und so. Außer dass man dafür Metaphern braucht.“ So viel hatte ich zum Glück mitbekommen, obwohl ich mich in Deutsch meisten über Computerspiele mit Marvin austauschte. Welches Level wir gerade waren und so.

Kata zog ihren Kollegeblock und Etui aus der Tasche. „Erst mal heißt das was du meinst nicht Metaphern sondern Rhetorik und zweitens gibt es zwar Metaphern aber sie sind nur ein Teil der Rherotik.“

„Aha“, meinte ich und dachte im Stillen, dass das doch total egal wäre. „Was machen die Metaphern denn?“

„Die machen gar nichts.“ Katas Stimme schlug einen besserwisserischen Ton an der ihr wohl jetzt wieder ein Stück von ihrem angeschlagenen Selbstbewusstsein zurückgab. „Metaphern sind sprachliche Bilder. Dabei personifizieren sie zum Beispiel Dinge. Wie bei… Die Sonne lacht. Oder so.“

„Aha“, sagte ich wieder und fand, dass die Sonne von mir aus so viel lachen durfte, wie sie wollte.

Kata schrieb einen halben Zettel voll, bis sie fertig war und das Blatt aus dem Block riss. „Viel Glück.“

„Danke“, grinste ich und überflog den Inhalt bevor ich den Zettel zusammenfaltete und in meine Hosentasche gleiten lies. „Was hast du denn für eine Krankheit? Nur dass wir uns einig sind, falls einer fragt.“

Kata überlegte einen Moment bevor sie antwortete: „Grippe. Hat doch im Moment eh jeder zweite.“

Ich nickte zustimmend und murmelte, dass ich den Bus nicht verpassen wollte und verabschiedete mich. Nur noch 40 Minuten bis ich mich den Metaphern stellen musste.



Titel: Von Wahrsagern, Weihnachtshysterien und Autos stehlenden kleinen Brüdern
Fandom: Original
Charaktere: Chris und Katharina
Challenge: #3 „Dieses Jahr fällt Weihnachten aus.“
Länge: 842 Wörter
Warnungen: Keine
Anmerkungen: Auch recht plotlos und ebenfalls nicht Beta gelesen.

Wir stehen auf einer mit Schnee bedeckten Landstraße, weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen. Meine Füße sind trotz der warmen Stiefel inzwischen taub vor Kälte. Chris steht schweigend neben dem Wagen und begutachtet mit fachmännischer Miene die Reifen, welche sich hinter den hohen Schneemassen irgendwo verstecken.

„Sieht gar nicht gut aus“, meint er und wendet seinen Blick wieder zu mir. Ich würde ihn gerne fassungslos ansehen und eine sarkastische Bemerkung machen. Aber das wäre gemein, schließlich ist es nicht Chris‘ Schuld, dass wir – auf gut Deutsch – am Arsch der Welt festsitzen. Mitten im Schnee. Und es kommt auch immer mehr von dem weißen Zeug auf uns heruntergeflogen.



Wenn ich mich richtig erinnere begann dieser Schlamassel schon am Anfang der Woche. Mein Vater schickte uns beiden eine höchst kryptische E-Mail, die nur aus einem Satz bestand: Dieses Jahr fällt Weihnachten aus.

Stirnrunzelnd hatte ich den Computerbildschirm vor meinen Augen angestarrt. Mein erster Gedanke war, dass dies sicher nur auf das Weihnachtstrauma meines Vaters zurückzuführen war. Seit er vor vier Jahren von Chris‘ und meiner Mutter die Scheidungspapiere an Heiligabend aus einem mit Engeln beklebten Umschlag gezogen hatte, verhielt er sich in der Weihnachtszeit mehr wie ein aufgescheuchtes Huhn als ein Weihnachtsgeschenke-kaufender-Familienvater.

Fünfzehn Minuten später klingelte schon das Telefon. Externer Anruf las ich auf dem Display bevor ich den grünen Knopf drückte und den Hörer an mein Ohr führte.

„Katharina Wagner?“

„Du hast das auch bekommen, oder?“ Ich erkannte Chris‘ Stimme sofort.

„Hallo, Brüderchen. Hast du schon mal etwas von dieser wunderbaren Erfindung gehört, die sich ‚Begrüßung‘ nennt? Man verwendet sie zum Beispiel-“

„Boah, Kata, jetzt mach hier mal nicht so einen auf kleinkariert!“, kam es aufgeregt vom anderen Ende der Leitung.

„Na schön. Ja, ich habe es auch gelesen.“

„Und?“, fragte mein kleiner Bruder mit viel sagender Stimme wobei ich mich im Stillen fragte auf was er denn nun mit dieser Frage hinauswollte.

„Was und?“, rückfragte ich deshalb.

„Na, was machen wir jetzt?“ Im Hintergrund konnte ich einen dumpfen Aufprall hören, bei dem sich vor meinem inneren Auge das Bild materialisierte wie Chris voller Tatendrang aufgesprungen war und nun durch sein kleines Studentenzimmer tigerte.

„Wir machen gar nichts. Ich werd am Donnerstag eine obligatorische Mail schreiben wann wir am Freitag kommen“, sprach ich die meiner Meinung nach sinnvollste Lösung aus, „wenn man da jetzt großartig drauf eingeht bestätigen wir seine Weihnachtspanik doch nur.“

„Hm“, machte Chris und schien von dieser Vorgehensweise nicht besonders angetan. „Ich hatte mehr an etwas… Offensiveres gedacht.“

Ich unterdrückte einen genervten Seufzer, da mir nun sonnenklar geworden war worauf er hinauswollte. Letztes Jahr hatte mein kleiner Bruder nämlich die grandiose Idee gehabt unseren Vater auf den Weihnachtsmarkt zu entführen um ihm dort von einer zwielichtigen Wahrsagerin die handschuhbedeckten Hände lesen zu lassen. Das Ganze endet in einer nur noch größeren Weihnachtshysterie da Chris vergessen hatte die Wahrsagerin zu bestechen und diese daher die schlimmsten Schicksalsschläge in den Furchen von Papas Handfläche zu erkennen glaubte.

„Keine Wahrsager mehr“, sagte ich streng und hielt die Diskussion damit für beendet, „ich ruf dich die Woche noch mal an, dann besprechen wir wann ich dich am Freitag abhole.“ Ohne auf eine Antwort zu warten fügte ich hinzu: „Mach’s gut, Chrissie.“

„Mach’s besser“, maulte Chris, enttäuscht darüber, dass ich mich für den ‚defensiveren‘ Plan entschieden hatte und legte auf.


Bis Freitagmorgen verlief der weitere Teil der Woche unspektakulär. Ich kramte immer noch am meinem Schreibtisch nach Notizen für meine Diplomarbeit als es klingelte. Ein prüfender Blick auf die matschige Straße zeigte mir, dass der der dunkelblaue Ford von Chris‘ WG-Mitbewohner auf der gegenüberliegenden Straßenseite geparkt war. Ich warf meine zusammengeklaubten Blätter kurzerhand zurück auf den Schreibtisch und entschied mich für ein Diplomfreies Weihnachtsfest. Außerdem hatte ich so auch eine wunderbare Ausrede weshalb ich nicht bis Neujahr bleiben konnte und würde Sylvester mit Freunden feier können.

„Hast du den Wetterbericht gehört?“, begrüßte mich Chris und sah mich von unter seiner Wollmütze aus fragend an.

„Ja. Im Sauerland werden heute zwanzig Zentimeter Neuschnee erwartet.“ Wir überquerten gemeinsam die mit grauem und halb geschmolzenem Schnee besudelte Straße und stiegen ins Auto.

„Nett von Sebastian, dass er dir mal wieder den Wagen leiht.“ Ich bemühte mich meine Stimme beiläufig klingen zu lassen, doch insgeheim kam mir der Verdacht, dass Sebastian gar nicht wusste, dass Chris sich sein Auto „mal auslieh“ wie es am vorherigen Tag mir gegenüber am Telefon ausgedrückt hatte.

„Vielleicht wäre es am Besten wenn wir mit dem Zug fahren“, sagte Chris und ignorierte meine unausgesprochene Frage.

„Nein, auch im tiefsten Sauerland gibt es Räumfahrzeuge.“

Chris sah mich schief von der Seite als ob er fand, dass diese Behauptung so gar nicht zu mir passte. „Wenn du unbedingt willst.“

Wie sich nach knapp drei Stunden Autofahrt herausstellte wäre es vielleicht doch besser gewesen mit dem Zug zu fahren. Auf die deutsche Bahn war immer noch mehr Verlass als auf die Räumfahrzeuge unserer kleinen Heimatstadt.



„Dann müssen wir wohl laufen“, reißt mich Chris Stimme aus meinen Gedanken.

„Ja“, stimme ich zu und beginne durch den kniehohen Schnee zu waten, „sonst fällt Weihnachten wohl wirklich aus.“



Danke fürs Lesen!

Date: 2010-12-08 09:22 pm (UTC)
From: [identity profile] rei17.livejournal.com
Awww, die beiden sind ja echt süß! ♥
Geschwisterkisten sind immer klasse. ^___^

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