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[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Titel: Nur ein Experiment
Fandom: Original (meine Nano-Geschichte)
Challenge: Experiment
Charaktere: Inanna
Anmerkung: Ein erster Versuch mich in die Hauptperson meiner Nano-Geschichte reinzudenken. ^^°°°

Ich war neun Jahre, als ich merkte, dass ich anders bin.
Anders als die anderen.
Die normalen Menschen.
Bisher habe ich das nie so wahrgenommen. Wieso auch? Ich bin unter meinesgleichen aufgewachsen und da war ich nur eine unter vielen. Eine von den Glücklichen, die die kritischen Kinderjahre überlebt haben. Einer unserer Lehrer hatte Lux, Tara, Neru und mich mitgenommen. Raus aus der Sicherheit des hermetisch abgeriegelten Komplexes in dem wir bis dahin gelebt haben. Das war das erste Mal, wo ich wirklich freien Himmel sah. Nicht eingegrenzt von den hohen Mauern der Innenhöfe. Ich konnte kaum glauben, dass es so etwas wirklich gab.
Wie jung ich doch war.
Ich erinnere mich noch ganz genau wie es war, als die anderen und ich 'draußen' waren. Es war früher Nachmittag und es waren recht viele Leute unterwegs. Sie sahen kaum anders aus als wir und doch warfen sie uns so komische Blicke zu. Oder eher: Meinen und Lux' Haaren. Taras Händen und Augen. Neru guckte nach unten und ich habe begonnen zu begreifen, warum.
Unsere anfänglich gute Laune war mit Rekordgeschwindigkeit verschwunden und wir wollten eigentlich nur noch zurück, aber unser Lehrer wollte uns etwas in der Stadt zeigen. Er wollte uns nicht sagen was, und wir haben gelernt, keine Fragen zu stellen. Nichts hinterfragen ist das, was für uns besonders wichtig war – und es immer noch ist.
Und trotzdem kreiste eines die ganze Zeit in meinem Kopf herum: Warum starren die uns so an? Warum laufen die Kinder vor uns weg? Warum macht die schwangere Frau da einen Bogen um uns?
Heute sind diese Fragen beantwortet und es wäre vielleicht an der Zeit, es zu hinterfragen. Aber das tue ich nicht. Ich glaube, ich kann es nicht einmal. Vielleicht ist die Möglichkeit, kritisch zu sein bei uns einfach ausgeschaltet worden. Das macht das Leben einfacher.
Das macht es einfacher, damit zu leben, dass wir nichts weiter als Experimente sind. Die zufällig geglückt sind und nun für das benutzt werden, warum wir gemacht wurden.
Vor zehn Jahren stand ein kleines Mädchen mit großen Augen vor dem hässlichen Denkmal, das für die unzählen Toten der letzten Jahrzehnte steht. Es war so ahnungslos. So unschuldig.
Dieses Mädchen existiert nicht mehr. Jetzt bin nur noch ich da.
Soeben wird die Sperrstunde ausgerufen und bald geht die Sonne unter.

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