[identity profile] tristraine.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Criminal Minds
Challange: Frühjahrsmüdigkeit
Wörter:655
Anmerkungen: [livejournal.com profile] dunderklumpen und ich schreiben dieses Päckchen gemeinsam. Ich hab hiermit sozusagen den Anfang geschrieben und die anderen Geschichten bauen darauf auf, d.h. der erste Abschnitt ist der Ausgangspunkt für alle fünf Geschichten. Unsere erste Hauptfigur ist J.J., die zu wenig Liebe bekommt [und jetzt auch noch vom Sender aus Kostengründen gestrichen werden soll]!
Anmerkung 2: Es ist vielleicht etwas OOC – Verklag mich doch!



Die Fotos der toten Frauen werden von der Pinwand genommen, Großaufnahmen der Fesselspuren verschwinden im beschrifteten Karton. Der Fall ist abgeschlossen, Täter und das letzte Opfer wurden gefunden, keine Überlebenden. Die Notizen und Gedankensprünge, die Reid hastig auf die Flipcharts gebracht hat, versuchend seine Schreibgeschwindigkeit, denen seiner Gedanken anzupassen, werden von J.J. abgewischt. Morgan versucht die Grobfassung seines Berichtes möglichst schnell zu beenden, er will weg von diesem Fall. Prentiss ist schneller. Mit einem piependen Geräusch fährt der Computer herunter. Reid verschanzt sich in der Küche, um Zucker mit Kaffee zu trinken. Er hat die Nacht nicht geschlafen, um sich durch die Tagebücher des Verdächtigen zu kämpfen, furchtbare Gedankengänge, die sich in sein idetisches Gedächtnis eingeprägt haben. Seite 15, dritte Zeile „sie sind alle Sünder. Sie verdienen Strafen. Ihr Lachen ist so frech.“ Dagegen helfen keine Statistiken. Garcia kommt aus ihrem Büro, ihre Augen sind gerötet. Sie hat alles wesentlich versendet und in den richtigen Verzeichnissen gespeichert, um es von ihrem Computer löschen zu können. Sie wünscht sich, dass sie ihre eigenen Erinnerungen ebenfalls mit einem einfachen Befehl vernichten könnte. Hotch und Rossi stehen nebeneinander auf der Empore und betrachten ihre Mitarbeiter, während sie sich leise unterholten. Sie haben das letzte Opfer nicht retten können und der nächste Fall ist nur wenige Stunden entfernt.

Ich lächele Garcia an. Ganz automatisch als tägliche eingeübte Routine, aber auch in der Hoffnung sie etwas auf zu muntern. Dabei könnte ich ihre meistens so lebensfrohe Art selber gut gebrauchen. Will und Henry sind bei meinen Eltern, die immerhin ein oder zwei Mal im Jahr ihr Enkelkind sehen möchte – wenn ihre Tochter schon nie Zeit hat. Es tut gut, dass Garcia mich drückt, bevor sie bestimmt „Mädels Abend“ verkündet. Ich schaue sie ungläubig an, aber ich bin zu müde, um zu diskutieren. Und habe keine besseren Pläne. „Klar.“ antworte ich. Emily tut so, als könnte sie uns nicht zu hören, aber Garcia lässt keine Ausreden gelten und zieht sie fröhlich redend zum Fahrstuhl. Garcia ist wieder Garcia. Ich rufe „Nacht“ in den Raum, Hotch und Rossi heben kurz synchron die Hand, Morgan macht einen flapsigen Spruch, den wir dank der schließenden Fahrstuhltüren nur halb hören. Emily fängt an zu kichern – vielleicht etwas albern, aber ansteckend. Drei Erwachsene Frauen im Fahrstuhl des FBIs, die sich wie Teenanger benehmen. Ich gebe mir Mühe einen würdevollen Eindruck zu machen als wir am Empfang vorbeikommen.

„Natürlich mit der S-Bahn“ Garcia lässt keinen Widerspruch zu. „Don´t drive drunken“. Wenn wir jetzt mit der S-Bahn fahren, muss ich morgen früh mit der S-Bahn zu Arbeit, welch ein Glück. Andererseits wären ein oder zwei Cocktails sicherlich nicht verkehrt. Die Bahn ist weder überfüllt noch leer, so dass wir sowohl einen Sitzplatz als auch bizarre elektronische Musik eines Mitreisenden und den Austausch von Körperflüssigkeiten bei zwei Teenagern beobachten können. Die Frau uns gegenüber bespricht gerade ihre Scheidung am Telefon – ganz großes Kino. Ich wünsche mir, dass ich abschalten könnte. Aufhören, die anderen zu beobachten. Ich frage mich, wie die anderen das machen. Ich bin nur Presse, ich bin kein Profiler und trotzdem drehen sich meine Gedanken immer und immer wieder darum. Garcia erzählt zwei, drei lustige Anekdoten aus der wunderbaren Welt des Internets, wir lachen ein wenig und verfolgen dann schweigend weitere Handygespräche rund herum. Ich habe einen Mann, ein Kind und frage mich trotzdem, wie sich ein richtiges, ein normales Leben anfühlt. Die U-Bahn rattelt gleichmäßig. Mein Rücken tut weh. Ich fühle mich so unendlich erschöpft.

Ich wache erst an der Endhaltestelle wieder auf, flüstere „Garcia“ und schüttel sie leicht. Emilys Kopf auf meiner Schulter. Sie wird durch die Bewegung wach. Zum Glück war es keine Zirkelline, dann wären wir bestimmt noch 1-2 Stunden im Kreis gefahren. Wir müssen noch nicht mal aussteigen, in einer Viertelstunde wird die Bahn wieder zurückfahren. „Das Alter.“ Emily seufzt. „Die Arbeit“ füge ich etwas schwach hinzu. Aber Garcia schüttelt nur den Kopf. „Ach was- Frühjahrsmüdigkeit!“ Keiner uns widerspricht. Mitten im Oktober.

Profile

120_minuten: (Default)
Die Uhr läuft ... jetzt!

Most Popular Tags

January 2026

M T W T F S S
   1 234
567891011
12131415 161718
19202122232425
262728293031 

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios