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[personal profile] luinaldawen posting in [community profile] 120_minuten
Team: Byron
Challenge: Unfähigkeit
Fandom: Digimon
Wörter: ~1200

Das Leben ist voller Dinge, die man nicht kann.
Ich kann nicht mit Menschen umgehen.
Mein Bruder kann nicht gut mit seinen Gefühlen für Hikari umgehen.
Mein Vater kann nicht gut mit Freizeit umgehen.
Taichi kann nicht gut mit... ähm... ja...
Wenn ich ihn mir gerade so ansehe, scheint er alles zu können. Und am besten von allen reden. Ganz egal wie lange er jemanden schon kennt oder wo er ist. Er redet sofort wie ein Wasserfall. Noch etwas, was ich nicht kann.
Sein Opfer... ähm, das Mädchen das er gerade zulabert kichert.
Und damit hätte ich etwas, was Mädchen nicht können. Nämlich richtig lachen. Ich meine... jedes Mädchen das ich kenne, kichert nur. Und merkt gar nicht, wie blöde das wirkt. Zum Glück legt sich das mit dem Alter, wie zwei junge Frauen am Nachbartisch mit schallendem Gelächter unter Beweis stellen.
„Ishida ist nicht sehr gesprächig, oder?“ Wie hieß sie noch? Keine Ahnung. Das Mädchen, das an Tai klebt wie ein Kaugummi sieht mich nicht direkt unfreundlich aber für meinen Geschmack zu aufdringlich an.
„Reden ist nicht so seins“, bestätigt Taichi lachend und... natürlich. Sie kichert. Kriegt der eigentlich mit, mit was für schmachtenden Augen sie ihn ansieht? Was treibt die eigentlich noch hier? Sie hatte doch eigentlich nur nach dem Weg... sonstwohin fragen wollen. Ich hab mir das nun wirklich nicht gemerkt.
Wann genau hat sie sich unaufgefordert zu uns gesetzt, weil sie ja noch ach-so-viel Zeit hat? Und Taichi kann einfach nie nein sagen.
Ha! Da haben wir seine Schwäche.
Er kann nicht einfach mal klipp und klar sagen, wenn jemand stört. Vor allem nicht bei kleinen Kindern, Mädchen und... gut, mir kann er ohnehin nichts abschlagen. Außer wenn es seiner sozialen Ader widerspricht. Und manchmal hasse ich das wirklich.
Eher um mich zu beschäftigen als das ich wirklich noch Hunger hätte, kratze ich den letzten Rest halb geschmolzenen Eises aus meinem Becher. Tais war natürlich in einer Rekordgeschwindigkeit von drei Minuten spurlos verschwunden. Bei einem sehnsüchtigen Blick auf mein Eis hab ich ihm meinen Löffel über die Finger gezogen und er hat mich zwar als brutal und herzlos bezeichnet aber immerhin meinen Eisbecher in Ruhe gelassen. Was ich als Erfolg verbuche, immer klappt das nämlich nicht. Dieser Vielfraß.
„Ich bin neu in der Stadt, weißt du, wo man gut feiern kann?“, zwitschert das Mädchen in genau dem Moment wo ich beschließe, wieder zuzuhören. Baggert die Taichi gerade an? Ich mustere sie genauer. Ich bin zwar kein Experte was Frauen angeht, aber das ist so ziemlich der Blick mit dem Hikari immer Takeru ansieht.
Großartig.
Das hatte unser Nachmittag werden sollen und jetzt funkt so eine Schnepfe dazwischen. Und der Depp merkt es nicht einmal.
„Ähm... ja, es gibt einige gute Clubs und Bars hier.“
Er ist einfach zu nett. Ich lehne mich zurück und ergebe mich in mein Schicksal.
„Du könntest sie mir ja mal zeigen.“
Hallo? Geht’s noch? Bin ich jetzt Luft, oder was?
Ein großer Haken an Taichis Nettigkeit ist eindeutig, dass die Mädchen das mit Interesse verwechseln. Sie wissen nicht, dass er mit jedem so umgeht. Selbst zu der nervigsten Mistbratze ist er so nett. Ich meine... die Töle seiner Nachbarn – der ich mich nicht mal dann nähern würde, wenn mein Leben davon abhinge – bekommt dasselbe Maß an Aufmerksamkeit wie ein wirklich nettes Mädchen aus seinem Urheberrechtskurs. Und die ist über alle Maßen in ihn verknallt. Aber wenigstens hat sie Augen im Kopf und weiß, dass er vergeben ist.
„Das sieht doch wohl jeder... Aber ich wollte, dass Taichi es wenigstens weiß, sonst merkt er es ja nie“, waren ihre Worte, als sie sich eine Abfuhr abgeholt hat. Ich mag sie. Wirklich. Sie ist intelligent, witzig und kann die Klappe halten wenn es darauf ankommt. Außerdem rettet sie Tai in diesem Semester wohl die Note. Warum der Depp unbedingt Jura studieren musste, ist mir wirklich ein Rätsel. Alles was ich von ihm zu hören bekomme ist Gejammer, wie viel er doch lernen muss.
Selbst Schuld, kann ich da nur sagen.
„Du studierst Jura? Wow... ich-“ Hoffentlich die nicht auch... „mache eine Ausbildung zur Krankenschwester. Nächste Woche geht’s los.“
Ich atme auf. Aber was hat er eigentlich auf ihre indirekte Aufforderung, mit ihr auszugehen gesagt? Ich hätte besser zuhören sollen.
Langsam aber wirklich angenervt sehe ich ihn an. Wir hatten heute eigentlich noch etwas vor, wehe der hats vergessen, dann drehe ich ihm eigenhändig den Hals um. Er zuckt nur etwas hilflos die Schultern. Ach, jetzt muss ich wieder den Spielverderber spielen? Das könnte ihm so passen. Das macht er diesmal schön alleine. Also verschränke ich nur die Arme und sehe weg. Ich kann damit leben, wenn wir den Film verpassen, den er unbedingt sehen wollte. Gut, ich will ihn auch sehen und er muss zahlen, aber zur Not gehe ich mit Takeru. Er hat einen ganzen Batzen Prüfungen und konnte es nur heute mit seinem Gewissen vereinbaren, sich einen freien Tag zu machen. Und im Gegensatz zu ihm habe ich meinen Zeitplan im Griff, die letzte Klausur ist geschrieben, und von drei Hausarbeiten liegen zwei bereits bei den Dozenten, während die dritte bei Jou liegt um korrekturgelesen zu werden. Ich kann mit Fug und Recht sagen, dass ich Ferien habe. Taichi nicht. Sein Pech.
Unter dem Tisch tritt er mir auf den Fuß, was mich aber ziemlich kalt lässt. Es bringt ihm nur ein, dass ich aufstehe und mit der Ankündigung auf Toilette zu müssen, in die Eisdiele gehe. Das stimmt eigentlich nicht, aber so muss ich diese blondierte Nervensäge für eine Weile nicht mehr ertragen.
Als ich ein paar Minuten später zurückkomme sieht Tai mich so vorwurfsvoll an, dass ich beinahe ein schlechtes Gewissen bekomme. Beinahe.
Und endlich, endlich ergreift er die Initiative. „Du... Ayumi... wir müssen langsam los... ich... ähm... wir wollten noch ins Kino.“
Meine Güte, so wie er sich einen zurechtstammelt denkt sie am Ende noch, er ist voll in sie verschossen! Ich krieg gleich die Krise!
„Oh...“ Sie macht ein enttäuschtes Gesicht. Wehe, sie kommt auf die Idee, sich selbst einzuladen, dass vergesse ich meine vornehme Zurückhaltung! Aber sie holt nur einen kleinen Terminplaner aus ihrer Handtasche, reißt eine Seite heraus und schreibt mit einem Kugelschreiber, den sie irgendwo hergezaubert hat, eine Telefonnummer auf.
„Ruf mich an, okay?“, lächelt sie, als sie ihm den Zettel in die Hand drückt. Taichi nickt. „Ähm... ja... klar.“
Zum Glück weiß sie nicht, dass er entweder bis zur Unkenntlichkeit in Taichis Jackentasche zerknüllen oder gleich im nächsten Mülleimer verschwinden wird. Und ich werds ihr nicht unter die Nase reiben.
Während ich also die Kellnerin herbeiwinkte, damit wir bezahlen können, drückt Ayumi Taichi einen Kuss auf die Wange und verschwindet endlich.
„Das wurde auch mal Zeit!“, murre ich und überlasse Taichi das zahlen. Das ist er mir defintiv schuldig.
„Entschuldige... ich kann einfach nicht...“
„Ja, ich weiß. Gehen wir endlich?“ Ja, ich klinge ungeduldig. Kann daran liegen, dass ich es bin. Ich will Taichi endlich ganz für mich haben, ist das denn zu viel verlangt?
„Klar. Ist ja unser Jahrestag.“

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