[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Digimon o2
Pairing: Taito (wenn man nicht blinzelt, sieht man es vielleicht)
Challenge: Improvisationstalent aus dem 6. Sommerpäckchen
Wörter: 624
Warnung: dark, death

Das blendende Weiß des Ganges bohrte sich schmerzend in seine Augen.
Vor ihm stand Jou und dessen Arztkittel war genauso weiß. Es wirkte, als sei er aus der Wand gestiegen, aus demselben klinisch reinen Material. Rings um sie herum war es laut und hektisch, Wägelchen, Krankenliegen, überarbeitete Schwestern, Blumensträuße.

Taichi hatte vor fünf Minuten einen grellgrünen Luftballon mit der Aufschrift „Get well soon“ an der Stange von Yamatos Fußende festgebunden. Er machte sich nichts aus Blumen und er wusste, Yama genauso wenig.

Yama machte sich derzeit aus kaum einer Sache etwas.

„Du wirst doch jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken“, hörte Taichi sich sagen und seine Stimme übertönte kaum die Geräusche der Umgebung.
„Wenn es um Geld geht, sag es einfach. Yama ist zwar schon bei dieser Super-Versicherung, aber wenn es einfach nur darum geht, dass Medikamente zu teuer sind-„
„Taichi!“

Er schaute Jou an wie durch einen Schleier. Jou hieß hier „Assistenzarzt Kido“- es stand in wichtigen schwarzen Kanji am Revers seines Kittels. Er trug ein Stethoskop um den Hals, hatte fettige, zerzauste Haare und dunkle Ringe unter den Augen.
„Es geht nicht um Geld oder Medikamente. Es gibt keine Medikamente.“

Taichi schaute zur Seite und rollte die Augen gen Decke.
„Dann lass dir irgendetwas einfallen. Du bist Arzt. Wir haben Yama extra zu dir in dieses verfluchte Krankenhaus gebracht und du tust einfach nichts!“
„Weil es nichts gibt, was ich tun könnte, Tai.“
„Dann improvisiere eben, du bist doch sonst auch immer so schlau!“
„Mit Improvisation hat das nichts zu tun. Nur weil dich für das Improvisationsgenie schlechthin hältst...“
Jou holte tief Luft und schob sich frustriert die Brille höher auf die Nase.
Einen Augenblick lang verharrte sein Blick verzweifelt auf Taichi.

„Denkst du wirklich, ich hätte nicht schon alles versucht? Nicht schon alle Bücher gewälzt? Nicht schon jeden Oberarzt und Professoren gefragt? Es gibt Krankheiten, gegen die wir nun mal machtlos sind. Sie sind zu selten, zu unbekannt, zu groß für uns.“
„Aber du bist Arzt!“, wiederholte Taichi und für einen Moment drehten sich sämtliche Menschen zu ihm herum, verharrten, schauten irritiert.

Jou steckte die Hände in die Taschen seines Kittels.
„Ich bin Arzt“, entgegnete er.
„Nicht Gott. Ich wünschte, das würdet ihr alle endlich mal begreifen.“

Taichi wollte ihn einfach nur wütend anstarren. Aber die Hitze in seinen Augen und das Kribbeln in seiner Nase hielten ihn davon ab. Er senkte nur den Kopf und guckte auf den laminierten Boden, befeuchtete die Lippen mit der Zunge und presste sie aufeinander. Es gab nichts mehr zu sagen.

„Hör mal“, murmelte Jou und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
Er wartete darauf, dass sein Freund Dinge sagen würde wie „Es tut mir Leid“ oder einen Monolog über Leben und Tod halten würde.
Und vielleicht hatte Jou das auch vor. Doch dann wurde sein Name über den Lautsprecher ausgerufen.

„Ich konnte weder seinen Vater noch seine Mutter erreichen. Im Sender haben sie mir gesagt, er dreht bis Ende der Woche im Ausland und sie steckt laut ihrem Verlag wohl irgendwo in Hokkaidô bis übermorgen. Takeru braucht dich bis dahin.“
Taichi schüttelte unwillig den Kopf.
Er war es, der jemanden brauchte.

„Reiß dich zusammen, Tai. Er verliert seinen Bruder. Wir können ihn nicht allein sitzenlassen mit all dem Papierkram und der Organisation.“

Erst als Jou seine Hand wegnahm und davoneilte, bemerkte Taichi, dass sie gezittert hatte.

Er stand starr und stumm mitten im Gang und fühlte sich schwer wie ein Stein.
Es gab nichts als das Warten auf das Ende. Auf den Sonnenuntergang und auf die Gespenster.
Er dachte an den bunten Luftballon in Yamas Krankenzimmer; daran wie dieser langsam an Helium verlieren und zerknittern würde. Wie man ihn wegwerfen und schließlich irgendwann verbrennen würde.

So wie Yama.

Date: 2010-09-20 08:40 am (UTC)
luinaldawen: (Taito)
From: [personal profile] luinaldawen
;________________________;
Was tust du den beiden da AN? >_<
Das kannst du doch nicht machen! TT-TT
...
Ähm... ja... Ich glaub, du hast gemerkt, dass ich hin und weg bin. Gleich vom ersten Satz an hat man die Dramatik der Situation gemerkt und so wenig es mir auch passt, was du da den beiden antust (lass sie leiden aber nicht sterben! >_<) es hat mir sehr, sehr gut gefallen. Die verzweifelte Stimmung in der Taichi sich befindet, diese furchtbare Hoffnungslosigkeit... man bemerkte sie in jedem einzelnen Wort. Toll!
Und jetzt schreib bitte eine Taito mit Happy End! ;_; *Yama und Taichi knuddel*
Mehr Taito braucht die Welt! *hust*

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