[identity profile] tanrien.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Monroe
Titel: Ikk
Fandom: Original
Challenge: Szenario: verlaufen/verirrt/verfahren/verloren, Päckchen #6
Beinhaltet... m/m, expliziter Sex, impliziert m/f
Anmerkung: Kurze Schreib/Stilübung. Ja, das waren zwei Stunden. Bin selber erstaunt von mir. Ein Ausschnitt aus einem größeren Projekt, der jetzt geschrieben werden wollte.


Ikk

Pradh hatte seine Augen geschlossen und seinen Kopf zurückgeworfen, genau wie ich noch vor einer Sekunde. Seine Hand lag noch auf meinem Schwanz, zumindest, bis er mit beiden Händen meine Hüfte griff und mich bei seinem nächsten Stoß auf ihn herunterzog. Ich ließ ihn.

Jeder einzelne Zusammenprall war gut, alles in mir pulsierte noch, warm und gelassen, mit einem leichten Prickeln in meinem Rücken. Ich legte meine Hände über seine, verknotete unsere Finger und drückte zu, ja, er durfte fester zugreifen, ja, er durfte seine Fingernägel über meine Haut jagen. Er bäumte sich auf, als er kam, und warf mich damit fast von ihm herunter.

Mit einem Schnauben ließ ich ihn aus mir gleiten, dann fiel ich zur Seite, neben ihn auf sein Bett. Als Pradh befördert wurde, den letzten Schritt auf der Karriereleiter den er machen würde, war zwar sein Raum im Wachturm größer geworden, aber sein Bett war das gleiche geblieben. Vermutlich hatten sie es seit unserem ersten Treffen, unserer ersten Nacht darauf, bei jeder seiner Beförderungen einfach nur wieder in ein anderes Zimmer gestellt.

Die Federn fühlten sich zumindest so an. Ich verzog mein Gesicht. „Unbequem. Solltest du kein neues bekommen?“

Pradh atmete immer noch schwer und öffnete nur ein Auge halb, um zu mir hinüber zu sehen. „Das ist ein neues. Wirklich. Du bist nur zu verwöhnt.“

„Ich bin so oft bei dir, viel öfter als da in meinem eigenen Raum“, sagte ich mit einem Lächeln. Pradh grunzte und machte sich lang, seine Hände genüsslich hinter seinem Kopf verschränkt. Wirklich, das Bett war das gleiche. Selbst Pradhs Füße streckten noch genauso weit über den Rand hinaus wie beim allerersten Bett.

„Mach es dir nicht gemütlich“, ermahnte ich ihn und kam mir vor wie eine meckernde Ehefrau, natürlich bis auf die Tatsache, dass nicht nur Pradhs Samen zwischen meinen Beinen klebte. „Selbst der kurze Wachgang erledigt sich nicht von selbst und wenn du zu spät kommt wird Krevk zu mir kommen und, du kennst ihn, der hört nie wieder auf, wenn er einmal angefangen hat. Ich werde so grau sein wie du, bis er fertig ist. Glaubt man dem Mann müsstest du einer der unfähigsten Wächter im ganzen Hof sein. Warum er dich konstant befördert, ist vermutlich auch ihm ein Rätsel.“

Pradh lachte. Ich mochte das Geräusch. Mit anderen redete ich anders. Mit Pradh sprach ich, um ihn zum lachen zu bringen, denn sein Lachen war tiefer geworden im Laufe der Zeit, tiefer, aber auch wärmer und es brachte mich auch zum Lächeln. Ich mochte die Bewegungen, die Pradhs Körper beim Lachen machte, das leichte, immer gleich bleibende Wippen des Bettes. Ich mochte es, dass er seinen Mittelfinger in einer kruden Geste hob. „Ich habe keine grauen Haare.“

„Ganz sicher nicht.“ Ich griff nach seiner Stirn, an der seine Haare klebten. „Und was ist das?“

Natürlich öffnete er die Augen und natürlich hatte ich mit meiner linken Hand zugegriffen. Pradh erstarrte, als er meinen Unterarm genau über sich sehen konnte, dann stieß er mich weg. Er war zwar älter, aber er war gut; ich fiel nicht vom Bett, nur fast.

„Ich hab dir gesagt, du sollst das ausziehen, wenn du herkommst“, zischte Pradh und setzte sich auf. Seine Augen funkelten. „Ich will das nicht in meinem Bett.“

Ich hielt meine rechte Hand über den Armschoner an meinem linken Oberarm, eine instinktive Reaktion, denn Pradh war zwar wütend, aber er würde mir den Armschoner nicht abreißen. Ich hatte Kinder danach greifen sehen, angezogen von dem goldenen Glanz und den Legenden, die sich darum ragten. Ich hatte Frauen gesehen, die mich mit mitleidigem Blick musterten und ihre Finger langsam über die uralten Verzierungen fahren ließen, die für uns nicht mehr lesbar waren. Ich hatte Männer erlebt, die versuchten, mich daran zu packen und erst in dieser Sekunde des Kampfes bemerkten, dass ich den Armschoner nicht umsonst tragen durfte. Pradh dagegen, Pradh wollte den Armschoner nicht. Pradh wollte mich.

Und das war etwas, was ich ihm nicht geben konnte. „Nein.“

Pradh nickte, sein Gesicht versteinert. „Gut.“ Er drehte sich um, dann stand er auf und griff nach seiner Hose, die er selbst im Eifer des Gefechts noch hatte über den Stuhl neben seinem Bett schmeißen können.

Er zog sich sonst nichts über, bis er seine Kleidung nicht zusammen hatte. Ich hatte ihn oft genug nackt gesehen, er selbst sich auch, sonst war niemand im Raum und das Fenster lag zu hoch, als dass jemand von draußen oder den anderen Türmen hereingucken konnte. Pradh brauchte sich auch nicht zu schämen.

Sein Körper war Zeichen seines Lebens, jede Narbe war einen Tag mehr, den er überlebt hatte und darauf konnte er stolz sein. Sein Knie gab in letzter Zeit öfters nach, vor drei Jahren hatte es ein Schlachttiger mit einem Hieb seiner mächtigen Pfoten zertrümmert. Seine linke Schulter war fast deformiert, dass es ein Wunder war, wie er überhaupt noch in seine Rüstung kam. Ich selbst hatte die ersten drei Hakenpfeile aus ihm herausgezogen bevor der Arzt bei uns gewesen war.

Bald würde Pradh auch die halben Wachaufgaben nicht mehr erledigen können. Wenn das Wetter schlecht war konnte er nur noch die Hälfte des Wachgangs beenden, und selbst bei gutem Wetter wurde er immer langsamer. Schon jetzt hatte ihm Krevk andere Aufgaben gegeben, den kleinen Jungen beizubringen, wie man einen Tiger ritt, oder seine Rationen einteilte.

Pradh blickte ein letztes Mal zu mir herüber, die Hand schon an der Türklinke. Seine Haare waren wirklich mehr grau als dunkelbraun, selbst in seinen Augenbrauen hatte das Alter Einzug gehalten, von den vielen Falten in seinem Gesicht gar nicht zu reden. Ich wartete, ob Pradh noch etwas sagen würde, aber er schüttelte nur den Kopf und trat aus der Tür.

Ich blickte auf meinen Armschoner herunter. Egal, wie viel Dreck, wie viel Schlamm oder wie viel Schweiß darauf war, er glänzte immer, denn diese Welt konnte ihm nichts, und auch jetzt konnte ich mein Gesicht darin erkennen, so anders als Pradhs. Meine Stirn war faltenfrei, meine Haare glänzend und voll, meine Haut so dunkel wie Kastanien. Genau wie an dem Tag, als Pradh und ich uns vor dreißig Jahren kennengelernt hatten, neben der Straße ins Eibental, zwei junge Männer in einem Treck voll erwachsener, erfahrener Krieger, und natürlich war ich seitdem keinen Tag gealtert.

Meine Kleidung, anders als Pradhs, war abenteuerlicher im Raum verstreut. Mein Hemd lag auf dem Fenstersims und ich blickte hinaus, während ich es zuknöpfte. Über den Bergen kreisten dunkle Wolken aus Vögeln wie ein Gewitter und selbst die Sonne schien sich heute hinter dicken Wolkenschleiern zu verstecken.

Es war erst früh am morgen und ich hatte nichts gefrühstückt, bevor ich Pradh überfallen hatte, nachdem er mit seiner Nachtschicht fertig gewesen war. Aber mir war auch nicht nach der vollgedrängten Fresskammer im unteren Teil des Hofs, wo selbst die adeligen Frauen ihre Mahlzeiten im Stehen herunterschlingen mussten, weil der ganze Hof nach zwei Bergkriegen mal wieder mit Flüchtlingen zu Bersten drohte.

Stattdessen ging ich in die andere Richtung: Weiter hinauf in die Türme, Wendeltreppe für Wendeltreppe hoch. Irgendwann würde der Hof nicht mehr da sein und ich freute mich auf den Moment, an dem wir woanders sein würden, an einem Ort, der keine zweiunddreißig Treppen von mir verlangte, bis ich an der Spitze war. Ich war bei der letzten Stufe am Schnaufen, wie immer.

Unter mir, hunderte Meter tief, an Treppen und Treppen und noch mehr Treppen vorbei, konnte ich, als ganz kleinen Fleck den Glasboden sehen. Das Mosaik war von hier oben nicht zu sehen, aber das Licht, das ganz oben zur Kuppel hinein schien und sich an den mannigfaltig geschmückten Fenstern im Turm selber brach, erstrahlte das Mosaik von oben und, wenn man darunter stand, schien dadurch der ganze Turm lichthell und lebendig.

Für mich, hier oben, war er einfach nur eine Tortur. Ich hatte nicht trainiert, um Treppen zu steigen, und so schämte ich mich nicht, als ich unter die Kuppel trat. Der Boden strahlte unter meinen Füßen und ich setzte mich an die Seite, von wo aus man an klaren Tagen bis ans Meer blicken konnte.

Das Licht wärmte mich, dann fiel ein Schatten über mein Gesicht. Ich lächelte mit geschlossenen Augen.

„Die Vögel kreisen heute unruhig“, sagte die einzige weibliche Stimme, die ich jemals als angenehm empfunden hatte. Anderen wäre sie vielleicht zu rau gewesen, zu tief, nicht melodisch genug. „Habt ihr euch gestritten?“

„Die Vögel interessieren sich nicht für mich“, sagte ich und öffnete meine Augen. Ikk stand über mich gelehnt da und hätte ich sie nicht so oft schon nackt gesehen, hätte ich mich vielleicht an ihren so sichtbaren Brüsten erfreuen können, die selbst von ihrem losen, hellen Kleid nicht ganz verdeckt sein würden. Manchmal fragte ich mich, ob niemand sonst daran Anstoß nahm. „Du solltest mehr anziehen.“

Ikk lachte, ein tiefes, volles Lachen, dann setzte sie sich neben mich. Ihre Haut berührte meine Schulter und mein Armschoner fing an zu brennen, eine angenehme Wärme, ähnlich der der Sonne. „Hier bist nur du“, sagte sie.

Und, ja, hier war nur ich. Ich sah Richtung Osten, selbst, wenn das Meer dort heute nicht sichtbar war. „Er stört sich an dem“, sagte ich und hob den Armschoner. Er saß nicht ganz fest, aber er sollte auch keine Verteidigung sein, und so rutschte er jetzt auch ein Stück herunter und legte Teile der tätowierten Haut darunter frei. „Wie immer.“ Ich selbst war überrascht, wie bitter ich klingen konnte.

Ikk streckte ihre Hand aus und strich über den Armschoner. Nicht wie die Kinder, die ihn bewunderten. Nicht wie die Frauen, die ihn begehrten. Nicht wie die Männer, die mich beneideten. Ikks Finger auf dem Armschoner machten besitzergreifende, große Bewegungen, immerhin war dieser Armschoner das Symbol dafür, dass sie mich ausgewählt hatte.

„Ich werde ihn nicht ablegen“, versicherte ich ihr. Sie zog ihre Hand zurück. Ihre Finger waren noch menschlich, dann, langsam, verwandelten sie sich. Ich blickte weg. Es war Ikk nicht unangenehm und sie schämte sich nicht, denn nichts und niemand auf der Welt hielt die Macht, die Zukunft zu verändern, in den Händen wie sie, doch trotzdem war die Wandlung für mich jedesmal eine Erinnerung daran, wie wir uns verändert hatten.

Dass wir nicht mehr zusammen auf dem kleine Gehöft meines Großonkels aufwuchsen, ich mit Träumen von meiner Zukunft als magischer, mächtiger, unbesiegbarerer Kriegsherr im Auftrag des Kaisers, sie mit ihrem stillen Lächeln, weil sie schon da vermutet hatte, dass alles anders kommen würde. Dass wir uns nicht mehr über Häuserdächer jagten. Dass sie immer mehr vom Menschen zum anderen Wesen wurde.

Als ich wieder zu ihr herüber sah, zwitscherte sie mich an und ich strich ihr über den Schnabel, dann über das weiche Fell an ihrem Kopf. Ihre Ohren hatte sie nach hinten gelegt, aber direkt darunter konnte ich sie leicht kratzen. Sie mochte das, und ließ ein paar grelle Laune erklingen, zu hell und klar für ein bloßes Tier. Ich lachte und ließ meine Hand auf ihrem Kopf ruhen.

„Gib ihn nicht auf“, sagte Ikk plötzlich. Ihre Stimme war ein Zwitschern und Fiepen, und außer mir würde sie niemand verstehen können. „Du weißt nicht, wie lange du ihn noch haben wirst. Er ist alt, nein, lass mich ausreden. Er ist alt geworden und er wird älter werden. Du nicht. Du weißt nicht, wie lange er das noch aushält, wie lange es dauert, bis er sich nach etwas anderem sehnt. Vielleicht will er doch Kinder, vielleicht will er doch heiraten. Vielleicht will er jemanden, mit dem er sein restliches Leben verbringen kann.“

„Das kann er mit mir auch“, sagte ich. Meine Augen brannten, aber Ikk verlangte nicht, dass ich zu ihr herüber sah.

„Die Vögel kreisen über den Bergen. Die Welt ist unruhig.“

Ich atmete tief ein. „Wir müssen bald weiterziehen?“

„Dreißig Jahre sind keine lange Zeit.“ Ikks Stimme klang wehmütig. „Aber wir haben noch Jahrtausende vor uns und wir haben noch tausende von Orten, an denen wir sein müssen. Wir sind gerade erst am Anfang.“

„Ich weiß.“ Meine Stimme klang belegt. „Aber ich will doch nur--“ Ich brach ab. Ich konnte diesen Satz nicht beenden.

Ikk wusste das. „Du hast dich entschieden.“

Ich nickte schwerfällig. Ich, ja, ich liebte Pradh, wie konnte ich nicht? Er war humorvoll, er war großartig, er hatte mir die Sprache richtig beigebracht, hatte mir gezeigt wie man Umber, das stark würzige Nationalgetränk, mit einem Schluck herunterbekam, wie man mit drei kleinen Steinen wilde Gänse zum Eierlegen brachte, wie man einen Tiger mit den Fersen lenken konnte.

Ich liebte Pradh, aber als Ikk mich gebeten hatte, am Tag ihrer Wandlung am Hof des Kaisers vor sie zu treten und ihr mein Leben zu geben, da hatte sich mein Herz schon für alle Zeit entschieden gehabt, und die Begegnung Pradh lag noch zwei Jahre in der Zukunft.

„Husch, geh zu ihm, genieß es noch“, sagte Ikk. „Mit mir kannst du noch den ganzen Rest deines Lebens verbringen.“ Ich lachte, dann stand ich auf. Ihr langer, mit kleinen Federn besetzter Schwanz schlang sich um meine Mitte und gab mir einen Stoß zur Treppe hin.

Als ich dort war und begann, herunter zu steigen, sah ich zu Ikk zurück. Alles an ihr sah so zufällig aus, aber irgendein Plan würde dahinter stecken. Ich strich mit der rechten Hand über meinen Armschoner. Auch, wenn ich mir selbst nicht immer, Prophezeiungen schon gar nicht und sagenumwobenen Wachträumen noch weniger vertraute, Ikk würde schon wissen, wohin sie uns und die Welt führte.

Der Weg die Wendeltreppen herunter war vielleicht sogar noch mehr eine Tortur als der Weg hinauf, da ich das Ende immer sehen konnte und trotzdem kam und kam es nicht näher. In der mir bekannten Welt gab es keine höheren Türme als diesen, aber wenn Ikk mich quälen wollte, würde sie einen finden für unsere nächste Heimat.

Unten auf dem Glasmosaik leuchtete alles, jetzt, da die Sonne ganz aufgegangen war und fast bereute ich es, nicht unter der Kuppel geblieben zu sein und mit Ikk das Meer zu betrachten. Dann aber hatte ich dafür noch eine Ewigkeit Zeit.

Als ich an Pradhs Tür klopfte, antwortete niemand. Ich setzte an, nochmal zu klopfen, dann hörte ich Schritte und wandte mich um. Pradh öffnete gerade seinen Helm, als er mich bemerkte. Sein Gesichtsausdruck würde auf jeden, der ihn nicht kannte, gelangweilt wirken, aber man verbrachte nicht dreißig Jahre zusammen, ohne einander ein wenig kennen zu lernen. Weder Ikk und ich, noch Pradh und ich. So konnte ich seinen schmerzverzerrten Mund sehen, seine müden Augen, seine hängenden Schultern.

Er humpelte, als er näher kam, und hielt sich seine Seite. Er wirkte alt, blass und grau, und ich wusste, dass meine Haut, meine Haare, meine Augen noch strahlten von der warmen Sonne, die mich den Weg die Wendeltreppen herunter begleitet hatte.

Ich öffnete die Tür zu Pradhs Zimmer und er schlurfte herein, alt, wie er war, sein Blick wehmütig, aber immer auf mich gerichtet.

Über den Armschoner sagte er nichts mehr.

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