[identity profile] tsutsumi.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Fandom: Original ("I once ruled the world")
Wörter: 756
Challenge: Szenario: verlaufen/verirrt/verfahren/verloren
Warnung: sentimentaler Scheiß, dark(?)
Kommentar: Es war nichts dabei gedacht und das merkt man. Ich könnte die beiden nur seitenlang einfach miteinander reden lassen. Außerdem musste ich sowas wie Frust ablassen.
Mann kann dazu folgendes Lied hören: http://youtu.be/qHJa3mKeoKg. Muss man aber auch nicht.

„Ich habe mir das immer schöner vorgestellt“, sagt sie leise und schaut auf ihre nackten, schmutzigen Zehen.
Im Dämmerlicht des Abends wird das Haus in Sepia gehüllt, dunkles Orange und viele verschiedene Arten von Grau.
Von oben sinkt das blaue Schwarz vom Himmel herab.

„Was?“
Er betrachtet sie aus dem Augenwinkel. In seiner Hand liegt die Zigarettenschachtel, die sie vorhin beim Betreten des Hauses gefunden haben. Sie war schon eingestaubt und wer auch immer ihr Besitzer ist, vermisst sie wahrscheinlich nicht.

„Naja, so verloren zu sein. Verirrt und geächtet.“
Sie schaute aus der offenen Verandatür in den wild wuchernden Garten. In den Bäumen beruhigen sich langsam die Zikaden, aber die Luft ist feucht und so schwer, wie eine Decke, die man nicht braucht.
„Ich habe mir das anders vorgestellt.“
„Wie?“, fragt er mit einem amüsiert-sarkastischen Grinsen im Gesicht.
„Weniger schmutzig? Mit schöneren Sonnenuntergängen und weniger Terroristen?“

Sie guckt wieder auf ihre Füße und umschlingt ihre Knie etwas fester mit den Armen, so als ob sie dann weniger schwitzen würde; als ob sie weniger Angriffsfläche für die Hitze bieten würde.

„Wahrscheinlich, ja. Mehr wie eine Selbstfindungsreise und weniger wie eine Flucht.“

„Ist das denn keine Selbstfindungsreise für dich?“
Er schaut sie an, während er langsam eine Zigarette aus der Schachtel zieht. Sein Gesicht sieht hart aus im Zwielicht, dunkel und dreckig. Aus dem hübschen Mann ist ein ausgemergelter Junge mit Bartstoppeln geworden.
„Ist doch eigentlich ideal. In einem fremden Land mit einem fremden Typen. So ganz verloren und nur bei dir?“
„Vielleicht war ich schon vorher verloren. Also, innerlich, meine ich.“
„Musst du eigentlich auch.“
Er legt ganz sachte die Zigarette in seinen Mundwinkel. Ein Feuerzeug ist im Rucksack neben ihr, aber er macht keine Anstalten, danach zu suchen oder sie danach zu fragen. Allein das Gefühl zwischen den Lippen scheint ihn unendlich zu beruhigen. Er lehnt sich an die Wand, legt langsam den Kopf in den Nacken und stößt tonlos seufzend den Atem in die Luft.

„Erst kommt das Verlieren. Dann wirst du gejagt. Dann wirst du zerstört. Es ist alles eine Frage der Zeit.“
Sie senkt besorgt die Augenbrauen. So einen schwarzen Tag hatte er schon lange nicht mehr.
„Wenn wir hier rauskommen, wird es aufhören.“
„Falls.“
„Masa!“
„Es tut mir nur um dich Leid. Du hast die falsche Wahl getroffen.“
„Wie meinst du das?“
Er schließt die Augen. Der Wind raschelt in den Blättern der Bäume neben dem Haus.
„Du wolltest dich vermutlich selbst zerstören. Du hattest die Wahl- entweder hierbleiben oder heimkehren. Ich hatte keine Wahl.“
„Das stimmt doch gar nicht“, murmelt sie fast verärgert. Aber wahrscheinlich nur, weil er irgendwo Recht hat.

„Ich finde es immer besser, wenn man eine Wahl hat. All die Leute, die Selbstmord begehen wollen und darüber elendig lange heulen.“
Er öffnet die Augen wieder und schaut sie an, sein Mund ganz dünn und nuschelnd. Bei jedem Wort wippt die Kippe mit.
„Sie tun alle so als hätten sie keine Wahl. Dabei müssten sie eigentlich nur die Tabletten weglegen, das Seil wegschmeißen oder das Messer zurück in den Küchenschrank legen.“

Sie schüttelt den Kopf. Erst zaghaft, dann immer heftiger. Weil sie ahnt, was kommen kann. Weil sie es sehen kann, zwischen seinen Augen, am Zucken seines Mundes, zwischen dem Licht aus Tag und Nacht, zwischen Leid und Last, Bitterkeit und verwundetem Stolz. Sie ist schneller auf den Knien als sie denkt und wackelt zu ihm hinüber, legt die Hände auf seine Schultern, an seine Schläfen.
„Du magst Recht haben“, sagt sie leise.
„Du hattest keine Wahl. Aber sei nicht böse auf mich, nur weil ich eine hatte. Ich weiß ja...“ Sie streicht fahrig über seine verdreckten Haare;
„Ich weiß ja, es ist immer einfacher, wenn nicht andere Menschen über dich entscheiden. Aber denk jetzt nicht, dass du gar keine Macht mehr über dich hast. Du bist doch immer noch hier, oder? Du bist bis hierher gekommen und das ist auch eine Entscheidung gewesen!“

Sie kommt nicht näher und geht nicht weiter weg und sein Atem geht in kleinen, hektischen Stößen.
„Ich will nur nicht-„ , nuschelt er und die Zigarette fällt aus seinem Mundwinkel, auf die Tatamimatte, durch die junge Nacht.
„Ich will nicht sterben.“

Dann umschlingt er sie mit den dünnen Armen und hält sich an ihr fest, schüchtern und verzweifelt zugleich- sie hat nicht gewusst, dass das überhaupt geht.
„Ich weiß“, flüstert sie.
„Ich auch nicht. Nicht mehr.“

So verloren sie auch sind, solange sie wissen, was sie wollen- und das auch noch dasselbe ist- ist es irgendwie in Ordnung. Das redet sie sich zumindest ein.

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