[identity profile] exiles-diary.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Autor: Jenchan
Team: Sartre
Challenge: unüberbrückbare Differenzen (fürs Team)
Word count: 1750
Fandom: Original
Charaktere: Samantha und John 
Titel: Scheidung
Warnungen: unbetaed

Kommentar: So... das hier ist wieder fürs Team und damit haben wir Päckchen 2 als Team abgeschlossen. Da die Kommunikation zwischen unseren Teilnehmern nur so schleppend funktioniert und ich gerade ohnehin hochkreativ bin, habe ich es nun so gelöst, damit es da keine Diskussionen und Unklarheiten mehr gibt. Ansonsten: Irgendwie mag ich Samantha XD sie ist eine total liebe junge Frau.

Scheidung

Samantha saß in einem kleinen Kaffeehaus in der Nähe ihrer Wohnung und wartete. Ihr Vater hatte sie gestern angerufen und sie gefragt, ob sie sich treffen könnten. Er hätte etwas wichtiges mit ihr zu besprechen. Sie hatte sich ein wenig gewundert, aber seit der Katastrophe, die sich auf der Geburtstagsfeier ihrer Granny abgespielt hatte, hatte sich ihr Verhältnis zueinander sehr gebessert. Sie telefonierten hin und wieder und ihr Vater erkundigte sich erstaunlich oft, wie es ihr ging und ob sie etwas brauchte.
Aber er hatte nie um ein Treffen gebeten und war bisher auch nicht zu ihr gekommen. Bis zu ihrem Geburtstag dauerte es ja auch noch eine ganze Weile, insofern wunderte sie sich doch, was es so wichtiges gab, dass sich ihr vielbeschäftigter Vater extra auf den weiten Weg zu ihr in die Großstadt machte.
Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass er schon überfällig war, aber sie sah es ihm nach, da sie wusste, wie ungern er in der Stadt fuhr und wahrscheinlich hatte er auch beim Parken Probleme. Also wartete sie noch eine Weile und bestellte sich noch eine Tasse Kakao. Kaffee mochte sie nicht so gerne und sie trank ihn nur dann, wenn sie wusste, dass sie wach bleiben musste. Das war meistens in den Spätschichten der Fall.
„Hallo Kleines... es tut mir furchbar Leid, wartest du schon sehr lange?“, kam ihr Vater dann schließlich auch schon ins Kaffeehaus und sie stand auf und schenkte ihm ein Lächeln.
„Gar nicht. War viel Verkehr?“, erkundigte sie sich und bot ihm den Platz gegenüber an.
„Du hast ja gar keine Ahnung. Die Autofahrer in der Stadt sind alle wahnsinnig und haben ihren Schein in der Lotterie gewonnen oder so...“ Es folgte eine detaillierte Horrorgeschichte über seinen beschwerlichen Weg hierher, der Samantha sehr amüsierte. Sie hatte sich an den Stadtverkehr schon gewöhnt, aber nachdem ihre Arbeit nicht weit weg war, fuhr sie auch nicht besonders oft mit dem Auto. Aber sie konnte die Probleme ihres Vaters durchaus nachvollziehen. „Aber nun bin ich ja hier...“, beendete John dann seine Erzählung und schenkte nun seiner Tochter ebenfalls ein Lächeln. „Ich habe das Gefühl, dich schon ewig nicht mehr gesehen zu haben. Du siehst aus, wie deine Mutter.“
Samantha verdrehte die Augen und winkte ab. „Bestell dir lieber einen Kaffee. Meine Mutter war viel hübscher als ich.“ Das wusste sie, weil sie Fotos gesehen hatte, nachdem herauskam, dass Celine nur ihre Stiefmutter war.
„Ich glaube, ich kann das besser als du beurteilen“, meinte ihr Vater und nahm die Karte zur Hand, um zu sehen, was er sich hier bestellen konnte. Als das erledigt war, sah er wieder zu seiner Tochter. „Ich soll dir schöne Grüße von deiner Granny ausrichten. Ihr geht es schon sehr viel besser. Jedenfalls hat sie ihre Bissigkeit nicht verloren“, meinte er dann und Samantha lachte leise.
„Was hat sie zu dir gesagt?“
„Sie zieht mir die Ohren lang, wenn sie dich später anruft und erfährt, dass ich die Grüße nicht weitergeleitet habe.“ Das entlockte Samantha ein heitereres Lachen.
„Ja das klingt sehr nach unserer alten Granny. Es freut mich, dass es ihr besser geht.“ Kurz kreuzte der Gedanke, dass sie später unwissend tat, wenn ihr Oma sie anrief, um sie das zu fragen, aber sie wusste, dass sie das nicht übers Herz bringen würde. Sie war, wie ihr Vater und Granny zu sagen pflegten, ein sehr gutes Mädchen.
„Ja, mich auch.“ Dann entstand ein seltsames Schweigen, dass sich Samantha nicht ganz zu brechen traute. Auch nicht, als ihr Vater den Kaffee bekam. Irgendetwas lag im Argen, aber sie konnte einfach nicht mit dem Finger darauf deuten. Als das Schweigen allerdings zu drückend wurde, fragte sie leise: „Und wie geht es Celine?“ Sie wollte nur höflich sein, immerhin war es die Frau ihres Vaters auch wenn sie mit ihr kaum klar gekommen war.
„Ja... ihr geht es gut... denk ich...“ Samanthas Blick wurde skeptisch und sie hakte leise nach: „Denkst du?“
Daraufhin entließ ihr Vater ein schwermütiges Seufzen. „Weißt du... wir haben uns vor kurzem getrennt. Also eigentlich habe ich sie unabsichtlich rausgeworfen.“
„Unabsichtlich...“
„Ja, ich wollte es ja nicht, aber du kennst sie ja, wenn sie wieder ihre Ticks auslebt. Da kam es zum Streit und mir ist rausgerutscht, dass wenn ihr das Leben hier nicht gefällt, sie gerne gehen kann. Daraufhin hatte sie mich geschockt angestarrt, aber du weißt ja, wie es in solchen Fällen ist. Da gibts es dann kein Zurück und ehe ich es verhindern konnte, war sie auch schon weg...“ Samantha konnte ihrem Vater ansehen, dass es ihn sehr beschäftigte, aber irgendwie ahnte sie auch schon, dass das nicht die ganze Geschichte war. Dass sie hier gerade nur die Light-Version zu hören bekam.
„Das ist ja nicht so schlimm. Ruf sie an und entschuldige dich bei ihr, dann ist alles wieder in Ordnung.“
Als John schwieg, wusste sie, dass da noch mehr war. Sie beobachtete, wie ihr Vater bedächtig einen Schluck nahm und scheinbar über etwas nachdachte.
„Ich bin mir nicht sicher, ob ich das möchte...“
Sam fühlte sich, als wäre sie gerade mit kaltem Wasser überschüttet worden. „Du liebst sie doch...“, brachte sie hervor, da sie eigentlich über die Jahre hinweg den Eindruck hatte, dass er eine glückliche Ehe führte. Sie war nicht so begeistert von Celine, aber das hieß ja nicht, dass die beiden sich nicht verstünden. Das war nur eine Sache zwischen ihr und ihrer Stiefmutter.
„Ich bin mir nicht sicher...“, wiederholte ihr Vater nur noch.
Samantha schwieg einen Augenblick und meinte dann: „Ich glaube, wie bereden das am besten bei mir zu Hause...“ Irgendwie tat ihr Vater ihr gerade sehr Leid und sie wollte sehen, was sie für ihn tun konnte.

„Tut mir Leid, dass es hier so aussieht. Du hast dich so kurzfristig angesagt, da hatte ich keine Gelegenheit mehr aufzuräumen“, entschuldigte sich Samantha als die das kleine Appartment betraten. Es lag im Erdgeschoss und hatte die Fenster zur Straße. Deshalb war es hier auch etwas lauter als es ihr Vater wahrscheinlich gewöhnt war. Und es war auch wesentlich kleiner als was er gewöhnt war.
Er fühlte sich hier nicht wohl, das konnte sie ihm ansehen. Er hatte die Stirn skeptisch in Falten gelegt, als er sich die kleine Wohnung kritisch betrachtete. Sie spürte einen Tadel kommen und wollte ihn aufhalten, also sagte sie: „Setz dich doch.“ Dabei deutete sie auf das kleine, abgenutzte Sofa. „Möchtest du noch einen Kaffee?“ Dabei war sie schon zur Kochnische gegangen und holte aus dem Schrank die Dose mit Instantkaffee. „Ich habe leider nur diesen hier“, zuckte sie entschuldigend mit den Schultern und zeigte ihm die Dose. „Aber er ist sehr gut.“
„Komm her, Samantha...“, winkte ihr Vater sie zu sich und sie stellte die Dose zurück. Allerdings zögerte sie noch einen Moment. Sie wäre diesem Gespräch gerne ausgewichen. „Warum...“
„Dad...“, unterbrach sie ihn und sah ihn flehend an. „Egal, was du denkst, es geht mir gut. Die Wohnung liegt zentral, ist nicht zu teuer und für mich reicht es.“
John lächelte gequält. „Du bist deiner Mutter wirklich sehr ähnlich... ich habe Jahre gebraucht, um sie davon zu überzeugen, ein Haus zu kaufen. Sie hat dem erst zugestimmt, als sie mit dir schwanger war.“ Samantha konnte ihrem Vater ansehen, dass er seiner ersten Frau immer noch nachtrauerte, aber sie konnte ihm diesen Schmerz nicht nehmen. Sie wusste nicht, wie man jemanden tröstete, der eine geliebte Person verlor. Und dass er sie sehr geliebt hatte, war eindeutig.
Sanft legte Samantha ihm eine Hand auf die Schulter und meinte: „Du hast ja immer noch mich.“
Das entlockte ihm zumindest ein Lächeln. „Du hast Recht.“
Dann klatschte sie in die Hände und meinte: „So - und du erzählst mit jetzt, was los ist, damit wir eine Lösung finden können. Ich mag das nicht, wenn mein Papa unzufrieden ist.“
Der schon etwas betagtere Mann wuschelte daraufhin seiner Tochter durch die Haare, was Samantha nicht wirklich passte. Es war allerdings eins der Dinge, die sie ihrem Vater nie abgewöhnen hatte können.
„Ich spiele mit dem Gedanken, mich scheiden zu lassen...“, begann er dann. „Du weißt ja selbst, wie Celine sein kann und ich glaube langsam, ich habe sie aus den falschen Gründen geheiratet. Damals... das war für mich ein sehr schwere Zeit und Celine hat mir sehr geholfen. Ich dachte, wenn ich sie heirate, hast du wenigstens eine Mutter und es würde leichter werden. Aber Celine und ich haben einfach nicht dieselbe Wellenlänge. Ich habe mich stets bemüht, dass du unsere Differenzen nicht mitbekommst und gedacht, es wäre besser, wenn ich noch etwas durchhalte. Ich war ja doch nur selten zu Hause und... ich habe viel zu lange übersehen, dass Celine ganz andere Vorstellung von einer Familie hatte als ich...“
„Warum hast du nicht früher etwas gesagt?“, fragte Samantha als sich wieder Schweigen zwischen sie legte. Sie hatte das wirklich nicht mitbekommen, dass ihr Vater beinahe genauso schlecht mit seiner Frau zurechtkam, wie sie selbst.
„Ich wollte dir keine Sorgen bereiten. Nachdem du verkündet hast, dass du ausziehst, um dein eigenes Leben aufzubauen, wollte ich nicht, dass du dich verpflichtet fühlst, diese Pläne über Bord zu werfen. Du bist immer noch meine kleine Sammy...“, rechtfertigte sich ihr Vater.
„Aber ich bin kein kleines Kind mehr. Ich hätte es verstanden.“
Wieder senkte sich Schweigen zwischen ihnen und John sah schließlich zu seiner Tochter auf und rang sich ein Lächeln ab. „Jetzt weißt du es ja. Aber du musst dir keine Gedanken machen. Ich habe ein Inserat für eine Haushaltshilfe geschaltet. Ich komme schon irgendwie klar, also wehe du kommst nach Hause zurück nur weil du glaubst, dein alter Papa schafft das nicht alleine.“ Sein Ton war gespielt streng und Samantha salutierte mit einem „Aye, Sir“.
Dann drückte sie noch leicht seiner Hand. „Möchtest du jetzt Kaffee haben?“, fragte sie lieb und John lächelte sie erleichtert an. Es schien als wollte er das Thema nun nicht mehr breit treten und Samantha war das nur Recht.
„Ja sehr gern. Und dann erzählst du mir, was du jetzt so machst...“
„Gerne...“, erhob sich Samantha und ging in ihre Küchennische. Dabei dachte sie an all die Jahre, die sie mit ihrer Stiefmutter gestritten hatte und war irgendwie erleichtert, dass auch das bald ein Ende haben würde. Ihr Vater hatte es immerhin verdient, auch glücklich zu werden.


 

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