Team: Chopin
Fandom: Original
Challenge:
120_minuten Päckchen 3: Regeln (und ihre Ausnahmen) – für's Team!
Warning: slash
Kommentar: Nicht beta gelesen. Prequel zum Retter von Witwen und Waisen. Für meine Süße,
fractured_color .
Der Himmel war schon rot und wurde zunehmens purpurner, ähnlich wie seine Prellungen von den Waffenübungen. Mal wieder hatte seine Kameradin Lyria mit ihm keine Gnade gezeigt, weil Mayus sich noch immer nicht dazu durchringen konnte, mit voller Kraft gegen sie zu kämpfen. Dafür wurde er regelmäßig von ihr verprügelt, auch als Strafe.
Ungeduldig ging er in seinem Raum auf und ab und sah immer wieder durchs Fenster hinaus. Er wusste, dass er nicht mehr runter in die Stadt durfte, geschweige denn vor die Tore, die in den nächsten Minuten wahrscheinlich geschlossen werden würden. Doch ihn wurmte viel zu sehr die kurze Nachricht von Kent, auch wenn diese für jeden anderen merkwürdig, wahrscheinlich absurd erschienen wäre: „Mayus“. Nichts weiter. Es war gut möglich, dass es wirklich lächerlich war, aber dies allein reichte, um ihn an nichts anderes denken zu lassen. Was wollte Kent? Wollte er nur damit zeigen, dass er an ihn dachte? Konnte er- Mayus sprach es nicht mal in seinen Gedanken aussprechen. Gegen die Bilder konnte er nichts tun, aber Worte, die konnte er wundervoll aus seinem Kopf verbannen.
Nichts desto trotz konnte er nicht anders. Er schnappte sich sein Kurzschwert, das er fest um die Taille schnallte, und warf sich seinen Umhang um. Die Taube würde er irgendwann anders wieder Kent zurück geben müssen – jetzt würde sie ihn nur verraten.
Oh Ladur, was hatte er nur vor?
In die Stadt selbst zu gelangen stellte sich noch als relativ leicht vor. Er konnte sich damit ausreden, dass er für seinen Meister Ren noch schnell was besorgen müsse. So oft wie dieser ihn schon zu den unmöglichsten und möglichsten Zeiten losgesant hatte, um ihm irgendwas zu bringen oder kleine Dinge zu überbringen – man glaubte nicht, welch ein Schwerenöter dieser Mann sein konnte! - die Wache kannte ihn schon und ließ ihn mit einem Zwinkern durch.
Es war noch reges Treiben in den Straßen. Stände wurden geräumt und abgebaut, alles bereitete sich auf die Nachtruh vor und die Kinder rannten durch die Straßen, eilig nahchause, die Gänse vor sich hintreibend und sie dabei ärgernd. Mayus schlug zur Sicherheit seine Kapuze hoch und prüfte nach, dass sein Schwert nicht zu sehr unterm Mantel auffiel. Doch zum Glück waren alle wie so oft zugenüge mit sich selbst beschäftigt.
Bei den Toren eingetroffen suchte er sich ein Versteck, von dem er die Situation gut im Blick haben konnte. Auch hier war der Trubel jetzt groß, da sich noch alle Leute von außerhalb der Stadt beeilten, durch das Tor hineingelassen zu werden. Vor den Mauern lauerte genug Gesocks und Halunken, die nur darauf lauerten, einige Schäfchen abzugrasen. Besonders die Fetten, die auch einen Lastkarren mit Gespann führten.
Eigentlich sollte sich Mayus in Geduld üben. Das wurde ihm viel und lange gepredigt, aber verdammt! Er war einfach nicht geduldig! Er wollte zu Kent! Und- Nun, er musste eben auch einen kleinen Marathon hinlegen, aber das würde sicherlich seiner Kondition nur gut tun! Irgendwie musste er seine Form beibehalten und seine Kameraden hinter sich lassen. Auch wenn sie lachten, wie großartig er darin sei, wegzulaufen. Was wissen die schon!
Von seiner Eingebung leitend verließ Mayus sein Versteck und schlich Richtung Tor, wo die Wächter grad damit beschäftigt waren, einen vollgepackten Karren gründlich zu suchen und die Schlange vor dem Tor sich noch hinzog. Wenigstens taten sie ihre Aufgabe gründlich, senierte er beim Vorbeihuschen. Mehr oder weniger.
Er versuchte möglichst unauffällig an den Händlern, Bauern und anderen Reisenden sich hindurchzuschlängeln, ohne all zu sehr wie womöglich ein Schurke auf der Flucht zu wirken. Fast wäre er auch über eine ältere Dame gestolpert, die am Wegesrand saß, sicherlich erschöpft von ihrer Reise. Im letzten Moment konnte er mit einem kleinen Sprung ihr in seinem eiligen Schritt ausweichen und nickte ihr mit einem strahlenden Lächeln zu, in der Hoffnung, sie würde nicht gleich losmeckern und mehr Aufmerksamkeit auf ihn ziehen.
Der Waldrand war schon bald nah und sein Schritt wurde schneller. Schon kurz vor den ersten Bäumen verfiel er in einen leichten Trab, der mit der Zeit immer ein Stück schneller wurde, bis er schließlich in einem gequemen Lauftempo war. Mayus versuchte nicht daran zu denken, wie sein Schwert ihm manchmal in die Hacken schlug oder sein Mantel sich so furchtbar schwer und viel zu warm anfühlte. Aber er kam seinem Ziel näher, das konnte er am Seitenstechen einschätzen, das ihn dazu zwang, langsam zu laufen und schließlich zu gehen. Bemüht nicht all zu lächerlich zu japsen besann er sich darauf, das letzte Stück durch den Wald zügig zu gehen. Vielleicht würde er dann nicht all zu verzweifelt und dumm vor Kent stehen. Dieser wird sicherlich in der Kapelle vorzufinden sein. Mayus kannte seine Pflichten inzwischen schon zu gut. Wenn er seinen Pflichten als Knappe nachging, ob im Training oder durch Aufgaben von Ren, dann konnte er an jedem Tag der Woche sagen, was Kent wahrscheinlich tat. Zum Glück seufzte er dabei nicht herum und verfiel (nur sehr selten!) in Tagträumerein. Er würde sich selbst ein verliebtes Waschweib schimpfen. Nein, das war nur- Interesse. Genau! Schließlich war er sehr, sehr... sehr gut mit Kent befreundet.
Oh Gott, wann würde er endlich das Dorf zu sehen kriegen?!
Er konnte es kaum erwarten und zum Glück begannen sich die Bäume zu lichten und die ersten Felder begannen sich um ihn herum zu erstrecken. Das kleine Dorf, dass sich um das Ladur-Heiligtum gebildet hatte, erhob sich vor ihm und sein Herz begann schon schneller zu klopfen. Bald! Bald würde er da sein!
Die Dinge begannen zu verschwimmen zu einem großen Einerlei. Sein Blick war mnur auf das Heiligtum fixiert und seine erste Anlaufstelle die Kapelle, die für die Gläubigen zugänglich war.
Im Vergleich zum Rest des Komplexes wirkte der öffentliche Bau klein und mikrig, fast schon armselig. Als hätten die Priester und Mönche nicht mehr übrig für die anderen Menschen. Aber allen war klar, wieviel dieser Orden für seine Mitmenschen tat, sie aufnahm und sich um sie kümmerte, wenn sie Not litten. Ein geistiges Reichtum mit diesen auch teilen wollten durch Schulen und Ansprechpartner in vielerlei Hinsicht von weltlichen und geistlichen Problemen.
Die schwere Holztür knirschte in ihren Schanieren und aus einem frischen Abend, der fast schon Nacht war, betrat Mayus einen etwas stickigeren mit abgestandener Luft gefüllten Raum, der von einigen Kerzen erleuchtet war. Bis zur Mitte dieses Raumes konnte er voranschreiten, dann zwang ihn seine Erziehung dazu vor den bis zur Decke reichenden Holzschranken anzuhalten, niederzuknienen und den Kopf demütig zu senken, während er seine Hände leicht von sich streckte und nach oben hin zugewand hielt.
Hinter der Schranke kniete in ähnlicher Position eine Person mit weiten braunen Gewand. Das Murmeln war noch zu vernehmen, dass sich in einen melodischen Singsang mischte. Als diese Person nicht nur die Tür, aber auch den Kniefall und das Klattern des Schwertes auf dem Steinboden vernahm, unterbrach sie das Gebet. Fast schon zögerlich, sah er über seine Schulter und sah, wen er sehen wollte. Er wand sich wieder dem Altar zu und betete zuende, ehe er sich erhob und an die Holzschranke heranschritt. Durch die Gitter konnte er seine Hand hindurchstecken und legte sie auf Mayus' Kopf. Mit einer kurzen Geste hatte er die Kapuze herabgezogen gehabt und legte seine Hand nun auf sein Haar.
Mayus sah auf und begegnete Kents nicht deutbaren Blick. Es durchfurh ihn ein angenehmer Schauer, als Kents Finger langsam seine Kopfform abtasteten und sein Haar in eine eigenwillige Richtung verschoben.
„Steh auf“, flüsterte der Priester ihm zu und mehr brauchte Mayus nicht, um sofort auf die Beine zu kommen. Wie ein Ertrinkender hielt er sich an den Holzgittern mit Verzierungen fest und versuchte mit Hilfe des dürftigen Kerzenscheins Kents Blick zu deuten. Dieser ließ ledeglich seine Hand von seinem Haar runter über seine Wange streichen und ließ sie auf seiner Schulter ruhen, die er kurz drückte. Dann lächelte er etwas und Mayus konnte es nur mit einem Strahlen erwidern.
„Ich habe deine Nachricht bekommen!“, flüsterte er ihm ebenfalls zu, konnte aber bei weitem dabei nicht so gedämpft und elegant wie Kent klingen, dessen Lächeln nur breiter wurde.
„Ich weiß. Und ich freu mich.“
Mayus griff nach der Hand auf seiner Schulter, hielt sie in seiner fest und drückte schließlich auf Kents Finger einen einfachen Kuss. Gerade als er mit der anderen Hand durchs Gitter greifen wollte, um Kents Gesicht zu berühren, schüttelte dieser nur unmerklich den Kopf und schloss die Augen. „Nicht.“
Schmerzlich verzog Mayus das Gesicht und griff wieder nach dem Gitter, an dem er sich noch verzweifelter als vorher festhielt. Dafür machte er keinen Anstand, Kents Hand loszulassen. Dieser wirkte aber auch nicht so, als würde er sie ihm sogleich entreißen wollen.
Das war einer dieser (unheimlich vielen) Momente, in denen Mayus sich dafür verfluchte, so einen Narren an einem Ladur-Priester gefressen zu haben. Es konnte nie und nimmer gut gehen. Zumindest, wenn sie sich an die Regeln hielten. Eigentlich überschritten sie selbst damit schon ihre Grenzen.
Mayus verkniff sich jeden Fluch. Es gehörte sich nicht in das Gesicht eines Priesters zu fluchen.
„Was wird Ren sagen?“
„Nichts. Er wird davon nie erfahren“, erwiderte Mayus schnell, um jegliche Sorge aus Kents Kopf zu verbannen. Um Mayus brauchte sich keine sorgen machen, niemals. Und wenn ihm die Decke auf dem Kopf fiel oder Banditen ihn überrannten – er würde alles schon überleben, irgendwie.
„Unterschätze ihn nicht. Er ist zwar verbohrt und frustriert, aber ein sehr gewitzter Mann.“
„Dann muss ich eben gewitzter sein!“
Kent konnte nur bei Mayus' kindlicher Trotzheit schmunzeln und kassierte dafür sofort einen leicht vorwurfsvollen Blick. „Worüber lachst du?“
„Nichts, nichts. Ist schon in Ordnung.“
Nachdenklich betrachtete er einen Moment den jungen Mann und wie der Wiederschein der Kerzen in seinen Augen tanzte. Kent drückte Mayus' Hand und strich mit der anderen über seine Wange, während sein Lächeln immer blasser wurde.
Mayus war nur seine Probe und er sollte er widerstehen. Er sollte nicht an dem Orakel zweifeln, dass jedes Kind im Alter von fünf Jahren im Ladurheiligtum erfuhr. Und er war zu einem Priester bestimmt worden. Er hatte keine andere Wahl, da es auch eine sehr große Ehre für seine Familie war, vom Orden aufgenommen zu werden. Doch Mayus machte es schwer, an diesem Schicksal mit all seiner Überzeugung festzuhalten.
„Mayus.“
Er spürte erneut den Schauer und griff auch nach der anderen Hand von Kent, diesmal um zu vermeiden, dass sie ihn nicht mehr berührte. Geduldig wartete Mayus darauf, dass Kent fortfuhr, aber als dann noch immer nichts kam, hakte er nach: „Ja?“
Es war schwer in Worte zu fassen, was er sagen musste. Dass Mayus aufhören müsste, herzukommen, ihm nachzueilen, ihn so zu verehren und mit diesen zerfließenden Augen anzusehen. Kent wusste nicht, wie er ihn auf den rechten Abstand bringen sollte, den er selbst eigentlich nicht wünschte. Eher im Gegenteil. Aber seine Pflichten und seine Vernunft sagten ihm etwas anderes und daran sollte er sich halten. Außerdem würde die Gefahr zunehmends wachsen, die für Mayus bestand, wenn er sich zu oft hier herumtrieb und Dinge aufschnappen würde, die er nicht wissen sollte. Die auch nicht Ren von Hirstenfeld wissen sollte, weil dieser daraus mehr herleiten konnte, als der naive Mayus. Und damit wären sie alle in Schwierigkeiten.
Plötzlich waren von draußen Schreie zu vernehmen. Pferdewiechern und Hufschläge. Noch mehr Schreie.
Mayus und Kent schnellten auseinander, erschrocken, was vor sich ging. Und Mayus' erster Gedanke sollte ihn nicht trügen: Banditen. Er hätte es nicht beschwören sollen. Sofort rannte er zur Tür, die er aufschob. Die Dorfbewohner kamen schon in seine Richtung geprescht, um im Ladurheiligtum Schutz zu suchen. Mayus' warf einen letzten Schulterblick zu Kent, der wie ein Gefangener hinter seinen Schranken aussah.
„Hau ab!“
„Aber-!“
„Hau ab, ruf Verstärkung und kümmer dich um die Leute!“
Die ersten drängten sich an ihm vorbei und er machte ihnen Platz. Dann ging er hinaus, um sich die Situation anzusehen, und zog sein Schwert.
Fandom: Original
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Warning: slash
Kommentar: Nicht beta gelesen. Prequel zum Retter von Witwen und Waisen. Für meine Süße,
Der Himmel war schon rot und wurde zunehmens purpurner, ähnlich wie seine Prellungen von den Waffenübungen. Mal wieder hatte seine Kameradin Lyria mit ihm keine Gnade gezeigt, weil Mayus sich noch immer nicht dazu durchringen konnte, mit voller Kraft gegen sie zu kämpfen. Dafür wurde er regelmäßig von ihr verprügelt, auch als Strafe.
Ungeduldig ging er in seinem Raum auf und ab und sah immer wieder durchs Fenster hinaus. Er wusste, dass er nicht mehr runter in die Stadt durfte, geschweige denn vor die Tore, die in den nächsten Minuten wahrscheinlich geschlossen werden würden. Doch ihn wurmte viel zu sehr die kurze Nachricht von Kent, auch wenn diese für jeden anderen merkwürdig, wahrscheinlich absurd erschienen wäre: „Mayus“. Nichts weiter. Es war gut möglich, dass es wirklich lächerlich war, aber dies allein reichte, um ihn an nichts anderes denken zu lassen. Was wollte Kent? Wollte er nur damit zeigen, dass er an ihn dachte? Konnte er- Mayus sprach es nicht mal in seinen Gedanken aussprechen. Gegen die Bilder konnte er nichts tun, aber Worte, die konnte er wundervoll aus seinem Kopf verbannen.
Nichts desto trotz konnte er nicht anders. Er schnappte sich sein Kurzschwert, das er fest um die Taille schnallte, und warf sich seinen Umhang um. Die Taube würde er irgendwann anders wieder Kent zurück geben müssen – jetzt würde sie ihn nur verraten.
Oh Ladur, was hatte er nur vor?
In die Stadt selbst zu gelangen stellte sich noch als relativ leicht vor. Er konnte sich damit ausreden, dass er für seinen Meister Ren noch schnell was besorgen müsse. So oft wie dieser ihn schon zu den unmöglichsten und möglichsten Zeiten losgesant hatte, um ihm irgendwas zu bringen oder kleine Dinge zu überbringen – man glaubte nicht, welch ein Schwerenöter dieser Mann sein konnte! - die Wache kannte ihn schon und ließ ihn mit einem Zwinkern durch.
Es war noch reges Treiben in den Straßen. Stände wurden geräumt und abgebaut, alles bereitete sich auf die Nachtruh vor und die Kinder rannten durch die Straßen, eilig nahchause, die Gänse vor sich hintreibend und sie dabei ärgernd. Mayus schlug zur Sicherheit seine Kapuze hoch und prüfte nach, dass sein Schwert nicht zu sehr unterm Mantel auffiel. Doch zum Glück waren alle wie so oft zugenüge mit sich selbst beschäftigt.
Bei den Toren eingetroffen suchte er sich ein Versteck, von dem er die Situation gut im Blick haben konnte. Auch hier war der Trubel jetzt groß, da sich noch alle Leute von außerhalb der Stadt beeilten, durch das Tor hineingelassen zu werden. Vor den Mauern lauerte genug Gesocks und Halunken, die nur darauf lauerten, einige Schäfchen abzugrasen. Besonders die Fetten, die auch einen Lastkarren mit Gespann führten.
Eigentlich sollte sich Mayus in Geduld üben. Das wurde ihm viel und lange gepredigt, aber verdammt! Er war einfach nicht geduldig! Er wollte zu Kent! Und- Nun, er musste eben auch einen kleinen Marathon hinlegen, aber das würde sicherlich seiner Kondition nur gut tun! Irgendwie musste er seine Form beibehalten und seine Kameraden hinter sich lassen. Auch wenn sie lachten, wie großartig er darin sei, wegzulaufen. Was wissen die schon!
Von seiner Eingebung leitend verließ Mayus sein Versteck und schlich Richtung Tor, wo die Wächter grad damit beschäftigt waren, einen vollgepackten Karren gründlich zu suchen und die Schlange vor dem Tor sich noch hinzog. Wenigstens taten sie ihre Aufgabe gründlich, senierte er beim Vorbeihuschen. Mehr oder weniger.
Er versuchte möglichst unauffällig an den Händlern, Bauern und anderen Reisenden sich hindurchzuschlängeln, ohne all zu sehr wie womöglich ein Schurke auf der Flucht zu wirken. Fast wäre er auch über eine ältere Dame gestolpert, die am Wegesrand saß, sicherlich erschöpft von ihrer Reise. Im letzten Moment konnte er mit einem kleinen Sprung ihr in seinem eiligen Schritt ausweichen und nickte ihr mit einem strahlenden Lächeln zu, in der Hoffnung, sie würde nicht gleich losmeckern und mehr Aufmerksamkeit auf ihn ziehen.
Der Waldrand war schon bald nah und sein Schritt wurde schneller. Schon kurz vor den ersten Bäumen verfiel er in einen leichten Trab, der mit der Zeit immer ein Stück schneller wurde, bis er schließlich in einem gequemen Lauftempo war. Mayus versuchte nicht daran zu denken, wie sein Schwert ihm manchmal in die Hacken schlug oder sein Mantel sich so furchtbar schwer und viel zu warm anfühlte. Aber er kam seinem Ziel näher, das konnte er am Seitenstechen einschätzen, das ihn dazu zwang, langsam zu laufen und schließlich zu gehen. Bemüht nicht all zu lächerlich zu japsen besann er sich darauf, das letzte Stück durch den Wald zügig zu gehen. Vielleicht würde er dann nicht all zu verzweifelt und dumm vor Kent stehen. Dieser wird sicherlich in der Kapelle vorzufinden sein. Mayus kannte seine Pflichten inzwischen schon zu gut. Wenn er seinen Pflichten als Knappe nachging, ob im Training oder durch Aufgaben von Ren, dann konnte er an jedem Tag der Woche sagen, was Kent wahrscheinlich tat. Zum Glück seufzte er dabei nicht herum und verfiel (nur sehr selten!) in Tagträumerein. Er würde sich selbst ein verliebtes Waschweib schimpfen. Nein, das war nur- Interesse. Genau! Schließlich war er sehr, sehr... sehr gut mit Kent befreundet.
Oh Gott, wann würde er endlich das Dorf zu sehen kriegen?!
Er konnte es kaum erwarten und zum Glück begannen sich die Bäume zu lichten und die ersten Felder begannen sich um ihn herum zu erstrecken. Das kleine Dorf, dass sich um das Ladur-Heiligtum gebildet hatte, erhob sich vor ihm und sein Herz begann schon schneller zu klopfen. Bald! Bald würde er da sein!
Die Dinge begannen zu verschwimmen zu einem großen Einerlei. Sein Blick war mnur auf das Heiligtum fixiert und seine erste Anlaufstelle die Kapelle, die für die Gläubigen zugänglich war.
Im Vergleich zum Rest des Komplexes wirkte der öffentliche Bau klein und mikrig, fast schon armselig. Als hätten die Priester und Mönche nicht mehr übrig für die anderen Menschen. Aber allen war klar, wieviel dieser Orden für seine Mitmenschen tat, sie aufnahm und sich um sie kümmerte, wenn sie Not litten. Ein geistiges Reichtum mit diesen auch teilen wollten durch Schulen und Ansprechpartner in vielerlei Hinsicht von weltlichen und geistlichen Problemen.
Die schwere Holztür knirschte in ihren Schanieren und aus einem frischen Abend, der fast schon Nacht war, betrat Mayus einen etwas stickigeren mit abgestandener Luft gefüllten Raum, der von einigen Kerzen erleuchtet war. Bis zur Mitte dieses Raumes konnte er voranschreiten, dann zwang ihn seine Erziehung dazu vor den bis zur Decke reichenden Holzschranken anzuhalten, niederzuknienen und den Kopf demütig zu senken, während er seine Hände leicht von sich streckte und nach oben hin zugewand hielt.
Hinter der Schranke kniete in ähnlicher Position eine Person mit weiten braunen Gewand. Das Murmeln war noch zu vernehmen, dass sich in einen melodischen Singsang mischte. Als diese Person nicht nur die Tür, aber auch den Kniefall und das Klattern des Schwertes auf dem Steinboden vernahm, unterbrach sie das Gebet. Fast schon zögerlich, sah er über seine Schulter und sah, wen er sehen wollte. Er wand sich wieder dem Altar zu und betete zuende, ehe er sich erhob und an die Holzschranke heranschritt. Durch die Gitter konnte er seine Hand hindurchstecken und legte sie auf Mayus' Kopf. Mit einer kurzen Geste hatte er die Kapuze herabgezogen gehabt und legte seine Hand nun auf sein Haar.
Mayus sah auf und begegnete Kents nicht deutbaren Blick. Es durchfurh ihn ein angenehmer Schauer, als Kents Finger langsam seine Kopfform abtasteten und sein Haar in eine eigenwillige Richtung verschoben.
„Steh auf“, flüsterte der Priester ihm zu und mehr brauchte Mayus nicht, um sofort auf die Beine zu kommen. Wie ein Ertrinkender hielt er sich an den Holzgittern mit Verzierungen fest und versuchte mit Hilfe des dürftigen Kerzenscheins Kents Blick zu deuten. Dieser ließ ledeglich seine Hand von seinem Haar runter über seine Wange streichen und ließ sie auf seiner Schulter ruhen, die er kurz drückte. Dann lächelte er etwas und Mayus konnte es nur mit einem Strahlen erwidern.
„Ich habe deine Nachricht bekommen!“, flüsterte er ihm ebenfalls zu, konnte aber bei weitem dabei nicht so gedämpft und elegant wie Kent klingen, dessen Lächeln nur breiter wurde.
„Ich weiß. Und ich freu mich.“
Mayus griff nach der Hand auf seiner Schulter, hielt sie in seiner fest und drückte schließlich auf Kents Finger einen einfachen Kuss. Gerade als er mit der anderen Hand durchs Gitter greifen wollte, um Kents Gesicht zu berühren, schüttelte dieser nur unmerklich den Kopf und schloss die Augen. „Nicht.“
Schmerzlich verzog Mayus das Gesicht und griff wieder nach dem Gitter, an dem er sich noch verzweifelter als vorher festhielt. Dafür machte er keinen Anstand, Kents Hand loszulassen. Dieser wirkte aber auch nicht so, als würde er sie ihm sogleich entreißen wollen.
Das war einer dieser (unheimlich vielen) Momente, in denen Mayus sich dafür verfluchte, so einen Narren an einem Ladur-Priester gefressen zu haben. Es konnte nie und nimmer gut gehen. Zumindest, wenn sie sich an die Regeln hielten. Eigentlich überschritten sie selbst damit schon ihre Grenzen.
Mayus verkniff sich jeden Fluch. Es gehörte sich nicht in das Gesicht eines Priesters zu fluchen.
„Was wird Ren sagen?“
„Nichts. Er wird davon nie erfahren“, erwiderte Mayus schnell, um jegliche Sorge aus Kents Kopf zu verbannen. Um Mayus brauchte sich keine sorgen machen, niemals. Und wenn ihm die Decke auf dem Kopf fiel oder Banditen ihn überrannten – er würde alles schon überleben, irgendwie.
„Unterschätze ihn nicht. Er ist zwar verbohrt und frustriert, aber ein sehr gewitzter Mann.“
„Dann muss ich eben gewitzter sein!“
Kent konnte nur bei Mayus' kindlicher Trotzheit schmunzeln und kassierte dafür sofort einen leicht vorwurfsvollen Blick. „Worüber lachst du?“
„Nichts, nichts. Ist schon in Ordnung.“
Nachdenklich betrachtete er einen Moment den jungen Mann und wie der Wiederschein der Kerzen in seinen Augen tanzte. Kent drückte Mayus' Hand und strich mit der anderen über seine Wange, während sein Lächeln immer blasser wurde.
Mayus war nur seine Probe und er sollte er widerstehen. Er sollte nicht an dem Orakel zweifeln, dass jedes Kind im Alter von fünf Jahren im Ladurheiligtum erfuhr. Und er war zu einem Priester bestimmt worden. Er hatte keine andere Wahl, da es auch eine sehr große Ehre für seine Familie war, vom Orden aufgenommen zu werden. Doch Mayus machte es schwer, an diesem Schicksal mit all seiner Überzeugung festzuhalten.
„Mayus.“
Er spürte erneut den Schauer und griff auch nach der anderen Hand von Kent, diesmal um zu vermeiden, dass sie ihn nicht mehr berührte. Geduldig wartete Mayus darauf, dass Kent fortfuhr, aber als dann noch immer nichts kam, hakte er nach: „Ja?“
Es war schwer in Worte zu fassen, was er sagen musste. Dass Mayus aufhören müsste, herzukommen, ihm nachzueilen, ihn so zu verehren und mit diesen zerfließenden Augen anzusehen. Kent wusste nicht, wie er ihn auf den rechten Abstand bringen sollte, den er selbst eigentlich nicht wünschte. Eher im Gegenteil. Aber seine Pflichten und seine Vernunft sagten ihm etwas anderes und daran sollte er sich halten. Außerdem würde die Gefahr zunehmends wachsen, die für Mayus bestand, wenn er sich zu oft hier herumtrieb und Dinge aufschnappen würde, die er nicht wissen sollte. Die auch nicht Ren von Hirstenfeld wissen sollte, weil dieser daraus mehr herleiten konnte, als der naive Mayus. Und damit wären sie alle in Schwierigkeiten.
Plötzlich waren von draußen Schreie zu vernehmen. Pferdewiechern und Hufschläge. Noch mehr Schreie.
Mayus und Kent schnellten auseinander, erschrocken, was vor sich ging. Und Mayus' erster Gedanke sollte ihn nicht trügen: Banditen. Er hätte es nicht beschwören sollen. Sofort rannte er zur Tür, die er aufschob. Die Dorfbewohner kamen schon in seine Richtung geprescht, um im Ladurheiligtum Schutz zu suchen. Mayus' warf einen letzten Schulterblick zu Kent, der wie ein Gefangener hinter seinen Schranken aussah.
„Hau ab!“
„Aber-!“
„Hau ab, ruf Verstärkung und kümmer dich um die Leute!“
Die ersten drängten sich an ihm vorbei und er machte ihnen Platz. Dann ging er hinaus, um sich die Situation anzusehen, und zog sein Schwert.