Titel: So ein Sommertag
Autor: Servena
Fandom: Original
Challenge: Umständehalber abzugeben
Team: Van Gogh
Kommentar: Das Ganze zu schreiben, macht weniger Umstände, als sich dafür ein ausreichend großes Fleckchen Schatten zu suchen, damit der Laptop nicht durchschmort…
So ein Sommertag
Er raucht während dem Frühstück, und hin und wieder taucht eine Hand hinter der Zeitung auf und drückt die Zigarette im Aschenbecher aus, direkt neben der Marmelade. Sie isst ihr Müsli mit Naturjoghurt, ungezuckert. Zwischendurch steht sie auf, um das Radio lauter zu drehen. Wetterbericht: Schwüle Hitze bis 32°, gegen Abend Gewitter.„Scheiß Wetter“, sagt er. Sie nickt stumm und schenkt Kaffee ein. Eine Fliege summt immerzu um das Honigglas herum und setzt sich auf das Marmeladenbrötchen, bis er die Fliegenklatsche holt und sie erschlägt. PAM.
Sie räumt schon ab, während er noch Kaffee trinkt, und liest nebenbei die Rückseite der Zeitung. Das Geschirr stellt sie in die Spüle, das Müsli in den Schrank.
„Ich dachte, vielleicht könnten wir uns einmal einen Hund anschaffen.“ Der Joghurtbecher landet im Restmüll.
Er taucht nicht hinter seiner Zeitung auf. „So’n Tier kostet doch verdammt viel. Und die Wohnung ist viel zu klein.“
„Ich dachte ja auch an einen kleinen Hund.“ Sie räumt die Marmelade in den Kühlschrank.
„Da braucht man ja auch die Zeit, um mit ihm Gassi zu gehen. – Hast du die Sahne weggestellt?“ Sie stellt ihm die Kaffeesahne wieder hin und wischt dann schon einmal ihren Teil des Tisches ab. „Die Zeit hätt ich ja schon.“
„Könntest lieber mal die Fenster putzen. Die sehen schon wieder ganz schlierig aus.“ Er stürzt den Kaffee hinunter, faltet die Zeitung zusammen und gibt ihr einen Kuss. „Kann spät werden heut.“
Als sie „Tschüß“ sagt, fällt gerade die Wohnungstür hinter ihm zu.
Sie stellt seine Kaffeetasse zum Rest des Geschirrs und dreht den Wasserhahn auf. Dann greift sie nach der Zeitung. Sie hat es schon beim Reinholen gesehen, als sie kurz die Anzeigen durchgeblättert hat. Sie hat ihn nicht darauf angesprochen. Mit dem Kugelschreiber notiert sie sich die Telefonnummer auf ihrer Hand.
Zuerst erledigt sie die Einkäufe. Im Supermarkt ist es angenehm kühl, doch sie beeilt sich, den Blick auf der Uhr. An der Kasse dauert es. Anscheinend müssen alte Damen ihren Einkauf zur selben Zeit erledigen wie Hausfrauen, aus welchen Gründen auch immer.
Als sie schließlich wieder nach draußen tritt, schlägt ihr die Hitze entgegen wie eine massive Wand. Bis sie die Einkäufe in den Kofferraum gepackt und den Einkaufswagen zurückgebracht hat, klebt ihr das T-Shirt auf der Haut.
Der Wagen ist ein einziger Backofen, aber für die kurze Strecke lohnt es sich nicht, die Klimaanlage anzumachen. Sie sieht noch einmal auf die Uhr, zögert. Überlegt. Schwitzt.
Sie zieht ihr Handy hervor und ruft die Nummer an.
Die Adresse ist gar nicht weit von hier. Sie ist erleichtert, weil sie sich auf unbekannten Strecken unsicher fühlt. Sehr gerne hätte sie ein Navi. Aber dafür fehlt das Geld, sagt er. Außerdem, wo sie denn hinfahren wolle?
Hierhin zum Beispiel. Das Haus ist unscheinbar, ein graues Blockhaus mit schlichten Fenstern, geschätzte 5 Stockwerke, umgeben von einem kleinen Garten. Der Rasen ist sonnenverbrannt und gelb. Mit hämmerndem Herzen steigt sie aus und ruft sich noch einmal die Zeitungsannonce ins Gedächtnis. „Hund umständehalber abzugeben.“ Und die Telefonnummer. Kurz, knapp, keine weiteren Informationen. Verdammt viel Platz für jegliche Vorstellungen, Phantasien, Träume.
In dem Haus ist es angenehm kühl. Sie fürchtet sich ein bisschen, als sie die ausgetretenen Betonstufen hinaufsteigt in den 3. Stock. Die Nummern auf den Türen sind verblichen und abgeblättert, eine 8 sieht aus wie eine 3 und die 5 könnte auch eine 6 sein, doch sie findet es. Ohne sich noch einmal Zeit zum Überlegen zu geben, klingelt sie.
Die Tür öffnet sich schneller als erwartet, und was sie sieht, hat sie auch bestimmt nicht erwartet. Eigentlich hat sie gar nichts erwartet, aber bestimmt nicht das.
Er ist groß, seine Schultern reichen ihr bis zur Hüfte. Das Fell ist kurz und von einem undefinierbaren Braun, doch viel mehr beeindruckt sie der breite Brustkorb und die Schnauze, die ein kräftiges Gebiss verbirgt. Der Kopf ist groß, mit kleinen, etwas zerfledderten Ohren und dunklen Augen.
Der Hund starrt sie an.
Sie starrt zurück.
Erst als jemand den Hund am Halsband packt und ein wenig zurückzieht, bemerkt sie den Besitzer. Der ist in der Tat ziemlich farblos, ein junger Typ, Mitte 20, dunkle, strähnige Haare, T-Shirt und Jeans.
„Wir hatten telefoniert“, sagt sie.
„Ja, natürlich – tut mir Leid, dass er Sie erschreckt hat. Kommen Sie rein. Ich kann Ihnen zwar nur die Küche anbieten…“
Sie zieht die Wohnungstür hinter sich zu und folgt ihm in eine kleine, dunkel geflieste Küche, wo sie sich auf einem Stuhl niederlässt. Der Hund starrt sie immer noch an, und sie kann beim besten Willen nicht erkennen, ob es Neugier ist oder Ablehnung oder…
„Ich hätte nicht gedacht – am Telefon klangen Sie jünger.“ Er lächelt entschuldigend und bereut wohl sogleich, was er gesagt hat, aber sie zeigt sich nicht beleidigt. Sie schaut immer noch den Hund an.
„Das hatten Sie wohl nicht erwartet, was?“ Als sie stumm den Kopf schüttelt, fährt er fort: „Ich habe ihn nicht so genau beschrieben, weil das die Käufer abschreckt, außerdem weiß ich gar nicht, was für Rassen da alles drin sind…hab ihn als Welpe bekommen, von einem Freund.“
„Warum wollen Sie ihn denn abgeben?“, fragt sie, und denkt dabei an skandalträchtige Geschichten von einem bissigen Hund, den niemand in Zaum halten kann.
„Vermieter macht Ärger. Der erlaubt keine Hunde.“ Er setzt sich auf einen Stuhl ihr gegenüber und der Hund legt sich neben ihn.
„Ach so.“ Sie hat keine Ahnung, ob ihr Vermieter Hunde erlaubt. Sie hat nicht mal gefragt.
„Hören Sie, ich kann wirklich verstehen, wenn Sie jetzt sagen, der Hund ist nichts für Sie…“, hebt er an, doch sie unterbricht ihn: „Wie heißt er denn?“
„Carlo.“ Er grinst ein wenig. „Ich bin da nicht sonderlich kreativ, so hieß schon der Hund meiner Eltern.“ Sie nimmt sich vor, ihn später zu fragen, ob man das mit C oder mit K schreibt.
„Möchten Sie einen Kaffee?“, fragt er und steht schon auf, bevor sie nicken kann. Während er sich mit einer altertümlichen Kaffeemaschine herumschlägt, betrachtet sie den Brocken von Hund, der, Vorderpfoten voran, auf den kühlen Fliesen liegt. „Carlo“, wispert sie. Die fledermausartigen Ohren zucken und er sieht auf. Schwerfällig erhebt er sich, die großen Pfoten patschen über den Küchenfußboden, und dann schiebt er den Kopf unter der Stuhllehne hindurch und legt ihn ihr auf den Schoß. Sie sitzt, überrumpelt, und weiß nicht, ob, was, sie tun soll. Etwas hilflos krault sie ihn hinter den Ohren.
„Carlo, wo ist denn dein Benehmen –“, schimpft er, als er ihr die Kaffeetasse hinstellt, und will ihn wegziehen, aber sie sagt nur: „Ist schon okay.“
Carlo schnauft leise.
„Er scheint sie wohl zu mögen“, sagt er und schenkt Kaffee ein.
Sie sollte noch so viel fragen. Wie alt? Geimpft? Vorerkrankungen? Wie teuer im Futter? Verträglich mit Kindern? (Sie haben keine Kinder, aber die Nachbarn…) Wie viel soll er überhaupt kosten?
Stattdessen hört sie sich selbst sagen: „Ich nehme ihn.“
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Date: 2010-07-14 09:39 pm (UTC)no subject
Date: 2010-07-14 10:06 pm (UTC)Also...dieses typische 'Kinder mit sonderbaren Begabungen auf einer Schule'. Der übliche Kampf gegen das Böse (unter anderem in der Form zweier Großtanten des Protagonisten Charlie Bone) etc. blabla. Signifikant ist, dass unter den paar Sonderbegabten eine Art Feindschaft herrscht, denn sie sind alle Nachfahren des 'Roten Königs', eines Magiers, dessen Kinder sich zerstritten...(wegen seinem Erbe? Ich glaub, ich muss die Bücher nochmal lesen.)
Egal, bei mir geht's hauptsächlich um zwei Nebencharaktere, Tancred dem Wettermacher und Lysander dem Geisterbeschwörer, die mir in den Büchern entschieden zu kurz kommen! Der Rest erklärt sich so ziemlich von selbst...
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Date: 2010-07-15 04:32 pm (UTC)Die Sommerstimmung hast du gut rübergebracht und dass sie ihn einfach spontan nimmt, obwohl er nicht klein ist, obwohl er dagegen ist, obwohl alles und überhaupt. Schön. Und überezugend.
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Date: 2010-07-15 05:14 pm (UTC)