Elternabendporno
Jul. 10th, 2010 03:46 amChallenge: Porno - Sommerchallenge, Päckchen #1
Titel: Elternabend (was einem eben als erstes bei "Porno" in den Sinn kommt)
Fandom: Original
Kommentar: Erm, Dank Computercrash hab ich die 120 Minuten um 2 Wochen überschritten. Ich hoffe, den 'leichten Regelverstoß verzeiht man mir.
„Mein Sohn ist sehr sensibel!“ Dein sensibler Sohn hat letztens alle seine Bücher auf dem Schulhof verbrannt! Nackt!
„Man muss bedenken, dass auch Mädchen im Raum waren!“ Man muss ebenfalls bedenken, dass wir im 21. Jahrhundert leben! Ludger schaute sich müde im Klassenzimmer um. Das 21. Jahrhundert war hier noch nicht ganz angekommen, es war immer noch der Fall, dass Elternabend eher Mütterabend war. Zwischen den besorgten, wütenden und vereinzelt sogar belustigten Müttern entdeckte Ludger nur einen Vater, der saß jedoch relativ abseits und tat, als wäre er gar nicht da. Ludger wünschte, er könnte das auch. Aber es ging hier um ihn, einfach auf standby schalten war unmöglich.
„Ich kann Ihre Besorgnis ja durchaus verstehen, aber vielleicht sollten wir Herrn Kalteis‘ Version einmal anhören?“ schlug der Direktor beschwichtigend vor. Mein Auftritt war gekommen.
„Was gibt es da anzuhören, er hat die Klasse zu einer Sexorgie aufgefordert!“ Ich habe WAS? Aus dem Augenwinkel nahm Ludger wahr, wie einige Mütter und der Vater sich das Lachen verkneifen mussten während er völlig entgeistert auf die entrüstete Frau mittleren Alters in der zweiten Reihe starrte. Mutter von Kathrin. Frau Baumeister also. Ob sie weiß, dass ihre Tochter als erste lauthals „JA!“ geschrien hätte, wenn ich tatsächlich zu einer Sexorgie aufgerufen hätte? Ludger räusperte sich vernehmlich, wartete kurz, bevor er aufstand und sich endlich zu erklären begann.
„Wie der Direktor bereits meinte, kann auch ich Ihre Besorgnis verstehen,“ denn Sie sind alle frigide Hysteriker die zu viel Zeit haben, „aber ich kann Ihnen versichern, dass ich keinen ihrer Kinder zu irgendeinem sexuellen Akt aufgefordert habe.“
„Und warum kam dann mein Sohn völlig verstört nach Hause?“ Frau Mühlberger.Ihr Sohn ist 15. Alles verstört ihn!
„Nun, ich kann natürlich nicht für Ihren Sohn sprechen, aber ich denke nicht, dass das, was vorgefallen ist, ihn so verstört haben könnte.“
„Also, ich wäre als Kind auch verstört, wenn mich mein Lehrer sexuell belästigen würde. Auch wenn es so in junger und gutaussehender Lehrer ist.“ Frau Walter wurde rot. Ludger hörte es aus einigen Ecken leise kichern und eine Mutter zwinkerte ihm tatsächlich zu. Nun fühlte sich Ludger sexuell belästigt. Und wer beruft für mich einen Elternabend ein?
„Ähm, ich denke, ich sollte wirklich die Situation aus meiner Sicht schildern, bevor wir hier weiter diskutieren.“ Erwartungsvolle Stille schallte Ludger entgegen.
„Letzten Montag erinnerte ich meine Klasse, dass wir demnächst „Wilhelm Tell“ von Schiller beginnen werden und sie deswegen das Buch langsam gelesen haben sollten. Daraufhin erhielt ich die üblichen Beschwerden, die ich diesmal jedoch als Anlass für eine Diskussion nahm.“ Ludger machte eine kurze Pause und blickte sich um. Die meisten hörten ihm mit ausdrucksloser Miene zu, nur hier und da erntete er noch immer einen skeptischen Blick.
„Nun, um das Interesse von 14-jährigen an einer Diskussion zu wecken, muss man natürlich auch Themen und Vergleiche nutzen, die die Kinder auch beschäftigen oder aber alles locker und spaßig gestalteten. Ich entschied mich für eine Kombination von beidem und Verglich Bücher mit Pornos und Lesen mit Sex!“
„Und das hat meinen Martin so aufgewühlt!“ rief Frau Mühlberger und deutet tatsächlich mit dem Finger auf Ludger. Holt die Fackeln und Mistgabeln!
„Ich schlage vor, wir lassen uns diesen Vergleich einmal erklären, bevor wir urteilen!“ ging der Direktor dazwischen, wirkte jedoch tatsächlich an der Erklärung sehr interessiert. Ludger nickte und ignorierte Frau Mühlberger mehr oder weniger, als er fortfuhr.
„Hm, ich versuche möglichst, meinen exakten Wortlaut wiederzugeben. Also, wie gesagt, ich meinte, dass Bücher wie Pornos sind.“ „Sinnlos, gehaltlos und lächerlich?“ hatte Lena lachend eingeworfen, woraufhin Ludger mit „Nein, lehrreich!“ zurückgewitzelt hatte. Aber das erwähnte Ludger nicht.
„Bücher schwindeln einem oft was vor, können einen in eine Wunschwelt, eine Utopie, manchmal aber auch eine Dystopie entführen. Manche dienen nur der Unterhaltung, sind einfallslos und schnell wieder vergessen, andere zeigen einem Neues, Unbekanntes und ganz andere zeigen einem manchmal sogar die Abartigkeit der Menschheit und die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele!“ "Das sind die besonders Guten!" hatte Rafael eingeworfen und ein paar Schulterklopfer geerntet. Momentan klopfte niemand irgendwem auf die Schulter, aber es starrten alle gebannt auf Ludger.
„Nun, soweit konnten mir meine Schüler wohl noch folgen, aber dass Lesen wie Sex sei, fanden sie seltsam!“ „Lesen ist scheiße, Sex ist geil!“ wieder war es Rafael, der die Aussage in den Raum gebrüllt und dann mit Felix eingeschlagen hatte.
„Fängt man ein neues Buch an, ist alles noch recht merkwürdig, man muss sich, wie an einen Partner, erst daran gewöhnen und sich langsam drauf einlassen, bis man es völlig genießen kann. Es ist ein gegenseitiges beschnuppern, kennen lernen, alles ist neu und seltsam, aber auch aufregend. Langsam aber sicher baut sich dann immer mehr Spannung auf, das Vorspiel beginnt, man ist komplett gefangen, man steigert sich mehr und mehr hinein, wie im Wahn blättert man Seite um Seite um, saugt jedes Wort auf bis dann schließlich der lang ersehnte und gewaltige Höhepunkt, der Schluss kommt. Und wenn man dann, ein wenig schwindelig und die Umwelt erst langsam wieder realisierend, das Buch wieder aus der Hand legt, ist man glücklich, zufrieden, aber freut sich auch schon auf das Nächste.“ Während er sprach, hatte Ludger mit einer leichten Röte, die unbedingt auf seine Wangen wollte, kämpfen müssen, doch er war sich sicher, dass er diesen Kampf verloren hatte. Als er aber nun, am Ende seiner Rede, erneut seinen Blick von der gegenüberliegenden Wand auf die Eltern vor sich richtete, merkte er, dass er nicht der einzige war, dessen Gesichtsfarbe sich um einige Nuancen verdunkelt hatte. Eine seltsame Stille hatte sich über den Raum gelegt, alle blickten starr auf Ludger und dieser wusste nicht, ob er sich nun setzen oder weiterhin stehen bleiben sollte. Hilflos blickte er zum Direktor.
„Uh, ah, ähm, Ja, also, so hat es Herr Kalteis also gemacht – ich meine,“ verbesserte sich der Direktor hastig „so spielte sich das wohl Alles aus Herrn Kalteis Sicht ab. Gibt es dem noch etwas hinzuzufügen?“ Beinahe nach einer Fortsetzung flehend blickte der Direktor zu Ludger. Dieser schüttelte nur den Kopf und ließ sich in seinen Stuhl zurück fallen. Möge die Exekution beginnen!
„Vielleicht“, fiepste Frau Mühlberger heiser, räusperte sich ein paar Mal und fuhr dann mit normaler Stimme fort „vielleicht hat mein Sohn ja ein wenig übertrieben. Wir kennen das ja, Schüler versuchen alles, um ihren Lehrern eines Auszuwischen, nicht wahr?“ Die natürlichen Feinde eines jeden Lehrers sind immer noch die Eltern!
Es folgte Nicken, nichtssagende Aussagen, steife Witze, Erklärungsversuche, unwillkürliche Themenwechsel, planlose Diskussionen und schließlich traf man schweigend die Übereinkunft, dass dieser Elternabend nie stattgefunden hatte und man nun nach Hause gehen konnte.
Ludger griff sich seinen Mantel und erinnerte sich daran, als er, ebenfalls leicht rot, seinen Vortrag vor der Klasse beendet hatte. Die Klasse hatte fröhlich Kommentare in den Raum geworfen und versucht Witze zu reißen, nur Sarah hatte sich mit ernstem Gesicht leise gemeldet.
„Sarah?“
„Ich habe Tell bereits beendet!“ hatte sie nur ausdruckslos gemeint. Ein wenig verwirrt hatte Ludger nur „Und?“ erwidert.
„Es war ziemlich schwer und Dick, aber das war hauptsächlich Zeug drum herum, es sollte wohl beeindrucken, langweilte aber nur, der eigentliche Hauptteil war dann enttäuschen mickrig, der Höhepunkt kam viel zu schnell und das Ende war wirklich unbefriedigend!“
Ludger hatte unter lautem Gejohle der Klasse und selbst lachend seine Schüler in die Pause entlassen.
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Date: 2010-07-09 07:30 pm (UTC)Und Sarah ist toll!
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Date: 2010-07-10 08:57 am (UTC)Tja, Sarah sagt halt, wie's ist!
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Date: 2010-07-09 08:34 pm (UTC)no subject
Date: 2010-07-10 08:59 am (UTC)no subject
Date: 2010-07-10 07:23 pm (UTC)*kicher* Meine Mutter würde dir total zustimmen. Die ist auch Lehrerin. ;) Deinen Ludger fand ich sehr süß. Mein Beileid!
Die Dialoge, und besonders Ludgers Gedanken zu den Eltern sind einfach zu köstlich. Ich hatte Spaß. ;)
„Und warum kam dann mein Sohn völlig verstört nach Hause?“ Frau Mühlberger.Ihr Sohn ist 15. Alles verstört ihn!
Zu schön. XD
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Date: 2010-07-11 11:34 am (UTC)Die Dialoge, die Gedanken, alles absolut genial <3