Sommerchallenge
Jul. 1st, 2010 08:53 pmTitel: Schritt halten
Fandom: original
Challenge: (Päckchen 1) siehe Titel.
Rating: hm... vl. PG16?
Team: sartre
Beinhaltet: Fantasy, Monster, Gemetzel. Juhu!
Kein Beta. Müsste auch ohne Zusammenhang halbwegs verständlich sein (hoffe ich)... Garnay sehen sehr menschlich aus, abgesehen von kleinen, anatomischen Details (Zähne...)
-
„Verdammt“, grollte Tirsha leise, in den steinernen Winkel der Ruine gedrückt, während Ferris bei ihr saß, und halb gelähmt war vor Schreck, „Kaltblüter.“
Das fremdartige Schnaufen und Zischeln schien jetzt von überall her durch die Ritzen der uralten Mauern zu dringen, zwar noch gedämpft durch Entfernung, aber zweifellos näher kommend.
Der junge Sturmländer warf einen Blick hinüber zu Shuasa, die sich zusammen mit Bale in ein Versteck auf der anderen Seite der Plattform zurück gezogen hatte. Ihre schmale Gestalt im schwarzen Mantel war im Schatten schwer auszumachen. Sie versuchte offenbar, Tirsha zu Augenkontakt zu bewegen, und irgendetwas mit Gesten und Mundbewegungen mitzuteilen. Ferris hatte Zweifel, ob Tirsha überhaupt mitbekam, dass jemand versuchte, Kontakt mit ihr aufzunehmen, aber er glaubte, ein einziges Wort zu verstehen. Die Finger-von-links-nach-rechts-über-Kehle- Bewegung bestätigte es.
Töten.
Moment mal. Sie sollten alle töten? Was war das für ein völlig beknackter Plan?! Sein beschleunigter Atem war nur noch schwer lautlos zu halten. Es war vielleicht zwei Uhr Nachts, und sie waren ein bisschen unvorbereitet! Er hatte ein lächerlich kleines Taschenmesser. Für einen Kampf waren sie nicht wirklich ausgestattet! Oder meinte sie, die Anderen würden sie alle töten? In dem Fall wäre es vielleicht besser, gleich abzuhauen. Aber wohin kam man denn nachts, in einer Gegend wo Tagesreisen weit keine einzige sichere Siedlung stand? Auf der einen Seite das Meer, auf der anderen die zerklüftete Küste, die aussah als hätte ein gigantisches Wesen massenhaft dunkle Steinsplitter zwischen Wasser und Land geschüttet, und sie saßen in diesem alten Gemäuer genau mittendrin. In jeder Spalte der Steine dort draußen konnte eins von den Biestern sitzen.
Tirsha löste sich aus dem Versteck und schnürte ihr Bündel Gepäck fester um die Schultern. „Was machst du?“, wisperte Ferris, „Bleib hier! Bist du lebensmüde?“
„Mensch.“, Tirshas Augen reflektierten spärliches Mondlicht, das durch die zerfallene Gewölbedecke drang, zwei gleißende Scheiben in einem Schatten, ihre Stimme leise und rollend, „Du bist so gut wie tot, wenn du hier bleibst. Sie jagen nicht was sie sehen, sondern was sie riechen. Und wir hatten alle lange genug kein Vollbad mehr. Das Versteck ist nutzlos.“
„Behaltet die Wand im Rücken!“, flüsterte Shuasa bemüht autoritär zu ihnen hinüber.
„Tze.“ , Tirsha schnaubte, „Ich brauche keine Wand. Lass sie kommen.“
Sie hob ihre Hand an die Lippen und biss zu. Nur ein wenig. Die Zähne ritzten die Haut, Ferris starrte im schwachen Mondlicht darauf, wie sie ihr Handgelenk leckte. Im nächsten Moment drang ein dunkles Grollen irgendwo tief aus ihrem Brustkorb, ihr Körper spannte sich.
„Ferris!“ , zischte Shuasa im Befehlston herüber, „Bleib bei einem von uns! Wir treffen uns hinter der Küste! Wenn du nicht da bist, kommt keiner dich holen, klar?“
Das letzte Wort ging halb unter in einem spitzen, unmenschlichen Schrei, der mehr klang als würde jemand mit der Gabel auf einem Teller herum kratzen. Schuppige Reptilienhaut glänzte in den einzelnen Bündeln Mondlicht, die durchs Dach fielen, brach sich an langen Reihen dünner, krokodilhafter Zähne, und auf einmal waren sie da, wie dutzende riesiger Eidechsen. Sie kamen in einem Schwall, wie eine Flutwelle, und sie waren schnell. Ferris stolperte vorwärts, sah noch wie Shuasa Fersengeld gab, und an ihnen vorbei Richtung Ausgang sprintete, der dünne Rapier blitzte kurz auf. Bale, war vermutlich dicht hinter ihr.
Ferris schlug eine lange, zähe Aligatorschnauze beiseite, wich dunkel gekrümmten Krallen zu knapp aus und bekam den rechten Oberarm dafür aufgeschlitzt. Die schiere Kraft die er dabei zu spüren bekam, machte ihm klar, dass es wahrscheinlich war, die nächten Minuten Getümmel nicht zu überleben- bis er so weit und so schnell vorwärts gestolpert war, dass er in Tirshas Rücken rannte. Sie schien ihn nicht zu bemerken. Der Killerinstinkt hatte ihr Bewusstsein anscheinend komplett weggeflasht. Mit zu Pranken verkrampften Klauenhänden und gefletschtem Raubtiergebiss schlug und riss sie sich durch ein chaotisches Knäuel in der Dunkelheit aus faulig stinkenden, schuppigen Gliedmaßen.
Ferris griff mit einer Hand ihre Kleidung im Nacken, und hielt sich fest. Er wurde mitgerissen, bekam einen Ellenbogen mit Wucht zwischen die Rippen, und übertrat sich den Fuß, beim Versuch über den unebenen Boden zu laufen- als er sich kurz über die Schulter weg umsah, starrte er auf knochenbleiche Hechtzähne, und bekam einen Hauch Mundgeruch ab, der ihn wie eine Faust in den Magen traf. Zum Henker, diese Biester waren ekelhaft. Er würde es sehr bereuen, heute Nacht hier von ihnen bei lebendigem Leib in Einzelteile zerfetzt zu werden.
Seine Schulter pochte. Warmes Fließen juckte an seinem Arm. Er hatte Seitenstechen- aber zum ersten Mal stand er zugegebenermaßen eindeutig auf Tirshas Seite. Sie war ein primitives, rassistisches Monster, aber offenbar gab es Rassen, denen er noch viel weniger in die -kaum als solches zu bezeichnenden- Hände fallen wollte, als den Garnay. Im Moment schlug sie sich wie eine tobende Banshee, und machte Hackfleisch aus ihren Jägern. Das hatten sie jetzt davon.
Ferris´ Mitleid hielt sich in Grenzen, die Euphorie über das Glück starker Gruppenmitglieder in Krisen nahm deutlich zu, jagte ihm zusammen mit Adrenalin einen gefährlichen Cocktail an Kampflust und Schadenfreude in seinen Blutkreislauf. Beinahe war er stolz darauf, wie herrlich die Garnay Dinge zerfetzen konnten. Dinge und… Viecher. Er brachte es nicht über sich, das Gezücht hier als gleichwertige Rasse anzuerkennen. Politische Korrektheit ging nur so weit.
Im Moment war sie irgendwie unangebracht.
Überraschend schnell waren sie unter freiem Himmel, der Mond gab den Blick frei auf ein Gemetzel, bei dem einem die Lust auf Abenteuerurlaub vergehen konnte. Shuasa hatte mit ihrem dünnen Rapier sichtlich zu kämpfen, während sie versuchte, fünf der fremden Biester gleichzeitig zurück zu drängen. Bale bot ihr Rückendeckung, aber seine Waffe war stumpf- die Viecher schienen nicht allzu beeindruckt davon. Und sie krochen aus jeder Ecke der Felsen, wie Flöhe aus einem toten Hund. Es war grauenhaft. Kaum draußen, spannte Tirsha die Muskeln, und machte einen Satz, der Ferris den Arm beinahe aus dem Gelenk, und ihre Kleidung komplett aus der Hand riss.
In dieser Sekunde verfluchte er sie wieder.
„Was zur Hölle soll das! Ich bin unbewaffnet!“, brüllte er. Fuck. Er war so gut wie tot.
„Tirsha! Pass gefälligst auf das Männchen auf!“ , bellte Shuasa, im Moment leider selbst sehr beschäftigt. Sie opferte einen Schuh, um schnappende Zähne von ihrem Bein abzuhalten indem sie danach trat, und stieß im kräftigen Versuch eines Kehlstichs bei einem anderen Monster auf stahlharte Panzerplatten.
Tirsha reagierte überhaupt nicht. Sie war schon mitten im nächsten Kampf. Zumindest einen trotzigen Spruch hätte Ferris ihr schon zugetraut. Aber dann begriff er, dass niemand ihn retten würde, und begann um sein Leben zu laufen.
„Zum Grasland hoch!“ , hörte er Shuasa rufen, „Lasst euch nicht unnötig aufhalten!“
Er sprang von Felssplitter zu Felssplitter, duckte sich vor blitzschnell zuschnappenden Krokodilschnauzen weg, wich Krallen und wuchtigen Angriffen aus, wurde halb erwischt, aus dem Gleichgewicht gestoßen, rannte weiter- es war wie ein Rausch. Er dachte nichts mehr, spürte weder Schmerzen noch Müdigkeit, und als er sich endlich mit den Füßen von dumpf klingendem Grasland abstieß, wo das Laufen weit leichter war, holte ihn das Entsetzen ein. Wie eine anhängliche Exfreundin, und nicht weniger unangenehm. Ihm wurde klar, was er gerade erlebt hatte, und dass es noch nicht ansatzweise vorbei war. Verzweiflung schlug in ihm hoch.
Ein gellender Pfiff ertönte von links, Ferris ganzes Bewusstsein richtete sich auf das Streben zur Gruppe und zu ihrer Anführerin- auf das, und die wilde Hoffnung, dass irgendjemandem sonst etwas Besseres einfiel als ihm. Er setzte sich prompt in Bewegung, spürte Schmerzen am ganzen Körper und ganz besonders in seinen Beinen. Es tat so weh, dass er hätte heulen können.
Die Erleichterung, den Rest seiner Reisegruppe wieder zu finden, war schwer zu fassen. Es war eine tiefe Dankbarkeit über Gefährten, angesichts von einem übermächtigen Feind. Auch wenn ihre Gruppendynamik zu wünschen übrig ließ.
Shuasa stand entnervend ruhig da, angesichts der Tatsache dass ihre schmalen Hände am Griff ihres Rapiers zitterten und sie vermutlich vom Kampf nassgeschwitzt war. Ihr Blick aus den schmalen, dunklen Augen war viel zu kontrolliert und gefasst. Sie war nur eine verdammte Menschenfrau! Ein Mensch, so wie er, egal von wem oder was sie nun aufgezogen worden war! Dort wo er herkam, gab es keine kleinen Frauen mit so einem kaltschnäuzig unbeeindruckten Blick, nachdem sie gerade nur knapp und mit Glück einem unrühmlichen Ende im stinkenden Rachen von Monstern entwischt waren.
Bale schüttelte seinen dunklen Kopf, und ächzte gequält. „Es hat alles keinen Sinn“ , stöhnte er, „Sie werden uns alle zerreißen. Ich hätte mich gleich fressen lassen sollen.“
„Wo ist Tirsha?“ , erkundigte Ferris sich schnaufend, nicht weil er so scharf darauf war es zu wissen, sondern weil er wenig Lust hatte, hier noch lange stehen zu bleiben.
Shuasa starrte ihn ausdruckslos an. „Am Kämpfen, vermutlich. Sie scheint in irgendeinem Garnay – Berserker- Modus zu sein, das macht sie zwar stärker, aber-…“, sie warf einen Blick zurück nach unten, über die Felsküste, „… unkontrollierbar. Das heißt, ziemlich nutzlos, letztendlich.“
„Oh toll!“ , platzte Ferris heraus. Er war sonst nicht der Typ für Sarkasmus, aber ihm tat alles weh, er war noch leicht benebelt vom Adrenalinschock, und hatte nach wie vor Todesangst im Nacken:
„Wir sind so ein tolles Team! Der eine Kämpfer ist depressiv und suizidal, die andere ist ein verrücktes Monster, das uns mehr in Gefahr bringt als nützt! Der Bogenschütze ist unbewaffnet, und unsere Heilerin ist ein Sadist! Wie schön dass mein Leben von euch Leuten abhängt!“
Shuasa hatte ihren Blick zurück auf ihn gerichtet, und runzelte einen Moment irritiert die Stirn.
„Du bist der Bogenschütze?“, wollte sie wissen, „Ich dachte du bist nur hier für Sight- Seeing.“
In diesem Moment tauchte Tirsha wieder auf. Sie war plötzlich da, sah aus als hätte sie mit bloßen Zähnen und Klauen ein Schwein geschlachtet, und sich in den Überresten gewälzt- was bis auf das Schwein vermutlich recht zutreffend war. Keuchend wischte sie sich Blut vom Kinn, schüttelte die mähnenartigen Haarzotteln, richtete –bei ausreichend Licht gelbe, im Mondschein je nach Lichteinfall dunkle oder fluoreszierende- im Moment dunkle Augen fragend in Richtung Shuasa.
„Gehen wir.“ , brachte ihre Anführerin die Sache auf den Punkt, und Ferris begriff, dass er heute noch einiges an Strecke und Aufregung zu bewältigen hatte, bevor er es vielleicht wagen konnte, anzumerken, dass er seinen Arm nicht mehr heben, und kaum noch auftreten konnte.
Egal wie und auf welche Art- seine Rudelmitglieder hatten einen beträchtlichen Vorsprung in Zähigkeit und Kondition. Nicht das erste Mal hatte er das Gefühl, dass es eigentlich völlig unmöglich sein müsste, Schritt zu halten.
Aber zum Anbruch der nächsten Pause musste er feststellen, dass es doch irgendwie funktioniert hatte.
Genau wie ihre ganze, dysfunktionale Gemeinschaft.
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Fandom: original
Challenge: (Päckchen 1) siehe Titel.
Rating: hm... vl. PG16?
Team: sartre
Beinhaltet: Fantasy, Monster, Gemetzel. Juhu!
Kein Beta. Müsste auch ohne Zusammenhang halbwegs verständlich sein (hoffe ich)... Garnay sehen sehr menschlich aus, abgesehen von kleinen, anatomischen Details (Zähne...)
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„Verdammt“, grollte Tirsha leise, in den steinernen Winkel der Ruine gedrückt, während Ferris bei ihr saß, und halb gelähmt war vor Schreck, „Kaltblüter.“
Das fremdartige Schnaufen und Zischeln schien jetzt von überall her durch die Ritzen der uralten Mauern zu dringen, zwar noch gedämpft durch Entfernung, aber zweifellos näher kommend.
Der junge Sturmländer warf einen Blick hinüber zu Shuasa, die sich zusammen mit Bale in ein Versteck auf der anderen Seite der Plattform zurück gezogen hatte. Ihre schmale Gestalt im schwarzen Mantel war im Schatten schwer auszumachen. Sie versuchte offenbar, Tirsha zu Augenkontakt zu bewegen, und irgendetwas mit Gesten und Mundbewegungen mitzuteilen. Ferris hatte Zweifel, ob Tirsha überhaupt mitbekam, dass jemand versuchte, Kontakt mit ihr aufzunehmen, aber er glaubte, ein einziges Wort zu verstehen. Die Finger-von-links-nach-rechts-über-Kehle- Bewegung bestätigte es.
Töten.
Moment mal. Sie sollten alle töten? Was war das für ein völlig beknackter Plan?! Sein beschleunigter Atem war nur noch schwer lautlos zu halten. Es war vielleicht zwei Uhr Nachts, und sie waren ein bisschen unvorbereitet! Er hatte ein lächerlich kleines Taschenmesser. Für einen Kampf waren sie nicht wirklich ausgestattet! Oder meinte sie, die Anderen würden sie alle töten? In dem Fall wäre es vielleicht besser, gleich abzuhauen. Aber wohin kam man denn nachts, in einer Gegend wo Tagesreisen weit keine einzige sichere Siedlung stand? Auf der einen Seite das Meer, auf der anderen die zerklüftete Küste, die aussah als hätte ein gigantisches Wesen massenhaft dunkle Steinsplitter zwischen Wasser und Land geschüttet, und sie saßen in diesem alten Gemäuer genau mittendrin. In jeder Spalte der Steine dort draußen konnte eins von den Biestern sitzen.
Tirsha löste sich aus dem Versteck und schnürte ihr Bündel Gepäck fester um die Schultern. „Was machst du?“, wisperte Ferris, „Bleib hier! Bist du lebensmüde?“
„Mensch.“, Tirshas Augen reflektierten spärliches Mondlicht, das durch die zerfallene Gewölbedecke drang, zwei gleißende Scheiben in einem Schatten, ihre Stimme leise und rollend, „Du bist so gut wie tot, wenn du hier bleibst. Sie jagen nicht was sie sehen, sondern was sie riechen. Und wir hatten alle lange genug kein Vollbad mehr. Das Versteck ist nutzlos.“
„Behaltet die Wand im Rücken!“, flüsterte Shuasa bemüht autoritär zu ihnen hinüber.
„Tze.“ , Tirsha schnaubte, „Ich brauche keine Wand. Lass sie kommen.“
Sie hob ihre Hand an die Lippen und biss zu. Nur ein wenig. Die Zähne ritzten die Haut, Ferris starrte im schwachen Mondlicht darauf, wie sie ihr Handgelenk leckte. Im nächsten Moment drang ein dunkles Grollen irgendwo tief aus ihrem Brustkorb, ihr Körper spannte sich.
„Ferris!“ , zischte Shuasa im Befehlston herüber, „Bleib bei einem von uns! Wir treffen uns hinter der Küste! Wenn du nicht da bist, kommt keiner dich holen, klar?“
Das letzte Wort ging halb unter in einem spitzen, unmenschlichen Schrei, der mehr klang als würde jemand mit der Gabel auf einem Teller herum kratzen. Schuppige Reptilienhaut glänzte in den einzelnen Bündeln Mondlicht, die durchs Dach fielen, brach sich an langen Reihen dünner, krokodilhafter Zähne, und auf einmal waren sie da, wie dutzende riesiger Eidechsen. Sie kamen in einem Schwall, wie eine Flutwelle, und sie waren schnell. Ferris stolperte vorwärts, sah noch wie Shuasa Fersengeld gab, und an ihnen vorbei Richtung Ausgang sprintete, der dünne Rapier blitzte kurz auf. Bale, war vermutlich dicht hinter ihr.
Ferris schlug eine lange, zähe Aligatorschnauze beiseite, wich dunkel gekrümmten Krallen zu knapp aus und bekam den rechten Oberarm dafür aufgeschlitzt. Die schiere Kraft die er dabei zu spüren bekam, machte ihm klar, dass es wahrscheinlich war, die nächten Minuten Getümmel nicht zu überleben- bis er so weit und so schnell vorwärts gestolpert war, dass er in Tirshas Rücken rannte. Sie schien ihn nicht zu bemerken. Der Killerinstinkt hatte ihr Bewusstsein anscheinend komplett weggeflasht. Mit zu Pranken verkrampften Klauenhänden und gefletschtem Raubtiergebiss schlug und riss sie sich durch ein chaotisches Knäuel in der Dunkelheit aus faulig stinkenden, schuppigen Gliedmaßen.
Ferris griff mit einer Hand ihre Kleidung im Nacken, und hielt sich fest. Er wurde mitgerissen, bekam einen Ellenbogen mit Wucht zwischen die Rippen, und übertrat sich den Fuß, beim Versuch über den unebenen Boden zu laufen- als er sich kurz über die Schulter weg umsah, starrte er auf knochenbleiche Hechtzähne, und bekam einen Hauch Mundgeruch ab, der ihn wie eine Faust in den Magen traf. Zum Henker, diese Biester waren ekelhaft. Er würde es sehr bereuen, heute Nacht hier von ihnen bei lebendigem Leib in Einzelteile zerfetzt zu werden.
Seine Schulter pochte. Warmes Fließen juckte an seinem Arm. Er hatte Seitenstechen- aber zum ersten Mal stand er zugegebenermaßen eindeutig auf Tirshas Seite. Sie war ein primitives, rassistisches Monster, aber offenbar gab es Rassen, denen er noch viel weniger in die -kaum als solches zu bezeichnenden- Hände fallen wollte, als den Garnay. Im Moment schlug sie sich wie eine tobende Banshee, und machte Hackfleisch aus ihren Jägern. Das hatten sie jetzt davon.
Ferris´ Mitleid hielt sich in Grenzen, die Euphorie über das Glück starker Gruppenmitglieder in Krisen nahm deutlich zu, jagte ihm zusammen mit Adrenalin einen gefährlichen Cocktail an Kampflust und Schadenfreude in seinen Blutkreislauf. Beinahe war er stolz darauf, wie herrlich die Garnay Dinge zerfetzen konnten. Dinge und… Viecher. Er brachte es nicht über sich, das Gezücht hier als gleichwertige Rasse anzuerkennen. Politische Korrektheit ging nur so weit.
Im Moment war sie irgendwie unangebracht.
Überraschend schnell waren sie unter freiem Himmel, der Mond gab den Blick frei auf ein Gemetzel, bei dem einem die Lust auf Abenteuerurlaub vergehen konnte. Shuasa hatte mit ihrem dünnen Rapier sichtlich zu kämpfen, während sie versuchte, fünf der fremden Biester gleichzeitig zurück zu drängen. Bale bot ihr Rückendeckung, aber seine Waffe war stumpf- die Viecher schienen nicht allzu beeindruckt davon. Und sie krochen aus jeder Ecke der Felsen, wie Flöhe aus einem toten Hund. Es war grauenhaft. Kaum draußen, spannte Tirsha die Muskeln, und machte einen Satz, der Ferris den Arm beinahe aus dem Gelenk, und ihre Kleidung komplett aus der Hand riss.
In dieser Sekunde verfluchte er sie wieder.
„Was zur Hölle soll das! Ich bin unbewaffnet!“, brüllte er. Fuck. Er war so gut wie tot.
„Tirsha! Pass gefälligst auf das Männchen auf!“ , bellte Shuasa, im Moment leider selbst sehr beschäftigt. Sie opferte einen Schuh, um schnappende Zähne von ihrem Bein abzuhalten indem sie danach trat, und stieß im kräftigen Versuch eines Kehlstichs bei einem anderen Monster auf stahlharte Panzerplatten.
Tirsha reagierte überhaupt nicht. Sie war schon mitten im nächsten Kampf. Zumindest einen trotzigen Spruch hätte Ferris ihr schon zugetraut. Aber dann begriff er, dass niemand ihn retten würde, und begann um sein Leben zu laufen.
„Zum Grasland hoch!“ , hörte er Shuasa rufen, „Lasst euch nicht unnötig aufhalten!“
Er sprang von Felssplitter zu Felssplitter, duckte sich vor blitzschnell zuschnappenden Krokodilschnauzen weg, wich Krallen und wuchtigen Angriffen aus, wurde halb erwischt, aus dem Gleichgewicht gestoßen, rannte weiter- es war wie ein Rausch. Er dachte nichts mehr, spürte weder Schmerzen noch Müdigkeit, und als er sich endlich mit den Füßen von dumpf klingendem Grasland abstieß, wo das Laufen weit leichter war, holte ihn das Entsetzen ein. Wie eine anhängliche Exfreundin, und nicht weniger unangenehm. Ihm wurde klar, was er gerade erlebt hatte, und dass es noch nicht ansatzweise vorbei war. Verzweiflung schlug in ihm hoch.
Ein gellender Pfiff ertönte von links, Ferris ganzes Bewusstsein richtete sich auf das Streben zur Gruppe und zu ihrer Anführerin- auf das, und die wilde Hoffnung, dass irgendjemandem sonst etwas Besseres einfiel als ihm. Er setzte sich prompt in Bewegung, spürte Schmerzen am ganzen Körper und ganz besonders in seinen Beinen. Es tat so weh, dass er hätte heulen können.
Die Erleichterung, den Rest seiner Reisegruppe wieder zu finden, war schwer zu fassen. Es war eine tiefe Dankbarkeit über Gefährten, angesichts von einem übermächtigen Feind. Auch wenn ihre Gruppendynamik zu wünschen übrig ließ.
Shuasa stand entnervend ruhig da, angesichts der Tatsache dass ihre schmalen Hände am Griff ihres Rapiers zitterten und sie vermutlich vom Kampf nassgeschwitzt war. Ihr Blick aus den schmalen, dunklen Augen war viel zu kontrolliert und gefasst. Sie war nur eine verdammte Menschenfrau! Ein Mensch, so wie er, egal von wem oder was sie nun aufgezogen worden war! Dort wo er herkam, gab es keine kleinen Frauen mit so einem kaltschnäuzig unbeeindruckten Blick, nachdem sie gerade nur knapp und mit Glück einem unrühmlichen Ende im stinkenden Rachen von Monstern entwischt waren.
Bale schüttelte seinen dunklen Kopf, und ächzte gequält. „Es hat alles keinen Sinn“ , stöhnte er, „Sie werden uns alle zerreißen. Ich hätte mich gleich fressen lassen sollen.“
„Wo ist Tirsha?“ , erkundigte Ferris sich schnaufend, nicht weil er so scharf darauf war es zu wissen, sondern weil er wenig Lust hatte, hier noch lange stehen zu bleiben.
Shuasa starrte ihn ausdruckslos an. „Am Kämpfen, vermutlich. Sie scheint in irgendeinem Garnay – Berserker- Modus zu sein, das macht sie zwar stärker, aber-…“, sie warf einen Blick zurück nach unten, über die Felsküste, „… unkontrollierbar. Das heißt, ziemlich nutzlos, letztendlich.“
„Oh toll!“ , platzte Ferris heraus. Er war sonst nicht der Typ für Sarkasmus, aber ihm tat alles weh, er war noch leicht benebelt vom Adrenalinschock, und hatte nach wie vor Todesangst im Nacken:
„Wir sind so ein tolles Team! Der eine Kämpfer ist depressiv und suizidal, die andere ist ein verrücktes Monster, das uns mehr in Gefahr bringt als nützt! Der Bogenschütze ist unbewaffnet, und unsere Heilerin ist ein Sadist! Wie schön dass mein Leben von euch Leuten abhängt!“
Shuasa hatte ihren Blick zurück auf ihn gerichtet, und runzelte einen Moment irritiert die Stirn.
„Du bist der Bogenschütze?“, wollte sie wissen, „Ich dachte du bist nur hier für Sight- Seeing.“
In diesem Moment tauchte Tirsha wieder auf. Sie war plötzlich da, sah aus als hätte sie mit bloßen Zähnen und Klauen ein Schwein geschlachtet, und sich in den Überresten gewälzt- was bis auf das Schwein vermutlich recht zutreffend war. Keuchend wischte sie sich Blut vom Kinn, schüttelte die mähnenartigen Haarzotteln, richtete –bei ausreichend Licht gelbe, im Mondschein je nach Lichteinfall dunkle oder fluoreszierende- im Moment dunkle Augen fragend in Richtung Shuasa.
„Gehen wir.“ , brachte ihre Anführerin die Sache auf den Punkt, und Ferris begriff, dass er heute noch einiges an Strecke und Aufregung zu bewältigen hatte, bevor er es vielleicht wagen konnte, anzumerken, dass er seinen Arm nicht mehr heben, und kaum noch auftreten konnte.
Egal wie und auf welche Art- seine Rudelmitglieder hatten einen beträchtlichen Vorsprung in Zähigkeit und Kondition. Nicht das erste Mal hatte er das Gefühl, dass es eigentlich völlig unmöglich sein müsste, Schritt zu halten.
Aber zum Anbruch der nächsten Pause musste er feststellen, dass es doch irgendwie funktioniert hatte.
Genau wie ihre ganze, dysfunktionale Gemeinschaft.
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no subject
Date: 2010-07-12 12:44 pm (UTC)Ich weiß nicht, ob ich es schon gesagt hab, aber mir gefällt dein Schreibstil (auch in den WK-FFs) unheimlich gut. Immer humorvoll, aber mit einer düsteren Schlagseite dabei. Ich mochte, wie sich hier die Charakterisierung der Figuren nach und nach durch das Kampfgeschehen übermittelt. Ferris' Gedanken während des Kampfes fand ich realistisch - wie viel einfacher es ist, desto weniger der Gegner menschliche Züge trägt, diese Mischung aus Schadenfreude, Adrenalin, merkwürdigem Stolz und 'besser die als wir'. Ich fand auch die Vermischung aus animalischen und menschlichen Zügen bei den Garnay ('das Männchen'!) ziemlich cool. Auch, daß sie aus der Sicht eines (erst mal) Außenseiters geschildert werden. Die Choerographie des Kampfes war etwas verworren, aber das ist möglicherweise gar keine Kritik, denn solche Schlachten SIND wahrscheinlich auch sehr verworren.
Interessante Gruppe, die du da hast. Würde mich auch weiterhin interessieren, vor allem auch, in wie fern sich Shuasa mit seiner bemühten Autorität durchzusetzen versteht.
no subject
Date: 2010-07-22 08:51 am (UTC)Die Feinheiten über das Gefälle und die Spannungen zwischen Garnay und Menschen und anderen humanoiden Rassen setzen vermutlich mehr Backgroundinfos voraus, aber die wichtigsten Eigenschaften für die Szene kamen hoffentlich durch. Ich hab das Universum seit einer halben Ewigkeit im Kopf, und wollte jetzt einfach mal ein paar Dinge dazu runterschreiben, mehr so zur Selbstüberwindung xD
Vielen, vielen Dank für den Kommentar! Hatte schon Zweifel ob ich nicht vielleicht doch totalen Mist geschrieben hab... ich versuch auf jeden Fall noch ein paar Szenen mehr zu schreiben, damit das Ganze ein bisschen klarer wird... Danke fürs Lesen und Kommentieren jedenfalls!
no subject
Date: 2010-07-22 12:24 pm (UTC)Wie gesagt, daß die Schlacht etwas verworren ist, fand ich gar nicht so negativ - man könnte die Szene vielleicht noch ausbauen, aber da es alles aus Ferris' Sicht ist, der mitten hinein geworfen wird (und dann auch noch unbewaffnet), hat es ganz gut gepaßt. Ich kann mir vorstellen, daß seine Annäherung an die Gruppe noch ziemlich interessant wird.
Oho, wie viele andere humanoide Rassen gibt es denn? Ich nehme an, die hier geschnetzelten Reptilienwesen zählen nicht dazu? XD Sind die Garnay eigentlich, um, eine attraktive Rasse, oder wirken sie insgesamt eher abschreckend auf Menschen? So viele Fragen ... aber ich weiß, sein eigenes Fantasy-Universum zu erklären, kann manchmal ganz schön nervig sein. Und man muß sich wirklich an die Sache ranschreiben. Aber wie gesagt, wenn du noch weiter üben willst, ich fände es cool!
Und nein, mein Original ist sowas von gar nicht durchdacht. Täusch dich da nicht. XD
no subject
Date: 2010-07-23 10:10 pm (UTC)Aaalso... es gibt keine Elfen und Zwerge. Stattdessen menschliche und humanoide Rassen und Clans mit unterschiedlichen physischen Eigenschaften und unterschiedlicher Kultur... momentan sind etwa fünf oder sechs davon plotrelevant. Die geschnetzelten Reptilienwesen zählen im weitesten Sinne auch zu den Humanoiden.
Ferris gehört zu einer kleinen ethnischen Gruppe von Menschen, den Phaik. Von den normalen "Standart"- Menschen unterscheiden ihn nur Details, aber seine Angehörigkeit bestimmt die Art, wie Andere mit ihm umgehen.
Alles teilt sich auf in zwei Systeme: innerhalb von festen Stadtgrenzen bestimmt die jeweilige Stadtordnung das Gesetz.
Überall drum herum gibt es flüchtige Gruppen von Outcasts oder freiwilligen "Gesetzlosen", die hierarchisch strukturiert sind. In dem Fall machen die Stärkeren eigene Regeln. Es bietet sich also an, entweder eine kampfstarke Truppe zu haben, die richtigen Leute zu kennen, oder bestimmte Gebiete zu meiden.
Garnay sind nicht hässlich, und abschreckend eher durch ihr Verhalten, es ist eine Amazonenrasse aus einem Mangrovensumpfgebiet. Obwohl sie menschlich aussehen, sind sie eher menschenfeindlich. Sie haben nur weibliche Nachkommen, brauchen aber zu Fortpflanzungszwecken ein menschliches Männchen, das sie hinterher normalerweise an fleischfressende Riesenpflanzen verfüttern...
Shuasa ist keine Garnay sondern ein Mensch, aber sie ist von den Nigor aufgezogen worden, und benimmt sich entsprechend- Nigor sind keinen Menschen sondern Humanoiden, die wiederum von den Garnay als einzige Rasse als gleich- oder höherrangig respektiert werden... alles in allem ein bisschen kompliziert. :D
Die Erklärungen sind nicht nervig, das eigentlich schwierige ist, irgendwo anzufangen, die Geschichte zum laufen zu bringen und kohärent durchzuziehen. Das Universum ist da, die Figuren sind da, es hapert noch an der Umsetzung. Naja ich bemüh mich. Mal sehen wie das wird xD
no subject
Date: 2010-07-27 02:24 pm (UTC)Klingt wirklich cool! Ist es eigentlich ein modernes AU, oder spielt es in einer historischen Zeit? Es klingt eher historisch, von den Waffen und den Clans her, aber ich kann mich auch irren.
Ich mag diesen modernen Ansatz mit den humanoiden Völkern auch eigentlich lieber als Elfen, Zwerge und Goblins etc. Von daher gefällt mir die Idee wirklich gut! Und irgendwie haben die 'normalen' Menschen in solchen Situationen immer ein bißchen die Arschkarte, aber hey, Ferris wirkt als könnte er sich behaupten. XD
Nun wäre ich natürlich neugierig, wie die Nigor so sind.
Du, Kohärenz ist überbewertet. XD Nein, nicht wirklich, aber ich finde es spricht auch nichts dagegen, einfach in eine Geschichte hineingeschmissen zu werden. Die Regeln und Gesetze erklären sich dann oft nebenher. Hauptsache ist doch, die Figuren machen Spaß, und das tun sie. =D
no subject
Date: 2010-09-26 03:53 pm (UTC)Zu dem Zeitpunkt der Geschichte in dem der Storyausschnitt hier spielt ist das mit der Riesenpflanze (leider?) schon ausdiskutiert XD Das Setting ist nicht streng historisch, es soll mehr was punkiges haben. Der Grad von Fortschritt hängt stark von der Gegend ab.
Die "normalen" Menschen machen das Beste draus xD so ganz ohne sind die ja nu auch nich. Mal sehen wie Ferris sich entwickelt...
Die Nigor... heh :D Nigor sind humanoide Raubtiere mit hohem Aggressionspotential. Keine Verfechter von Kuschelpädagogik...
Ich hoffe ich komm mit der Geschichte hier in absehbarer Zeit noch ein bisschen voran!