Nicht Dauer, Sondern Qualität
Jun. 28th, 2010 09:39 pmTeam: Monroe
Titel: Nicht Dauer, Sondern Qualität
Fandom: Original
Challenge: Porno, Päckchen #1
Beinhaltet... m/m, m/f
Nicht Dauer, Sondern Qualität
„Ich sollte gehen“, murmelte Lukas. „Ich sollte echt gehen, ich weiß doch, dass ich nur wieder stören werde.“ Er seufzte und strich sich seien Pony aus dem Gesicht, auf den der Friseur bestanden hatte, weil das ja jetzt so angesagt war, wie Sam aus der ersten Staffel auszusehen, zumindest von der Frisur her, da würde Lukas sicher einige knackige Typen abbekommen. Wer auch immer Sam war. Und Typen, im Plural schon gar nicht, waren so auch nicht erschienen. „Ich sollte echt. Ich mein, ist echt nett von dir, aber--“
„Boah“, sagte Sven, zwei Bierkästen, aufeinander gestapelt, in den Händen. Er stellte sie auf den breiten Küchentisch, dann wischte er sich die Hände an seiner Hose ab. „Nun sei mal nicht so aufgeregt. Ich hab dich doch auch eingeladen, kapiert? Da kann sich Thomas seine Sprüche sowas von sparen.“
„Als ob er das würde“, sagte Lukas, aber das Klingeln an der Tür unterbrach ihn.
Lukas warf einen letzten Blick zu Sven, der an der Wohnungstür stand und die Haustür öffnete, um dann raus ins Treppenhaus zu gehen. Lukas trat ins Wohnzimmer. Aus dem Treppenhaus hörte er die Schritte und die Begrüßungen.
„Hey Lukas“, sagte Seppel, als er das Wohnzimmer betrat, dicht gefolgt von Mehmet. Die beiden wirkten wie immer wie Brüder, ganz egal, wie unterschiedlich sie aussahen, Seppel fast schwedisch mit seinen weißblonden Haaren und Mehmet türkisch, aber ihre ganze Haltung hatten sie voneinander abgekupfert, jede Geste, bis zur Begrüßung.
„Hey“, sagte Lukas. Seppel setzte sich neben den Tisch auf den Boden, Mehmet folgte seinem Beispiel, nur auf der anderen Seite. Richtig. Bloß nicht zu nah zusammen sitzen.
„Hey Schwuppe“, spuckte Thomas hervor, als er den Raum betrat.
Lukas nickte abgehackt. „Hallo Thomas“, sagte er langsam.
Thomas schnaubte, dann setzte er sich neben Seppel – so weit weg wie möglich von Lukas.
„Und?“, tönte Svens Stimme aus der Küche. „Wie findet ihr ihn?“
„Geiles Baby!“, sagte Seppel mit einem Grinsen. „Gut, dass deine Eltern nicht da sind. Das lädt ja gerade dazu ein, Breitbandponos zu gucken.“
Der neue Fernseher war in der Tat sehr schick, sehr breit und sehr teuer. Svens Eltern hatten sich was gönnen wollen und da sowohl Sven als auch sein Vater gern Autorennen spielten, war die Sache klar gewesen. Vor allem, weil Sven erst nach dem Abi und dem Zivildienst ausziehen würde und das war noch ein Jahr hin. Unter vier Augen hatte Sven Lukas verraten, dass, Ja, die Chance war doch recht groß, dass er den Fernseher mit in seine eigene Wohnung mitnehmen könnte.
Sven lachte, während er wieder aus der Küche war, die Hände mit Flaschen beladen. „Hier“, sagte er. „Zweite Ladung könnt ihr euch später selber holen. Cola für Mehmet--“
Mehmet griff nach seiner Cola und hob sie dankend an.
„-- Bier für den Rest.“
„Keine Bionade für das Mädchen?“, fragte Thomas mit einem Lachen, als Sven Lukas sein Bier reichte. „Gib ihr nicht zu viel, nachher zieht sie sich noch aus und will Sex mit uns haben!“
„In deinen Träumen vielleicht“, zischte Lukas und stellte sein Bier fester als nötig auf den Tisch vor der Couch.
Thomas verzog sein Gesicht. „Ich kotz gleich!“
Lukas presste seine Lippen zusammen. Er konnte Svens Blick auf sich spüren, als sich die Couch bog und Sven am anderen Ende Platz nahm.
„Ohh“, kommentierte Thomas. „Pass bloß auf Sven!“
„Schnauze, Thomas“, sagte Sven. „Guck lieber nach vorn.“ Er griff nach der Fernbedienung und der Bildschirm flackerte an, dann kam kurz das Menü und der Blu-ray Disc-Player begann zu surren.
Lukas sah weg als die erste Szene über den Bildschirm flackerte, eine auf dem Rücken liegende Frau, die Brüste unnatürlich nach oben gestreckt, die Beine breit. Thomas hatte seine Bewegung bemerkt.
„Du bist so eine Pussy“, sagte Thomas. „Total schwul!“
'Ich kann mir nichts schwuleres vorstellen', hätte Lukas am liebsten gesagt. 'als mir mit fünf Typen gemeinsam einen runter zu holen.' Aber das wäre unfair. Sven hatte vor einer halben Woche sein zweijähriges mit Mara gefeiert, Mehmet und Swantje waren frisch verliebt und Seppel saß immer noch in einem Loch, weil Isa zu ihrem Ex zurückgezogen war.
Also knirschte Lukas nur mit den Zähnen.
Lukas betrachtete den Fernseher, ohne auf den Film zu sehen. Aber da war er sicher der einzige.
„Mehmet, mach mal was“, sagte Seppel, ein Grollen in seiner Stimme, das sich direkt in Lukas' Rückenmark zu bohren schien, unterlegt mit Svens Keuchen von der anderen Seite der Couch.
Mehmet schnaubte. Er hatte seine Hose nicht offen, er saß da einfach nur, ganz entspannt, leicht interessiert. „Ich bin mit Swantje zusammen und Ende, da brauch ich keine Pornos.“
Auf dem Bildschirm spritzte der Mann über das Gesicht der Frau, und Sperma tropfte runter auf ihre Brüste. Lukas würgte ein wenig.
Sven stöhnte laut, aber eher leicht genervt als sexuell. „Mara hat mir ihr okay gegeben!“, sagte er.
Mehmet schüttelte seinen Kopf. „Wenn du deine Freundin so degradieren willst“, sagte er, aber er lächelte.
„Ich lern' halt was dabei“, antwortete Sven und grinste.
Das Bild wechselte. Für einen Moment waren es nur sich windende Körper, Berge aus nacktem Fleisch und Muskeln, dann, als die Kamera etwas nach oben fuhr, erstarrte Lukas. Und nicht nur er.
„Was zur Hölle--“, grunzte Thomas erschrocken und taumelte zurück über den Rand der Couch, als wäre ihn die Nähe zum Bildschirm für ihn schon zu viel.
„Oho!“, sagte Seppel, pausierte mit seiner Hand auf seinem Schwanz und grinste zu Sven herüber. „Du hast ja echt an alle gedacht. Respekt, man!“ Er zwinkerte zu Lukas herüber. Lukas verzog sein Gesicht.
„Keine Diskriminierung bei mir im Haus“, antwortete Sven mit ernster Stimme. „Jedem sein bisschen.“
„Man merkt's!“, sagte Mehmet.
Auf dem Bildschirm lief immer noch ein Porno, natürlich, mit dem ganzen Stöhnen und Grunzen. Nur war da eben keine Frau mehr, sondern zwei Kerle, nackt und ölig, mit Muskeln bepackt, aufeinander, nebeneinander, ineinander.
„Was soll die Scheiße!“, schrie Thomas. Lukas riss seinen Blick vom Bildschirm weg. Thomas starrte entgeistert nach vorne.
„Reg dich mal ab!“, rief Mehmet und lachte. „Ist auch nur ein Porno.“
„Mach das aus“, knurrte Thomas, griff die Fernbedienung vom Tisch und schaltete den Player aus. Mit einem Mal war es dunkler im Zimmer, das bis eben noch von dem riesigen Bildschirm beleuchtet worden war. Thomas sprang auf und pfefferte die Fernbedienung gegen den Bücherschrank. Lukas zuckte zusammen, als sie auf den Boden knallte und direkt die Batterien raus sprangen und über den Boden rollten.
Für einen Moment hörte er nur Thomas' schnelles Atmen. „Ich will diese Scheiße nicht gucken!“, rief Thomas dann. „Verstanden? Schon schlimm genug, dass ich weiß, dass Lukas es in den Arsch nimmt wie so 'ne zwei Cent Junkie-Nutte, da muss ich bei so 'nem Dreck nicht auch noch zugucken!“
Lukas presste seine Lippen zusammen und stand auf, ohne ein Wort zu sagen. Seine Ohren glühten und alles war ein bisschen seltsam, surreal, während er aus dem Wohnzimmer zur Wohnungstür stapfte, sie aufriss und hinter sich wieder schloss. Dann ballte er die Hände zu Fäusten. So ein Wichser.
Lukas atmete tief durch. Einmal. So. Die Tür war zu. Und er stand hier, ohne seine Jacke, ohne Geld, ohne sein Schülerticket, ohne Schuhe, ohne seine Haustürschlüssel. Lukas presste sich seine Hände auf die Augen und setzte sich auf die oberste Treppenstufe im Treppenhaus.
So eine Scheiße.
Drinnen konnte er die wütenden Stimmen hören, von wem auch immer. Klang alles so durcheinander und das Brummen in Lukas' Ohren war zu laut, um etwas erlauschen zu können. Die brüllten sich da sicher fünf Minuten an und Lukas presste seine Lippen zusammen. Das war so klar, dass er jetzt hier draußen saß--
Die Tür wurde aufgerissen. Lukas blickte hoch und Thomas' und sein Blick kreuzten sich, dann schmiss Thomas die Tür hinter sich zu. „Danke, scheiß Homo“, zischte Thomas und stürmte an Lukas vorbei die Treppe runter, Hosenstall noch offen, die Jacke im Arm, das Gesicht rot und verzerrt vor Wut.
Lukas blickte ihm hinterher. Mit sieben hatte Sven Thomas und Lukas vom Klettergerüst geschubst, weil sie Sven nicht hatten mitspielen lassen – und sie waren in Mehmets und Seppels Wasserleitungssystem aus Sand hineingefallen. Nach der anschließenden Standpauke von Frau Seegers hatten sie sich eine das Freundschaft für immer geschworen, mit Blut und soweiter. Lukas verzog sein Gesicht. 'Für immer.'
Die Tür öffnete sich erneut.
„Dein Bier“, sagte Sven und hielt Lukas die Flasche hin.
Lukas sah zu ihm hoch und nahm die Flasche mit einem Nicken an. „Sorry“, sagte er. „Dass ich dir den Abend ruiniert hab.“
Sven schnaubte und nahm einen Schluck aus seiner eigenen Flasche. Er lehnte sich gegen die Wand neben der Wohnungstür, eine Hand in der Hosentasche, eine an seinem Bier.
Bevor Lukas sein Coming-Out bei Sven und den anderen gehabt hatte, war da immer diese Idee gewesen. Dass Sven vielleicht auch schwul sei, oder wenigstens bi. Dass Sven Mara verlassen würde – nicht wegen Lukas! Aber vielleicht wegen etwas anderem. Nur Lukas wollte nicht der Grund sein, denn er mochte Mara, er mochte sie echt. Sie war klug, witzig und sah wirklich hübsch aus, und sie hatte Lukas unbedingt ihr Kleid für ihren Abiball zeigen wollen.
Aber da war trotzdem dieses Ding gewesen in Lukas, dieses hässliche, dornige, eklige Ding, was vielleicht, vielleicht hoffte, dass Sven Lukas doch lieber mochte. Dass Sven sich vielleicht in Lukas verlieben könnte, halt so langsam, oder nur ein bisschen.
Aber Sven war hetero; Sven war mit Mara zusammen; Sven hatte Lukas den Verlobungsring seiner verstorbenen Oma gezeigt, mit dem er Mara nach dem Abi und nach seinem Zivildienst den Heiratsantrag machen würde.
Und Lukas war okay.
Echt.
Trotzdem konnte er Sven sexy finden.
„Bitte“, sagte Sven. „Wenn jemand den Abend ruiniert hat, dann wohl eindeutig Thomas.“
„Hm“, sagte Lukas und senkte seinen Kopf, die Bierflasche zwischen zwei Fingern.
„Wir haben ihm gesagt, schon vorher, dass uns dieser homophobe Müll nervt. Das fing ja schon nach der zwölften an. Der hat sich echt verändert, seit er diese Ausbildungsstelle da bekommen hat“, fuhr Sven fort.
Lukas zuckte mit den Schultern.
„Und, ganz ehrlich?“, sagte Sven. „Wer so mit Leuten umgeht, die er seit der Grundschule kennt, der kann mir in meinem Freundeskreis gestohlen bleiben. Und Mehmet und Seppel stimmen mir da zu. Freunde?“
Lukas spürte Svens Hand auf seiner Schulter, dann konnte er sehen, wie Sven seine Bierflasche an Lukas' eigene schlug. Lukas lachte tonlos. „Ja“, sagte er, hob aber seinen Kopf nicht. „Freunde.“
„Und 'nen Kerl finden wir dir auch noch.“ Sven griff mit seiner freien Hand nach Lukas' Haaren und zupfte an ihnen, bis Lukas hoch sah. „Jetzt komm wieder rein, ich hab 300 auf BD, das können wir gucken.“
Lukas stand auf und folgte Sven wieder zurück in die Wohnung.
„Geht doch“, sagte Sven über seine Schulter.
Lukas grinste zurück.
Titel: Nicht Dauer, Sondern Qualität
Fandom: Original
Challenge: Porno, Päckchen #1
Beinhaltet... m/m, m/f
Nicht Dauer, Sondern Qualität
„Ich sollte gehen“, murmelte Lukas. „Ich sollte echt gehen, ich weiß doch, dass ich nur wieder stören werde.“ Er seufzte und strich sich seien Pony aus dem Gesicht, auf den der Friseur bestanden hatte, weil das ja jetzt so angesagt war, wie Sam aus der ersten Staffel auszusehen, zumindest von der Frisur her, da würde Lukas sicher einige knackige Typen abbekommen. Wer auch immer Sam war. Und Typen, im Plural schon gar nicht, waren so auch nicht erschienen. „Ich sollte echt. Ich mein, ist echt nett von dir, aber--“
„Boah“, sagte Sven, zwei Bierkästen, aufeinander gestapelt, in den Händen. Er stellte sie auf den breiten Küchentisch, dann wischte er sich die Hände an seiner Hose ab. „Nun sei mal nicht so aufgeregt. Ich hab dich doch auch eingeladen, kapiert? Da kann sich Thomas seine Sprüche sowas von sparen.“
„Als ob er das würde“, sagte Lukas, aber das Klingeln an der Tür unterbrach ihn.
Lukas warf einen letzten Blick zu Sven, der an der Wohnungstür stand und die Haustür öffnete, um dann raus ins Treppenhaus zu gehen. Lukas trat ins Wohnzimmer. Aus dem Treppenhaus hörte er die Schritte und die Begrüßungen.
„Hey Lukas“, sagte Seppel, als er das Wohnzimmer betrat, dicht gefolgt von Mehmet. Die beiden wirkten wie immer wie Brüder, ganz egal, wie unterschiedlich sie aussahen, Seppel fast schwedisch mit seinen weißblonden Haaren und Mehmet türkisch, aber ihre ganze Haltung hatten sie voneinander abgekupfert, jede Geste, bis zur Begrüßung.
„Hey“, sagte Lukas. Seppel setzte sich neben den Tisch auf den Boden, Mehmet folgte seinem Beispiel, nur auf der anderen Seite. Richtig. Bloß nicht zu nah zusammen sitzen.
„Hey Schwuppe“, spuckte Thomas hervor, als er den Raum betrat.
Lukas nickte abgehackt. „Hallo Thomas“, sagte er langsam.
Thomas schnaubte, dann setzte er sich neben Seppel – so weit weg wie möglich von Lukas.
„Und?“, tönte Svens Stimme aus der Küche. „Wie findet ihr ihn?“
„Geiles Baby!“, sagte Seppel mit einem Grinsen. „Gut, dass deine Eltern nicht da sind. Das lädt ja gerade dazu ein, Breitbandponos zu gucken.“
Der neue Fernseher war in der Tat sehr schick, sehr breit und sehr teuer. Svens Eltern hatten sich was gönnen wollen und da sowohl Sven als auch sein Vater gern Autorennen spielten, war die Sache klar gewesen. Vor allem, weil Sven erst nach dem Abi und dem Zivildienst ausziehen würde und das war noch ein Jahr hin. Unter vier Augen hatte Sven Lukas verraten, dass, Ja, die Chance war doch recht groß, dass er den Fernseher mit in seine eigene Wohnung mitnehmen könnte.
Sven lachte, während er wieder aus der Küche war, die Hände mit Flaschen beladen. „Hier“, sagte er. „Zweite Ladung könnt ihr euch später selber holen. Cola für Mehmet--“
Mehmet griff nach seiner Cola und hob sie dankend an.
„-- Bier für den Rest.“
„Keine Bionade für das Mädchen?“, fragte Thomas mit einem Lachen, als Sven Lukas sein Bier reichte. „Gib ihr nicht zu viel, nachher zieht sie sich noch aus und will Sex mit uns haben!“
„In deinen Träumen vielleicht“, zischte Lukas und stellte sein Bier fester als nötig auf den Tisch vor der Couch.
Thomas verzog sein Gesicht. „Ich kotz gleich!“
Lukas presste seine Lippen zusammen. Er konnte Svens Blick auf sich spüren, als sich die Couch bog und Sven am anderen Ende Platz nahm.
„Ohh“, kommentierte Thomas. „Pass bloß auf Sven!“
„Schnauze, Thomas“, sagte Sven. „Guck lieber nach vorn.“ Er griff nach der Fernbedienung und der Bildschirm flackerte an, dann kam kurz das Menü und der Blu-ray Disc-Player begann zu surren.
Lukas sah weg als die erste Szene über den Bildschirm flackerte, eine auf dem Rücken liegende Frau, die Brüste unnatürlich nach oben gestreckt, die Beine breit. Thomas hatte seine Bewegung bemerkt.
„Du bist so eine Pussy“, sagte Thomas. „Total schwul!“
'Ich kann mir nichts schwuleres vorstellen', hätte Lukas am liebsten gesagt. 'als mir mit fünf Typen gemeinsam einen runter zu holen.' Aber das wäre unfair. Sven hatte vor einer halben Woche sein zweijähriges mit Mara gefeiert, Mehmet und Swantje waren frisch verliebt und Seppel saß immer noch in einem Loch, weil Isa zu ihrem Ex zurückgezogen war.
Also knirschte Lukas nur mit den Zähnen.
Lukas betrachtete den Fernseher, ohne auf den Film zu sehen. Aber da war er sicher der einzige.
„Mehmet, mach mal was“, sagte Seppel, ein Grollen in seiner Stimme, das sich direkt in Lukas' Rückenmark zu bohren schien, unterlegt mit Svens Keuchen von der anderen Seite der Couch.
Mehmet schnaubte. Er hatte seine Hose nicht offen, er saß da einfach nur, ganz entspannt, leicht interessiert. „Ich bin mit Swantje zusammen und Ende, da brauch ich keine Pornos.“
Auf dem Bildschirm spritzte der Mann über das Gesicht der Frau, und Sperma tropfte runter auf ihre Brüste. Lukas würgte ein wenig.
Sven stöhnte laut, aber eher leicht genervt als sexuell. „Mara hat mir ihr okay gegeben!“, sagte er.
Mehmet schüttelte seinen Kopf. „Wenn du deine Freundin so degradieren willst“, sagte er, aber er lächelte.
„Ich lern' halt was dabei“, antwortete Sven und grinste.
Das Bild wechselte. Für einen Moment waren es nur sich windende Körper, Berge aus nacktem Fleisch und Muskeln, dann, als die Kamera etwas nach oben fuhr, erstarrte Lukas. Und nicht nur er.
„Was zur Hölle--“, grunzte Thomas erschrocken und taumelte zurück über den Rand der Couch, als wäre ihn die Nähe zum Bildschirm für ihn schon zu viel.
„Oho!“, sagte Seppel, pausierte mit seiner Hand auf seinem Schwanz und grinste zu Sven herüber. „Du hast ja echt an alle gedacht. Respekt, man!“ Er zwinkerte zu Lukas herüber. Lukas verzog sein Gesicht.
„Keine Diskriminierung bei mir im Haus“, antwortete Sven mit ernster Stimme. „Jedem sein bisschen.“
„Man merkt's!“, sagte Mehmet.
Auf dem Bildschirm lief immer noch ein Porno, natürlich, mit dem ganzen Stöhnen und Grunzen. Nur war da eben keine Frau mehr, sondern zwei Kerle, nackt und ölig, mit Muskeln bepackt, aufeinander, nebeneinander, ineinander.
„Was soll die Scheiße!“, schrie Thomas. Lukas riss seinen Blick vom Bildschirm weg. Thomas starrte entgeistert nach vorne.
„Reg dich mal ab!“, rief Mehmet und lachte. „Ist auch nur ein Porno.“
„Mach das aus“, knurrte Thomas, griff die Fernbedienung vom Tisch und schaltete den Player aus. Mit einem Mal war es dunkler im Zimmer, das bis eben noch von dem riesigen Bildschirm beleuchtet worden war. Thomas sprang auf und pfefferte die Fernbedienung gegen den Bücherschrank. Lukas zuckte zusammen, als sie auf den Boden knallte und direkt die Batterien raus sprangen und über den Boden rollten.
Für einen Moment hörte er nur Thomas' schnelles Atmen. „Ich will diese Scheiße nicht gucken!“, rief Thomas dann. „Verstanden? Schon schlimm genug, dass ich weiß, dass Lukas es in den Arsch nimmt wie so 'ne zwei Cent Junkie-Nutte, da muss ich bei so 'nem Dreck nicht auch noch zugucken!“
Lukas presste seine Lippen zusammen und stand auf, ohne ein Wort zu sagen. Seine Ohren glühten und alles war ein bisschen seltsam, surreal, während er aus dem Wohnzimmer zur Wohnungstür stapfte, sie aufriss und hinter sich wieder schloss. Dann ballte er die Hände zu Fäusten. So ein Wichser.
Lukas atmete tief durch. Einmal. So. Die Tür war zu. Und er stand hier, ohne seine Jacke, ohne Geld, ohne sein Schülerticket, ohne Schuhe, ohne seine Haustürschlüssel. Lukas presste sich seine Hände auf die Augen und setzte sich auf die oberste Treppenstufe im Treppenhaus.
So eine Scheiße.
Drinnen konnte er die wütenden Stimmen hören, von wem auch immer. Klang alles so durcheinander und das Brummen in Lukas' Ohren war zu laut, um etwas erlauschen zu können. Die brüllten sich da sicher fünf Minuten an und Lukas presste seine Lippen zusammen. Das war so klar, dass er jetzt hier draußen saß--
Die Tür wurde aufgerissen. Lukas blickte hoch und Thomas' und sein Blick kreuzten sich, dann schmiss Thomas die Tür hinter sich zu. „Danke, scheiß Homo“, zischte Thomas und stürmte an Lukas vorbei die Treppe runter, Hosenstall noch offen, die Jacke im Arm, das Gesicht rot und verzerrt vor Wut.
Lukas blickte ihm hinterher. Mit sieben hatte Sven Thomas und Lukas vom Klettergerüst geschubst, weil sie Sven nicht hatten mitspielen lassen – und sie waren in Mehmets und Seppels Wasserleitungssystem aus Sand hineingefallen. Nach der anschließenden Standpauke von Frau Seegers hatten sie sich eine das Freundschaft für immer geschworen, mit Blut und soweiter. Lukas verzog sein Gesicht. 'Für immer.'
Die Tür öffnete sich erneut.
„Dein Bier“, sagte Sven und hielt Lukas die Flasche hin.
Lukas sah zu ihm hoch und nahm die Flasche mit einem Nicken an. „Sorry“, sagte er. „Dass ich dir den Abend ruiniert hab.“
Sven schnaubte und nahm einen Schluck aus seiner eigenen Flasche. Er lehnte sich gegen die Wand neben der Wohnungstür, eine Hand in der Hosentasche, eine an seinem Bier.
Bevor Lukas sein Coming-Out bei Sven und den anderen gehabt hatte, war da immer diese Idee gewesen. Dass Sven vielleicht auch schwul sei, oder wenigstens bi. Dass Sven Mara verlassen würde – nicht wegen Lukas! Aber vielleicht wegen etwas anderem. Nur Lukas wollte nicht der Grund sein, denn er mochte Mara, er mochte sie echt. Sie war klug, witzig und sah wirklich hübsch aus, und sie hatte Lukas unbedingt ihr Kleid für ihren Abiball zeigen wollen.
Aber da war trotzdem dieses Ding gewesen in Lukas, dieses hässliche, dornige, eklige Ding, was vielleicht, vielleicht hoffte, dass Sven Lukas doch lieber mochte. Dass Sven sich vielleicht in Lukas verlieben könnte, halt so langsam, oder nur ein bisschen.
Aber Sven war hetero; Sven war mit Mara zusammen; Sven hatte Lukas den Verlobungsring seiner verstorbenen Oma gezeigt, mit dem er Mara nach dem Abi und nach seinem Zivildienst den Heiratsantrag machen würde.
Und Lukas war okay.
Echt.
Trotzdem konnte er Sven sexy finden.
„Bitte“, sagte Sven. „Wenn jemand den Abend ruiniert hat, dann wohl eindeutig Thomas.“
„Hm“, sagte Lukas und senkte seinen Kopf, die Bierflasche zwischen zwei Fingern.
„Wir haben ihm gesagt, schon vorher, dass uns dieser homophobe Müll nervt. Das fing ja schon nach der zwölften an. Der hat sich echt verändert, seit er diese Ausbildungsstelle da bekommen hat“, fuhr Sven fort.
Lukas zuckte mit den Schultern.
„Und, ganz ehrlich?“, sagte Sven. „Wer so mit Leuten umgeht, die er seit der Grundschule kennt, der kann mir in meinem Freundeskreis gestohlen bleiben. Und Mehmet und Seppel stimmen mir da zu. Freunde?“
Lukas spürte Svens Hand auf seiner Schulter, dann konnte er sehen, wie Sven seine Bierflasche an Lukas' eigene schlug. Lukas lachte tonlos. „Ja“, sagte er, hob aber seinen Kopf nicht. „Freunde.“
„Und 'nen Kerl finden wir dir auch noch.“ Sven griff mit seiner freien Hand nach Lukas' Haaren und zupfte an ihnen, bis Lukas hoch sah. „Jetzt komm wieder rein, ich hab 300 auf BD, das können wir gucken.“
Lukas stand auf und folgte Sven wieder zurück in die Wohnung.
„Geht doch“, sagte Sven über seine Schulter.
Lukas grinste zurück.
no subject
Date: 2010-06-29 07:02 am (UTC)Das ist so heiter in dem Zusammenhang.
Sehr unterhaltsam geschrieben!
no subject
Date: 2010-06-29 03:58 pm (UTC)no subject
Date: 2010-07-01 03:27 pm (UTC)Schande über mich.
Ich fand sie toll. die Handlung, die Charas, die Stimmung, die vielen kleinen Details.
Es hat mir unheimlich gefallen, die einzelnen Charaktere, die ganze hauchzart umrissenen Hintergrundgeschichte mit der jahrelangen Freundschaft und dass Lukas immer ein bisschen in Sven verknallt war.
Seppel und Mehmet fand ich übrigens klasse und shippe sie in meinem Kopf auch ein bisschen (auch wenn die sicher supernette Freundinnen haben). ;)
Das Ende war bittersüß, aber sehr schön und klasse, dass sie sich für Lukas entschieden haben und gegen Thomas, der echt ein Arsch ist.
Ich stell es mir auch tierisch schwer vor als einziger Schwuler eine komplett heterosexuelle Clique zu haben.
Ich habe auch eine Freundesclique, die vollständig hetero ist und das ist manchmal auch nicht leicht ...
Von daher kann ich dir nur bescheinigen, das hast du gut getroffen. :-)
PS: Btw, schön, dass du hier bist. Ich finde deine Geschichten echt toll und eine Bereicherung für die Community. ;)
no subject
Date: 2010-07-04 02:36 pm (UTC)Freut mich, dass dir die Geschichte gefallen hat. :D Vielleicht kommt Thomas ja irgendwann wieder zur Vernunft...
no subject
Date: 2010-07-01 07:10 pm (UTC)Denial?
no subject
Date: 2010-07-04 02:37 pm (UTC)no subject
Date: 2010-07-02 09:48 pm (UTC)Es ist toll. Die Charaktere sind toll und unglaublich gut geschrieben, die Handlung, die Konsequenz, den Schreibstil... Wirklich. Du solltest dafür einen sinnvollen Kommentar kriegen. Alleine die kurze Hintergrundgeschichte... *____*
Genial.
no subject
Date: 2010-07-04 02:37 pm (UTC)