Wie bewölkt
Jun. 26th, 2010 11:27 pmTeam: Monroe
Titel: Wie bewölkt
Fandom: Original
Challenge: Frühjahrsmüdigkeit, Sommerchallenge Päckchen #1
Beinhaltet... f/f
Wie bewölkt
„Rissa!“, brüllte Marina, die kleine Pest, von unten hoch. Gerade in der Pubertät, Pickel bis zum Abwinken, Ganzkörperzahnspange und vorletztes Wochenende die erste große Party mit richtigen, atmenden, sich mit Alkohol besaufenden Jungs. „Deine Freundin ist da!“
Marissa drückte die Leertaste, um das Spiel zu stoppen und wurde mit einer Nahaufnahme von Morgan LeFlay neben Guybrush belohnt. Strike! Sie drehte den Schreibtischstuhl um. „Ich kom--“, brüllte Marissa zurück, doch Marina unterbrach sie:
„Deine Freund. In. Wie in Freund, nur für die Lesben!“ Marissa verdrehte die Augen. „Ich bringe sie dir mit hoch! Warte! Wir sind gleich--“
Getrampel auf der Treppe. Die Pubertät hatte Marina bisher noch nicht viel gegeben, außer einem sehr vagen Ansatz von Oberweite, der an ihrer Verwandtschaft zu Marissa zweifeln ließ, einem Schub von zwanzig Zentimetern Körpergröße und der ganzen Ungelenkheit, die mit dazu kam.
„--da!“, endete Marina, ein Grinsen im Gesicht, als sie die Tür aufriss. Wäre ihr Vater nicht arbeiten, würde er jetzt schimpfen, sie sollte die Tür richtig öffnen und sich nicht einfach dagegen werfen. Marissa selbst hingegen war das egal. Die Tür hatte fast zwanzig Jahre gehalten. Die letzten dreieinhalb-oder-mehr Wochen, in denen Marissa noch hier wohnte, würde sie auch noch überleben.
Sonja betrat hinter Marina das Zimmer. „Hi“, sagte Marissa und sprang von ihrem Stuhl. Er knallte gegen die Tastaturschublade und Marissa grinste, strich sich ihren Pony aus dem Gesicht. Sonja sah gut aus, aber Sonja wusste auch gar nicht, wie man nicht gut aussah. Selbst mit einem Kater von hier bis nach Nepal, in Boxershorts von ihrem Bruder und total verlaufener Schminke nach einer durchfrorenen Nacht in einem Zelt auf einem Österreicher Campingplatz sah Sonja gut aus. Und normal sowieso.
„Und ich bin weg“, sagte Marina, hüpfte wieder aus dem Raum und zog die Tür mit einem Rumsen hinter sich zu. Durch die geschlossene Tür hörte Marissa sie immer noch murmeln: „Bei eurem Begrüßungsablecken muss ich euch nicht zugucken.“
Sonja hatte wie Marissa Marina hinterher geguckt, und lächelte nun, als sich ihre Blicke trafen. „Hey“, sagte Marissa nochmal, legte ihre Hände auf Sonjas Schultern und presste ihr einen Kuss auf die Lippen. „Setz dich!“ Marissa trat wieder weg und ging zurück zum Schreibtisch, um den Hocker drunter hervor zu ziehen. Dann ließ sie sich wieder auf den Schreibtischstuhl plumpsen. „Ich hab den vierten Teil von Monkey Island endlich mal 'runtergeladen. Bin noch nicht weit drin, wir können zusammen nochmal neu anfangen.“ Sonja saß noch nicht auf dem Hocker, also drehte Marissa sich zurück.
„Ich bin ein bisschen müde“, sagte Sonja, während sie mit den Schultern zuckte.
„Oh“, sagte Marissa. „Okay. Soll ich--?“
Sonja unterbrach sie. „Ist okay, will mich nur was ausruhen. Spiel du einfach weiter?“ Sie gähnte, mit weit geöffnetem Mund und vorgehaltener Hand, aber ihre Augen blieben offen, unverändert. Marissa runzelte die Stirn. Sonja ließ sich auf Marissas Bett fallen. Sie sah gut so aus, ganz ausgestreckt, und ein wenig Haut war von ihrem Bauch sichtbar, als ihr T-Shirt hoch rutschte.
Morgan LeFlay, gut. Guybrush Threepwood, genial. Sonja Becker, unschlagbar. Marissa lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. „Und?“, fragte sie dann.
„Und was?“
„Hast du Torben geschlagen?“ Marissa konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Torben war so ein Idiot. Ihre erste Erinnerung an ihn war, dass er Sonjas und ihre gesammelten Frösche freigelassen hatte, bloß, um sie dann zu zertreten. Torben war kein nettes Kind gewesen und hatte nicht viele Freunde gehabt, deswegen durfte er bei Sonja und Marissa mitspielen, weil Sonjas Mutter der Meinung war, ewig streitenden Geschwistern würde das gut tun. Hatte nicht so ganz geklappt.
Trotz seiner offensichtlichen Idiotie hatte Torben sein Abi mit 3,8 bestanden und Sonja konnte nur besser sein.
„Ich hab's heute nicht bekommen“, antwortete Sonja und setzte sich auf.
Marissa runzelte die Stirn. „Doof“, sagte sie. „Vor allem, was erwarten die bitte von uns! Da kriegst du deines schon so spät und dann noch später als heute? Die Unis warten nicht ewig mit dem Ende der Bewerbungsfrist.“
„Ja“, sagte Sonja. „Doof.“
„Vor allem!“, fuhr Marissa fort. „Wir müssen erst die Stadt wissen, bevor wir anfangen können, nach einer Wohnung zu suchen. Ich ziehe sicher nicht in so ein versifftes Studentenheim, egal, wie sehr ich dich liebe. Isa hat mir da Sachen erzählt-- das willst du gar nicht wissen. Und vom Preis her wird das schon gehen, wir brauchen ja nur zwei Zimmer, ein Schlafzimmer halt und ein Wohnzimmer--“
Ein Klopfen an der Tür unterbrach Marissa.
„Hallo Sonja“, sagte Marissas Mutter. Sie legte einen Stapel Wäsche auf Marissas Bett, neben Sonja. Der neue BH, letzte Woche gekauft, rot mit schwarzer Spitze, lag natürlich ganz oben. Marissa blickte drauf, als würde der BH ihren Blick anziehen, die fast schon monströs wirkenden D-Cups und die kleinen Schleifen an den Seiten. Marissa konnte nirgendwo anders hinsehen und vermutlich ging es Sonja genauso. Marissa knirschte mit den Zähnen. „Und, wie lief dein Abi?“, fragte ihre Mutter in der Zimmertür.
„Habe es heute nicht bekommen, Frau Retwacht“, sagte Sonja. Ihr Stimme klang... seltsam. Marissa riss ihre Augen von dem BH weg. Sonja hatte den Kopf gesenkt, die Haare verdeckten ihr Gesicht an den Wangen und sie blickte auf Marissas Überdecke; auf die Falte, die beim Machen des Bettes rein gekommen und drin geblieben war, weil Marissa ihr Abi hatte und damit war sie erwachsen. Ihre Mutter hatte nichts mehr an ihrer Bettdecke zu suchen. Wäsche machen und Kochen, okay, aber bald auch nicht mehr das.
„Huch“, sagte Marissas Mutter. „Du solltest nochmal nachfragen. Ich habe mit Dieter gesprochen und Hannes hat seines heute bekommen.“
Sonja nickte. Ihre Stimme klang belegt, als sie antwortete, irgendwie hohl. „Werd' ich machen“, antwortete sie.
Marissas Mutter lächelte. „Bleibst du über Nacht?“, fragte sie.
Sonja zuckte mit den Schultern. „Mal gucken.“
„Bald hast du Marissa ja für vierundzwanzig Stunden, jeden Tag“, sagte Marissas Mutter mit einem kleinen Lachen. „Wenn du vorher was Erholung brauchst, kann ich das verstehen.“
„Mama!“, sagte Marissa.
Ihre Mutter zwinkerte Sonja zu, dann trat sie in den Flur und schloss die Tür hinter sich.
„Hab' schon Mal geguckt, wegen der Wohnung--“
„Ich bin zu müde dafür“, sagte Sonja. Sie hielt sich ihre Hände vor ihr Gesicht, Finger gespreizt. „Echt. So müde.“
„Muss wohl der Frühling sein“, sagte Marissa. „Vor allem mit den ganzen Pollen. Ich beneide dich da nicht.“
Sonja nahm ihre Hände herunter. „Ja“, sagte sie, ihre Stimme ein wenig rau, vermutlich wirklich von der Allergie. Heuschnupfen war übel.
Sonja zupfte an Marissas Überdecke, bis ein Teil von Marissas Kopfkissen frei kam. Das zog sie dann heraus und drückte es gegen ihren Bauch. Kautschig und groß, ein mal ein Meter, wie es war, mit neutralem kariertem Kissenbezug, verdeckte es Sonjas Oberkörper ganz: Ihre Oberschenkel, die sie nur einmal versucht hatte zu rasieren,weil die kleinen Entzündungen schlimmer aussahen als die Haare selbst; ihren Bauch, an dem Marissa gerne lag und ihr Ohr gegen Sonjas tiefen, tiefen Bauchnabel hielt; ihre Brüste, die mal größer gewesen waren als Marissas eigene, und jetzt passte jede perfekt in eine von Marissas Händen. Sonja schlang ihre Arme fest um das Kissen, dann ließ sie ihren Kopf nach vorne sacken, bis sie ihr Gesicht ins Kissen pressen konnte.
„Ich bin müde“, nuschelte Sonja in das Kopfkissen.
„Du bist immer müde“, sagte Marissa. Dann stand sie auf. „Komm, rück 'rüber.“ Sie setzte sich neben Sonja aufs Bett und trat die Wäsche beiseite. Ihre Mutter würde nachher meckern, aber mit ihrer eigenen Wohnung mit Sonja war das Geschichte. „Und jetzt hier her.“
Sonja ließ sich einfach nach vorne ziehen und vergrub ihr Gesicht in Marissas Schulter, ihr Körper warm und weich gegen Marissas eigenen. Marissa nahm das Kopfkissen und stopfte es sich in den Rücken, dann sank sie zurück und zog Sonja mit, bis die auf ihr lag, Arme umeinander, Beine verknotet.
Marissa hörte Sonjas Atem und lauschte ihrem eigenen Herzklopfen.
„Ich hab es nicht“, murmelte Sonja gegen Marissas Schulter. Marissa drückte Sonja fester. Ihre Nase hing in Sonjas Haaren und sie presste einen Kuss gegen Sonjas Schläfe. „Ich hab mein Abi nicht...“
Oh.
„Oh“, sagte Marissa und blickte hoch zu ihrer Zimmerdecke. Als sie sieben war und Sonja nur ihre beste, allerallerbeste Freundin für Immer und Ewig, hatten sie Leuchtsterne geklebt, einen für jeden Traum, wie den, Prinzessin zu sein und nach Alaska auszuwandern. Marissa hatte sie lange nicht mehr bemerkt, die Sterne, weil sie immer seitlich schlief und wenn sie etwas im Bett beim Aufwachen betrachtete, dann Sonjas Gesicht. Jetzt sah sie die Sterne oben. Viele waren schon abgefallen, ein paar klebten noch, ein minimales Leuchten im Schatten, das sie sich vielleicht auch nur einbildete.
„Ist okay“, sagte Marissa, als Sonjas Schultern anfingen zu zittern. „Pscht. Ist okay.“
Titel: Wie bewölkt
Fandom: Original
Challenge: Frühjahrsmüdigkeit, Sommerchallenge Päckchen #1
Beinhaltet... f/f
Wie bewölkt
„Rissa!“, brüllte Marina, die kleine Pest, von unten hoch. Gerade in der Pubertät, Pickel bis zum Abwinken, Ganzkörperzahnspange und vorletztes Wochenende die erste große Party mit richtigen, atmenden, sich mit Alkohol besaufenden Jungs. „Deine Freundin ist da!“
Marissa drückte die Leertaste, um das Spiel zu stoppen und wurde mit einer Nahaufnahme von Morgan LeFlay neben Guybrush belohnt. Strike! Sie drehte den Schreibtischstuhl um. „Ich kom--“, brüllte Marissa zurück, doch Marina unterbrach sie:
„Deine Freund. In. Wie in Freund, nur für die Lesben!“ Marissa verdrehte die Augen. „Ich bringe sie dir mit hoch! Warte! Wir sind gleich--“
Getrampel auf der Treppe. Die Pubertät hatte Marina bisher noch nicht viel gegeben, außer einem sehr vagen Ansatz von Oberweite, der an ihrer Verwandtschaft zu Marissa zweifeln ließ, einem Schub von zwanzig Zentimetern Körpergröße und der ganzen Ungelenkheit, die mit dazu kam.
„--da!“, endete Marina, ein Grinsen im Gesicht, als sie die Tür aufriss. Wäre ihr Vater nicht arbeiten, würde er jetzt schimpfen, sie sollte die Tür richtig öffnen und sich nicht einfach dagegen werfen. Marissa selbst hingegen war das egal. Die Tür hatte fast zwanzig Jahre gehalten. Die letzten dreieinhalb-oder-mehr Wochen, in denen Marissa noch hier wohnte, würde sie auch noch überleben.
Sonja betrat hinter Marina das Zimmer. „Hi“, sagte Marissa und sprang von ihrem Stuhl. Er knallte gegen die Tastaturschublade und Marissa grinste, strich sich ihren Pony aus dem Gesicht. Sonja sah gut aus, aber Sonja wusste auch gar nicht, wie man nicht gut aussah. Selbst mit einem Kater von hier bis nach Nepal, in Boxershorts von ihrem Bruder und total verlaufener Schminke nach einer durchfrorenen Nacht in einem Zelt auf einem Österreicher Campingplatz sah Sonja gut aus. Und normal sowieso.
„Und ich bin weg“, sagte Marina, hüpfte wieder aus dem Raum und zog die Tür mit einem Rumsen hinter sich zu. Durch die geschlossene Tür hörte Marissa sie immer noch murmeln: „Bei eurem Begrüßungsablecken muss ich euch nicht zugucken.“
Sonja hatte wie Marissa Marina hinterher geguckt, und lächelte nun, als sich ihre Blicke trafen. „Hey“, sagte Marissa nochmal, legte ihre Hände auf Sonjas Schultern und presste ihr einen Kuss auf die Lippen. „Setz dich!“ Marissa trat wieder weg und ging zurück zum Schreibtisch, um den Hocker drunter hervor zu ziehen. Dann ließ sie sich wieder auf den Schreibtischstuhl plumpsen. „Ich hab den vierten Teil von Monkey Island endlich mal 'runtergeladen. Bin noch nicht weit drin, wir können zusammen nochmal neu anfangen.“ Sonja saß noch nicht auf dem Hocker, also drehte Marissa sich zurück.
„Ich bin ein bisschen müde“, sagte Sonja, während sie mit den Schultern zuckte.
„Oh“, sagte Marissa. „Okay. Soll ich--?“
Sonja unterbrach sie. „Ist okay, will mich nur was ausruhen. Spiel du einfach weiter?“ Sie gähnte, mit weit geöffnetem Mund und vorgehaltener Hand, aber ihre Augen blieben offen, unverändert. Marissa runzelte die Stirn. Sonja ließ sich auf Marissas Bett fallen. Sie sah gut so aus, ganz ausgestreckt, und ein wenig Haut war von ihrem Bauch sichtbar, als ihr T-Shirt hoch rutschte.
Morgan LeFlay, gut. Guybrush Threepwood, genial. Sonja Becker, unschlagbar. Marissa lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. „Und?“, fragte sie dann.
„Und was?“
„Hast du Torben geschlagen?“ Marissa konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Torben war so ein Idiot. Ihre erste Erinnerung an ihn war, dass er Sonjas und ihre gesammelten Frösche freigelassen hatte, bloß, um sie dann zu zertreten. Torben war kein nettes Kind gewesen und hatte nicht viele Freunde gehabt, deswegen durfte er bei Sonja und Marissa mitspielen, weil Sonjas Mutter der Meinung war, ewig streitenden Geschwistern würde das gut tun. Hatte nicht so ganz geklappt.
Trotz seiner offensichtlichen Idiotie hatte Torben sein Abi mit 3,8 bestanden und Sonja konnte nur besser sein.
„Ich hab's heute nicht bekommen“, antwortete Sonja und setzte sich auf.
Marissa runzelte die Stirn. „Doof“, sagte sie. „Vor allem, was erwarten die bitte von uns! Da kriegst du deines schon so spät und dann noch später als heute? Die Unis warten nicht ewig mit dem Ende der Bewerbungsfrist.“
„Ja“, sagte Sonja. „Doof.“
„Vor allem!“, fuhr Marissa fort. „Wir müssen erst die Stadt wissen, bevor wir anfangen können, nach einer Wohnung zu suchen. Ich ziehe sicher nicht in so ein versifftes Studentenheim, egal, wie sehr ich dich liebe. Isa hat mir da Sachen erzählt-- das willst du gar nicht wissen. Und vom Preis her wird das schon gehen, wir brauchen ja nur zwei Zimmer, ein Schlafzimmer halt und ein Wohnzimmer--“
Ein Klopfen an der Tür unterbrach Marissa.
„Hallo Sonja“, sagte Marissas Mutter. Sie legte einen Stapel Wäsche auf Marissas Bett, neben Sonja. Der neue BH, letzte Woche gekauft, rot mit schwarzer Spitze, lag natürlich ganz oben. Marissa blickte drauf, als würde der BH ihren Blick anziehen, die fast schon monströs wirkenden D-Cups und die kleinen Schleifen an den Seiten. Marissa konnte nirgendwo anders hinsehen und vermutlich ging es Sonja genauso. Marissa knirschte mit den Zähnen. „Und, wie lief dein Abi?“, fragte ihre Mutter in der Zimmertür.
„Habe es heute nicht bekommen, Frau Retwacht“, sagte Sonja. Ihr Stimme klang... seltsam. Marissa riss ihre Augen von dem BH weg. Sonja hatte den Kopf gesenkt, die Haare verdeckten ihr Gesicht an den Wangen und sie blickte auf Marissas Überdecke; auf die Falte, die beim Machen des Bettes rein gekommen und drin geblieben war, weil Marissa ihr Abi hatte und damit war sie erwachsen. Ihre Mutter hatte nichts mehr an ihrer Bettdecke zu suchen. Wäsche machen und Kochen, okay, aber bald auch nicht mehr das.
„Huch“, sagte Marissas Mutter. „Du solltest nochmal nachfragen. Ich habe mit Dieter gesprochen und Hannes hat seines heute bekommen.“
Sonja nickte. Ihre Stimme klang belegt, als sie antwortete, irgendwie hohl. „Werd' ich machen“, antwortete sie.
Marissas Mutter lächelte. „Bleibst du über Nacht?“, fragte sie.
Sonja zuckte mit den Schultern. „Mal gucken.“
„Bald hast du Marissa ja für vierundzwanzig Stunden, jeden Tag“, sagte Marissas Mutter mit einem kleinen Lachen. „Wenn du vorher was Erholung brauchst, kann ich das verstehen.“
„Mama!“, sagte Marissa.
Ihre Mutter zwinkerte Sonja zu, dann trat sie in den Flur und schloss die Tür hinter sich.
„Hab' schon Mal geguckt, wegen der Wohnung--“
„Ich bin zu müde dafür“, sagte Sonja. Sie hielt sich ihre Hände vor ihr Gesicht, Finger gespreizt. „Echt. So müde.“
„Muss wohl der Frühling sein“, sagte Marissa. „Vor allem mit den ganzen Pollen. Ich beneide dich da nicht.“
Sonja nahm ihre Hände herunter. „Ja“, sagte sie, ihre Stimme ein wenig rau, vermutlich wirklich von der Allergie. Heuschnupfen war übel.
Sonja zupfte an Marissas Überdecke, bis ein Teil von Marissas Kopfkissen frei kam. Das zog sie dann heraus und drückte es gegen ihren Bauch. Kautschig und groß, ein mal ein Meter, wie es war, mit neutralem kariertem Kissenbezug, verdeckte es Sonjas Oberkörper ganz: Ihre Oberschenkel, die sie nur einmal versucht hatte zu rasieren,weil die kleinen Entzündungen schlimmer aussahen als die Haare selbst; ihren Bauch, an dem Marissa gerne lag und ihr Ohr gegen Sonjas tiefen, tiefen Bauchnabel hielt; ihre Brüste, die mal größer gewesen waren als Marissas eigene, und jetzt passte jede perfekt in eine von Marissas Händen. Sonja schlang ihre Arme fest um das Kissen, dann ließ sie ihren Kopf nach vorne sacken, bis sie ihr Gesicht ins Kissen pressen konnte.
„Ich bin müde“, nuschelte Sonja in das Kopfkissen.
„Du bist immer müde“, sagte Marissa. Dann stand sie auf. „Komm, rück 'rüber.“ Sie setzte sich neben Sonja aufs Bett und trat die Wäsche beiseite. Ihre Mutter würde nachher meckern, aber mit ihrer eigenen Wohnung mit Sonja war das Geschichte. „Und jetzt hier her.“
Sonja ließ sich einfach nach vorne ziehen und vergrub ihr Gesicht in Marissas Schulter, ihr Körper warm und weich gegen Marissas eigenen. Marissa nahm das Kopfkissen und stopfte es sich in den Rücken, dann sank sie zurück und zog Sonja mit, bis die auf ihr lag, Arme umeinander, Beine verknotet.
Marissa hörte Sonjas Atem und lauschte ihrem eigenen Herzklopfen.
„Ich hab es nicht“, murmelte Sonja gegen Marissas Schulter. Marissa drückte Sonja fester. Ihre Nase hing in Sonjas Haaren und sie presste einen Kuss gegen Sonjas Schläfe. „Ich hab mein Abi nicht...“
Oh.
„Oh“, sagte Marissa und blickte hoch zu ihrer Zimmerdecke. Als sie sieben war und Sonja nur ihre beste, allerallerbeste Freundin für Immer und Ewig, hatten sie Leuchtsterne geklebt, einen für jeden Traum, wie den, Prinzessin zu sein und nach Alaska auszuwandern. Marissa hatte sie lange nicht mehr bemerkt, die Sterne, weil sie immer seitlich schlief und wenn sie etwas im Bett beim Aufwachen betrachtete, dann Sonjas Gesicht. Jetzt sah sie die Sterne oben. Viele waren schon abgefallen, ein paar klebten noch, ein minimales Leuchten im Schatten, das sie sich vielleicht auch nur einbildete.
„Ist okay“, sagte Marissa, als Sonjas Schultern anfingen zu zittern. „Pscht. Ist okay.“
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Date: 2010-06-27 08:42 am (UTC)no subject
Date: 2010-06-27 04:58 pm (UTC)no subject
Date: 2010-06-27 02:17 pm (UTC)Das ist süß~ *3*
no subject
Date: 2010-06-27 04:58 pm (UTC)no subject
Date: 2010-06-28 11:41 am (UTC)Ich stelle fest, dass ich deinen Schreibstil mag.
no subject
Date: 2010-06-28 01:37 pm (UTC)no subject
Date: 2010-06-28 01:55 pm (UTC)no subject
Date: 2010-07-02 10:51 pm (UTC)Und das ist wunderbar süß. Herrlich beiläufig, herrlich realistisch und süß... obwohl einen ein versautes Abi weniger glückselig stimmen sollte, als mich das jetzt. *__*
no subject
Date: 2010-07-04 02:45 pm (UTC)Danke also auch hier ein (vorerst) letztes Mal für deinen Kommentar.