[identity profile] rei17.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Byron
Fandom: Prince of Tennis
Charaktere: Kamio, Shinji
Challenge: Ausgesperrt
Warnungen: Tragisches, bittersüßes Herzeleid
Wörter: ~1300
Für: [livejournal.com profile] luinaldawen




Kamio seufzte.
Er spielte an seinem MP3-Player. Er klickte seinen Kugelschreiber auf und zu. Er starrte auf sein Matheheft. Er drehte seinen Zirkel zwischen zwei Finger hin und her. Er schnippte mit den Fingern. Er machte eine Kaugummiblase und ließ sie platzen. Er schrieb etwas hin und strich es wieder durch.
Er seufzte erneut.

„Du bist heute sehr laut“, stellte Shinji fest.

„Sorry“, murmelte Kamio, ohne aufzusehen. Er trommelte mit den Fingerspitzen auf seinem Knie einen Rhythmus mit, den nur er hörte.

Er spürt wie Shinji ihn beobachtete.
Du bist immer laut. Aber heute bist du lauter als sonst. Ich kann mich dabei nicht konzentrieren. Normalerweise störst du mich nicht, wenn du laut bist, aber heute ist es anders. Heute bist du anstrengend. Ich wünschte, du würdest aufhören, dieses Geräusch mit deinem Kugelschreiber zu machen. Das macht mich aggressiv. Ich überlege seit zehn Minuten, ob ich ihn dir wegnehmen und ins Gebüsch werfen soll, aber …

„Tut mir leid“, sagte Kamio. Das war gelogen.

„Tut es nicht“, erwiderte Shinji prompt.

Eine Weile sah Kamio ihm schweigend dabei zu, wie er runde, ordentliche Zahlen in sein Heft kritzelte und versuchte still zu sein. Ehrlich.
Nur seine Finger hatten die Nachricht irgendwie nicht bekommen und klickten weiter unruhig auf dem Kugelschreiber herum, ohne auch nur eine sinnvolle Rechnung zu produzieren.

Shinji hielt inne und gab ein unbefriedigtes Geräusch von sich. „Du bist so …“

„Es ist alles so beschissen“, platzte es aus Kamio heraus. Er vergrub das Gesicht in den Händen und seufzte erneut. Tief und innig. Er stellte sich vor, dass sein gesamter Weltschmerz und sein ganzes Herzblut in diesem einen Seufzen lagen.

Es dauerte einen Augenblick bis Shinji darauf antwortete. Er klang verwirrt. „Magst du Mathe nicht?“

Kamio ließ die Arme sinken, hob den Kopf und warf seinem besten Freund einen finsteren Blick zu. „Machst du Witze?“

„Nein.“

„Wer redet überhaupt von Mathe?“

Shinji blinzelte. „Deswegen haben wir uns doch getroffen. Um für die Klausur zu lernen?“ Es klang wie eine Frage, als sei er sich da grade selbst nicht mehr ganz sicher.

Kamio gab ein unglückliches, kleines Geräusch von sich, bevor er ruckartig aufstand und seinen MP3-Player aus den Ohren zerrte. Sein Heft, sein Zirkel und sämtliche seiner Stifte landeten polternd auf dem Boden. „Ich scheiß auf Mathe! Ich scheiß auf die Klausur! Das hat doch eh alles keinen Sinn“, verkündete er bitter. „Ist mir doch egal, ob ich durchfalle oder sitzen bleibe oder nicht.“

Shinjis ungerührtes Gesicht sah sekundenlang völlig entsetzt aus, als hätte Kamio einen unverzeihlichen Frevel begangen. Aber Shinji war ja auch ein kleiner Streber, der ohne viel Aufwand schon gute Noten schrieb, und der trotzdem fleißig lernte, damit er noch bessere Noten bekam.

„Aber das Schuljahr ist bald zu Ende“, erwiderte Shinji vorsichtig. „Die Noten kommen alle in dein Zeugnis …“

Verzweifelt wandte Kamio sich ab. Ein Kloß formte sich in seiner Kehle und er musste heftig schlucken.
„Ich weiß, dass das Schuljahr bald zu Ende ist“, murmelte er heiser. „Glaub mir, ich weiß das. Das musste du mir nicht sagen.“

Und das war das ganze Drama in einem Satz zusammengefasst.
Das Schuljahr ist bald zu Ende.
Shinji sagte es so beiläufig. Als sei es gar nichts Dramatisches.
Dabei hätte er genauso gut sagen können, Kamios Leben sei bald zu Ende.

Schlapp und knochenlos, als hätte man ihm mit diesem einen Satz die gesamte Luft herausgelassen, sank Kamio zurück auf den Boden des Schulhofes und schloss sekundenlang die Augen.
Sie hatten ihre Sachen im Schatten der Bäume ausgebreitet. Obwohl es erst Ende März war, war es schon warm und sonnig und die Jacken ihrer Schulunformen lagen achtlos neben ihren Taschen. Die Sonne schien. Ferien standen praktisch vor der Tür. Alles war wunderbar.
Nur nicht für Kamio.
Für Kamio war alles eine einzige Katastrophe, die sich längst seiner Kontrolle entzogen hatte.

Er griff nach seinem mp3-Player als sei es eine Rettungsleine und begann mit zitternden Fingern an ihm herumzudrücken. „Schon gut“, murmelte er mit erstickter Stimme und ohne Shinji anzusehen. „Vergiss das Ganze. Lass uns einfach weiter machen.“

Es war nicht so, als ob es einen Sinn gemacht hätte darüber zu reden, oder als ob Shinji oder irgendjemand die Dinge hätte ändern können.

Kamio streckte die Hand nach seinem zerfledderten Matheheft aus, was seltsam geknickt aussehend vor ihm im Staub lag. An einer Stelle war es von seinem Zirkel durchbohrt worden. Behutsam und viel langsamer als nötig befreite er die eingerissenen Blätter von der Spitze. Der Riss ging quer durch einige Seiten und durchbohrte mehrere Gleichungen wie ein Dolch.

„Ist es wegen Tachibana-san?“ fragte Shinji zögernd und sekundenlang fühlte Kamios Herz sich an, als hätte der Zirkel nicht nur sein Matheheft durchbohrt.

„Nein.“

Shinji legte den Kopf schief. Sein glattes, dunkles Schneewittchenhaar fiel sacht um sein blasses Gesicht.
Du lügst. Ich weiß nicht, wieso du mich anlügst, wenn du weißt, dass ich es sowieso merke. Das ist vollkommen sinnlos. Aber du machst immer sinnlose Sachen, die ich nicht verstehe und dann sagst du mir nicht wieso. Zum Beispiel weiß ich immer noch nicht, wieso du darauf bestanden hast, dass wir uns in Büschen vor dem Haus von diesem Typen aus Seigaku verstecken …

„Momo …“ flüsterte Kamio mit leuchtend roten Wangen.

… nur weil du dachtest Ann sei bei ihm. Auch wenn das schon damals keinen Sinn gemacht hat. Und dann hast du …

„Shinji, lass das doch jetzt.“ Kamio presste eine Handfläche gegen seine Stirn und schloss erneut die Augen. „Das ist doch … schon so lange her.“

Überraschenderweise war Shinji danach tatsächlich still.
Kamio hörte seinen eigenen Atem und das Rascheln, als Shinji behutsam ihre Hefte zusammenschob. Danach spürte er mehr, als dass er sah wie sein bester Freund langsam neben ihn rutschte.

„Es ist wegen Tachibana-san“, stellte er leise fest und Kamio spürte wie er zusammenzuckte.

Er nickte, ohne den Kopf zu heben.
„Weißt du, nur weil du es wiederholst, wird es nicht besser“, erwiderte er dumpf.
Langsam ließ er die Hand sinken und schlang die Arme um seine Knie.
„Ich weiß, ich sollte mich nicht so anstellen … es ist nur … er wird so bald weggehen.“ Brütend starrte er auf seine Schuhspitzen. „Und uns hier zurücklassen.“

„Das macht er ja nicht mit Absicht“, gab Shinji zu Bedenken.

„Fühlt sich aber so an“, murmelte Kamio. „Als ob er uns im Stich lässt. Uns hängen lässt. Nach allem … nach allem, was wir zusammen durchgemacht haben.“
Das war gelogen.
Aber es war so viel leichter frustriert und wütend auf Tachibana-san zu sein als … alles andere.

Tachibana-san war so unglaublich klug und trotzdem konnte er manchmal so unwahrscheinlich blind sein. Das war traurig, aber wahr. Deswegen verstand er auch einfach nicht, wieso Kamio seit Wochen im Training ständig Bälle verschlug und nur noch traurigen Emopop hörte, und wieso er sich nicht wirklich darüber freute, dass er nächstes Jahr das Team leiten würde.
Weil Tachibana-san bei aller Klugheit einfach nicht verstand, dass Kamio eben nicht nur seinen Buchou verlor.

„Er lässt mich ganz allein hier. Mit allem“, murmelte Kamio unglücklich. „Wie kann er mir das antun?“

Es dauerte einen Moment bis Shinji antwortete. „Aber du bist doch nicht allein.“ Er klang seltsam.

„Das ist nicht dasselbe.“ Kamio seufzte.
Wie konnte Tachibana nur so blind sein und nicht sehen, was schon seit Wochen in Kamio vorging? War es nicht ganz und gar offensichtlich?
Manchmal, in Momenten einsamer, bittersüßer Melancholie, hatte er das Gefühl, der Rhythmus seines ausbrechenden Herzens hallte lauter über den Platz als jeder Ball, der darüber ins Aus flog.

…kannst manchmal ganz schön blöd sein“, murmelte Shinji grade und Kamio wurde klar, dass er bei allem persönlichen Herzschmerz mal wieder den Anfang eines langen Monologes verpasst hatte.

„Was hast du gesagt?“

Shinji zuckte mit den Schultern. Er ließ den Kopf in einer wortlosen Geste von Resignation auf Kamios Schulter sinken. „Ist nicht so wichtig“, murmelte er.


Ende

Das ist irgendwie eine doofe Stelle zum Aufhören, aber irgendwie gab es keine bessere. *zerknirscht guck*

Date: 2010-06-25 09:42 pm (UTC)
luinaldawen: (kawaii)
From: [personal profile] luinaldawen
*o*
Ich liebe dich! *o*
Es ist so dermaßen toll! Kamio... ;___; *ihn ganz fest flausch* Er will nur Liebe... von Tachibana-san... und der geht einfach auf die High School! >_< Wie kann er nur? ;_;

Und Shinji... ich finde es immer wieder toll, wie du ihn schreibst! Und dann noch so... unglaublich IC! Seine Reaktion auf Kamios Verhalten, seine Murmelanfälle (die Kamio gerne einfach mal überhört) und dann noch seine Schlussfolgerung!

„Ist es wegen Tachibana-san?“ fragte Shinji zögernd und sekundenlang fühlte Kamios Herz sich an, als hätte der Zirkel nicht nur sein Matheheft durchbohrt.

Er hat natürlich durchschaut, was Sache ist. ^-^ Schlaues Kerlchen. Jetzt müssen nur noch Kamio und Tachibana kapieren, was Sache ist und alles ist in Butter. ^-^
Weiter! Bitte! >____<

(sorry, dass das so total unkonstruktiv ist, aber es ist warm, ich bin müde und... total begeistert! *-*)

Date: 2010-06-25 09:50 pm (UTC)
From: [identity profile] keksdiebin.livejournal.com
Shinji ist so adorable <3
Die Tensais haben alle etwas ganz besonderes, das sie irgendwie spannend macht.
Und er auch total <3

Ach Kamio ó.ò
Er tut mir so leid...

Ich bin total gespannt wie es weitergeht *__*!!

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