Fandom: Original
Challenge: Sommerpäkchen #2 Unüberbrückbare Differenzen
Anmerkung: Nicht gegen gelesen.
Wörter: 484
Unüberbrückbare Differenzen
Die Stille lag schwer im Raum.
Sie drehte die Tasse Kaffee in ihren Händen. Der Kaffee war bereits kalt geworden und schmeckte bitter. Am liebsten hätte sie ihn zur Seite gestellt, schließlich wollte sie ihn nicht mehr trinken, aber dann hätte sie sich eine neue Beschäftigung für ihre Hände überlegen müssen.
"Aber sonst geht es dir gut?", fragte sie und ihr Gegenüber nickte.
"Aber natürlich.", antwortete er und blickte dann von ihr weg und wieder auf seine eigenen Hände.
Sie wünschte sich, dass er sich noch mehr sagen würde, dass er sprechen würde, aber es herrschte wieder Stille. Früher war es einmal anders gewesen. Da hatten sie Stunden miteinander sprechen können und hatten sich, wenn es Zeit wurde zu gehen immer noch so viel zu sagen gehabt.
Jetzt herrschte nur noch Stille zwischen ihnen. Und dennoch konnte sie sich nicht dazu bringen zu gehen. Stattdessen blieb sie sitzen und wartete. Wartete darauf, dass ihre Freundschaft wieder Worte fand und blieb doch selber dabei sprachlos.
"Bist du noch mit ihm zusammen?", fragte er schließlich und sie nickte. "Natürlich.", antwortete sie. "Es läuft gut."
"Ich weiß.", sagte er "Ich habe letzte Woche mit ihm gesprochen." Sie fragte nicht warum er dann eine unnötige Frage wiederholte.
Wieder Stille. Sie wusste er erinnerte sich an den selben Moment wie sie. Oder an die vielen Momente, die immer zwischen ihnen gewesen waren. Die sie zu mehr als nur Freunden hatte werden lassen. Die ihnen Hoffnung gegeben hatten, dass sie vielleicht zu mehr bestimmt waren, dass ihre Geschichte vielleicht ein Epos war, den man sonst nur in Filmen und Büchern fand.
Statt dem Epos hatten ihre Leben sie gefunden und eingesponnen und schließlich voneinander weggetrieben. Und auch wenn es Momente gab in denen alles so war, wie sie es immer hatten haben wollen, so gab es eben auch Momente wie diese wo sie einfach keine Worte mehr für einander hatten.
Und mit einem Male lagen ihr all diese Worte auf der Zunge, lagen bereit dazu ausgesprochen zu werden. Und sie wollte sie schon sagen, wollte all ihre Bedenken aussprechen, aber dann schaute sie ihn an und wusste es war nicht nötig. Er wusste dies alles, wusste was zwischen ihnen stand und war genauso unfähig die Worte zu formulieren wie sie selbst.
"Ich sollte gehen.", sagte sie also stattdessen, nahm ihre Tasche und stand auf.
Er brachte sie zur Tür, umarmte sie und hielt sie für einen Moment länger fest als notwendig war. "Wir sehen uns.", flüsterte er, aber sie wusste es würde eine Weile sein. Früher einmal hatten sie sich regelmäßig gesehen. Jetzt konnten sie froh sein wenn es einmal im Monat war.
"Wir sehen uns.", wiederholte sie seine Worte und konnte sehen, dass auch er wusste, dass es eine Weile sein würde.
Und dann ging sie, mit komischem Gefühl und schweren Schrittes und dem Gefühl, dass die Stille sich wie ein Schleier um sie gelegt hatte und sie begleitete.
no subject
Date: 2010-06-24 08:36 pm (UTC)Ich finde, dass du diese Atmosphäre sehr gut heraufbeschworen hast.
no subject
Date: 2010-06-24 08:47 pm (UTC)Jagt Gänsehaut über den Rücken beim Lesen. .__.