Titel: Die bellende Spinne
Autor: Servena
Fandom: Original
Challenge: Porno (Päckchen abgeschlossen :D)
Team: Van Gogh
Warnungen: Brutalität evtl...
Kommentar: Ich mag es eigentlich nicht so wirklich. Aber...ich bin jung und brauche die Punkte! XD (Damit hätten sich die Sinnlosen-Motivations-Ideen-Spams auch erstmal erledigt...)
Die bellende Spinne
Sie beobachtete sich selbst dabei, wie sie sich im Spiegel veränderte.
Zuerst steckte sie sich das kurze Haar sorgfältig mit Spangen zurück und puderte sich ihr Gesicht. Sorgfältig trug sie den rosafarbenen Lidschatten auf und zog sich dann vorsichtig den Lidstrich. Dann tuschte sie sich die Wimpern mehrmals.
Skeptisch betrachtete sie eingehend das Ergebnis. Sie war ganz zufrieden. Immerhin hatte sich auch gestern Abend die ganze Zeit vor dem Fernseher geübt.
Ihre Lippen betonte sie durch pinken Lippenstift. Sie machte einen Kussmund und musste dann grinsen.
Das war nicht sie, diese Frau ihr gegenüber im Spiegel. Das war jemand anders.
Mit dem Rougepinsel gab sie ihren Wangen einen rosafarbenen Schimmer. Dann nahm sie die Perücke von der Ablage neben dem Waschbecken, setzte sie sich auf den Kopf und klemmte sie fest. Ihre kurzen dunklen Strubbelhaare verschwanden unter einer Mähne blonder Locken, die ihr den Rücken hinunterfielen. Ungläubig fuhr sie sich mit den Haaren hindurch und starrte ihr Spiegelbild an.
„Ich bin ein wandelndes Klischee“, murmelte sie.
Sie verließ das kleine Badezimmer und trat in den angrenzenden Schlafraum. Das gemietete Hotelzimmer war nicht sehr groß und schlicht eingerichtet, aber das spielte keine Rolle. Sie würde nicht lange bleiben.
Aus der Einkaufstüte suchte sie sich ihre neue Kleidung heraus. Sie streifte das verblichene T-Shirt und die Jeans ab und stopfte diese in ihre Reisetasche, dann zog sie sich die Netzstrumpfhose über und schlüpfte in den weißen Rock, der gerade einmal die Hälfte ihrer Oberschenkel bedeckte.
Den neuen BH, den sie sich vor einer knappen Stunde gekauft hatte, polsterte sie aus und zog dann das tief ausgeschnittene Top darüber.
Es fühlte sich ungewohnt an, so viel Haut zu zeigen. Aber es würde ihrem Ziel dienen, das wusste sie.
Sie trat vor den Spiegel, der bis zum Boden reichte, und drehte sich davor, betrachtete sich. Was sie sah, war ihr vollkommen fremd. Sie kam sich vor wie ein Playboy-Girl oder wie eine Pornodarstellerin…Sie fühlte sich nicht mehr wie sich selbst, aber irgendwie war das auch berauschend. Sie streckte sich selbst die Zunge raus, dann übte sie den Augenaufschlag und versuchte besonders verführerisch dabei zu wirken. Immer wieder betrachtete sie sich von allen Seiten. Sie machte einen Schmollmund und verzog die Lippen gleich darauf zu einem spöttischen Grinsen.
Das sollte reichen.
Sie schlüpfte in die schwarzen High-Heels, warf sich die kleine Reisetasche über die Schulter und verließ das Hotelzimmer.
Sie ließ den Mietwagen einige Straßen entfernt auf einem Parkplatz stehen und nahm nur eine schwarze Handtasche mit. Auf dem Kopfsteinpflaster fiel es ihr zunächst schwer, auf den hohen Schuhen das Gleichgewicht zu halten, doch zumindest brach sie sich nicht den Knöchel. Es war doch etwas anderes gewesen, in dem Hotelzimmer damit auf und ab zu gehen.
Sie erreichte die Hauptstraße und sah schon von weitem das leuchtende Schild der Bar. Ein Wagen fuhr an ihr vorbei und hupte, ein anderer fuhr langsamer und beugte sich aus dem offenen Fenster.
„Soll ich dich ’n Stück mitnehmen?“, fragte er. Sie konnte hören, dass er betrunken war.
„Such dir ein anderes blödes Mädchen und verpiss dich!“, fuhr sie ihn an. Er zuckte die Schultern und fuhr weiter.
Der Name der Bar hatte sie schon grinsen lassen, als sie ihn das erste Mal hörte. Die bellende Spinne. Wie kam man nur auf eine solche Idee?
Sie trat durch die Tür und sah sich in dem schummrigen Raum um. Zigarettenrauch hing unter der Decke und ließ ihre Augen brennen.
Ein Mann an einem nahen Tisch pfiff ihr zu. „Möchtest du dich nicht zu uns setzen?“, fragte er.
Sie ignorierte ihn und steuerte die Theke an. „Ist da noch frei?“, fragte sie mit einem verführerischen Augenaufschlag. Er wandte sich um und grinste. „Natürlich.“
„Danke.“ Sie kletterte neben ihn auf den Barhocker.
„Ein Glas Wodka für die Lady!“, rief er dem Barkeeper zu.
„Das ist aber zu freundlich“, zierte sie sich. Ihre Hand landete wie zufällig auf seinem Unterarm.
„Für eine solche Schönheit“, murmelte er etwas verlegen.
Der Barkeeper stellte das Glas vor ihr ab. Sie rührte es nicht an, sondern wandte stattdessen ihre ganze Aufmerksamkeit dem Mann neben ihr zu. „Also, was macht ein Mann wie du hier ganz allein?“, hauchte sie.
„Nun, ich…“
„Ich bin mir sicher, es gibt da ein paar Mädchen, die sich für dich interessieren.“
„Also ich denke schon…“
Es war leicht, beinahe zu leicht. Sie streichelte sein Ego, verführte ihn nach allen Regeln der Kunst und zog zwischendurch wie unabsichtlich ihren Rock etwas höher. Er war ihre Beute, wie eine Spinne webte sie ein Netz um ihr nichts ahnendes Opfer.
Er wurde betrunkener, sie tat so als ob, die Zeit verstrich und sie war immer mehr von seiner Gegenwart angewidert.
Schließlich legte sie einen Arm um seine Schulter und hauchte ihm ins Ohr: „Ich möchte einmal kurz frische Luft schnappen gehen…kommst du mit?“
Sie zog sich ihre Jacke über und er folgte ihr willig, wie ein Hund seinem Herrchen.
Sie traten durch die Hintertür nach draußen auf einen gepflasterten Hof. Die Luft war deutlich kühler geworden und ein leichter Wind zog an ihren blonden Locken.
Sie ging weiter, um eine Ecke des Gebäudes herum. Dort schlang sie die Arme um ihn und drängte ihn gegen die Wand. Er wollte etwas sagen, doch sie legte ihm einen Finger auf den Mund. „Hier sind wir ungestört“, wisperte sie. Mit der linken Hand strich sie ihm über die Wange, während ihre Rechte in ihrer Jacke verschwand.
Als sie sie wieder hervorzog, hielt sie eine Pistole umfasst.
Er starrte sie an, aus angstvoll geweiteten Augen. „B-bitte, ich…-“, stammelte er entsetzt.
„Das ist für Mary“, zischte sie und drückte ab. Der Schalldämpfer erstickte den Knall zu einem lauten Ploppen, wie beim Öffnen einer Sektflasche. Er rutschte an der Mauer hinab zu Boden.
"Ach übrigens...bellende Spinnen sind übrigens giftig." Sie drehte ihm den Rücken zu und entfernte sich, langsam, wie unbeteiligt. Das Klackern ihrer Schuhe auf dem Pflaster wurde immer leiser, bis es schließlich ganz von der Dunkelheit verschluckt wurde.
Die blonde Perücke verschwand in irgendeinem Mülleimer.
no subject
Date: 2010-07-01 07:55 pm (UTC)Die Protagonistin war allerdings cool... düstere Story, erinnert mich ein bisschen an Film Noir von der Stimmung her. Schick ^^
no subject
Date: 2010-07-02 01:51 pm (UTC)