Waiting for wolves [regulär]
Jun. 20th, 2010 11:26 pmFandom: Original ("I once ruled the World")
Challenge: Verletzungsbedingte Einschränkung
Wörter: 712
Warnung: /
Genre: angst..?
Kommentar: Ich spamme mit diesen beiden, tut mir Leid. Vielleicht sollte ich bei der nächsten Challenge eindlich mal ein paar Hintergrundinformationen bringen. Oder es ganz lassen. Und ja, mein BA-Thema hat mein Hirn gefressen.
Bei der letzten Flucht hatte er sich den Fuß geprellt. Keine große Sache an sich- das Weglaufen wäre nicht einmal nötig gewesen, weil hinter der Mauer letztendlich nur ein alter Mann mit weißem Basecap aufgetaucht war. Wahrscheinlich waren sie beide einfach nur zu schreckhaft geworden.
-
Sie saßen im Schatten einer Kiefer am Waldrand. In der Ferne rauschte es hin und wieder, wenn ein Auto auf der Landstraße vorbeikam. Er ließ langsam Wasser auf seinen angeschwollenen Fuß tröpfeln.
„Wenn wir nur Eis hätten“, murmelte sie und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Am Himmel waren die Wolken wie halbsteife Schlagsahne.
Zum Abendessen gab es die übrig geblieben Sandwiches von gestern, mit Schinken und Thunfischcreme. Sobald es dunkel wurde, fühlte sie sich ruhiger. Es war, als würde mit dem Licht die Hektik gehen. Nicht, dass sie nachts keine Angst hatte. Aber irgendetwas war anders.
-
Sie erwachte keine zwei Stunden später, weil er sie plötzlich an der Schulter fasste und nicht mehr losließ.
„Was?“, stieß sie hervor, aber dann hielt er sie still.
„Ich hab etwas heulen gehört.“
In der Finsternis klang seine Stimme rau und verbraucht.
„Wölfe.“
„Was quatscht du da? Hier gibt es keine Wölfe mehr.“
Sie flüsterte in den Wald hinein, dessen hundert unsichtbare Augen sie betrachteten.
Die Luft war feucht und schwer.
-
Das Gras am Flussrand war so hoch, dass ihr Kopf beim Sitzen gerade so über die Halme ragte.
Unten im Wasser stand er und kühlte seinen Fuß.
Die Wolken leuchteten über ihnen, gehetzt vom Sommerwind.
In der Ferne zuckte der erste Blitz auf.
„Wenn du eine Pause brauchst, sag Bescheid.“
„Es geht schon. Ich kann nur nicht so schnell.“
„Das muss doch aber wehtun. Tu dir keinen Zwang an, hier können wir jederzeit anhalten und-“
„Es geht doch aber. Hier guck- langsam, aber sicher.“
Jedes Mal wenn ein Blitz ganz in der Nähe einschlug, jedes Mal, wenn der Donner krachte, dröhnte die Brücke, unter der sie sich verbargen, wie ein riesiger, stählerner Drache. Der Regen fiel in Bindfäden, die Luft war so nass, dass sie Angst hatte, lebendig zu ertrinken.
Vom Fluss wehte Sprüh herüber, hatte ihr T-Shirt binnen Minuten durchnässt.
„Hier, nimm das Sweatshirt“, sagte er über den Gewitterlärm hinweg.
„Das brauch ich nicht, behalt du es an.“
„Aber du kriegst das ganze Wasser ab...dann lass uns tauschen.“
„Wieso denn? Ich bin nicht aus Zucker und dein Fuß-“
„Was hat das mit meinem Fuß zu tun? Mir ist warm, dir nicht. Wenn du dich verkühlst-“
Im nächsten Moment donnerte es ohrenbetäubend. In ihrem linken Gehörgang begann es zu fiepen und dann brannte irgendwo tief in ihr eine Sicherung durch.
„Was hast du eigentlich für ein Problem!“ Ihre Stimme überdröhnte den hämmernden, stumpfen Ton des Regens.
„Es ist schwül, du hast Hunger und Durst und dein Fuß ist ein verfluchter Klumpen! Kannst du nicht endlich aufhören mit diesem Höflichkeitsscheiß?! Es ist niemand da zum Beeindrucken!“
Seine Augen wurden von einem aufleuchteten Blitz ganz hell.
Er entgegnete etwas, so leise, dass sie es nicht hörte. Sie las es vielmehr von seinen Lippen ab;
`Was soll ich denn sonst tun?´
Und dann wurde ihr klar, dass es so nicht weitergehen konnte.
In einer Welt, die so bedrohlich schwankte, in welcher sich die Gefühle des Lebenwollens, des Egalseins, des Verzweifelns und des Erleichtertseins im Sekundentakt abwechselten, gab es keinen festen Halt, keinen Fels in der Brandung.
Die waren beide nichts anderes als zwei verlorengegangene Teilchen in einer Ursuppe, so unterschiedlich wie Himmel und Erde und die nichts anderes taten als das, was sie gelernt hatten.
Sie ließ den Kopf hängen und entschuldigte sich wortlos, rückte etwas mehr unter die Brücke. Gemeinsam schauten sie auf den Fluss zu ihren Füßen, eine dunkle Masse, die aussah als würde sie vom Regen durchlöchert. Das weiße Sweatshirt auf ihrer beider Schultern.
Bis feuchte Wärme zwischen ihnen wallte.
-
Sein Fuß begann bald, abzuschwellen.
-
Fast zärtlich weckte sie der Mond am Himmel. Seine Finger hatten sich in ihren Haaren verhakt, in seinen hingen Kienäpfel. Am Waldesrand knackte ein Zweig, dann huschte ein Kaninchen durch das Halbdunkel.
Sie neigte ihren Kopf leicht, nur um ihn zu bewegen und lauschte seinem regelmäßigen, lauten Atem.
In der Ferne heulte etwas auf.
„Die Wölfe“, murmelte er und sie wusste nicht, ob er träumte oder wach war.
Challenge: Verletzungsbedingte Einschränkung
Wörter: 712
Warnung: /
Genre: angst..?
Kommentar: Ich spamme mit diesen beiden, tut mir Leid. Vielleicht sollte ich bei der nächsten Challenge eindlich mal ein paar Hintergrundinformationen bringen. Oder es ganz lassen. Und ja, mein BA-Thema hat mein Hirn gefressen.
Bei der letzten Flucht hatte er sich den Fuß geprellt. Keine große Sache an sich- das Weglaufen wäre nicht einmal nötig gewesen, weil hinter der Mauer letztendlich nur ein alter Mann mit weißem Basecap aufgetaucht war. Wahrscheinlich waren sie beide einfach nur zu schreckhaft geworden.
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Sie saßen im Schatten einer Kiefer am Waldrand. In der Ferne rauschte es hin und wieder, wenn ein Auto auf der Landstraße vorbeikam. Er ließ langsam Wasser auf seinen angeschwollenen Fuß tröpfeln.
„Wenn wir nur Eis hätten“, murmelte sie und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Am Himmel waren die Wolken wie halbsteife Schlagsahne.
Zum Abendessen gab es die übrig geblieben Sandwiches von gestern, mit Schinken und Thunfischcreme. Sobald es dunkel wurde, fühlte sie sich ruhiger. Es war, als würde mit dem Licht die Hektik gehen. Nicht, dass sie nachts keine Angst hatte. Aber irgendetwas war anders.
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Sie erwachte keine zwei Stunden später, weil er sie plötzlich an der Schulter fasste und nicht mehr losließ.
„Was?“, stieß sie hervor, aber dann hielt er sie still.
„Ich hab etwas heulen gehört.“
In der Finsternis klang seine Stimme rau und verbraucht.
„Wölfe.“
„Was quatscht du da? Hier gibt es keine Wölfe mehr.“
Sie flüsterte in den Wald hinein, dessen hundert unsichtbare Augen sie betrachteten.
Die Luft war feucht und schwer.
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Das Gras am Flussrand war so hoch, dass ihr Kopf beim Sitzen gerade so über die Halme ragte.
Unten im Wasser stand er und kühlte seinen Fuß.
Die Wolken leuchteten über ihnen, gehetzt vom Sommerwind.
In der Ferne zuckte der erste Blitz auf.
„Wenn du eine Pause brauchst, sag Bescheid.“
„Es geht schon. Ich kann nur nicht so schnell.“
„Das muss doch aber wehtun. Tu dir keinen Zwang an, hier können wir jederzeit anhalten und-“
„Es geht doch aber. Hier guck- langsam, aber sicher.“
Jedes Mal wenn ein Blitz ganz in der Nähe einschlug, jedes Mal, wenn der Donner krachte, dröhnte die Brücke, unter der sie sich verbargen, wie ein riesiger, stählerner Drache. Der Regen fiel in Bindfäden, die Luft war so nass, dass sie Angst hatte, lebendig zu ertrinken.
Vom Fluss wehte Sprüh herüber, hatte ihr T-Shirt binnen Minuten durchnässt.
„Hier, nimm das Sweatshirt“, sagte er über den Gewitterlärm hinweg.
„Das brauch ich nicht, behalt du es an.“
„Aber du kriegst das ganze Wasser ab...dann lass uns tauschen.“
„Wieso denn? Ich bin nicht aus Zucker und dein Fuß-“
„Was hat das mit meinem Fuß zu tun? Mir ist warm, dir nicht. Wenn du dich verkühlst-“
Im nächsten Moment donnerte es ohrenbetäubend. In ihrem linken Gehörgang begann es zu fiepen und dann brannte irgendwo tief in ihr eine Sicherung durch.
„Was hast du eigentlich für ein Problem!“ Ihre Stimme überdröhnte den hämmernden, stumpfen Ton des Regens.
„Es ist schwül, du hast Hunger und Durst und dein Fuß ist ein verfluchter Klumpen! Kannst du nicht endlich aufhören mit diesem Höflichkeitsscheiß?! Es ist niemand da zum Beeindrucken!“
Seine Augen wurden von einem aufleuchteten Blitz ganz hell.
Er entgegnete etwas, so leise, dass sie es nicht hörte. Sie las es vielmehr von seinen Lippen ab;
`Was soll ich denn sonst tun?´
Und dann wurde ihr klar, dass es so nicht weitergehen konnte.
In einer Welt, die so bedrohlich schwankte, in welcher sich die Gefühle des Lebenwollens, des Egalseins, des Verzweifelns und des Erleichtertseins im Sekundentakt abwechselten, gab es keinen festen Halt, keinen Fels in der Brandung.
Die waren beide nichts anderes als zwei verlorengegangene Teilchen in einer Ursuppe, so unterschiedlich wie Himmel und Erde und die nichts anderes taten als das, was sie gelernt hatten.
Sie ließ den Kopf hängen und entschuldigte sich wortlos, rückte etwas mehr unter die Brücke. Gemeinsam schauten sie auf den Fluss zu ihren Füßen, eine dunkle Masse, die aussah als würde sie vom Regen durchlöchert. Das weiße Sweatshirt auf ihrer beider Schultern.
Bis feuchte Wärme zwischen ihnen wallte.
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Sein Fuß begann bald, abzuschwellen.
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Fast zärtlich weckte sie der Mond am Himmel. Seine Finger hatten sich in ihren Haaren verhakt, in seinen hingen Kienäpfel. Am Waldesrand knackte ein Zweig, dann huschte ein Kaninchen durch das Halbdunkel.
Sie neigte ihren Kopf leicht, nur um ihn zu bewegen und lauschte seinem regelmäßigen, lauten Atem.
In der Ferne heulte etwas auf.
„Die Wölfe“, murmelte er und sie wusste nicht, ob er träumte oder wach war.
no subject
Date: 2010-06-20 09:41 pm (UTC)Den Gedanken, dass man vom Regen in der Lift ertrinken könnte, mag ich irgendwie. also, das ist sicher nicht angenehm, aber...
Ich muss sagen, es stört mich nicht so sehr, dass man nichts über sie weiß. Das macht es irgendwie...berührender. (Ich finde grad nicht das richtige Wort dafür.) Vielleicht wäre man sogar etwas enttäuscht, wenn man allzu viel wüsste...
no subject
Date: 2010-06-21 06:02 am (UTC)Naja, ich wüsste sonst nicht, wie man Regenzeit in Japan beschreiben sollte. Die ist schon recht heftig.
Oh, okay. Ich meinte damit auch nicht, die gesamte Geschichte offenzulegen. Aber ein bisschen mehr zu erklären, wovor sie eigentlich weglaufen.=)
no subject
Date: 2010-06-20 09:56 pm (UTC)Ich finde die beiden sehr real dargestellt, also ich mein, bei vielen Charakteren, in Büchern oder so, kommen die einem ein bisschen zu unecht, zu übertrieben vor, da fehlt dann die Verbindung. Aber du schreibst die zwei sehr echt, find ich. oh gott, ich hoffe du verstehst, was ich meine.
kurzform: ich mag sie.^^
no subject
Date: 2010-06-21 06:04 am (UTC)no subject
Date: 2010-06-20 10:36 pm (UTC)Ich fände ein paar Hintergrundinformation schon interessant - obwohl, beide nur so durch diese Welt driften zu sehen ist eigentlich auch cool.
no subject
Date: 2010-06-21 06:06 am (UTC)Hm, dann werd ich sehen, wohin mich die beiden noch bringen. Vielleicht wollen sie auch gar nicht mehr über sich preisgeben. Wobei ich ´s trotzdem nicht soo toll fände, sie weiter durch luftleeren Raum schweben zu lassen.
Dankeschön =)