Sommerchallenge: 1. Päckchen
Jun. 18th, 2010 06:10 pmTitel: Packt den Badeanzug ein, der Sommer kommt
Genre: Original
Team: Sartre
Challenge: Frühjahrsmüdigkeit
Disclaimer: alles meins
Wörter: 1211
Annerkung: nicht Beta-gelesen
Träge rolle ich mich auf der Couch von der einen Seite auf die andere. Verschlafen blinzle ich auf den blinkenden Punkt meines Laptops. Gähnend richte ich mich auf und fahre mit dem Finger über das Mousepad um auf die Uhr zu sehen. Gerade mal 20Uhr. Ich bin schon wieder beim Filmgucken eingeschlafen. Das dritte Mal diese Woche. Ich kratze mich unter der Achsel und stehe dann langsam auf um auf die Toilette zu gehen. Beim Hose runterlassen werfe ich einen flüchtigen Blick in den Spiegelschrank und betrachte mich kritisch. Ich sehe fürchterlich aus. Die Trägheit der letzten Wochen hat ihre Spuren hinterlassen. Ich müsste dringend wieder was tun. Der Sommer kommt und ich laufe immer noch im Winterlook rum. Unerwünschten Winterpelz eingeschlossen. Ich rubble mir über die wuchernden Augenbrauen und seufze. Ich müsste mich wirklich mal für die schöne Zeit des Jahres fertig machen, doch ich hab so gar keine Lust.
Ich drücke die Spülung, ziehe mir die Hose hoch und wasche mir die Hände. Dabei betrachte ich mich wieder im Spiegel und greife dann doch noch zur Pinzette um dem schwarzen Busch über meinen Augen wieder Form zu geben. Es braucht länger als erwartet und schön ärgere ich mich darüber, dass ich es nicht schon eher und vor allem regelmäßiger gemacht habe. Mal hier und da ein Haar zu entfernen ist einfacher, als eine ganze Hecke in Forum zu trimmen. Ich brauche gute zehn Minuten, ehe ich zufrieden bin und meine Pinzette wieder wegpacke. Dafür bin ich jetzt in der richtigen Stimmung. Kurzerhand ziehe ich mich ganz aus, schnappe mir den Rasierschaum und den Rasierer und entsorge mich des Winterpelzes auch noch unter den Achseln und den Beinen. Meine Scham bekommt einen radikalen Kurzhaarschnitt und mein Gesicht anschließend noch eine Maske, während ich meinen Körper gründlich nach dem Duschen und der Rasur eincreme. Kurzentschlossen lasse ich meinen Haaren noch eine Kur zu Gute kommen. Als ich über eine Stunde später das Bad wieder verlasse, fühle ich mich wie ein neuer Mensch. Energiereich, schön und motiviert.
Zurück in meinem Zimmer suche ich aus der hintersten Ecke meines Schrankes meinen Badeanzug raus. Er ist etwas eng, aber sitzt besser als ich befürchtet hatte. Bevor ich mich jedoch damit am Strand blicken lassen kann, muss ich noch etwas an mir arbeiten. Das Hallenbad ist dafür sicher gut geeignet.
Schon am nächsten Morgen stehe ich früh auf, um Punkt 8Uhr am Hallenbad zu sein. Ich bin kurz davor noch mal umzudrehen und doch wieder nach Hause zu fahren, aber ich habe Eintritt bezahlt und ich werde das jetzt durchziehen. So schlimm sehe ich im Badeanzug nun auch nicht aus. Außerdem ist es Montagmorgen 8Uhr, wer wird da schon groß schwimmen gehen. Etwas hastig gehe ich zum Becken und lasse mich ins Wasser gleiten. Es ist wirklich noch sehr leer und sobald ich im Wasser bin, sind mir die paar Pfund zu viel auf der Hüfte völlig egal. Kann eh keiner sehen. Ich ziehe also eine Stunde brav meine Bahnen und fühle mich ja jeder Runde besser. Sport produziert Glückshormone stimmt wohl doch. Ich fühle mich so wohl wie ein Fisch im Wasser.
Und wer hätte gedacht, dass doch noch der ein oder andere nette Rücken hier auftaucht. Ich schwimme zufrieden grinsend einem attraktiven, muskulösen etwa Mitte zwanzig Jahre alten Rücken hinterher und bewundere die Muskelbewegung der Schulterblätter beim Kraulen. Sexy. Leider ist die Stunde schneller vorbei als mir lieb ist und dank der Taucherbrille konnte ich das Gesicht zu dem Rücken schlecht erkennen. Ich seufze leise. Immerhin was man erkennen konnte, war wirklich sehr ansprechend. Ein Ansporn mehr hierher zu kommen, wer hätte das gedacht.
Eine Woche später verlasse ich um 9 Uhr gut gelaunt das Hallenbad. Ich bin jeden Morgen hier gewesen, die Trägheit der letzten Wochen ist vergangen und ich mag mich selbst wieder im Spiegel angucken. Ich nehme die Körperpflege wieder etwas ernster, schließlich kann man wieder mehr Haut zeigen. Das Schwimmen macht immer noch Spaß, zumal ich jeden Morgen den netten Rücken sehen kann und auch der Zeiger meiner Waage eindeutig nach unten wandert. Ich fahre nach Hause um meine Schwimmsachen auf die Leine zu hängen, ehe ich mir meinen Rucksack schnappe, das Leergut und ein paar Stoffbeutel um einkaufen zu gehen.
Ich lege gerade meine Sauce Hollandaise zu dem Spargel, als ich von der Seite angesprochen werde. „Das sieht nach einem traditionellen deutschen Essen aus.“ Überrascht sehe ich in ein Paar Himmelblaue Augen in einem attraktivem Gesicht umrahm von schwarzen Haaren. Ein charmantes Lächeln umspielt seine vollen Lippen, wodurch ich automatisch zurücklächeln muss. „Man sollte die Saison ausnutzen. Spargelzeit ist viel zu kurz.“
Ein warmes dunkles Lachen erreicht meine Ohren und ich habe das Gefühl der Blick aus seinen Augen wird intensiver. „Das ist wohl wahr.“ Dann seufzt er und schiebt seinen Wagen etwas dichter an meinen um einer Frau aus dem Weg zu gehen. „Ich liebe Spargel, nur ist mir das Schälen für mich allein viel zu aufwendig“, gibt er zu und lächelt mich an. „Ich bin ein reiner Restaurant-Spargel-Esser“, gesteht er dann lachend.
Ich stimme in das Lachen ein. „Ja, er lässt sich wirklich nicht gut schälen, aber dafür schmeckt er gut, das entschädigt“, zwinkere ich zurück.
Sein warmes Lachen erreicht mein Ohr, dann bückt er sich vor und fischt sich die Fertigsauce aus meinem Einkaufswagen. „Schmeckt die?“
Ich zucke mit den Schultern. „Ich habe keine Ahnung. Aber da es die einzige haben die sie hier anbieten und ich nicht weiß, wie man Hollandaisesauce selber macht, werde ich einfach hoffen, dass sie gut ist.“
Er nickt. „Ich hatte mal eine Packung, aber ich weiß nicht mehr von welchem Hersteller, die war fürchterlich. Seit dem bevorzuge ich die Sauce meiner Mutter, auch wenn das jetzt wahrscheinlich ziemlich doof klingt.“ Er lacht entschuldigend und ich bin mir nicht sicher, ob ich unter seiner Sonnenbraunen Haut sogar einen roten Schatten auf den Wangen wahrnehme.
„Wenn du das Rezept deiner Mutter zur Verfügung stellst, lasse ich mich vielleicht dazu überreden etwas mehr Spargel zu schälen.“ Ihn überrascht die Aussage ebenso wie mich. Da habe ich den Mund aufgemacht ohne zu Denken. Hoffentlich bereue ich es nicht. Ich weiche seinem intensiven Blick aus. „Natürlich nur wenn du Lust und Zeit hast.“
Er stellt die Sauce an meinem Blickfeld vorbei einfach ins Regal zwischen die Tomatensauce. „Abendessen um 18Uhr bei dir?“
Ich sehe ihn wieder an, schmunzle und nicke. „18 Uhr klingt gut. Vergiss das Rezept nicht.“ Ich lache leise und schüttle sachte den Kopf.
„Was?“, fragt er leicht verwundert und sieht mich etwas unsicher, aber ebenfalls grinsend an.
Ich wiege langsam den Kopf. „Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie kommst du mir bekannt vor. Kennen wir uns von irgendwoher?“
Sein Grinsen wird etwas breiter. „Kann man so sagen.“ Er weicht meinem Blick kurz aus, ehe er mir wieder in die Augen sieht. „Wir gehen morgens zusammen schwimmen.“
„So?“, mache ich verwundert und betrachte ihn etwas genauer. Versuche sein Gesicht zu zuordnen, aber so ohne Taucherbrille gelinkt es mir nicht. Dann geht er vor um mir die Tür aufzuhalten, wobei er mir seinen Rücken zuwendet. Ich betrachte das breite Kreuz und die Bewegung der Schulterblätter. Und jetzt weiß ich auch welcher der Schwimmer er ist. Ich bin für einen Moment verblüfft, dann gehe ich grinsend an ihm vorbei und bedanke mich für das Türaufhalten. Wie könnte ich den sexy Rücken vergessen. Den erkenne ich sogar im T-Shirt wieder. Jetzt kann der Sommer kommen und irgendwas sagt mir, dass er anders sein wird als im letzten Jahr.