Sommerchallenge: Teilchenbewegung
Jun. 13th, 2010 10:03 pmTeam: Chopin
Challenge: Päckchen 1 - Teilchenbewegung
Fandom: Original (Abyss of Styx)
Anmerkung: Andere Geschichten zu den Charas kann man hier finden. So richtig zufrieden bin ich noch nicht, aber sei's drum. Zeitlich ist es zwischen "Haare" und "Rock" angesiedelt und es ist Vorgeschichte, genauer so eine Art Intro zu Wolfs verhunzter Teeniezeit.
Alles änderte sich im Sommer vor dem Schulwechsel. Es war kein langsamer Wandel gewesen, der unbemerkt vonstatten ging, sondern eine beinahe plötzliche Veränderung, die keiner von ihnen erwartet hatte. Es hatte etwas Unvermeidbares und vielleicht war das Erwachsenwerden.
In der Grundschule waren sie unzertrennlich gewesen. Wolf, Ida und Léon. Bevor Wolf in die Klasse kam, waren sie verlobt gewesen, Ida und Léon, mit den Armbändern, die man im Schreibwarenladen kaufen konnte, bunte Indianerperlen an Gummibändern. Dann kam Wolf und weil der Laden die Armbänder nicht mehr führte, teilten sie die Perlen auf. Mein Wolf und mein Löwe, hatte Ida gesagt.
Dann waren sie irgendwann nicht mehr immer zu dritt gewesen.
Ida hatte Freundinnen, die nicht mit Wolf und Léon reden konnten ohne zu kichern, und ging auf Pyjama-Partys, auf die Wolf und Léon nicht eingeladen waren. Ihre Eltern meldeten sie zum Reitunterricht an, ein Handel den sie eingegangen war, um deren Erlaubnis für den Judo-Kurs zu bekommen.
Léon, der in einem mit Musikinstrumenten vollgestopften Haus lebte, in dem die Studenten seines Vaters ein und aus gingen, ließ sich von ihnen das eine oder andere Instrument beibringen. Er war immer ein einzelgängerischer Mensch gewesen und Anfang der sechsten Klasse lernte er die Orgel kennen. Es war eine eher kleine schmucklose Orgel, in der kleinen schmucklosen Kirche der Stadt. Sie war fast zweihundert Jahre alt und einige Pfeifen waren schauerlich verstimmt, aber es war Liebe.
Also hatte Léon auch keine Zeit mehr. Gelegentlich tauchte Wolf in der Kirche auf, wenn Léon Orgel spielte, aber er war zu ungeduldig, um zuzuhören und Léon musste entweder aufhören oder ihn bitten zu gehen.
Allerdings waren das noch keine richtigen Veränderungen gewesen. Sie waren immer noch zu dritt und die besten Freunde, daran zweifelte keiner von ihnen. Erst mit der neuen Schule änderte sich alles. Oder vielleicht änderte es sich unbemerkt, in den Ferien.
Wenn man dreizehn ist, sind sechs Wochen eine kleine Ewigkeit, in denen fast alles passieren kann. Früher hatten sie die Ferien zusammen verbracht, oder zumindest war nur einer die eine oder andere Woche mit den Eltern im Urlaub gewesen und die anderen zwei waren zusammen geblieben. Wenn einer geht und zwei bleiben, dann ist klar, wer sich verändert hat. Aber in diesen Ferien war Léon die ganze Zeit weg, weil ihn seine Mutter auf ihrer Tournee durch Griechenland und Italien mitnahm, und Ida war erst im Familienurlaub auf den Philippinen und dann im Ferienlager „für höhere Töchter“, wie sie selbst es mit kraus gezogener Nase genannt hatte.
Wolf war allein und driftete zu Karsten, Jens und deren Freunden. Seine Brüder waren ein paar Jahre älter und damit schon per Definition cool und er gehörte jetzt dazu. Sie hingen auf dem Parkplatz vorm Bahnhof ab oder zogen durch die Straßen und hinterließen ihre Tags an Hauswänden. Damals war alles noch ziemlich harmlos. Wolf rauchte seine erste Zigarette und log, dass er schon mal mit Ida rumgeknutscht hatte. Es war nicht schlimm, er konnte es ihr vorschlagen, wenn sie zurück kam.
Die schlimmere Lüge erzählte er später. Er hatte irgendwas erzählt und Léon erwähnt.
„Wer ist das? Dieser schwule Streber?“, fragte Sven. Wolf zuckte zusammen, für ein paar Sekunden zu schockiert, um wütend zu werden. „Seid ihr befreundet?“
Er wollte ja sagen und dass Léon nicht schwul war und kein Streber, sondern einfach nur unheimlich schlau, aber etwas in dem wachsamen Blick, mit dem Karsten ihn ansah, ließ ihn innehalten und etwas unverständliches murmeln.
„Quatsch,“ sagte Jens nach einem schnellen Blickwechsel mit Karsten, „der ist nur ein Kumpel von seiner Freundin.“
Und so absurd und falsch die Behauptung in diesem Augenblick war, im Rückblick hörte sie sich für Wolf an, wie eine Prophezeiung. Denn was diesem Sommer folgte, war das schrecklichste Schuljahr in Wolfs Leben. Das Jahr, in dem er nicht mehr mit Léon befreundet war und sich in eine Ida verliebte, die nicht mehr mit ihm redete. Das Jahr, in dem er um ein Haar von der Schule flog und Karsten fast ins Gefängnis kam.
Wenn man dreizehn ist, kann sich in einem Sommer fast alles ändern, und manchmal kann man nichts dagegen tun.
Challenge: Päckchen 1 - Teilchenbewegung
Fandom: Original (Abyss of Styx)
Anmerkung: Andere Geschichten zu den Charas kann man hier finden. So richtig zufrieden bin ich noch nicht, aber sei's drum. Zeitlich ist es zwischen "Haare" und "Rock" angesiedelt und es ist Vorgeschichte, genauer so eine Art Intro zu Wolfs verhunzter Teeniezeit.
Alles änderte sich im Sommer vor dem Schulwechsel. Es war kein langsamer Wandel gewesen, der unbemerkt vonstatten ging, sondern eine beinahe plötzliche Veränderung, die keiner von ihnen erwartet hatte. Es hatte etwas Unvermeidbares und vielleicht war das Erwachsenwerden.
In der Grundschule waren sie unzertrennlich gewesen. Wolf, Ida und Léon. Bevor Wolf in die Klasse kam, waren sie verlobt gewesen, Ida und Léon, mit den Armbändern, die man im Schreibwarenladen kaufen konnte, bunte Indianerperlen an Gummibändern. Dann kam Wolf und weil der Laden die Armbänder nicht mehr führte, teilten sie die Perlen auf. Mein Wolf und mein Löwe, hatte Ida gesagt.
Dann waren sie irgendwann nicht mehr immer zu dritt gewesen.
Ida hatte Freundinnen, die nicht mit Wolf und Léon reden konnten ohne zu kichern, und ging auf Pyjama-Partys, auf die Wolf und Léon nicht eingeladen waren. Ihre Eltern meldeten sie zum Reitunterricht an, ein Handel den sie eingegangen war, um deren Erlaubnis für den Judo-Kurs zu bekommen.
Léon, der in einem mit Musikinstrumenten vollgestopften Haus lebte, in dem die Studenten seines Vaters ein und aus gingen, ließ sich von ihnen das eine oder andere Instrument beibringen. Er war immer ein einzelgängerischer Mensch gewesen und Anfang der sechsten Klasse lernte er die Orgel kennen. Es war eine eher kleine schmucklose Orgel, in der kleinen schmucklosen Kirche der Stadt. Sie war fast zweihundert Jahre alt und einige Pfeifen waren schauerlich verstimmt, aber es war Liebe.
Also hatte Léon auch keine Zeit mehr. Gelegentlich tauchte Wolf in der Kirche auf, wenn Léon Orgel spielte, aber er war zu ungeduldig, um zuzuhören und Léon musste entweder aufhören oder ihn bitten zu gehen.
Allerdings waren das noch keine richtigen Veränderungen gewesen. Sie waren immer noch zu dritt und die besten Freunde, daran zweifelte keiner von ihnen. Erst mit der neuen Schule änderte sich alles. Oder vielleicht änderte es sich unbemerkt, in den Ferien.
Wenn man dreizehn ist, sind sechs Wochen eine kleine Ewigkeit, in denen fast alles passieren kann. Früher hatten sie die Ferien zusammen verbracht, oder zumindest war nur einer die eine oder andere Woche mit den Eltern im Urlaub gewesen und die anderen zwei waren zusammen geblieben. Wenn einer geht und zwei bleiben, dann ist klar, wer sich verändert hat. Aber in diesen Ferien war Léon die ganze Zeit weg, weil ihn seine Mutter auf ihrer Tournee durch Griechenland und Italien mitnahm, und Ida war erst im Familienurlaub auf den Philippinen und dann im Ferienlager „für höhere Töchter“, wie sie selbst es mit kraus gezogener Nase genannt hatte.
Wolf war allein und driftete zu Karsten, Jens und deren Freunden. Seine Brüder waren ein paar Jahre älter und damit schon per Definition cool und er gehörte jetzt dazu. Sie hingen auf dem Parkplatz vorm Bahnhof ab oder zogen durch die Straßen und hinterließen ihre Tags an Hauswänden. Damals war alles noch ziemlich harmlos. Wolf rauchte seine erste Zigarette und log, dass er schon mal mit Ida rumgeknutscht hatte. Es war nicht schlimm, er konnte es ihr vorschlagen, wenn sie zurück kam.
Die schlimmere Lüge erzählte er später. Er hatte irgendwas erzählt und Léon erwähnt.
„Wer ist das? Dieser schwule Streber?“, fragte Sven. Wolf zuckte zusammen, für ein paar Sekunden zu schockiert, um wütend zu werden. „Seid ihr befreundet?“
Er wollte ja sagen und dass Léon nicht schwul war und kein Streber, sondern einfach nur unheimlich schlau, aber etwas in dem wachsamen Blick, mit dem Karsten ihn ansah, ließ ihn innehalten und etwas unverständliches murmeln.
„Quatsch,“ sagte Jens nach einem schnellen Blickwechsel mit Karsten, „der ist nur ein Kumpel von seiner Freundin.“
Und so absurd und falsch die Behauptung in diesem Augenblick war, im Rückblick hörte sie sich für Wolf an, wie eine Prophezeiung. Denn was diesem Sommer folgte, war das schrecklichste Schuljahr in Wolfs Leben. Das Jahr, in dem er nicht mehr mit Léon befreundet war und sich in eine Ida verliebte, die nicht mehr mit ihm redete. Das Jahr, in dem er um ein Haar von der Schule flog und Karsten fast ins Gefängnis kam.
Wenn man dreizehn ist, kann sich in einem Sommer fast alles ändern, und manchmal kann man nichts dagegen tun.
no subject
Date: 2010-06-13 08:28 pm (UTC)ó___ò
Ich weiß grade nicht wer mich mehr deprimiert - Wolf, weil er so ein Depp ist, Léon weil Wolf nicht mehr mit ihm befreundet ist oder Ida weil ihre Eltern sie zu Reitstunden zwingen.
Dreizehn ist ein schlimmes Alter.
Gott, bin ich froh keine dreizehn mehr zu sein.
Sehr melancholisch und bittersüß. Ich liebe die Freundschaft von allen dreien und diese Gefühl der Zerbrechlichkeit, als ob man jetzt schon die Risse im Freundschaftsarmband sehen kann ...
Schön. Und traurig.
Und jetzt muss ich dringend auch endlich nochmal die anderen Sachen zu ihnen lesen. =)
no subject
Date: 2010-06-13 08:57 pm (UTC)Nicht wahr? Teenager sein, ist die Hölle.
no subject
Date: 2010-06-13 09:34 pm (UTC)Aber in diesen Ferien war Wolf die ganze Zeit weg, weil ihn seine Mutter auf ihrer Tournee durch Griechenland und Italien mitnahm, und hier hast du den falschen Kerl mit auf Tournee geschickt^^.
Wolf ist ein kleiner Idiot. Teenager sind schon irgendwie bescheuert.
Ich mag die bittersüße Stimmung des Ganzen.
Ich mag Ida. 'Mein wolf und mein Löwe'. Süß.
no subject
Date: 2010-06-13 10:20 pm (UTC)Wolf bleibt eigentlich auch ein Idiot. Als Teenager war er nur schlimmer. Aber ab und zu reißt er sich zusammen und ist dann ein halbwegs guter Mensch. ^^
Ja, Ida ist klasse, ich müsste mal was mit ihr schreiben.
Danke fürs Kommentieren =)