[identity profile] exiles-diary.livejournal.com posting in [community profile] 120_minuten
Team: Sartre
Autor: Jenchan
Challenge: Spiel(e)
Word count: 1655
Fandom: Original
Titel: Das ist doch alles nur Spiel! (beschissener Titel, aber in Titelgeben bin ich nicht unbedingt super)
Warnungen: Fehler, fehler, fehler. Seltsame Formulierungen.
Disclaimer: Es braucht sich niemand angesprochen zu fühlen, es ist rein erfunden >.< jegliche Paralellen zu realen Personen sind also rein zufällig und es dient auch nicht als Angriff auf eine ganze Bevölkerungsgruppe - oder so...

Kommentar: Thema Komasaufen... irgendwie ist mir das zu Spiel(e) eingefallen und ich möchte gleich sagen, dass ich wohl zuviele Hollywoodstreifen gesehen habe (und ein paar Jahre zu lange in der Schule war -.-) Jedenfalls rate ich allen jungen Leuten: Trinkt nicht so viel, schreibt lieber mehr!

Das ist doch alles nur Spiel - oder - wer cool sein will muss leiden...

Das erste Mal kam Johnny mit drei in Kontakt mit Alkohol. Neugierig wie Kinder nun einmal waren, wollte auch er probieren, was sein Vater da ständig trank. Es roch scheußlich und er verzog das Gesicht, als er davon probierte. Es existierte davon sogar ein Foto, wie der kleine Johnny den großen Bierkrug von sich schob.
Seither hatte er nie wieder das Bedürfnis verspürt, von den Gläsern der Erwachsenen zu trinken. Jedes Mal, wenn er gefragt wurde, ob er probieren wolle, schüttelte er brav den Kopf. Besonders das gelbe Zeug war einfach nur widerlich und da wollte er von dem roten und dem fast durchsichtigen, das ein bisschen wie wässriger Hollundersaft aussah, erst gar nicht probieren.

Mit zwölf kam er dann noch einmal in Kontakt mit Alkohol. Diesmal war es auf einer Silvesterfeier. Er fühlte sich schon wie ein richtiger Mann und war eingeschnappt, weil seine Mutter ihm nicht erlauben wollte, dass er wie die Erwachsenen ein Glas Sekt zum Trinken bekam. Wieder war es sein Vater, der intervenierte und seine Frau zurechtwies. Sie solle sich mal nicht so anstellen, hatte dieser gemeint und seinem Sohn ein Glas Sekt-Orange in die Hand gedrückt.
Es roch seltsam, aber Johnny war überzeugt davon, dass es so gehörte. Die Erwachsenen hatten ja auch nichts dagegen, also konnte es so schlimm nicht sein. Außerdem wollte er gerade weil seine Mutter dagegen gewesen war, zeigen, dass er schon zu den großen gehörte.
Das Ergebnis war, dass er sich das ganze Glas runterzwang und sich danach den restlichen Abend seltsam heiter fühlte. An vieles konnte er sich nachträglich nicht mehr erinnern, aber kalt war ihm in jener Nacht nicht wirklich gewesen. Es war sein erster kleiner Rausch gewesen.

Ab da war sein Weg irgendwie vorprogrammiert gewesen. Zumindest sah es Johnny aus heutiger Sicht so. Desto älter er wurde, desto häufiger war sein Vater bereit ihm Alkohol zu geben, wann immer er danach fragte. Das verursachte oft genug Streit zwischen seinen Eltern und Johnny lernte schnell, dass es eine effektive Methode war, auch andere Dinge zu bekommen.
Umso mehr seine Eltern stritten, desto höher stiegen seine Chancen, dass er von beiden bekam, was er wollte. Er musste nur dazwischen gehen und so tun, als würde er darunter leiden. Aber eigentlich wurde es für ihn mehr soetwas wie ein Spiel. Wenn er etwas wollte, das zu teuer war oder für sein Alter nicht geeignet war, säte er zwischen seinen Eltern Zwietracht und spätestens nach einer Woche, hatte er, was er wollte.
Warum das so gut funktionierte, war ihm eigentlich egal. Es erleichterte sein Leben und er begann bei seinen Freunden damit anzugeben.

Mit Sechzehn fiel dann endlich ein Grenze. Nun waren ihm einige Dinge von Gesetz her erlaubt und darunter fielen auch die Zigaretten. Rauchen war etwas, das hatte er nie probieren dürfen - anders als Alkohol. Da war sein Vater immer eisern gewesen und hatte dieser hatte Johnny auch erklärt warum.
Auch wenn er eigentlich nicht gerne mit seinem Vater sprach, weil ihm der Mundgeruch eher Übelkeit bereitete, hatte er stets brav gewartet, bis er fortgeschickt worden war. An Abend nach seinem sechzehnten Geburtstag war seine Neugierde allerdings so groß gewesen, dass er seinen Vater wieder nach den Zigaretten fragte.
Marlboro classic rauchte sein Vater schon all die Jahre. Anbietend wurde ihm eine Schachtel hingeschoben und er entnahm vorsichtig einen Glimmstengel. Die warnenden Worte seiner Mutter ignorierte er, als er sich von seinem Vater die Zigarette anzünden ließ. Es kratzte erst an seinem Stolz, als sein Vater ihn auslachte, weil er zu husten beginnen musste.
Das Zeug schmeckte einfach ekelhaft, aber dennoch war der junge Johnny so sehr in seinen Stolz verletzt, dass er zu rauchen begann.

Aber nicht nur das passierte, als er sechszehn war. Es war sein ganzer Freundeskreis, der sich plötzlich änderte. Jugendliche, die als cool deklariert wurden, begannen sich plötzlich für ihn zu interessieren, weil sie ihn dabei erwischten, wie er Zigaretten von einem Automaten zog. Er ahnte da noch nicht, dass sich die Gruppe eigentlich nur einen Spaß daraus machen wollten und der Meinung waren, dass Johnny sich einfach nur wichtig machen wollten.
Für sie war das nur ein Spiel, wie für Johnny das gegenseitig aufhussen seiner Eltern eigentlich nur Spaß war. Ein Mittel, um alles zu kriegen, was er wollte.
Die Gruppe an Jugendlichen nahm ihn mit auf Parties und gaben ihm Alkohol. Vieles verschiedene und das meiste war eigentlich schrecklich ekelhaft. Aber Johnny war zu stolz, um sich auslachen zu lassen und bewies, dass er dazugehören konnte - auch wenn er zwei Jahre jünger war.

Johnny begann zu trinken. Die Parties waren cool und seine Eltern wurden ihm eigentlich recht egal. Seine Mutter zeterte ohnehin nur noch und sein Vater nahm ihn meistens in Schutz. Aber im Grunde genommen wusste Johnny, dass es dabei weniger darum ging, was er machte, als vielmehr, dass es seinem Vater auf die Nerven fiel. Im Endeffekt waren seine Eltern dann immer froh, wenn er aus dem Haus war. Da konnten sie wenigstens streiten, ohne sich schuldig fühlen zu müssen.
Johnny war mit sich selbst so beschäftigt, dass er nicht mitbekam, was für eine Abwärtskurve sein Leben einnahm. Die Parties wurden wilder, er machte seine ersten Erfahrungen mit Sex und auch bekam ein Gefühl dafür, was es bedeutete, Spaß zu haben. Die Spiele, die er mitmachte, waren in dem angetrunkenen Zustand, den er meistens zu diesem Zeitpunkt bereits hatte, wirklich erheiternd. Außerdem fühlte er sich in der Gruppe wirklich stark.
Er merkte nicht, dass die Aufgaben, die er erfüllen musste, immer grenzwertiger zur Illegalität waren. Er merkte nicht, dass er in seinem Suff immer krimineller wurde. Es war doch alles nur ein Spiel und die Leute sollten sich doch mal nicht so beschweren. Sie taten doch niemanden weh.

Schultechnisch nahmen seine Leistungen ab. Oft hatte er am Montag noch Kopfschmerzen von den Wochenenden und konnte sich kaum an etwas erinnern, was mit dem Stoff der einzelnen Fächer zu tun hatte. Aber es interessierte ihn auch eigentlich gar nicht so sehr. Wofür musste er sich mit diesen Lehrern herumärgern?
Anstatt die Anzeichen als Probleme zu deuten, schimpfte er auf die Personen, die ihm etwas beibringen wollten. Immer häufiger ging er dann auch einfach nicht mehr zum Unterricht. Ohnehin waren ein Teil seiner Gruppe meistens im Park zu finden und die klopften ihm auf die Schultern, wenn er auf die Frage, ob er nicht gerade Unterricht hätte, nur die Schultern zuckte und nach einer Dose Bier griff.
Zigaretten hatte er selbst immer dabei - Marloboro classic, wie sein Vater.

Mit Ach und Krach schaffte es Johnny in die Abschlussklasse. Seine Noten waren grenzwertig und es kam nicht selten vor, da trank er während den Mittagspausen schon eine große Dose Bier. Seine Freunde waren alle auf der Universität und die Parties, die er nun besuchte, waren nur um einiges besser. Oft wusste er schon nicht mehr, was er an den Wochenende wirklich alles getan hatte.
Er wusste nur, dass es Spaß gemacht hatte. Dass sie viele Spiele gespielt hatten, die mit Alkohol und Sex zu tun hatten. Hin und wieder waren auch Drogen im Spiel und wenn sie nachts durch die Straßen zogen, waren seine Probleme weit weg.
Zum Beispiel die, dass seine Mutter sich scheiden ließ und Johnny nun alleine mit seinem Vater leben musste. Seine Mutter hatte ihn sogar noch angeschrien, dass er genauso ein elender Saufkopf wie sein Vater und dass er schon sehen würde, wohin ihn das führte. Danach hatte Johnny seine Mutter nicht wieder gesehen, aber damit endete auch sein Spiel, zu bekommen was er wollte, indem er seine Eltern zum Streiten brachte. Ohnehin war das jetzt ja nicht mehr so wichtig. Das Leben ging auch ohne seine Mutter weiter.

Heute wusste es Johnny besser. Jetzt war er schlauer, aber damals war es ihm schlichtweg egal gewesen. Er wusste heute, dass er schon mit sechzehn zum Alkoholiker geworden war und wenn er auf seine Taten zurücksah, schämte er sich unheimlich.
Seine Freunde hatten ihn irgendwann im Stich gelassen und angefangen ihn zu meiden. Es wäre uncool, jeden Tag betrunken zu sein und sie wollten keinen Alkoholiker in der Gruppe haben. Johnny hatte das nicht verstanden und war noch eine Weile bei ihnen aufgetaucht, aber sie alle schienen nun andere Dinge wichtiger zu finden.
Verärgert hatte Johnny darauf gepfiffen und sich selbst ein paar Drinks genehmigt und nach Spaß gesucht. Nach Spielen, die er alleine spielen konnte. Dabei hatte er Autos zerstört, da es bisher immer lustig gewesen war, in die Autos von Reichen kratzer hinein zu machen. Aber es lachte diesmal niemand mit ihm.

Stattdessen fasste ihn irgendwann die Polizei und dieses Spiel hatte dann Johnny nicht mehr so lustig gefunden. Sein hatte im Gericht einfach nur den Kopf geschüttelt und war unglaublich enttäuscht gewesen und Johnny schrie ihn wütend an, dass es alles seine Schuld sei. Er war so wütend geworden, dass er noch im Gerichtssaal auf seinen Vater losgegangen war und das hatte letztlich sein Schicksal besiegelt.
Für ihn war der Ernst des Lebens auf diese Weise auf ihn zugetreten. Das Urteil hatte schuldig gelautet und er wurde zu einem Entzug und einer Haftstrafe verurteilt, die er immer noch absitzen musste. Nach Alkohol dürstete ihn nun nicht mehr, aber der Weg dahin war schwer gewesen. Oft hatte er in Einzelhaft müssen, weil die Entzugserscheinungen ihn Aggressiv gemacht hatten. Und seinen Mithäftlingen fühlte er sich auch sehr unwohl, weil er einfach nicht das Gefühl hatte, dass er hierher gehörte.
Wenn Johnny aus den vergitterten Fenstern sah, wurde ihm bewusst, dass die Welt nicht aus Schokolade, Spannung und Spiel bestand. Das Leben war nicht süß - es war eher bitter. Und aus Spiel konnte viel zu schnell ernst werden.
Johnny nahm sich vor, dass er alles wieder gut machen wollte, wenn er erst einmal seine Strafe abgesessen hatte. Er wollte sich ein dezentes Leben aufbauen, aber mehr noch wollte er Kindern und Jugendlichen helfen, denes es genauso ging wie ihm. Denn das schien der Trend ihrer Gesellschaft zu sein.

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