Sommerpäckchen 1: Schritt halten
Jun. 12th, 2010 01:39 am
Team: Van Gogh
Fandom: Original
Challenge: Schritt halten
Wörter: ~550
Vorwort: Nyx ist schuld >3 Denn vorwiegend ist es wegen der Zeile mit "Tee?" entstanden. Ich schaue morgen noch mal rein um die Unmengen an Fehler zu korrigieren, die sich dort gerade sehr ausgelassen tummeln. Aber nicht jetzt, jetzt will ich doch nur schlafen ^^"
~ Um Schritt zu halten, ...
Nacht.
Schwarz auf Schwarz.
Leise.
Schritt um Schritt.
Erst eine Silhouette am Fenster, dann ein Schatten in der Dämmerung, dann ein Klumpen Dunkelheit an der Wand. Vorbei an den Bürotischen, an schwarz-grau skizzierten Gerätschaften, an turmhohen Zeitungsstapeln.
Unbemerkt. Gespenstisch. So vollkommen lautlos, dass selbst …
„Tee?“
Die Dunkelheit zuckte zusammen. Ertappt. Erstarrt. Der Versuch mit dem nächst besten Bücherregal zu verschmelzen scheiterte an völlig rücksichtslosen Büchern.
„Kaffee?“
„Es ist nicht so, wonach es aussieht!“
„Ein Glas Wein?“
„Eigentlich bin ich auf der Arbeit.“
„Martini?“
„... mit Orangensaft?“
Zwei Schatten. Ein heller Fensterviereck im Hintergrund. Dazu zwei Gläser, eine halbvolle Flasche und eine moderne Gaslaterne. Ein minimalistisches Bild – die Nacht ist ein Künstler und absolut gegen den prahlerischen Expressionismus des Tages: Er verwendet zu viele überflüssige Farben, laute Geräusche und sich wiederholende Motive.
„Die Menschen von heute sind so kaltherzig; ich kann vor seiner Nase tanzen und der schaut von seiner Schreibmaschine nicht mal auf. Klaks-klaks-klaks. Nur am tippen. Natürlich war ich neugierig. Nein, nein, nein, sag nichts. Ich weiß. Ich könnte mich gewiss in die kleine Maschine reinzwängen, doch angenehm ist es nicht, glaub mir. Alle sagen, dies sei der Fortschritt, die Moderne; pfui, sag ich. Früher hörten die Menschen auf mein Flüstern, es war ein höchst intimes Erlebnis... Ich konnte seine Hand führen, langsam, sicher... Es war in meiner Macht zu kommen und zu gehen, wie es mir beliebt; und heute? Bin ich nicht da, so schreiben sie trotzdem ungerührt weiter!“, so flattern die Worte aus dem Munde der leicht angetrunkenen Schöpfung.
Hell, melodisch, doch viel zu überstürzt, als hätte ihr schon lange keiner mehr zugehört.
„Und deshalb die Redaktion?“
„Man muss seinen Feind kennen.“
Es war schwer sich am Flügelansatz zu kratzen, doch mit genügend Erfahrung konnte man sich diese Fähigkeit aneignen. Das Wesen bewies es gerade sehr eindrucksvoll, ließ die Flügel dann aber mutlos hängen. Die Tunika schimmerte nur noch schwach. Die Augen verglommen – ein Tupfer der Traurigkeit auf dem Gemälde der Nacht.
„Denkst du ich sollte mich … modernisieren? Mit der Gesellschaft Schritt halten?“
“Bloß nicht. Die Flügel passen vielleicht nicht in die Schreibmaschine aber sie sind einfach wunderschön.“
„Danke... Hast du noch eine Flasche?“
„Leider nein, die hier gehört eigentlich auch meinem Chef.“
„Schade.“
Eine Schweigeminute zu Ehren des hochwürdigen Herrn Chefs.
Diesmal fing der Mensch als erster an zu sprechen.
Zögerlich. Unsicher. Aber mutwillig und trunken genug um die Wahrheit zu sagen.
„Ich dachte zuerst, du hättest dich nur im Gebäude geirrt – die Bank ist hier gleich um die Ecke.“
„Ich bin hier genau richtig. Und jetzt will ich mal deine Rechtfertigung hören.“
„Und ich habe auf dich gewartet. Bis morgen muss ich die 48. Episode für meinen Fortsetzungsromanen schreiben. 2000 Wörter.“
„Verfluchtundzugenäht! Dann ran an die Feder! … an die Tasten.“
Und gleich sehr viel ruhiger, besonnener.
„Siehst du, ich bin eine lernfähige Muse.“
Das leere Glas wurde mit einem bedeutend klingenden Geräusch abgestellt, über die feuchten Lippen hastig mit dem Handrücken gewischt; die Flügel flatterten schon aufgeregt.
“Und jetzt lass die Tinte fließen, jedes Wort muss töten, denn heute Nacht nehmen wir keine Gefangene.“
no subject
Date: 2010-06-12 06:40 am (UTC)Ich bin immer noch ein wenig am Raten, wie genau die Muse aussieht, aber es war so süß mit dem Martini. *g*
Manchmal, spät nachts, da haben wir uns auch getroffen. Früher, da hab ich auch bis ins halbe Koma noch produzieren können, jetzt nicke ich schon überm Tässchen Tee/Kaffee/Schnaps ein. Hoffentlich kann ich demnächst ein Date mit ihr kriegen. ;_;
no subject
Date: 2010-06-24 12:59 pm (UTC)Danke ^__^ Und die Muse ist schüchtern, sie zeigt ihre Reize nur ungerne und hüllt sich in Schatten - jeder darf sie sich also selbst ausmalen xD
Das hoffe ich auch ._." Stellen wir uns in die Schlange? Kein Wunder, dass die Arme so gervt von uns ist.. aber es immer noch besser, wen man tonnenweise Buchstaben produziert, ohen dass die Muse dabei war <.<" Künstliche Zeugung ohne Funckchen Inspiration tut einem auch nicht gut xD
no subject
Date: 2010-06-24 01:06 pm (UTC)Und die Muse ist dem bestimmt nicht abgeneigt, dass wir uns öfter nach ihr verzehren - ich glaube nämlich nicht, dass sie sich für die Gleichberechtigung begeistern lässt xD
no subject
Date: 2010-06-12 11:50 am (UTC)Ich mag deinen Schreibstil, der ist so poetisch irgendwie~ und die altmodische Muse gefällt mir. Aber der Anfang hat mich auch etwas verwirrt. x3
Ich frage nur, ob eine solche Muse wohl in einen Computer passt. Die sind ja etwas größer als eine Schreibmaschine, wenn man da die Flügel zusammenfaltet... - vielleicht sollte ich unter den Umständen aufhören, die Challenges am Laptop zu schreiben.
no subject
Date: 2010-06-24 01:15 pm (UTC)Danke~ ^__^ In der Schule bin ich einmal über Turgenevs "Gedichte in Prosa" gestolpert und experimentiere seitdem recht genre in dieser Richtung ... bisher nur mit mäßigem Erfolg.. aber der Weg ist das Ziel xDD
Vielleicht sind die Musen seit damals auch etwas gesrumpft um mit der Mode zu gehen? >3
no subject
Date: 2010-06-24 08:44 pm (UTC)Das heißt, die Musen gibt's jetzt im Handtaschenformat? Vielleicht auch für unterwegs?
no subject
Date: 2010-06-14 01:02 pm (UTC)"Der Versuch mit dem nächst besten Bücherregal zu verschmelzen scheiterte an völlig rücksichtslosen Büchern." wird mein Satz des Tages <3
no subject
Date: 2010-06-24 01:09 pm (UTC)Aber ich bin froh, dass ich jemanden ein bisschen glücklicher machen konnte, das ist der alleine verdienst der Muse: wir dienen ihr nur un verdrehen ab und zu die Worte, die sie uns ins Ohr flüstert >3
Danke ^__^v
(PS: Die Bücher sind auch absolut fiese Wesen ò.ó")
no subject
Date: 2010-06-15 09:15 pm (UTC)Gott bist du gut, bist du gut, bist du gut! =D
Oh die Muse ist so niedlich und der Martini und ich liebe, dass zu erst der Tee vorgeschlagen wird. Und
Ach verdammt, was bist du gut. *_____*
no subject
Date: 2010-06-24 01:25 pm (UTC)Und natürlich wird der Tee zuerst angeboten - nur das Beste für die Gäste, und seien sie noch so ungebeten und brechen bei einem mitten in der Nacht ein >3
Oh ja, wir sollten es mit Tintenblut auf unseren Bannern verewigen und zu Ehren der schönen Muse in den Krieg gegen die ungäubigen Leser ziehen! >3
no subject
Date: 2010-06-24 05:12 pm (UTC)- Du siehst, ich kenn das Gefühl und darf ich weiter fangirlen? Ich bin hiermit für den heiligen (Fan)Fictionkrieg!
Man sollte sowas nicht schreiben, wenn die FIngernägel vom Haarefärben bei der Schwester noch blutrot sind.